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Lexikon-Eintrag

Raupen Lepidoptera (Larven)

Raupen

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera)
Art Lepidoptera
Wissenschaftlicher Name Lepidoptera
Akzeptierter Name

Einleitung

Raupen sind die aus Eiern schlüpfenden Larven der Schmetterlinge (*Lepidoptera*) und repräsentieren deren eigentliches Fressstadium, in dem sie durch intensive Nahrungsaufnahme erheblich an Körpervolumen zunehmen. Ihr Körperbau ist durch eine Segmentierung in Kopf, Brust und Hinterleib sowie das Vorhandensein von drei Brustbeinpaaren und meist zusätzlichen Bauchbeinen gekennzeichnet.[1] Während viele Arten als Pflanzenfresser (Phytophage) eine enge Bindung an spezifische Futterpflanzen aufweisen, gelten manche Massenvermehrungen, etwa beim Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*), als forstwirtschaftlich und durch nesselnde Gifthaare als gesundheitlich relevant.[1][2]

Fakten (kompakt)

- **Abwehrstrategien**: Die Raupen der Ritterfalter (*Papilionidae*) besitzen eine ausstülpbare Nackengabel (Osmeterium), die bei Bedrohung einen unangenehmen Geruch verströmt, um Fressfeinde abzuschrecken. - **Mimikry**: Zur Täuschung von Räubern imitieren manche Arten Schlangen, indem sie Augenflecken präsentieren und eine drohende Körperhaltung einnehmen, wie etwa bei der Schwärmergattung *Hemeroplanes*. - **Saisondimorphismus**: Die Spannerraupe *Nemoria arizonaria* passt ihr Aussehen der Jahreszeit an: Im Frühjahr ahmt sie die Kätzchen der Eiche nach, im Sommer hingegen deren Äste, gesteuert durch die jeweilige Nahrung. - **Fleischfresser**: Es existieren zoophage Raupen wie die hawaiianische Art *Hyposmocoma molluscivora*, die Schnecken jagt und diese mit Spinnfäden fesselt, bevor sie verzehrt werden. - **Symbiose**: Raupen der Bläulinge (*Lycaenidae*) leben oft in Gemeinschaft mit Ameisen, indem sie eine zuckerhaltige Flüssigkeit absondern; einige Arten wie der Lungenenzian-Ameisenbläuling leben sogar parasitär in Ameisennestern und fressen deren Brut. - **Fortbewegung**: Bei den Spannern (*Geometridae*) fehlen die ersten drei Bauchbeinpaare, was zu der charakteristischen „messenden“ Fortbewegung führt, während Schneckenspinner (*Limacodidae*) auf saugnapfartigen Sohlen kriechend vorankommen. - **Giftpotenzial**: Ein einziges Exemplar des Eichenprozessionsspinners im sechsten Larvenstadium trägt bis zu 600.000 giftige Setae, die über die letzten acht Rückensegmente verteilt sind. - **Persistenz**: Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners bleiben in der Umwelt extrem lange aktiv und können aufgrund ihrer UV- und Hitzeresistenz noch nach bis zu 10 Jahren allergische Reaktionen auslösen. - **Seidenproduktion**: Der Spinnfaden tritt aus einer Öffnung an der Unterlippe (Labium) aus und erstarrt sofort beim Kontakt mit der Luft; die Spinndrüsen selbst sind umgewandelte Speicheldrüsen.[11] - **Bekämpfungsinnovation**: Als ökologische Alternative zu Bioziden wurden Barrieren aus unbehandelter Schafschurwolle entwickelt, deren physikalische Struktur die Wanderung von Prozessionsspinnern am Baumstamm stoppen soll.[9]

