Die Unterklasse *Acari* (Milben) gehört zur Klasse der Spinnentiere (*Arachnida*) und umfasst eine enorm diverse Gruppe mikroskopisch kleiner Arthropoden, die traditionell in zwei Überordnungen unterteilt wird: die *Acariformes* (Actinotrichida) und die *Parasitiformes* (Anactinotrichida). Zu den *Acariformes* zählen die Ordnungen Trombidiformes, Sarcoptiformes (inklusive der Hornmilben *Oribatida* und Astigmatina) sowie die basalen Endeostigmata.[1] Die *Parasitiformes* beinhalten die Mesostigmata, die Ixodida (Zecken), die primitiven Opilioacarida sowie die Holothyrida. Mit rund 48.000 beschriebenen Arten (Stand 2025) und Schätzungen von bis zu einer Million Spezies stellen sie einen wesentlichen Teil der Arachniden-Diversität dar.[1] Neuere phylogenomische Studien stellen die Monophylie der *Acari* jedoch in Frage und deuten darauf hin, dass es sich um eine künstliche Gruppierung handeln könnte, da *Parasitiformes* möglicherweise enger mit den Pfeilschwanzkrebsen (*Xiphosura*) verwandt sind als mit den *Acariformes*.[2][3] Diese taxonomische Debatte wird durch molekularbiologische Revisionen ergänzt, die in den 2010er Jahren die Endeostigmata als eigenständige basale Linie innerhalb der *Sarcoptiformes* bestätigten.[3] Der fossile Nachweis der Gruppe reicht bis in das frühe Devon vor etwa 410 Millionen Jahren zurück (Rhynie Chert), wobei die ältesten eindeutigen Funde, wie *Triasacarus fedelei*, aus Bernsteineinschlüssen der späten Trias stammen. Diagnostische Merkmale zur Unterscheidung der Großgruppen konzentrieren sich oft auf das Gnathosoma (Mundwerkzeugbereich), das bei *Parasitiformes* robust artikuliert ist, während es bei *Acariformes* stärker integriert erscheint.[1]
Milben sind mikroskopisch kleine Spinnentiere, deren Körperlänge meist zwischen 0,08 und 1 mm liegt, wobei Zecken und Samtmilben bis zu 10–20 mm erreichen können. Ihr Körperbau gliedert sich charakteristisch in zwei Tagmata: das vordere Gnathosoma (Capitulum) mit den Mundwerkzeugen und das hintere Idiosoma, das die Beine trägt und keine sichtbare Segmentierung aufweist. Das Gnathosoma trägt die Cheliceren, die je nach Ernährungsweise als stechende, saugende oder beißende Werkzeuge ausgebildet sind, sowie die sensorischen Pedipalpen. Antennen fehlen gänzlich, was sie von Insekten unterscheidet.[1] Das Idiosoma ist oft oval bis länglich geformt und von einer dünnen, flexiblen Cuticula umhüllt, die feine Riefen zur Dehnbarkeit aufweisen kann. Bei Gruppen wie den Hornmilben (*Oribatida*) schützen verhärtete Sklerite wie das Prodorsalschild den Körper panzerartig. Adulte Tiere besitzen in der Regel vier Beinpaare, die in Coxa, Trochanter, Femur, Genu, Tibia und Tarsus unterteilt sind. An den Tarsusspitzen befinden sich oft Empodien oder Ambulacra (Krallen und Haftlappen), die das Klettern auf glatten Oberflächen oder Wirtshaut ermöglichen.[4] Ein Sexualdimorphismus ist häufig ausgeprägt; so besitzen männliche Gamasiden oft modifizierte Cheliceren (Spermatodactyl) zur Spermienübertragung, während weibliche Zecken für die Blutaufnahme dehnbare Körperpartien aufweisen. Der Lebenszyklus beginnt mit einer hexapoden Larve, die nur drei Beinpaare besitzt und sich morphologisch von den achtbeinigen Nymphalstadien und Adulten unterscheidet. Es folgen bis zu drei Nymphenstadien (Proto-, Deuto-, Tritonymphe), wobei bei Astigmata die Deutonymphe als heteromorphes Dauerstadium (Hypopus) zur Verbreitung ausgebildet sein kann.[1] Die Eier werden oft an geschützten Orten abgelegt, wie etwa in Gespinsten auf Blattunterseiten bei Spinnmilben.[4] Von anderen Spinnentieren lassen sich Milben primär durch die Verschmelzung der Abdominalsegmente und die Integration der Mundwerkzeuge in das vorstehende Gnathosoma abgrenzen.[1]
Die Gruppe der *Acari* umfasst sowohl bedeutende Agrarschädlinge und Krankheitsüberträger als auch essenzielle Nützlinge für die biologische Schädlingsbekämpfung.[1] In der Landwirtschaft verursachen Spinnmilben wie *Tetranychus urticae* durch das Anstechen von Pflanzenzellen typische Sprenkelungen und Ertragsverluste von bis zu 30 % bei Kulturen wie Erdbeeren.[3] Vorratsschädlinge wie die Mehlmilbe *Acarus siro* befallen gelagertes Getreide, was zu Verderb, Pilzbegünstigung und ökonomischen Einbußen in der Lebensmittelindustrie führt.[1] Medizinisch relevant sind Hausstaubmilben der Gattung *Dermatophagoides*, deren Kotballen Allergien wie Asthma auslösen, sowie *Sarcoptes scabiei*, der Erreger der Krätze.[3][1] Zudem fungieren Zecken und Laufmilben als Vektoren für Pathogene, darunter die Erreger der Lyme-Borreliose oder des Tsutsugamushi-Fiebers.[1] Im veterinärmedizinischen Bereich schwächt die parasitäre Milbe *Varroa destructor* Honigbienenvölker durch die Übertragung von Viren, was ein striktes Monitoring erfordert.[7] Zur Befallsüberwachung nutzen Imker Methoden wie Puderzucker-Shakes oder Alkoholwaschungen, wobei Befallsraten über 2 % eine sofortige Behandlung indizieren.[2] Im Pflanzenschutz steuern Schadschwellen, beispielsweise 5–10 Milben pro Blatt im Tomatenanbau, den gezielten Einsatz von Bekämpfungsmaßnahmen im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM).[9] Die biologische Kontrolle setzt auf den Einsatz von Raubmilben wie *Phytoseiulus persimilis*, die bei einem Räuber-Beute-Verhältnis von 1:5 bis 1:10 Spinnmilbenpopulationen effektiv dezimieren können.[4] Chemische Interventionen mittels Akariziden werden durch schnelle Resistenzbildung, etwa gegen Pyrethroide, erschwert.[1] Neuere patentierte Ansätze kombinieren daher Wirkstoffe oder nutzen Zusätze wie Mono- und Disaccharide, um die Wirksamkeit gegen resistente Stämme zu erhöhen.[4] Abseits der Schädlingsrolle dienen Hornmilben (*Oribatida*) als wichtige Bioindikatoren für Bodengesundheit und unterstützen Nährstoffkreisläufe.[3]