Zu Inhalt springen

Mehlkäfer Tenebrio molitor

Mehlkäfer
Mittleres Risiko Allergen Lästling Kann beißen Physische Gefahr

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Käfer (Coleoptera)
Familie Tenebrionidae
Gattung Tenebrio
Art Tenebrio molitor
Wissenschaftlicher Name: Tenebrio molitor Linnaeus, 1758
Akzeptierter Name
Mehr auf GBIF.org

Einleitung

Der **Mehlkäfer** (*Tenebrio molitor*) ist eine Insektenart aus der Familie der Schwarzkäfer ([Tenebrionidae](/pages/lexikon/schwarzkafer)), deren Larvenstadium gemeinhin als Mehlwurm bekannt ist.[1][2] Ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum beheimatet, tritt die Art weltweit als Vorratsschädling in Getreideprodukten auf, wird jedoch aufgrund ihres Nährstoffprofils zunehmend als Futtermittel und in der Europäischen Union zugelassenes Lebensmittel genutzt.[3][1] Von dem nah verwandten *Tenebrio obscurus* lässt sich die Art durch die hellere, goldbraune Färbung der Larven abgrenzen.[4]

Fakten (kompakt)

Hier sind einige Fakten über den Mehlkäfer (*Tenebrio molitor*) in kompakter Form: - Der Mehlkäfer ist das Larvenstadium des Dunkelkäfers *Tenebrio molitor*. - *Tenebrio molitor* gehört zur Familie der [Tenebrionidae](/pages/lexikon/schwarzkafer) innerhalb der Ordnung [Coleoptera](/pages/lexikon/kafer) (Käfer). - Die Larven sind zylindrisch, haben einen harten Körper und ähneln [Maden](/pages/lexikon/maden). - Mehlwürmer werden typischerweise 2–3 cm lang. - Sie haben sechs kurze Beine hinter dem Kopf. - *Tenebrio molitor* stammt ursprünglich aus gemäßigten Regionen. - Mehlwürmer kommen oft unter [Steinen](/pages/lexikon/lebende-steine), Baumstämmen, in Laubstreu oder in gelagertem Getreide vor. - Sie durchlaufen eine vollständige Metamorphose mit den Stadien Ei, Larve, Puppe und Adult. - Die Larven entwickeln sich schnell und erreichen die Reife in 2–3 Monaten. - Sie haben hohe Überlebensraten von bis zu 98,8 %. - Mehlwürmer sind eine Proteinquelle, die 36,8–75,1 % Rohprotein enthält (bezogen auf Trockenmasse). - Sie enthalten auch 19,1–32,2 % Rohfett (bezogen auf Trockenmasse). - Zu den essentiellen Aminosäuren gehören Leucin, Valin und Lysin. - Mehlwürmer enthalten mehrfach ungesättigte Fettsäuren wie Linolsäure (11,5–48,1 %). - Sie enthalten Mineralien wie Phosphor (bis zu 1,0 %), Calcium (0,5 %) und Zink (117,4 mg/kg). - Getrocknete Mehlwürmer wurden im Juni 2021 in der Europäischen Union als neuartige Lebensmittel zugelassen. - Sie können zur Herstellung von Brot (bis zu 15 % Substitution), Keksen (bis zu 20 %), Burgern, Würstchen, Saucen, Pasta, Käse und sogar Eiscreme verwendet werden. - Der Gattungsname *Tenebrio* stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „einer, der das Licht scheut“.[1] - Häufige Namen für *T. molitor* sind Gelber Mehlwurm und Dunkelkäfer. - Die Larven durchlaufen 9-20 Häutungen. - Die optimale Temperatur für das Wachstum liegt bei 25-28°C. - Die ideale Temperatur für die Fortpflanzung liegt zwischen 25°C und 30°C.[1]

Namen & Einordnung (kurz)