Name & Einordnung

Die wissenschaftliche Bezeichnung der Ordnung lautet *Lepidoptera*, die 1758 von Linnaeus eingeführt wurde.[3] Der Name ist eine von Linnaeus geprägte Zusammensetzung aus den altgriechischen Wörtern λεπίς (*lepís*, „Schuppe“) und πτερόν (*pterón*, „Flügel“), was „Schuppenflügler“ bedeutet.[4] Das Larvenstadium dieser Insekten wird im Deutschen als Raupe bezeichnet.[5] Die deutsche Bezeichnung „Schmetterling“ ist erstmals für das Jahr 1501 belegt und leitet sich vom ostmitteldeutschen Wort *Schmetten* (Schmand, Rahm) ab, da die Tiere im Aberglauben als Hexen galten, die Milchprodukte stahlen. Dies spiegelt sich auch in historischen landschaftlichen Bezeichnungen wie *Milchdieb*, *Molkenstehler* oder *Schmandlecker* wider.[6] Regional existieren diverse weitere Trivialnamen, darunter *Müllermaler* in Bayern, *Sommervogel* in der Schweiz und Schlesien sowie *Fifalter* in Teilen der Schweiz.[7] Der Begriff *Falter* steht etymologisch nicht mit dem Falten der Flügel in Verbindung, sondern stammt vom germanischen *vīvalter* ab, das wahrscheinlich mit dem lateinischen *pāpilio* verwandt ist.[6] Bis zur allgemeinen Durchsetzung des Begriffs Schmetterling in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Tiere oft nach Rösel von Rosenhof (1749) als „Tagvögel“ oder „Nachtvögel“ klassifiziert.[6] Im antiken Griechenland wurde der Falter als *psuchḗ* (Seele) betrachtet, während für Nachtfalter der Begriff *phalaina* verwendet wurde.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Rumpf der Raupen besteht aus 14 Segmenten, die sich in den Kopf, drei Brustsegmente und zehn Hinterleibssegmente unterteilen. Der Kopf ist durch Chitineinlagerungen verhärtet und trägt meistens drei Paar Punktaugen (Stemmata) sowie beißend-kauende Mundwerkzeuge. An den drei Brustsegmenten befindet sich je ein Beinpaar, während die darauf folgenden Hinterleibssegmente meist vom dritten bis zum sechsten Segment sogenannte Bauchbeine tragen. Diese Bauchbeine sind keine eigentlichen Beine, sondern ungegliederte Hautausstülpungen, die am Ende Hakenkränze zum besseren Festklammern aufweisen. Am zehnten Hinterleibssegment befindet sich ein weiteres Paar kräftigerer Beine, die als Nachschieber bezeichnet werden. Abweichend davon fehlen beispielsweise bei den Spannern (*Geometridae*) die ersten drei Bauchbeinpaare, was zu einer kriechenden Fortbewegung führt. Bei den Imagines (erwachsenen Tieren) besteht der Körper aus Kopf, Brust (Thorax) und Hinterleib, wobei am Thorax zwei Flügelpaare und drei Beinpaare ansetzen. Die Flügel sind auf der Ober- und Unterseite mit abgeflachten, artspezifischen Schuppen bedeckt, die dachziegelartig angeordnet sind. Die Mundwerkzeuge der meisten adulten Falter sind zu einem Saugrüssel umgebildet, der in Ruhestellung unter dem Kopf eingerollt ist.[1] Spezifische Larven wie die des Eichenprozessionsspinners (*Thaumetopoea processionea*) entwickeln im sechsten Stadium dunkelbraune Felder auf dem Rücken. Diese Felder bestehen aus tausenden dicht stehenden, pfeilförmigen Setae (Brennhärchen).[11] Die Setae sind etwa 150 Mikrometer lang, besitzen Widerhaken und enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein. Eine einzelne Raupe kann im letzten Larvenstadium 500.000 bis 600.000 dieser Setae besitzen, die auf die acht letzten Rückensegmente verteilt sind.[4]

