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Riesenholzwespe Urocerus gigas

Riesenholzwespe
Mittleres Risiko Physische Gefahr Kann stechen Nützling

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Siricidae
Gattung Urocerus
Art Urocerus gigas
Wissenschaftlicher Name: Urocerus gigas (Linnaeus, 1758)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Die Riesenholzwespe (*Urocerus gigas*) ist eine Hautflüglerart aus der Familie der Holzwespen (Siricidae), die ursprünglich in der Paläarktis verbreitet ist.[1] Als Holz- und Materialschädling befällt sie vorwiegend geschwächtes oder frisch gefälltes Nadelholz, in dem sich die Larven entwickeln und durch mit Bohrmehl gefüllte Fraßgänge die Holzqualität mindern.[2][1] Trotz ihrer auffälligen Größe und der schwarz-gelben Färbung ist die Art für den Menschen harmlos, da sie im Gegensatz zu optisch ähnlichen Stechwespen über keinen Giftstachel verfügt.[2][3]

Fakten (kompakt)

Hier sind einige Fakten über die Riesenholzwespe (*Urocerus gigas*): - Die Riesenholzwespe *Urocerus gigas*, auch bekannt als Gemeine Holzwespe oder Große Holzwespe, ist eine große Art der Holz bohrrenden Pflanzenwespen aus der Familie der Siricidae innerhalb der Ordnung Hymenoptera. - *Urocerus gigas* ist in der Paläarktis beheimatet, einschließlich Europa, Asien und Nordafrika. - Sie wurde in Teile Südamerikas eingeführt, wo sie invasiv werden kann. - Erwachsene Tiere haben einen länglichen Körper mit schwarzen und gelben Bändern am Abdomen. - Männchen messen 15–30 mm, während Weibchen bis zu 40 mm groß werden und einen auffälligen Ovipositor besitzen, der einem Stachel ähnelt, aber nur zum Eierlegen dient. - Trotz ihres einschüchternden Aussehens sind diese [Insekten](/pages/lexikon/insekten) für den Menschen harmlos und stechen nicht. - Die Art bewohnt Nadelwälder und Gebiete mit verrottendem oder gefälltem Holz, wobei sie Weichhölzer wie Kiefern bevorzugt. - Weibchen wählen geschwächte, gestresste oder frisch geschnittene Bäume – oft solche, die von Feuer, Krankheitserregern oder anderen [Insekten](/pages/lexikon/insekten) befallen sind – um Eier abzulegen, manchmal Hunderte in Rindenschlitze, die mit dem Ovipositor erzeugt wurden. - Die Larven sind cremeweiß und beinlos und bohren sich durch das Holz, unterstützt durch einen symbiotischen Pilz (*Amylostereum areolatum*), der die Verdauung unterstützt und zum Holzabbau beiträgt. - Die Entwicklung dauert je nach Umweltbedingungen 1–5 Jahre, danach schlüpfen die Erwachsenen durch charakteristische runde Ausfluglöcher (3–8 mm Durchmesser) und hinterlassen mit Kot gefüllte Gänge, die die Holzqualität mindern. - *Urocerus gigas* befällt hauptsächlich Nadelbäume der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae), einschließlich der Gattungen *Pinus* (Kiefern), *Picea* (Fichten), *Abies* (Tannen), *Pseudotsuga* (Douglasien) und *Larix* (Lärchen), mit einer Vorliebe für Arten wie die Radiata-Kiefer (*Pinus radiata*). - Als sekundärer Schädling befällt sie selten gesunde Bäume, kann aber in bewirtschafteten Wäldern die Schäden verstärken und durch strukturelle Schwächung und Wertminderung des Holzes zu wirtschaftlichen Verlusten in der Holzproduktion führen. - Erwachsene Tiere sind von Mai bis August aktiv und oft in der Nähe von Wirtsbäumen schwebend oder aus dem Holz schlüpfend zu beobachten.[1]

Namen & Einordnung (kurz)