Der Mehlkäfer trägt den wissenschaftlichen Namen *Tenebrio molitor* Linnaeus, 1758. Die Art wird der Familie der Schwarzkäfer ([Tenebrionidae](/pages/lexikon/schwarzkafer)) zugeordnet.[3] Der Gattungsname *Tenebrio* leitet sich vom lateinischen Begriff *tenebriō* ab, was „Lichtscheuer“ oder „Liebhaber der Dunkelheit“ bedeutet. Ein historisches Synonym ist *Tenebrio laticollis*, wobei die Art taxonomisch vom nah verwandten *Tenebrio obscurus* unterschieden wird.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der adulte *Tenebrio molitor* besitzt einen länglich-ovalen Körperbau und erreicht typischerweise eine Länge von 1,25 bis 1,8 cm. Sein glänzendes Exoskelett weist eine dunkelbraune bis schwarze Färbung auf. Zu den zentralen Bestimmungsmerkmalen zählen die leicht gekeulten, elfgliedrigen Antennen sowie die prominenten Komplexaugen.[1] Die Flügeldecken sind verwachsen und bedecken reduzierte Hinterflügel, was die Flugfähigkeit in Gefangenschaft einschränkt, obwohl die anatomischen Voraussetzungen bestehen.[3] Die als Mehlwurm bekannte Larve ist zylindrisch geformt, hartschalig und misst in der Regel 2 bis 3 cm, kann jedoch bei nährstoffreicher Diät bis zu 3,5 cm lang werden. Ihre Färbung reicht von Hellgelb bis Goldbraun, wobei die zehn sichtbaren Abdominalsegmente oft dunklere Bänder aufweisen. Am vorderen Körperabschnitt befinden sich drei Paare gegliederter Brustbeine, während der hintere Körperteil bei der Fortbewegung oft nachgezogen wird. Das Puppenstadium zeichnet sich durch eine cremeweiße bis gelbliche Färbung und eine Länge von etwa 1,5 cm aus.[1] Es handelt sich um eine freie Puppe, bei der Beine, Flügelanlagen und Antennen bereits erkennbar und nicht mit dem Körper verklebt sind.[3] Zur Abgrenzung gegenüber der verwandten Art *Tenebrio obscurus* dient vor allem die Färbung der Larven, da diese bei *T. obscurus* deutlich dunkler erscheinen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Mehlkäfer (*Tenebrio molitor*) ist weltweit verbreitet und tritt primär in anthropogenen Lebensräumen wie Getreidelagern oder landwirtschaftlichen Betrieben auf.[3] Die Larven fressen an Vorräten wie Weizen, Mais und Mehl, wodurch direkte Materialschäden an den Waren entstehen. Ein wesentliches Problem stellt die indirekte Qualitätsminderung durch Verunreinigungen mit Kot (Frass), Häutungsresten und Körperteilen dar. Diese Kontaminationen führen in der getreideverarbeitenden Industrie zu signifikanten ökonomischen Verlusten und erfordern oft die Entsorgung der betroffenen Produkte.[4] Zudem können pathogene Keime wie *Salmonella* enterica bis zu 14 Tage in den Aufzuchtsubstraten überleben, was ein Hygienerisiko darstellt.[1] Zur Prävention sind strikte sanitäre Maßnahmen und ein kontinuierliches Monitoring in Lagereinrichtungen unerlässlich. Im häuslichen Umfeld verhindert die Lagerung in versiegelten Behältern, dass entkommene Tiere dauerhafte Populationen in Vorratskammern etablieren.[4] Eine Bekämpfung durch Temperaturbehandlung ist effektiv möglich, da bei Hitze über 40 °C die Eier ihre Lebensfähigkeit verlieren und nicht mehr schlüpfen.[3] Als biologische Gegenspieler fungieren entomopathogene [Nematoden](/pages/lexikon/nematoden) (z. B. der Gattung *Oscheius*), die in Feldstudien Infektionsraten von bis zu 16 % bei den Larven verursachten.[6]

Biologie & Lebenszyklus

Der Mehlkäfer (*Tenebrio molitor*) durchläuft eine holometabole Entwicklung mit den vier Stadien Ei, Larve, Puppe und erwachsener [Käfer](/pages/lexikon/kafer). Die Gesamtdauer des Lebenszyklus variiert stark in Abhängigkeit von Umweltbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit und reicht von 3 bis 12 Monaten. Weibchen legen klebrige, bohnenförmige Eier einzeln oder in kleinen Gruppen direkt in das Nährsubstrat, aus denen nach etwa 4 bis 19 Tagen die Larven schlüpfen.[3] Die Larvenphase stellt den längsten Entwicklungsabschnitt dar und dauert typischerweise 3 bis 10 Monate, wobei die Tiere 9 bis 20 Larvenstadien durchlaufen.[1] Diese omnivoren Larven ernähren sich vorwiegend von Getreideprodukten wie Weizenkleie, nehmen aber zur Flüssigkeitsversorgung auch Gemüse sowie gelegentlich tierisches Material auf.[3][1] Das Wachstum verläuft am effizientesten bei Temperaturen zwischen 25 und 28 °C, während sich die Entwicklung unterhalb von 20 °C deutlich verlangsamt. Das anschließende Puppenstadium dauert etwa 5 bis 20 Tage und ist durch Unbeweglichkeit sowie fehlende Nahrungsaufnahme gekennzeichnet.[3] Nach der Metamorphose schlüpfen die adulten Käfer, die etwa 2 bis 3 Monate leben und deren Hauptaktivität in der Fortpflanzung liegt.[3][1] Ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens zwischen 250 und 500 Eier produzieren, wobei die Eiablage bevorzugt in nährstoffreichen Substraten erfolgt.[1] Obwohl die adulten Käfer Flügel besitzen, sind sie in Gefangenschaft weitgehend flugunfähig und zeigen ein nachtaktives Verhalten.[3][1]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Sonneneck, Hauzenberg, Bayern, Deutschland