Beschreibung

Die Raupe repräsentiert das eigentliche Fress- und Wachstumsstadium im Lebenszyklus der *Lepidoptera*, wobei das Körpervolumen durch intensive Nahrungsaufnahme enorm zunimmt. Im Gegensatz zum späteren Falter (Imago), der meist einen Saugrüssel besitzt, ist der Kopf der Raupe durch Chitineinlagerungen verhärtet und mit kräftigen Mundwerkzeugen (Mandibeln) ausgestattet, die das Zerkleinern von pflanzlicher oder seltener tierischer Nahrung ermöglichen. Der Rumpf gliedert sich in drei Brustsegmente mit je einem Paar echter Beine und zehn Hinterleibssegmente, die meist funktionale Bauchfüße tragen. Diese Bauchfüße sind keine eigentlichen Gliedmaßen, sondern ungegliederte Hautausstülpungen, die am Ende Hakenkränze zum besseren Festklammern aufweisen. Zur Orientierung dienen der Raupe im Vergleich zu den Facettenaugen der Adulttiere lediglich zwei bis acht Paar einfache Punktaugen (Stemmata) sowie stummelförmige Fühler. Eine anatomische Besonderheit ist die auf der Unterlippe befindliche Öffnung der Spinndrüsen, durch die Seide produziert wird, welche an der Luft erstarrt und für den Nestbau oder die Verpuppung genutzt wird. Während der Entwicklung durchlaufen die Larven meist vier bis fünf Häutungen, da die feste Chitinhülle nicht mitwächst.[1] In späteren Larvenstadien bilden sich bei bestimmten Arten, wie dem Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*), spezifische Abwehrmechanismen aus, darunter pfeilförmige Gifthaare (Setae), die sich ab dem dritten Stadium entwickeln und vor Fressfeinden schützen.[11][1] Die Atmung des Organismus erfolgt über porenartige Öffnungen (Stigmen), die seitlich an den Brust- und Hinterleibssegmenten angelegt sind und das Tracheensystem mit Sauerstoff versorgen. Abweichungen vom klassischen Bauplan zeigen sich beispielsweise bei den Spannern (*Geometridae*), denen die vorderen Bauchfüße fehlen, was zu einer charakteristischen bogenförmigen Fortbewegung führt, oder bei den schneckenartigen Larven der *Limacodidae*. Einige Arten leben in Symbiose mit Ameisen oder zeigen komplexes Sozialverhalten in Gespinstnestern.[1]

Verhalten

Die Larven des Eichenprozessionsspinners (*Thaumetopoea processionea*) zeigen ein ausgeprägtes Sozialverhalten, indem sie nachts in langen Prozessionen zu den Baumwipfeln ziehen, um an den Blättern zu fressen. In den frühen Morgenstunden kehren die Tiere in geschlossener Formation in ihre Nester zurück, die sich meist am Stamm oder in Astgabelungen befinden. Bei Nahrungsmangel oder Überpopulation verlassen die Raupen den Baum und begeben sich am Boden auf die Suche nach neuen Wirtsbäumen.[11] Dieser natürliche Bewegungsdrang führt zu Wanderungen entlang des Baumstammes, die durch mechanische Barrieren oder Trichtervorrichtungen unterbrochen werden können.[9] Zur Abwehr von Fressfeinden entwickeln die Larven ab dem dritten Stadium dichte Bürsten aus Gifthaaren (Setae) auf den Rückensegmenten. Diese Setae brechen bei leisester Berührung an Sollbruchstellen ab und werden aufgrund idealer Flugeigenschaften durch den Wind über mehrere hundert Meter vertragen.[11]