Die Riesenholzwespe (*Urocerus gigas*) zählt zur Familie der Holzwespen (Siricidae) innerhalb der Ordnung der Hautflügler. Ursprünglich wurde die Art im Jahr 1758 von Carl von Linné unter dem Basionym *Ichneumon gigas* beschrieben. Im Laufe der taxonomischen Geschichte erfolgte eine Umgruppierung zur Gattung *Sirex* (*Sirex gigas*), bevor die heutige Einordnung etabliert wurde; zu den Synonymen zählen unter anderem *Sirex bizonatus* und *Urocerus taiganus*. Der wissenschaftliche Gattungsname *Urocerus* leitet sich aus dem Griechischen ab und verweist auf den hornartigen Legebohrer am Hinterleibende.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Adulte *Urocerus gigas* zeichnen sich durch einen walzenförmigen Körperbau aus, dem die für viele Hautflügler typische Wespentaille fehlt. Die Grundfärbung ist überwiegend schwarz an Kopf und Thorax, während der Hinterleib eine auffällige gelb-schwarze Bänderung aufweist.[2][1] Ein charakteristisches Merkmal ist ein gelber oder weißer Fleck hinter den Augen auf der ansonsten schwarzen Kopfkapsel.[1] Es besteht ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus, wobei die Weibchen mit einer Körperlänge von bis zu 45 mm (ohne Legebohrer) beziehungsweise bis zu 55 mm (mit Legebohrer) deutlich größer werden als die Männchen.[2] Die männlichen Exemplare erreichen lediglich Längen zwischen 10 und 30 mm.[1] Weibchen verfügen über einen markanten Legebohrer, der über das Hinterleibsende hinausragt und bis zu 20 mm lang sein kann.[2][1] Beide Geschlechter tragen am Hinterleibsende einen dornartigen Fortsatz (Cornus), der der Gruppe den Namen „Holzwespen“ (engl. Horntails) verleiht.[1] Die Larven sind weiß, weichhäutig und walzenförmig, wobei sie eine Länge von bis zu 30 mm erreichen. Sie besitzen eine verhärtete braune Kopfkapsel sowie einen dunkelbraunen Stachel am Hinterende, der als Stopfapparat für das Bohrmehl dient.[2][1] Morphologisch weisen die Larven drei Paar Stummelfüße auf.[2] Verwechslungsgefahr besteht häufig mit [Hornissen](/pages/lexikon/hornisse), von denen sich *Urocerus gigas* jedoch durch die fehlende Wespentaille und den Abdominalstachel unterscheidet. Von der ähnlichen Art *Urocerus albicornis* lässt sich die Riesenholzwespe durch ihre Größe und die spezifische gelb-schwarze Bänderung abgrenzen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Riesenholzwespe (*Urocerus gigas*) tritt primär als Sekundärschädling auf, der sich in frisch gefälltem, anbrüchigem oder geschwächtem Nadelholz entwickelt.[2][1] Ein Befall bleibt in frischem Bauholz oft zunächst unbemerkt.[2] Die Larven legen im Holzinneren gewundene Fraßgänge an, die dicht mit Bohrmehl und Kotpartikeln verstopft sind, was die Erkennung erschweren kann. Dieser Prozess wird durch eine obligate Symbiose mit holzzerstörenden Pilzen wie *Amylostereum chailletii* unterstützt, welche die Holzstruktur zersetzen und die Verdauung der Larven ermöglichen. Nach Abschluss der Entwicklung fressen sich die adulten [Wespen](/pages/lexikon/wespen) nach außen und hinterlassen kreisrunde Ausfluglöcher mit einem Durchmesser von etwa 3 bis 8 mm.[2][1] Dabei besitzen die schlüpfenden Tiere die Fähigkeit, selbst harte Materialien wie Teppiche, Linoleum oder Bleibleche auf Flachdächern zu durchdringen.[2] Während die Art im nativen Verbreitungsgebiet meist nur geringe ökonomische Schäden verursacht, stellt sie in eingeführten Regionen wie Südamerika ein Risiko für Kiefernplantagen dar. Präventive forstwirtschaftliche Maßnahmen umfassen das Entrinden und die rasche Verarbeitung von Stämmen sowie die Entfernung geschwächter Bäume.[1] Eine physikalische Bekämpfung im Material ist möglich, da der Hitzetod der Tiere bei etwa 45 °C eintritt.[2] Für den Menschen ist *Urocerus gigas* harmlos, da die [Wespe](/pages/lexikon/deutsche-wespe) weder stechen kann noch Krankheiten überträgt.[2][3]

