Fakten (kompakt)
- Die somatische Chromosomenzahl von *Petroselinum crispum* beträgt 2n=22. - Phylogenetisch wird die Art im modernen APG-IV-System den Eudikotyledonen innerhalb der Asteriden-Klade zugeordnet. - Zu den evolutionären Merkmalen zählen synkarpe Gynoeceen (verwachsenblättrige Fruchtknoten) und die Ausbildung von Spaltfrüchten. - Die Familie der Apiaceae umfasst insgesamt etwa 3.700 Arten, darunter nahe Verwandte wie die Karotte (*Daucus carota*) und der Sellerie (*Apium graveolens*). - Die Kultivierung der Pflanze lässt sich historisch über einen Zeitraum von mehr als 2.000 Jahren belegen. - Ernährungsphysiologisch liefert die Pflanze nennenswerte Mengen der Vitamine A, C und K. - Phytochemische Analysen weisen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften nach. - Traditionelle Anwendungen fokussieren sich auf die Nierengesundheit und die Förderung der Verdauung, wobei die klinische Wirksamkeit teils noch untersucht wird. - Die Vermehrung erfolgt über Samen, die sich durch einen langsamen Keimungsprozess charakterisieren.[6] - Der englische Trivialname „parsley“ etablierte sich im späten 14. Jahrhundert über das Altenglische *petersilie* und das Altfranzösische *persil*.[6]
Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Petersilie lautet *Petroselinum crispum* (Mill.) Fuss, womit die Art taxonomisch der Familie der Doldenblütler (Apiaceae) zugeordnet ist.[3][2] Das Basionym *Apium crispum* wurde ursprünglich im Jahr 1768 von dem britischen Botaniker Philip Miller beschrieben.[1] Im 19. Jahrhundert erfolgte die Umstellung in die monotypische Gattung *Petroselinum* durch Autoren wie Heinrich Fuss oder Ignaz Friedrich Tausch, um die Art aufgrund ihrer morphologischen Merkmale und Habitatansprüche von der Gattung *Apium* abzugrenzen.[1] Etymologisch leitet sich der Gattungsname aus den altgriechischen Wörtern *petros* (Fels) und *selinon* (Sellerie) ab, was auf das natürliche Vorkommen der Wildformen in felsigen Küstenregionen verweist.[1][2] Das Art-Epitheton *crispum* entstammt dem Lateinischen (*crispus*) und bedeutet „kraus“ oder „gewellt“, bezugnehmend auf die Blattform der Typusvarietät.[1] Der deutsche Trivialname „Petersilie“ sowie das englische „parsley“ entwickelten sich sprachgeschichtlich über das Altenglische und Altfranzösische aus dem mittellateinischen *petrosilium*.[2] Innerhalb der Art werden taxonomisch primär drei Varietäten unterschieden: *P. crispum* var. *crispum* (Krause Petersilie), *P. crispum* var. *neapolitanum* (Glatte oder Italienische Petersilie) sowie *P. crispum* var. *tuberosum* (Wurzelpetersilie).[1][2] Diese Varietäten besitzen den gleichen Chromosomensatz (2n=22) und sind untereinander kreuzbar, was ihren Status als Varietäten anstelle eigenständiger Spezies bestätigt. In modernen phylogenetischen Systemen wie APG IV wird *Petroselinum crispum* innerhalb der Ordnung Apiales in die Klade der Asteriden gestellt.[1]
