Die Rötelmaus (*Clethrionomys glareolus*) wurde im Jahr 1780 von Johann Christian Daniel von Schreber wissenschaftlich erstbeschrieben. Ursprünglich ordnete Schreber die Art in seinem Werk „Die Säugethiere in Abbildungen nach der Natur“ unter dem Basionym *Mus glareolus* ein.[2] Im Laufe der taxonomischen Geschichte wurde die Spezies im 19. Jahrhundert zunächst zur Gattung *Evotomys* und später zu *Clethrionomys* gestellt, um sie aufgrund dentaler Merkmale von echten Mäusen abzugrenzen. Zeitweise fand der wissenschaftliche Name *Myodes glareolus* breite Verwendung, bis eine nomenklatorische Analyse im Jahr 2020 *Clethrionomys* als den prioritären und gültigen Gattungsnamen bestätigte. Der Gattungsname setzt sich aus den griechischen Begriffen *kleithrion* (Riegel) und *mys* (Maus) zusammen, was auf die riegelartige Struktur der oberen Schneidezähne anspielt. Das Artepitheton *glareolus* leitet sich als Diminutiv vom lateinischen *glarea* (Kies) ab und bedeutet „etwas kiesig“, was die Präferenz der Tiere für steinige Waldböden beschreibt.[2] Systematisch wird die Rötelmaus der Familie der Wühler (Cricetidae) und der Unterfamilie der Wühlmäuse (Arvicolinae) zugeordnet.[2][1] Es werden über das Verbreitungsgebiet hinweg 10 bis 13 Unterarten unterschieden, darunter die auf der walisischen Insel Skomer isolierte Form *Clethrionomys glareolus skomerensis*. Im englischen Sprachraum ist die Art als „Bank vole“ oder „Red-backed vole“ bekannt.[2] In der Schädlingsbekämpfung wird sie als Pflanzen- und Forstschädling klassifiziert.[3]
Die Rötelmaus (*Clethrionomys glareolus*) ist ein kleiner, kompakter Nager mit einem mausartigen Erscheinungsbild, einer stumpfen, abgerundeten Schnauze und kleinen schwarzen Augen. Adulte Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 80 bis 121 mm sowie ein Körpergewicht zwischen 15 und 36 g. Die charakteristische Fellfärbung zeigt eine rostrote bis rotbraune Oberseite, die in Waldgebieten als Tarnung dient. Die Flanken sind oft grau durchsetzt, während die Unterseite grauweiß bis blass cremefarben gefärbt ist. Der Schwanz misst etwa 38 bis 76 mm, was etwas weniger als der halben Körperlänge entspricht.[3][2] Er weist ca. 80 Ringe auf und ist nur dünn behaart, sodass er fast nackt erscheint.[3] Die abgerundeten Ohren sind prominent ausgebildet und ragen leicht aus dem Fell hervor. Ein spezifisches Bestimmungsmerkmal ist das Gebiss mit bewurzelten prismatischen Backenzähnen bei erwachsenen Tieren, was sie von vielen anderen Wühlmäusen unterscheidet. Die oberen Schneidezähne weisen zudem einen markanten hinteren Lobus auf. Jungtiere unterscheiden sich von Adulten durch eine geringere Körpergröße von zunächst 7 bis 9 cm und eine vorwiegend graue, weniger leuchtende Fellfärbung. Das typische kastanienbraune Rückenfell bildet sich erst mit zunehmender Reife aus. Der Sexualdimorphismus ist gering ausgeprägt, wobei adulte Männchen tendenziell etwas größer und schwerer als Weibchen sind. Morphologisch lässt sich die Art durch die stumpfe Schnauze und die Zahnstruktur von echten Mäusen (*Mus*) abgrenzen.[2] Inselpopulationen wie die Skomer-Wühlmaus (*C. g. skomerensis*) können deutlich größer und dunkler gefärbt sein als die Festlandformen.[2]
Obwohl *Clethrionomys glareolus* ökologisch als Beutetier und Samenverbreiter fungiert, wird die Art in der Land- und Forstwirtschaft als Pflanzen- und Forstschädling klassifiziert.[3][2] Gesundheitlich ist die Rötelmaus von hoher Relevanz, da sie als primäres Reservoir für das Puumala-Orthohantavirus dient, welches beim Menschen die Nephropathia epidemica auslösen kann. Die Übertragung erfolgt meist über aerosolisierte Ausscheidungen wie Urin, Kot oder Speichel, insbesondere wenn Menschen Habitate wie Holzlager oder Hütten stören.[2] Zudem fungiert der Nager als Wirt für *Borrelia afzelii* (Lyme-Borreliose) und das Kuhpockenvirus. Das typische Schadbild in Kulturen umfasst den Fraß an Samen, Wurzeln, Knospen sowie der Rinde junger Bäume.[3][2] Besonders bei zyklischen Massenvermehrungen können signifikante Verluste an Getreide, Gemüse und forstlichen Setzlingen auftreten.[2] Im Winter suchen die Tiere vermehrt Schutz in Gebäuden oder Strohmieten, was das Konfliktpotenzial im menschlichen Umfeld erhöht.[3] Zur Bestandsregulierung werden Habitatmodifikationen, Fallen und der Einsatz von Rodentiziden genutzt. Historisch wurden spezifische Giftköder entwickelt, um Schäden in der Landwirtschaft durch gezielte Reduktion der Populationen zu begrenzen. Moderne Ansätze des integrierten Schädlingsmanagements (IPM) zielen darauf ab, den Einsatz breit wirksamer Chemikalien zu minimieren, um natürliche Räuber-Beute-Dynamiken zu erhalten. Präventive Maßnahmen umfassen die bauliche Sicherung von Gebäuden und die Reduktion von Versteckmöglichkeiten im siedlungsnahen Bereich.[2]