Ökologie

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners (*Thaumetopoea processionea*) treten als Forstschädlinge auf, die sich von spezifischen Eichenarten wie der Zerreiche (*Quercus cerris*) und der Stieleiche (*Quercus robur*) ernähren. Sie profitieren als Gewinner des Klimawandels von milden Wintern und gleichmäßigen Frühjahrstemperaturen, welche die Massenvermehrung begünstigen. Ein synchroner Laubaustrieb mit dem Schlüpfen der Eilarven sowie geringe Niederschläge im Frühjahr sind für die Entwicklung der Populationen förderlich. Die Larven durchlaufen fünf bis sechs Stadien und bewegen sich nachts in Prozessionen zu den Baumwipfeln, um dort zu fressen. Tagsüber oder zur Häutung ziehen sie sich in Nester zurück, die oft in Astgabelungen oder am Stamm angelegt werden. Bei Nahrungsmangel oder Überpopulation verlassen die Tiere den Wirtsbaum und suchen am Boden nach neuen Nahrungsquellen. Natürliche Feinde fehlen häufig, weshalb es zu Massengradationen kommen kann. Das Verbreitungsgebiet dieser endemischen Art reicht von Kleinasien über Südeuropa bis nach England. Im Rahmen von Bekämpfungsmaßnahmen wird teilweise *Bacillus thuringiensis* eingesetzt, was jedoch kollaterale Schäden an anderen heimischen Schmetterlingspopulationen verursachen kann.[11]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Raupen erfüllen eine wichtige ökologische Funktion, treten jedoch in der Land- und Forstwirtschaft zeitweise als bedeutende Schädlinge auf, die durch Kahlfraß ganze Baumbestände schwächen können.[13][12] Eine besondere medizinische Relevanz besitzen Arten wie der Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*), deren Larven ab dem dritten Stadium mit Widerhaken besetzte Brennhaare (Setae) ausbilden. Diese mikroskopisch kleinen Härchen enthalten das Eiweißgift Thaumetopoein und können bei Kontakt oder Einatmen die sogenannte Raupendermatitis, Keratokonjunktivitis sowie Atemwegsreizungen auslösen.[11][4] Da die Setae über zehn Jahre in der Umwelt aktiv bleiben sowie hitze- und UV-resistent sind, stellen auch alte Gespinste eine langanhaltende Gefahrenquelle dar.[11] Zur Prävention in befallenen Gebieten gehören das Aufstellen von Warnhinweisen sowie Betretungsverbote für Parks und Wälder.[4] Das Monitoring und die physikalische Bekämpfung erfolgen unter anderem durch spezielle Fallensysteme am Baumstamm, die wandernde Raupen über Trichter in Sammelbehälter leiten. Als ökologische Alternative zu chemischen Barrieren werden Wanderungssperren aus unbehandelter Schafschurwolle eingesetzt, deren Struktur die Raupen mechanisch aufhält. Um die gefährliche Verdriftung der Brennhaare bei der Entfernung zu verhindern, kommen spezielle Sprühkleber zum Einsatz, die Nester und Raupen fixieren.[9] Die biologische Bekämpfung nutzt Präparate auf Basis von *Bacillus thuringiensis* (Bt) oder den Einsatz natürlicher Feinde wie Schlupfwespen, wobei der Einsatz von Bt aufgrund massiver Kollateralschäden an anderen Schmetterlingsarten kritisch abgewogen werden muss.[4][14] Professionelle Akteure entfernen Nester meist mechanisch unter Vollschutz, da eine bloße Abflämmung oft nicht ausreicht, um die hitzeresistenten Gifthaare zu neutralisieren.[4][11]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Bedeutung der Raupen ist ambivalent und reicht von der Nutzung als Rohstofflieferant bis hin zu massiven Schäden in der Land- und Forstwirtschaft. Insbesondere die Larven des Seidenspinners (*Bombyx mori*) sind als Produzenten von Seide essenziell für die Textilindustrie, wobei die Kokons durch Heißwasser oder Dampf zur Garngewinnung weiterverarbeitet werden. Regional dienen Raupen zudem als proteinreiches Nahrungsmittel, etwa gekochte Seidenraupenpuppen in Ostasien oder die als „Mopane-Würmer“ bekannten Raupen von *Gonimbrasia belina* im südlichen Afrika. Demgegenüber stehen signifikante Ernteverluste durch Arten wie den Großen und Kleinen Kohlweißling (*Pieris brassicae*, *Pieris rapae*), die ganze Kohlfelder vernichten können.[1] In der Forstwirtschaft führen Massenvermehrungen von Schädlingen wie dem Eichenwickler (*Tortrix viridana*) oder dem Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*) zu Kahlfraß, was die Bäume schwächt und anfällig für Sekundärschäden durch Trockenheit oder Mehltau macht.[1][2] Im häuslichen Bereich verursacht die Kleidermotte (*Tineola bisselliella*) ökonomische Schäden durch den Fraß an tierischen Materialien wie Wolle, Filz, Federn und Pelzen. Die Bekämpfung erfordert den Einsatz von Insektiziden, Pheromonfallen oder mechanischen Methoden, was erhebliche Kosten verursacht.[1] Beim Eichenprozessionsspinner entstehen zusätzliche wirtschaftliche Belastungen durch die notwendige Sperrung von Erholungsgebieten (z. B. Schwimmbäder, Parks) sowie Aufwände für Schutzausrüstung und die mechanische Entfernung der Nester.[12] Der Markt für Bekämpfungstechnologien spiegelt sich in Patenten für spezialisierte Fallen, Klebemittel zur Fixierung von Brennhaaren und ökologische Barrieren wider.[9]