Petroselinum crispum wächst als zweijährige krautige Pflanze, die im ersten Jahr eine grundständige Blattrosette bildet und Wuchshöhen von 30 bis 45 cm erreicht. Im zweiten Jahr entwickelt sich ein aufrechter, gefurchter und hohler Blütenstängel, der bis zu einem Meter hoch wachsen kann. Die wechselständigen Blätter weisen einen dreieckigen Umriss auf und bestehen aus fein geteilten, gefiederten Segmenten.[1] Je nach Varietät erscheint das dunkelgrüne, aromatische Laub entweder dicht gekräuselt (*var. crispum*) oder flach mit breiteren Fiederblättchen (*var. neapolitanum*). Die Blattspreiten zeichnen sich durch gezähnte oder gelappte Ränder aus. Das Wurzelsystem besteht typischerweise aus einer dünnen, vertikalen Pfahlwurzel, die der Verankerung und Nährstoffaufnahme dient.[1] Bei der Wurzelpetersilie (*var. tuberosum*) bildet sich hingegen eine verdickte, fleischige Rübe aus, die in ihrer Form einer Sellerieknolle ähnelt. Während der generativen Phase entstehen zusammengesetzte Dolden aus kleinen, grünlich-gelben bis weißen Blüten. Jede der zwittrigen Einzelblüten besitzt fünf Kronblätter und ist in der für Doldenblütler typischen Infloreszenz angeordnet. Nach der Bestäubung entwickeln sich Spaltfrüchte (Schizokarpien), die in zwei Teilfrüchte (Merikarpien) zerfallen. Die Samen sind klein, oval geformt und gerippt, wobei sie eine Länge von etwa 2 bis 3 mm erreichen. An den oberirdischen Pflanzenteilen treten gelegentlich die Larven des Schwalbenschwanzes (*Papilio polyxenes*) auf, die als 'Petersilienwürmer' bekannt sind und das Laub fressen. Morphologisch lässt sich die Art von echtem Sellerie (*Apium graveolens*) durch die spezifische Blattstruktur und den historisch bevorzugten Wuchs auf felsigem Untergrund abgrenzen.[1]
Petroselinum crispum ist primär eine wirtschaftlich bedeutende Kulturpflanze mit einem globalen Marktwert von 5,0 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024, kann jedoch in gestörten Habitaten verwildern.[2] Als Wirtspflanze wird sie häufig von Blattläusen befallen, die durch Saugtätigkeit Welke und Wachstumsstörungen verursachen, sowie von der Raupe des Schwalbenschwanzes (*Papilio polyxenes*), die massiven Blattfraß verursacht.[1] Ein phytosanitäres Hauptproblem im Anbau ist die Septoria-Blattfleckenkrankheit (*Septoria apiicola*), erkennbar an braunen Flecken mit schwarzen Fruchtkörpern, sowie Pilzinfektionen durch *Alternaria* und Echter Mehltau, die besonders bei hoher Feuchtigkeit auftreten.[1][2] Gesundheitlich relevant ist das allergene Potenzial bei Personen mit Apiaceae-Sensibilisierung sowie die Phototoxizität durch enthaltene Furanocumarine wie Psoralen, die Hautreizungen auslösen können.[2] Hohe Dosen der ätherischen Öle (Apiol, Myristicin) wirken hepatotoxisch, nephrotoxisch und abortiv, weshalb Konzentrate in der Schwangerschaft kontraindiziert sind.[1][2] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) sind Fruchtfolgen von 2–3 Jahren und die mechanische Unkrautbekämpfung essenziell, um Schädlingszyklen zu unterbrechen. Zur Prävention von Pilzkrankheiten sollte Überkopfberegnung vermieden und stattdessen eine gezielte Bodenbewässerung sowie Mulchen zur Feuchtigkeitsregulierung eingesetzt werden. Biologische Bekämpfungsmaßnahmen umfassen den Einsatz von Nützlingen gegen Blattläuse sowie *Bacillus thuringiensis* gegen Raupenbefall.[1] Interessanterweise wird Petersilienöl selbst in patentierten Verfahren in Kombination mit Pyrethrinen als insektizider Wirkstoff erforscht.[5] Ein regelmäßiges Monitoring auf Blattverfärbungen und Insektenfraß ermöglicht ein frühzeitiges Eingreifen, bevor wirtschaftliche Schadschwellen überschritten werden.[1]