Biologie & Lebenszyklus

Die Flugzeit der adulten *Urocerus gigas* erstreckt sich von Mai bis August, wobei die Tiere ein lautsurrendes Fluggeräusch erzeugen. Für die Eiablage wird bevorzugt frisch gefälltes oder anbrüchiges Nadelholz genutzt.[2] Das Weibchen legt dabei ca. 400 Eier einzeln oder in Gruppen bis zu 30 mm tief in das Holzsubstrat ab.[2] Zusammen mit den Eiern werden Sporen eines symbiotischen Pilzes (z. B. *Amylostereum chailletii*) übertragen, der das Holz zersetzt und für die Larven verwertbar macht.[1] Nach einer Embryonalentwicklung von drei bis vier Wochen schlüpfen die Larven. Diese sind weiß, walzenförmig und weisen am Hinterende einen charakteristischen dunkelbraunen Stachel auf. Die Larven fressen sich durch das Holz, wobei die entstehenden Fraßgänge dicht mit Bohrmehl und Kotpartikeln verfüllt werden. Die Entwicklungsdauer beträgt in der Regel ein bis drei Jahre, kann jedoch in Abhängigkeit vom Eiweißgehalt des Holzes bis zu sechs Jahre andauern. Eine Überwinterung ist im Larvenstadium im Freien möglich. Zum Abschluss der Entwicklung nagen sich die [Wespen](/pages/lexikon/wespen) durch kreisrunde Fluglöcher mit einem Durchmesser von etwa 7 mm ins Freie.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    19.11.2025

  • Naturpark Rheinland, Meckenheim, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

    19.09.2025

  • Deutschland

    29.08.2025

  • Germany

    25.08.2025

  • Deutschland

    21.08.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Urocerus gigas* umfasst die Paläarktis und erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Asiens. In Europa reicht das Vorkommen von Skandinavien und den Britischen Inseln bis in den Mittelmeerraum und ostwärts bis nach Russland. Als invasive Art wurde die Riesenholzwespe zudem nach Südamerika eingeschleppt, wo sie sich unter anderem in Argentinien, Chile und Brasilien etabliert hat. Der typische Lebensraum besteht aus Nadelwäldern, wobei Bestände von Kiefern (*Pinus*), Fichten (*Picea*) und Tannen (*Abies*) bevorzugt besiedelt werden.[1] Für die Eiablage wählen die Weibchen vorwiegend frisch gefälltes, geschwächtes oder anbrüchiges Nadelholz, weshalb die Art häufig auf Holzplätzen oder in Windwurfgebieten anzutreffen ist.[1][4] Eine Entwicklung kann auch unbemerkt in frischem Bauholz stattfinden, sodass die Tiere gelegentlich in Innenräumen schlüpfen. Beim Ausschlüpfen aus verbautem Holz sind die [Wespen](/pages/lexikon/wespen) in der Lage, selbst feste Materialien wie Teppiche, Linoleum oder Bleibleche zu durchfressen. Die vertikale Verbreitung der Art reicht von Meereshöhe bis in Gebirgslagen von über 2.000 Metern.[1]

Saisonalität & Aktivität

Die Flugzeit der adulten *Urocerus gigas* erstreckt sich primär von Mai bis August, wobei in einigen Regionen Aktivität bis in den frühen Oktober auftreten kann.[2][1] Männliche Exemplare schlüpfen dabei typischerweise vor den Weibchen und sammeln sich häufig in den Baumkronen. Die Lebensdauer der erwachsenen [Wespen](/pages/lexikon/wespen) ist kurz und beschränkt sich meist auf ein bis zwei Wochen, in denen die Fortpflanzung im Fokus steht. Aggregierte Daten bestätigen dieses saisonale Muster mit einem deutlichen Anstieg der Beobachtungen im Juni und einem Höhepunkt im Juli.[1] Die Überwinterung erfolgt im Larvenstadium innerhalb des Holzes, wobei die gesamte Entwicklung meist ein bis drei Jahre in Anspruch nimmt.[2] In den Wintermonaten, spezifisch Februar und März, sind keine adulten Tiere aktiv.[1]

Quellen & Referenzen

  1. https://www.gbif.org/species/4492208
  2. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_04_01_01_04/print
  3. https://massnrc.org/pests/pestFAQsheets/giant%20woodwasp.htm
  4. Sellenschlo, U.: Riesenholzwespe (Uroceus gigas). Behr's Verlag, Hamburg. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_04_01_01_04/print