Die wissenschaftliche Bezeichnung der Familie *Mustelidae* leitet sich vom lateinischen Wort *mustela* („Wiesel“) ab und verweist auf die charakteristische, langgestreckte Gestalt vieler Vertreter dieser Gruppe. Die formale Erstbeschreibung als Familiengruppe erfolgte 1817 durch Gotthelf Fischer von Waldheim in seinem Werk *Adversaria zoologica*.[1] Zuvor hatte Carl Linnaeus in der 10. Auflage der *Systema Naturae* (1758) Gattungen wie *Mustela* (Wiesel), *Lutra* (Otter) und *Meles* (Dachse) noch unspezifisch unter den Raubtieren (Carnivora) geführt, ohne eine eigene Familie abzugrenzen. Eine bedeutende historische Systematisierung lieferte Reginald Innes Pocock 1921, der die Familie basierend auf Schädelmerkmalen und der Morphologie der Extremitäten in verschiedene Unterfamilien gliederte.[1] Lange Zeit wurden auch die Skunks als Unterfamilie Mephitinae zu den Mardern gezählt, bis genetische Analysen in den 1990er Jahren ihre Ausgliederung als eigenständige Familie Mephitidae begründeten.[2] Phylogenetisch gelten die Kleinbären (Procyonidae) als Schwestergruppe der Marder, wobei sich die beiden Linien molekularbiologischen Schätzungen zufolge vor etwa 30 Millionen Jahren im Oligozän trennten. Die heutige Systematik unterteilt die Familie in acht Unterfamilien, darunter Lutrinae (Otter), Mustelinae (Wieselartige) und Guloninae (Vielfraßartige), und umfasst etwa 66 rezente Arten in 23 Gattungen.[3] Im Deutschen wird die Familie trivial als Marder bezeichnet, während im englischen Sprachraum der Begriff „mustelids“ oder „weasel family“ gebräuchlich ist.[1][4]
Musteliden zeichnen sich durch einen charakteristischen Körperbau mit langgestrecktem Rumpf, kurzen Gliedmaßen, langem Hals und einer hochflexiblen Wirbelsäule aus, was ihnen die Fortbewegung in engen Bauen oder Gewässern erleichtert. Die Körpergröße variiert innerhalb der Familie extrem, vom winzigen Mauswiesel (*Mustela nivalis*) mit 11–26 cm Gesamtlänge und 25–70 g Gewicht bis zum Seeotter (*Enhydra lutris*), der bis zu 1,4 m lang und 45 kg schwer werden kann. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus ist typisch, wobei Männchen in linearen Dimensionen und Masse meist 10–30 % größer sind als Weibchen. Das Fell besteht aus einer dichten Unterwolle zur Isolation, die von längeren, gröberen Grannenhaaren überdeckt wird. Bei semi-aquatischen Arten wie Ottern wirken diese Grannenhaare wasserabweisend, um Auftrieb und Trockenheit zu gewährleisten. Das Gebiss ist primär an eine karnivore Ernährung angepasst und verfügt über gut entwickelte Reißzähne (Karnassiale), die wie Scheren wirken, um Fleisch zu zerteilen. Bei omnivoren Vertretern wie Dachsen sind die Molaren hingegen vergrößert, um harte Nahrung wie Insekten oder Wurzeln zu zermahlen. Zur Wahrnehmung bei schlechten Lichtverhältnissen besitzen Musteliden ein *Tapetum lucidum* hinter der Netzhaut sowie hochsensible Vibrissen (Schnurrhaare), die als taktile Sensoren dienen. Die Gliedmaßen zeigen artspezifische Anpassungen, wie Schwimmhäute bei Ottern oder robuste Grabkrallen bei fossorialen Dachsen. Baumbewohnende Marderarten besitzen scharfe, gebogene Krallen zum Klettern, während der Vielfraß (*Gulo gulo*) frostresistente, ölige Pfotenbehaarung aufweist, die Feuchtigkeit abweist. Ein prominentes Bestimmungsmerkmal sind die paarigen Analdrüsen, die starke, geruchsintensive Sekrete zur Verteidigung und Reviermarkierung produzieren. Die Jungtiere kommen als Nesthocker zur Welt und sind bei der Geburt blind, haarlos und vollständig von der mütterlichen Fürsorge abhängig.[1]
Die ökologische und ökonomische Bedeutung der *Mustelidae* ist ambivalent, da sie einerseits als Nützlinge Nagetierpopulationen regulieren, andererseits aber als Materialschädlinge und invasive Bedrohung auftreten.[1][3] In menschlichen Siedlungsräumen verursachen Marderarten erhebliche Sachschäden an Kraftfahrzeugen, indem sie Kabel, Schläuche und Dämmmaterialien in Motorräumen zerbeißen.[1] Invasive Vertreter wie der Amerikanische Nerz (*Neovison vison*) dezimieren durch Prädation massiv native Arten wie die Schermaus (*Arvicola terrestris*) und bodenbrütende Vögel.[2] Gesundheitlich relevant sind Musteliden als Vektoren und Reservoire für Krankheiten; so sind Schwarzfußiltisse (*Mustela nigripes*) hochgradig anfällig für die Sylvatische Pest (*Yersinia pestis*).[7] Zudem dienen Frettchen (*Mustela putorius furo*) aufgrund ihrer physiologischen Ähnlichkeit zum Menschen als wichtige Modellorganismen in der Erforschung von Influenza-A-Viren und SARS-CoV-2.[3][4] Ein Befall lässt sich typischerweise durch Kotplätze (Latrinen), Kratzgeräusche in Dachböden sowie starke Geruchsmarkierungen durch Analdrüsensekrete identifizieren.[9][1] Zur Prävention und Abwehr kommen mechanische Barrieren wie Schutzumhüllungen für Kabel zum Einsatz, die bei Bisskontakt aversive Geschmacksstoffe freisetzen. Technische Vergrämungsmaßnahmen nutzen die Lichtscheu der Tiere durch dauerhafte Beleuchtung von Hohlräumen oder setzen auf Hochspannungsgeräte mit Kontaktplatten zur Abschreckung. Neuere Entwicklungen umfassen energieautarke Systeme, die den für den Stromschlag nötigen Impuls piezoelektrisch direkt aus der mechanischen Arbeit des Bisses gewinnen. Chemische Repellents werden zunehmend in hitzestabilen Polymermatrizen gebunden, um auch in warmen Motorräumen eine langanhaltende Wirkung zu gewährleisten.[1] Das Monitoring von Beständen erfolgt wissenschaftlich präzise mittels Kamerafallen und genetischen Analysen, um Populationsdichten auch in renaturierten Gebieten zu erfassen.[3] Rechtlich unterliegen Bekämpfungsmaßnahmen strengen Auflagen, da viele Arten wie der Fischotter (*Lutra lutra*) international geschützt sind und der Handel durch CITES reglementiert wird.[6][1] Die historische Nutzung als Pelzlieferant ist durch Tierschutzkampagnen und gesetzliche Verbote von Pelzfarmen in Ländern wie Frankreich und Italien stark zurückgegangen.[4]