Fakten (kompakt)
- Der Reiskäfer (*Sitophilus [oryzae](/pages/lexikon/aspergillus-oryzae)*) ist ein weltweit verbreiteter Schädling von Getreideprodukten. - Er gehört zur Familie der Rüsselkäfer ([Curculionidae](/pages/lexikon/russelkafer)). - *Sitophilus oryzae* befällt Weizen, Reis, Mais, Hafer, Gerste, Roggen und Sorghum. - Sowohl die Larven als auch die adulten [Käfer](/pages/lexikon/kafer) fressen an den Getreidekörnern. - Adulte Reiskäfer sind 2–3 mm lang und haben einen rötlich-braunen bis schwarzen Körper. - Auf den Flügeldecken (Elytren) der Käfer befinden sich vier rötliche oder gelbliche Flecken. - Der Thorax ist dicht mit kleinen Gruben übersät. - Auffällig ist der längliche Rüssel, der etwa ein Drittel der Körperlänge ausmacht. - Reiskäfer besitzen funktionstüchtige Flügel und können [fliegen](/pages/lexikon/fliegen). - Die Larven sind beinlos, cremefarben und haben einen dunklen Kopf. - Die Larven entwickeln sich vollständig innerhalb des Getreidekorns. - Der Lebenszyklus (Ei, Larve, Puppe, Adult) dauert unter warmen Bedingungen (27–29 °C, 70 % relative Luftfeuchtigkeit) 26–32 Tage. - Weibchen legen durchschnittlich 4 Eier pro Tag, insgesamt 250–400 im Laufe ihres 4–5 Monate dauernden Lebens. - Die Eier schlüpfen nach etwa 3 Tagen, die Larven fressen 18 Tage lang, und die Puppenruhe dauert 6 Tage. - Adulte Käfer stellen sich tot, wenn sie gestört werden. - *Sitophilus oryzae* beherbergt den intrazellulären Symbionten *Sodalis pierantonius*, der essentielle Nährstoffe ergänzt. - Der Gattungsname *Sitophilus* leitet sich von den griechischen Wörtern *sitos* (Getreide) und *philos* (liebend) ab.[1] - Synonyme für *S. oryzae* sind *Calandra oryzae* und *Curculio oryza*. - *[Sitophilus granarius](/pages/lexikon/kornkaefer)* (Kornkäfer) ist größer (3–4,5 mm) und kann nicht fliegen. - *[Sitophilus zeamais](/pages/lexikon/maiskaefer)* (Maiskäfer) ist ähnlich groß wie der Kornkäfer, kann aber fliegen und befällt bevorzugt Mais. - Die Eier des Reiskäfers sind glänzend, weiß, undurchsichtig und eiförmig bis birnenförmig. - Weibliche Reiskäfer legen ihre Eier einzeln in kleine, in die Getreidekörner gebohrte Löcher und verschließen diese mit einem Gel. - Männchen produzieren ein Aggregationspheromon, das beide Geschlechter anlockt. - Die Paarung kann durchschnittlich 120 Minuten dauern, wobei Weibchen größere Männchen bevorzugen. - Die Art stammt vermutlich aus dem tropischen Asien, wobei Indien als wahrscheinliches Ursprungsgebiet gilt. - Der Reiskäfer ist heute weltweit verbreitet, außer in der Antarktis und extremen Polarregionen. - Die Art gedeiht in warmen, feuchten Klimazonen mit Temperaturen zwischen 25 und 35 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 60 %.[1] - Der Einsatz von mit zerkleinertem Quarzporphyr gefüllten Vliesbeuteln kann die Vermehrung von Schädlingen wie *Sitophilus oryzae* physikalisch verhindern. - Eine Lockvorrichtung für vorratsschädliche [Insekten](/pages/lexikon/insekten) unter Verwendung von Leuchtdioden kann zur Überwachung eingesetzt werden.[2]
Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Sitophilus [oryzae](/pages/lexikon/aspergillus-oryzae)*, wobei die Erstbeschreibung auf Carl von Linné im Jahr 1763 zurückgeht. Ursprünglich wurde die Spezies unter dem Namen *Curculio oryza* beschrieben. Zu den relevanten Synonymen zählen *Calandra oryzae* (Linnaeus, 1763), eine ältere Kombination vor der Zuordnung zur Gattung *Sitophilus*, sowie *Calandra sasakii* Takahashi, 1928. Der Gattungsname *Sitophilus* leitet sich etymologisch aus den griechischen Wörtern *sitos* (Getreide) und *philos* (liebend) ab, was auf die Affinität zu Getreidekörnern anspielt. Das Art-Epitheton *oryzae* verweist auf Reis (*Oryza sativa*), eine der primären Wirtspflanzen. Taxonomisch wird *Sitophilus oryzae* der Unterfamilie Dryophthorinae innerhalb der Familie der Rüsselkäfer ([Curculionidae](/pages/lexikon/russelkafer)) zugeordnet. Zwar schlugen molekularphylogenetische Studien in den 2010er Jahren vor, die Dryophthorinae in den Rang einer eigenständigen Familie (Dryophthoridae) zu erheben, doch behält die vorherrschende Taxonomie den Status als Unterfamilie bei. Historisch kam es aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten oft zu Verwechslungen mit dem Maiskäfer (*[Sitophilus zeamais](/pages/lexikon/maiskaefer)*), obwohl molekulare Marker eine Trennung der Arten vor etwa 8,7 Millionen Jahren bestätigen.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung Reiskäfer etabliert.[2] International ist der englische Trivialname Rice weevil gebräuchlich.[1]