Biologie & Lebenszyklus

Schmetterlinge durchlaufen als holometabole Insekten eine vollständige Metamorphose, die die Stadien Ei, Raupe, Puppe und Imago umfasst. Aus den Eiern schlüpfen flugunfähige Larven, die während ihres enormen Größenwachstums meist vier bis fünf Mal ihre Haut wechseln.[1] Die Entwicklungsdauer und Lebensweise variieren stark; so leben die adulten Falter des Eichenprozessionsspinners (*Thaumetopoea processionea*) nur ein bis zwei Tage zur Fortpflanzung, während das Eistadium überwintert. Die Raupen dieser Art schlüpfen synchron mit dem Laubaustrieb der Wirtsbäume im April oder Mai und durchlaufen fünf bis sechs Larvenstadien.[12] Die Ernährung der meisten Schmetterlingsraupen ist phytophag und umfasst Blätter, Nadeln, Blüten oder Samen, wobei viele Arten monophag auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert sind. Bei Nahrungsmangel oder hoher Populationsdichte kann es bei einigen Arten zu Kannibalismus kommen, während andere, wie die hawaiische *Hyposmocoma molluscivora*, sich zoophag von Schnecken ernähren. Eine besondere ökologische Anpassung ist die Symbiose mancher Bläulingsraupen mit Ameisen, die durch zuckerhaltige Sekrete angelockt werden und die Raupe im Gegenzug vor Feinden schützen.[1] Zur Abwehr von Prädatoren entwickeln manche Spezies, wie der Eichenprozessionsspinner ab dem dritten Stadium, dichte Felder aus tausenden pfeilförmigen Gifthaaren (Setae), die UV- und hitzeresistent sind und bis zu zehn Jahre in der Umwelt aktiv bleiben.[12] Die Verpuppung erfolgt je nach Familie unterschiedlich, beispielsweise als Stürz- oder Gürtelpuppe, am Boden oder in einem aus Seide gesponnenen Kokon. Zu den natürlichen Feinden und Mortalitätsfaktoren zählen neben Vögeln und Fledermäusen auch spezialisierte Insekten wie der Puppenräuber (*Calosoma* spec.) oder parasitoide Schlupfwespen, die ihre Eier in die Larven legen.[1]

