Fakten (kompakt)
- Die chemische Zusammensetzung umfasst bioaktive Verbindungen wie Terpinen-4-ol und Sabinen, die antioxidative Eigenschaften besitzen. - Im antiken Griechenland wurde die Pflanze mythologisch mit der Göttin Aphrodite in Verbindung gebracht. - Bereits im alten Ägypten nutzte man das Kraut zur Desinfektion sowie zur Konservierung von Lebensmitteln.[6] - Historische medizinische Anwendungen um 500–400 v. Chr. zielten auf Atemwegserkrankungen und Verdauungsstörungen ab. - In mittelalterlichen Gärten wurde Majoran als Mittel gegen Koliken und Nervosität kultiviert. - Die taxonomische Klassifizierung ordnet die Art der Ordnung Lamiales und der Klasse Magnoliopsida zu. - Innerhalb der Gattung *Origanum* existieren etwa 40 verschiedene Arten.[6] - Es wird eine Varietät *Origanum majorana* var. *tenuifolium* unterschieden, die durch schmalere Blätter charakterisiert ist. - Die Blütenfarbe variiert spezifisch von Weiß bis zu Rosatönen. - Für die optimale aromatische Potenz wird das Kraut idealerweise vor der Blütezeit geerntet. - Die Pflanze gedeiht als Staude in den USDA-Winterhärtezonen 9 bis 10. - Bodenökologisch bevorzugt die Art neutrale bis alkalische Substrate. - Die gärtnerische Vermehrung ist sowohl über Samen als auch über Stecklinge möglich. - Kulinarisch wird das Gewürz besonders häufig zum Würzen von Lammfleisch und Geflügel verwendet.[6]
Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Origanum majorana* L. und wurde im Jahr 1753 von Carl von Linné in dessen Werk *Species Plantarum* erstbeschrieben. Sie wird der Gattung *Origanum* (Dost) innerhalb der Familie der Lamiaceae (Lippenblütler) zugeordnet.[3][2] Der Gattungsname leitet sich etymologisch aus den altgriechischen Wörtern „oros“ (Berg) und „ganos“ (Freude oder Glanz) ab, was als „Freude der Berge“ übersetzt wird und auf die natürlichen Gebirgsstandorte anspielt. Das Art-Epitheton „majorana“ entstammt latinisierten Formen, deren Ursprung unsicher ist, aber oft mit dem griechischen „amarakos“ oder arabischen Einflüssen in Verbindung gebracht wird. Historisch wurde das Taxon teilweise in eine eigene Gattung gestellt, weshalb Synonyme wie *Majorana hortensis* Moench und *Majorana majorana* (L.) Karst in der Literatur zu finden sind. Moderne phylogenetische Untersuchungen platzieren *Origanum majorana* in die Sektion *Majorana*, wobei *Origanum syriacum* genetisch als direkter Vorfahre gilt.[3] Neben der Nominatform *Origanum majorana* subsp. *majorana* werden Varietäten wie *Origanum majorana* var. *tenuifolium* unterschieden, die durch schmalere Blätter charakterisiert sind. Im englischen Sprachraum sind die Trivialnamen „sweet marjoram“ oder „knotted marjoram“ (wegen der knotigen Blütenstände) gebräuchlich, um die Art vom verwandten Oregano abzugrenzen. Genetisch und morphologisch lässt sich der Majoran klar vom Wilden Majoran (*Origanum vulgare*) unterscheiden, bildet mit diesem jedoch Hybriden wie *Origanum × majoricum*.[3]
Origanum majorana wächst als buschiger, aufrechter Halbstrauch, der typischerweise Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern erreicht.[2][1] Die Stängel sind charakteristisch vierkantig im Querschnitt, weich behaart und weisen oft rötliche oder burgunderfarbene Streifen auf. Während die Pflanze im oberen Bereich krautig bleibt, verholzen die Stängel an der Basis mit der Zeit, was der Pflanze eine kompakte Form verleiht. Das Wurzelsystem ist faserig und flach ausgebildet, was eine Anpassung an gut durchlässige Böden darstellt.[2] Die gegenständig angeordneten Laubblätter besitzen eine ovale bis verkehrteiförmige Form und erreichen eine Länge von 1 bis 3 Zentimetern.[2][1] Eine feine Behaarung bedeckt die graugrüne Blattoberfläche und verleiht ihr eine weiche, samtige Textur. Die Blätter enthalten ätherische Öle, die beim Zerreiben ein Aroma von Kiefer und Zitrus freisetzen. Die kleinen, röhrenförmigen Blüten erscheinen im Sommer in kompakten, knotigen Ähren oder Trugdolden, die bis zu 5 Zentimeter lang werden.[2] Diese Blütenstände entspringen den oberen Stängeln und variieren farblich von Weiß bis zu einem blassen Rosa oder Pink-Lila.[2][1] Die Art ist selbstfertil und bildet nach der Bestäubung Samen aus, die unter günstigen Bedingungen zur Selbstaussaat führen. Zur Abgrenzung gegenüber dem nah verwandten Oregano (*Origanum vulgare*) dienen vor allem die Blattform und das Aroma. Majoran besitzt kleinere, weichere Blätter, die oft an den Zweigspitzen gehäuft sind, während Oregano größere, derbere Blätter entlang der Stängel trägt. Zudem sind die Blütenstände des Majorans meist heller und kompakter als die rosavioletten Blüten des Oreganos. Genetisch weisen beide Arten in der Regel einen diploiden Chromosomensatz von 2n=30 auf. Von Thymian-Arten (*Thymus*) unterscheidet sich *Origanum majorana* durch den höheren Wuchs und die weicheren, weniger stark verholzten Stängel.[2]
Ökologisch fungiert *Origanum majorana* als Nützling, der in Trockengebieten Bestäuber wie Bienen und Schmetterlinge anzieht.[2] Im landwirtschaftlichen Anbau treten jedoch Blattläuse und Spinnmilben als relevante Schädlinge auf, die durch regelmäßige Inspektionen überwacht werden müssen. Ein kritisches Schadbild ist die Wurzelfäule, die primär durch Staunässe in schlecht drainierten Böden entsteht und zum Absterben der Pflanze führt. Zur baulichen Prävention ist daher die Sicherstellung einer hohen Bodendurchlässigkeit, etwa durch Sandbeimischung, unerlässlich. Als biologische Maßnahme im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) hat sich die Mischkultur mit Basilikum bewährt, um Blattläuse abzuschrecken und die Schädlingsresistenz zu erhöhen. Bei festgestelltem Befall kommen physikalisch-chemische Methoden wie der Einsatz von insektiziden Seifen zur Bekämpfung in Betracht. Interessanterweise wird Majoran selbst zur Schädlingsabwehr genutzt: Patente beschreiben die Verwendung von Extrakten in elektrischen Verdampfern als Mückenrepellent oder zur Abwehr von Spinnentieren.[1] Darüber hinaus zeigen Studien aus dem Jahr 2025 das Potenzial von Majoran-Extrakten in der Lebensmittelverpackung, um mikrobiellen Verderb durch Pathogene wie *Escherichia coli* zu verhindern.[2][4] Aus gesundheitlicher Sicht ist Vorsicht geboten, da die Pflanze bei empfindlichen Personen Kontaktallergien auslösen kann. Zudem wird aufgrund der uterusstimulierenden Wirkung von einer medizinischen Anwendung während der Schwangerschaft abgeraten, um das Risiko von Kontraktionen zu vermeiden.[2]