Die Adulten von *Sitophilus [oryzae](/pages/lexikon/aspergillus-oryzae)* erreichen eine Körperlänge von 2 bis 3 mm und weisen einen gedrungenen, rotbraun bis schwarz gefärbten Körper auf.[2][1] Ein markantes Merkmal ist der verlängerte Rüssel (Rostrum), der etwa ein Drittel der gesamten Körperlänge ausmacht und an dessen Spitze die Mundwerkzeuge sitzen. Die Antennen sind gekniet, enden in einer Keule und entspringen am distalen Ende des Rüssels. Auf dem Thorax befinden sich runde oder unregelmäßig geformte Gruben, während die Elytren (Flügeldecken) Längsreihen von Punkten aufweisen. Zur Identifizierung dienen vier schwache rötliche oder gelbliche Flecken auf den Flügeldecken, die den [Käfer](/pages/lexikon/kafer) von ähnlichen Arten unterscheiden.[2] Unter den Elytren liegen funktionstüchtige Hinterflügel, die *S. oryzae* im Gegensatz zu einigen verwandten Arten das [Fliegen](/pages/lexikon/fliegen) ermöglichen. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich am Rüssel, der bei Männchen kürzer, dicker und an der Basis breiter ist, während er bei Weibchen länger und dünner erscheint. Die Eier sind glänzend weiß, undurchsichtig und ovoid bis birnenförmig mit einer Größe von etwa 0,36 mm mal 0,19 mm. Die Larven sind beinlos, cremeweiß und nehmen typischerweise eine gekrümmte C-Form ein, wobei sie eine deutliche braune bis hellbraune Kopfkapsel besitzen. Die Puppe ist vom exaraten Typ mit freien Gliedmaßen, zunächst weiß und später nachdunkelnd, wobei der Rüssel bereits erkennbar ist.[2] Zur Abgrenzung gegenüber dem Kornkäfer (*[Sitophilus granarius](/pages/lexikon/kornkaefer)*) dienen dessen größere Statur (3–4,5 mm), die verschmolzenen Elytren sowie das Fehlen von Flugflügeln und Flecken.[2][1] Vom sehr ähnlichen Maiskäfer (*[Sitophilus zeamais](/pages/lexikon/maiskaefer)*) unterscheidet sich *S. oryzae* durch elliptische statt runde Gruben auf dem Pronotum sowie ein insgesamt glänzenderes Erscheinungsbild.[2][1]
Der Reiskäfer (*Sitophilus [oryzae](/pages/lexikon/aspergillus-oryzae)*) gilt als einer der bedeutendsten Vorratsschädlinge weltweit, der jährliche Verluste von 5–10 % der gelagerten Getreideproduktion verursacht. In Entwicklungsländern können diese Nachernteverluste aufgrund begrenzter Lagerinfrastruktur auf bis zu 30 % ansteigen, was die Ernährungssicherheit bedroht.[7] Das Schadbild entsteht primär durch den Fraß der Adulten am Endosperm sowie die verborgene Entwicklung der Larven im Korninneren, was zu Gewichtsverlusten von bis zu 20 % führen kann. Typische Befallsanzeichen sind 1–2 mm große Ausbohrlöcher und die Ansammlung von puderartigem Kot (Frass), der sekundäre Infektionen durch Schimmelpilze begünstigt und das Getreide ungenießbar macht. Zur Früherkennung werden Pheromonfallen mit dem Lockstoff Sitophilure oder akustische Sensoren eingesetzt, die die Fraßgeräusche der Larven im Korn registrieren.[3] Ein wirtschaftlicher Schwellenwert von etwa fünf [Käfern](/pages/lexikon/kafer) pro Kilogramm Getreide dient oft als Indikator für notwendige Interventionen. Präventiv ist die Absenkung der Kornfeuchte auf unter 12 % entscheidend, da die [Insekten](/pages/lexikon/insekten) für eine optimale Reproduktion höhere Feuchtigkeitswerte benötigen.[1] Physikalische Bekämpfungsmethoden umfassen Hitzebehandlungen bei 50–60 °C oder die Kühlung unter 15 °C, wodurch die Entwicklung der Population gestoppt wird.[3] Neuartige Ansätze nutzen zudem feuchtigkeitsabsorbierende Materialien wie Quarzporphyr, um das Mikroklima für die Käfer physikalisch ungünstig zu gestalten.[2] Die chemische Bekämpfung erfolgt primär durch Begasung mit Phosphin, wobei weltweit zunehmende Resistenzen die Entwicklung mobiler Testgeräte zur schnellen Resistenzbestimmung erforderlich machten.[3][2] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden chemische Mittel durch den Einsatz natürlicher Feinde wie der Schlupfwespe *Anisopteromalus calandrae* oder des Pilzes *Beauveria bassiana* ergänzt, um Rückstände zu minimieren.[3]