Vorkommen & Lebensraum

Schmetterlinge sind global auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktika verbreitet. Während in Gesamteuropa über 10.600 Arten verzeichnet sind, kommen in Deutschland etwa 3700 Arten vor. Die Tiere haben fast alle ökologischen Nischen besetzt und finden sich von den Tropen bis in die Hochgebirgsregionen. In den Alpen steigen manche Arten wie der Gletscherfalter (*Oenis glacialis*) bis auf 3000 Meter Höhe. Das Vorkommen ist meist eng an die Verfügbarkeit spezifischer Raupenfutterpflanzen gebunden, da die Larven überwiegend phytophag leben. Neben natürlichen Habitaten wie Trockenrasen und Feuchtgebieten werden auch Ruderalfluren, Parks und Gärten besiedelt.[1] Ein Beispiel für ein endemisches Vorkommen mit Expansionsdynamik ist der Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*). Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet reicht von Kleinasien im Osten bis an die Kanalküste im Westen. Durch den Import befallener Eichensetzlinge gelangte die Art auch nach Südengland und in den Großraum London. In Österreich ist eine Ausbreitung vom Kanaltal auf das südliche Bundesgebiet dokumentiert. Diese Art gilt als Gewinner des Klimawandels, da milde Winter und trockene Frühjahre Massenvermehrungen begünstigen. Der Eichenprozessionsspinner bevorzugt Eichen (*Quercus cerris* und *Quercus robur*) in Randlagen und Lichtungen. Er dringt dabei signifikant in urbane Grünbereiche wie Wohngebiete, Schwimmbäder und Parkanlagen vor.[10]

Saisonalität & Aktivität

Die saisonale Aktivität von Raupen variiert stark je nach Art und klimatischen Bedingungen. Beim Eichenprozessionsspinner (*Thaumetopoea processionea*) überwintern die Eier, aus denen zwischen Mitte April und Mai die Larven schlüpfen.[8] Die für den Menschen medizinisch relevanten Larvenstadien (4. bis 6. Stadium) treten vorwiegend von Mai bis Ende Juni auf, bevor die Verpuppung Ende Juni oder Anfang Juli erfolgt. Die adulten Falter fliegen anschließend von Mitte Juli bis August und leben nur wenige Tage zur Fortpflanzung. Diese Art ist strikt nachtaktiv; die Raupen ziehen in geschlossenen Formationen zu den Baumwipfeln, um dort nachts zu fressen.[8] Klimatische Faktoren wie milde Winter und warme Frühjahre begünstigen das Überleben der Eiraupen und die Synchronisation mit dem Laubaustrieb der Wirtsbäume.[4] Allgemein können Schmetterlinge in verschiedenen Stadien überwintern, wobei manche Raupen anderer Arten an warmen Wintertagen erwachen und fressen. Bei der Art *Nemoria arizonaria* führt ein Saisondimorphismus dazu, dass Raupen je nach Jahreszeit (Frühjahr oder Sommer) unterschiedliche Pflanzenteile imitieren.[1] Das öffentliche Interesse an Raupen korreliert stark mit den biologischen Aktivitätsphasen und erreicht in den Monaten Mai und Juni seinen Höhepunkt, während es im Winter minimal ist.[9]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

DE-102021116751-A1 Mechanical Anmeldung

Prozessionsspinner-Wanderungssperre, Wollbandfertigungsvorrichtung dafür und Verfahren zur Bekämpfung des Befalls eines Baumes durch raupenförmige Prozessionsspinner

Hill Andreas (2021)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Beschreibt eine ökologische Barriere aus unbehandelter Schafschurwolle gegen Prozessionsspinner. Die physikalische Struktur der Wolle ist für die Raupen schwer zu überwinden und stoppt deren Wanderung am Baumstamm. Das System umfasst auch die Fertigungsvorrichtung für diese Wollringe und bietet eine nachhaltige Alternative zu Klebefallen oder Bioziden.

DE-102020121050-A1 Chemical Anmeldung

Mittel und Verfahren zur Bekämpfung von Insekten, vorzugsweise Raupen

Paul Groene GmbH Kunststoffbe Und Verarbeitung (2020)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Die Erfindung adressiert spezifisch das Problem der Brennhaare des Eichenprozessionsspinners. Es wird ein Klebemittel beschrieben, das auf die Raupen oder deren Nester gesprüht wird, um die Insekten und insbesondere ihre gefährlichen Härchen mechanisch zu binden und zu fixieren. Dies verhindert die Verbreitung der allergenen Haare in der Luft und ermöglicht eine sicherere Entfernung.

