Fakten (kompakt)
- Die sechs landwirtschaftlich bedeutendsten Arten bilden das sogenannte "U-Dreieck", welches ihre evolutionären Verwandtschaftsverhältnisse durch Hybridisierung und Polyploidie veranschaulicht. - Zu dieser Gruppe gehören neben *Brassica rapa* (Pak Choi) auch *Brassica nigra* (Schwarzer Senf), *Brassica oleracea* (Gemüsekohl), *Brassica juncea* (Indischer Senf), *Brassica napus* (Raps) und *Brassica carinata*. - Die Gattung ist eng mit der Modellpflanze *Arabidopsis thaliana* verwandt, was genomische Forschungen zur Evolution und Polyploidie innerhalb der Familie erleichtert. - Ernährungsphysiologisch zeichnen sich die Pflanzen durch den Gehalt an Vitamin C, Vitamin K, Ballaststoffen und Antioxidantien aus. - Die Früchte sind als 1 bis 10 cm lange, aufspringende Schoten (Siliquen) ausgebildet, die zahlreiche Samen enthalten. - Innerhalb der Blüte befinden sich Nektardrüsen, die seitlich der Staubfäden angeordnet sind. - Zur Erhaltung der genetischen Vielfalt lagert das USDA-Brassica-Repository über 2.100 Akzessionen für Züchtungszwecke.[7]
Die Gattung *Brassica* wurde im Jahr 1753 von Carl Linnaeus in seinem Werk *Species Plantarum* erstbeschrieben und umfasst heute, je nach taxonomischer Auffassung, etwa 37 bis 41 akzeptierte Arten.[1][3] Der wissenschaftliche Gattungsname leitet sich vom klassischen Latein ab, wo *brassica* bereits bei Plinius dem Älteren Verwendung fand; etymologische Theorien verweisen auf das keltische Wort *bresic* für Kohl oder das lateinische *vorare* (verschlingen). Das Epitheton der Art *Brassica rapa*, zu der Pak Choi zählt, entstammt dem lateinischen *rapum* (Rübe) und ist kognat zum griechischen *rháphe*. Taxonomisch wird die Gattung in die Familie der Brassicaceae (Kreuzblütler, früher Cruciferae) und die Tribus Brassiceae eingeordnet.[1] Historisch wurden diverse Arten aufgrund phylogenetischer Erkenntnisse aus der Gattung ausgegliedert; so wird *Brassica kaber* heute oft der Gattung *Sinapis* und *Brassica adpressa* der Gattung *Hirschfeldia* zugeordnet.[4][3] Ein bedeutendes historisches Synonym ist *Brassica campestris*, das ursprünglich von Linnaeus geführt wurde, heute jedoch als Synonym für *Brassica rapa* gilt. Im Deutschen trägt die Gattung den Trivialnamen Kohl.[1] Internationale Bezeichnungen für *B. rapa*-Varietäten umfassen das englische 'Chinese cabbage' sowie 'Bok Choy' und 'Pak Choi', wobei letztere Begriffe die kantonesische Aussprache widerspiegeln und oft spezifisch für die löffelblättrigen Formen verwendet werden.[2] In China ist zudem die Bezeichnung 'bai cai' (weißes Gemüse) verbreitet, während der englische Sammelbegriff 'cole' etymologisch auf das lateinische *caulis* (Stängel) zurückgeht.[2][1]
Die Vertreter der Gattung *Brassica* wachsen primär als ein- oder zweijährige, seltener ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von 0,3 bis 2 Metern erreichen. Sie bilden ein Pfahlwurzelsystem aus und besitzen aufrechte, oft verzweigte Stängel, die häufig eine wachsartige, blaugrüne (glauke) Bereifung aufweisen. Die wechselständig angeordneten Laubblätter variieren von einfachen und ganzrandigen bis hin zu fiederspaltigen oder leierförmigen Formen. Bei vielen Arten, einschließlich der zu *Brassica rapa* zählenden Varietäten wie Pak Choi, bildet sich im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette. Pak