    05.11.2025

  • Deutschland

    08.10.2025

  • Deutschland

    11.09.2025

  • Deutschland

    23.08.2025

  • Deutschland

    23.08.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Ursprünglich im östlichen Mittelmeerraum beheimatet, hat sich *Tenebrio molitor* durch menschlichen Handel weltweit verbreitet und gilt heute als Kosmopolit. Die Art ist in Europa, Asien, Australien sowie Nordamerika etabliert, fehlt jedoch in extrem nördlichen Gebieten wie Alaska. In natürlichen Umgebungen bevorzugen die [Käfer](/pages/lexikon/kafer) dunkle, feuchte Mikrohabitate wie Laubstreu, Vogelnester oder Bereiche unter der Rinde toter Bäume. Überwiegend tritt die Spezies jedoch synanthrop in menschlichen Siedlungsbereichen auf, insbesondere in Getreidelagern, landwirtschaftlichen Betrieben und Vorratskammern.[3] Innerhalb von Gebäuden werden oft dunkle Rückzugsorte besiedelt, wo gelagerte Getreideprodukte als Nahrung dienen.[4] Für die Entwicklung sind Temperaturen zwischen 15 °C und 35 °C sowie eine relative Luftfeuchtigkeit von 60–75 % ideal.[3] Als Detritivoren spielen die Larven zudem eine wichtige Rolle beim Abbau organischen Materials im Boden und in der Streuschicht.[1]

Saisonalität & Aktivität

Das öffentliche Interesse an *Tenebrio molitor* zeigt in Deutschland einen deutlichen saisonalen Trend, wobei die Suchanfragen in den Sommermonaten Juni und Juli ihre Höchstwerte erreichen. Im Gegensatz dazu fällt die Aufmerksamkeit in den Wintermonaten Dezember und Januar auf das jährliche Minimum ab.[5] Diese Beobachtungen korrelieren mit der biologischen Aktivität der Art, deren Entwicklungsrate stark temperaturabhängig ist und bei 25 bis 28 °C ihr Optimum erreicht.[1] Bei kühleren Bedingungen unter 20 °C verlangsamt sich das Wachstum signifikant, während die Larven unter Stressfaktoren wie Wassermangel in einen Diapause-ähnlichen Ruhezustand übergehen können.[3] Der gesamte Lebenszyklus variiert je nach Umweltbedingungen zwischen 3 und 12 Monaten, wobei die Larvenphase den längsten Zeitraum einnimmt.[4] Sowohl die Larven als auch die adulten [Käfer](/pages/lexikon/kafer) sind vorwiegend nachtaktiv und zeigen eine negative Phototaxis, indem sie sich tagsüber im Substrat verbergen.[1] Die adulten Käfer besitzen eine Lebensspanne von 2 bis 3 Monaten, in der die Fortpflanzung im Vordergrund steht.[4]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-110616227-A Biological Unbekannt

Gen, rekombinanter Expressionsvektor, technischer Stamm und Anwendung eines Frostschutzproteins aus Tenebrio molitor

University of Tianjin Science & Technology (2019)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt die Isolierung und gentechnische Nutzung des Gens für das Frostschutzprotein AAD55256.1 aus dem Mehlkäfer. Durch Expression in Escherichia coli wird ein lösliches Protein mit Frostschutzaktivität gewonnen. Die Innovation liegt in der Bereitstellung dieses Proteins für wissenschaftliche Forschung und kommerzielle Anwendungen, wie etwa Kryokonservierung. Es liefert zudem biologische Erkenntnisse über die Kälteresistenz des Insekts.

CN-108419807-B Behavioral Erteilt

Lockstoff für Tenebrio molitor und dessen Anwendung

(2018)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Das Patent identifiziert Beta-Caryophyllen als wirksamen Lockstoff für Mehlkäferlarven. Diese flüchtige Substanz, isoliert aus einem Pilz, zieht die Vorratsschädlinge spezifisch an. Die Erfindung beschreibt die Anwendung zum Anlocken, Überwachen (Monitoring) und Töten der Schädlinge in Getreidelagern. Es handelt sich um eine direkte und spezifische Bekämpfungsmethode basierend auf Verhaltensmanipulation.

KR-102002251-B1 Biological Erteilt

Aus Tenebrio molitor Mehlwurm isolierter Lactobacillus curvatus JIF001 und diesen enthaltende Futtermittel

Jeonbuk Bioindustry Development Institute (2018)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Die Erfindung betrifft den Bakterienstamm Lactobacillus curvatus JIF001, der spezifisch aus dem Darm von Mehlkäferlarven isoliert wurde. Dieser Stamm weist eine hohe Säure- und Gallenresistenz sowie Protease-Aktivität auf. Er wird als probiotischer Zusatz in Futter- und Lebensmitteln verwendet. Das Patent bietet Einblicke in das Mikrobiom des Schädlings, zielt aber auf dessen Nutzung ab.

Quellen & Referenzen

  1. https://mdc.mo.gov/discover-nature/field-guide/darkling-beetles-tenebrionids
  2. https://species.nbnatlas.org/species/NBNSYS0000024850
  3. https://www.cabidigitallibrary.org/doi/full/10.1079/cabicompendium.53231
  4. https://extension.psu.edu/dark-and-yellow-mealworms
  5. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert)
  6. https://www.mdpi.com/2075-4450/13/4/321