DE-202019003009-U1 Mechanical Unbekannt

Falle für Eichenprozessionsspinner / EPS-Falle / Falle für Raupen

Bross Ingo Emanuel (2019)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Eine spezifische Falle zur Montage an Bäumen, die den natürlichen Bewegungsdrang von Raupen nutzt. Über einen flexiblen Kanal werden die Tiere in einen angeschlossenen Köderbeutel oder Behälter geleitet. Die Konstruktion isoliert die schädlichen Raupen (insbesondere Eichenprozessionsspinner) sicher vom Umfeld und erleichtert die Entsorgung.

EP-3643174-A3 Mechanical Unbekannt

Raupenfalle und ihre Trichtervorrichtung

LA Mesange Verte (2019)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt eine mechanische Falle, die speziell für wandernde Raupen (wie Prozessionsspinner) entwickelt wurde. Sie nutzt eine Trichtervorrichtung, die um den Baumstamm angebracht wird, um die Raupen während ihrer Wanderung abzufangen. Die Konstruktion leitet die Tiere in einen Sammelbehälter, verhindert so den Bodenkontakt und unterbricht den Entwicklungszyklus effektiv ohne den Einsatz von Chemikalien.

DE-29819610-U1 Chemical Unbekannt

Biologisches Tötungs- und/oder Abschreckungsmittel (Streugut und Freßgut) für Schnecken und Raupen

Klose Norbert (1998)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Ein Mittel, das als Streu- oder Fressgut ausgebracht wird, um Raupen und Schnecken abzutöten oder abzuschrecken. Basierend auf den CPC-Codes handelt es sich wahrscheinlich um anorganische Salze (wie Mineralien), die als biologisch verträglich gelten. Es bietet eine kombinierte Wirkung gegen zwei Hauptgruppen von Gartenbauschädlingen.

Quellen & Referenzen

  1. Wikipedia: Schmetterlinge, Seite 2 (Entwicklungszyklus)
  2. Maier, H. (2021): Was kommt dort durch die Luft geflogen ...? Die Gefährdung des Menschen durch die Gifthaare des Eichenprozessionsspinners. hautnah 2021 · 20:56–61. https://doi.org/10.1007/s12326-021-00421-1
  3. Zhang, Z.-Q. (Editor): Animal biodiversity: An outline of higher-level classification and survey of taxonomic richness. Zootaxa 3148: 212-221, 2011
  4. Online Etymology Dictionary: Lepidoptera und lepido- (englisch)
  5. Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer. Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09330-1
  6. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearb. von Elmar Seebold. 25. Auflage. De Gruyter, Berlin/Boston 2011
  7. Schweizerisches Idiotikon: Lemma Fifalter
  8. Maier, H. Was kommt dort durch die Luft geflogen …? Die Gefährdung des Menschen durch die Gifthaare des Eichenprozessionsspinners. hautnah 20, 56–61 (2021). https://doi.org/10.1007/s12326-021-00421-1
  9. Aggregierte Suchanfragedaten: Zeitreihen-Analyse (Keyword: Raupen, Geo: DE).
  10. Maier, H. (2021). Was kommt dort durch die Luft geflogen ...? hautnah, 20:56–61. https://doi.org/10.1007/s12326-021-00421-1
  11. https://doi.org/10.1007/s12326-021-00421-1
  12. Maier, H. (2021): Was kommt dort durch die Luft geflogen ...? Die Gefährdung des Menschen durch die Gifthaare des Eichenprozessionsspinners. hautnah 20, 56–61. https://doi.org/10.1007/s12326-021-00421-1
  13. Wikipedia: Schmetterlinge - Schädling (OCR Page 22)
  14. Wikipedia: Schmetterlinge - Spezialisierte Räuber und Parasitoide (OCR Page 15)