Choi zeichnet sich spezifisch durch gestielte Blattbüschel mit löffelförmigen Blättern aus, während die Stängelblätter oft sitzend sind und eine geöhrte Basis besitzen. Der Blütenstand besteht aus end- oder seitenständigen Trauben, die sich während der Blütezeit verlängern. Die zwittrigen Blüten zeigen den charakteristischen kreuzförmigen Aufbau mit vier aufrechten Kelchblättern und vier gelben, seltener weißen Kronblättern. Das Androeceum umfasst sechs tetradynamische Staubblätter, wobei vier längere äußere und zwei kürzere innere Filamente sowie seitliche Nektardrüsen vorhanden sind. Nach der Bestäubung entwickeln sich 1 bis 10 cm lange, zweiklappige Schoten (Siliquen), die bei Reife aufspringen. Jede Schote enthält 10 bis 40 kleine, kugelige bis eiförmige Samen mit einem Durchmesser von 1 bis 2 mm. Zur Unterscheidung der kultivierten Arten dient oft die Chromosomenzahl: *Brassica rapa* (2n=20) unterscheidet sich genetisch von *Brassica oleracea* (2n=18) und *Brassica nigra* (2n=16). Morphologisch grenzt sich beispielsweise *Brassica napus* durch meist kahle Stängel ab, während *Brassica juncea* oft blassgelbe Blüten aufweist.[4]
Die Gattung *Brassica* umfasst primär wirtschaftlich bedeutende Gemüse- und Ölpflanzen, wobei einige wildlebende Arten wie *Brassica tournefortii* in Regionen wie den USA und Australien als invasive Unkräuter auftreten.[1] Im Anbau verursachen Schädlinge wie Blattläuse und die Aschgraue Höckereule (*Trichoplusia ni*) sowie Krankheiten wie die Schwarzadrigkeit (*Xanthomonas campestris*) erhebliche Ertragsverluste. Besonders problematisch ist die bodenbürtige Kohlhernie (*Plasmodiophora brassicae*), die das Wurzelsystem deformiert und deren Erreger lange im Boden überdauert. Gesundheitlich relevant sind die enthaltenen Glucosinolate, die zwar antioxidativ wirken, bei übermäßigem rohen Verzehr jedoch goitrogene Effekte auf die Schilddrüsenfunktion haben können.[4] Als wichtigste präventive Maßnahme gegen Kohlhernie gilt eine weite Fruchtfolge mit Anbaupausen von vier bis sieben Jahren zu anderen Kreuzblütlern.[2] Hygienische Standards wie die Verwendung von zertifiziertem, krankheitsfreiem Saatgut und die Vermeidung von Überkopfberegnung reduzieren die Ausbreitung bakterieller Infektionen.[1] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) kommen Kulturschutznetze zur physischen Abwehr und die Förderung von Nützlingen wie Marienkäfern gegen Blattläuse zum Einsatz. Neuartige biologische Bekämpfungsansätze nutzen Kernpolyederviren gegen die Kohleule (*Mamestra brassicae*), deren Stabilität durch Zusätze wie Polyglutaminsäure erhöht wird. Biotechnologische Forschung entwickelt zudem siRNA-Methoden, die gezielt Gene des Kohlhernie-Erregers blockieren, um die Gallenbildung an den Wurzeln zu hemmen. Gegen Pilzkrankheiten wie den Falschen Mehltau werden alternativ botanische Präparate auf Basis von Pflanzenextrakten eingesetzt, um den Einsatz synthetischer Fungizide zu verringern. Umgekehrt nutzen Landwirte *Brassica*-Bestände zur Biofumigation, indem zerkleinerte Pflanzenteile in den Boden eingearbeitet werden, um durch freigesetzte Isothiocyanate Nematoden und Bodenpilze abzutöten. Speziell bei *Brassica chinensis* (Pak Choi) ermöglichen innovative Wurzelbehandlungen mit Chelat-Calcium die Reduktion der Cadmiumaufnahme aus belasteten Böden um über 70 %.[2]