Fakten (kompakt)
- Neben den typischen blauen Blüten können die Blütenstände auch lavendelfarben, rosa oder weiß erscheinen. - Kulinarisch wird das Kraut nicht nur für Fleischgerichte wie Lamm und Geflügel genutzt, sondern auch zum Aromatisieren von Essig, Brot und Kräuterbutter verwendet. - Zu den spezifischen bioaktiven Verbindungen der Pflanze zählen Carnosinsäure, Rosmarinsäure, Carnosol und Ursolsäure. - In der modernen Forschung werden neuroprotektive Effekte untersucht, die unter anderem auf der Aktivierung des Nrf2-Signalwegs und der Reduktion entzündlicher Zytokine wie IL-1β und TNF-α basieren. - Historisch symbolisiert Rosmarin Erinnerung, Treue und Loyalität, weshalb griechische und römische Gelehrte ihn zur Gedächtnisstärkung trugen. - Die kulturelle Nutzung umfasst rituelle Anwendungen von der ägyptischen Einbalsamierung über mexikanische spirituelle Reinigungen (*limpias*) bis hin zu Gedenkfeiern am Anzac Day. - Kosmetisch wird das ätherische Öl aufgrund seiner adstringierenden und reinigenden Wirkung in Shampoos zur Behandlung von Schuppen eingesetzt. - Im Gartenbau ist die Pflanze für die USDA-Klimazonen 7 bis 10 geeignet und wird gezielt im Xeriscaping (wassersparende Landschaftsgestaltung) verwendet.[9]
Der heute gültige wissenschaftliche Name der Art lautet *Salvia rosmarinus* Spenn. (1835), nachdem phylogenetische DNA-Analysen im Jahr 2017 eine Eingliederung der Gattung *Rosmarinus* in die Gattung *Salvia* (Salbei) notwendig machten.[1][3] Zuvor war die Pflanze über Jahrhunderte unter dem von Carl von Linné 1753 in *Species Plantarum* etablierten Basionym *Rosmarinus officinalis* bekannt, das heute als homotypisches Synonym geführt wird.[1][2] Diese taxonomische Neuordnung basierte auf dem Nachweis, dass *Rosmarinus* innerhalb der *Salvia*-Klade nistet und die ursprüngliche Gattungseinteilung paraphyletisch war.[1][3] Der Name *Rosmarinus* leitet sich aus dem Lateinischen *ros* (Tau) und *marinus* (vom Meer) ab, was als „Tau des Meeres“ übersetzt wird und auf den natürlichen Standort an den Küsten des Mittelmeers verweist.[1][2] Das Art-Epitheton *officinalis* entstammt dem lateinischen Begriff *officina* für die Werkstatt oder den Vorratsraum von Apotheken und Klöstern, was die lange Tradition als Arzneipflanze unterstreicht.[1][4] Etymologisch entwickelte sich der Trivialname „Rosmarin“ über das altfranzösische *rosmarin*, wobei spätere volksetymologische Umdeutungen Assoziationen zu „Rose“ und „Maria“ herstellten.[1][2] Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. beschrieb der griechische Arzt Dioskurides die Pflanze in seinem Werk *De Materia Medica* unter dem Namen *libanotis*, was auf den weihrauchartigen Duft (*libanos*) anspielt. In romanischen Sprachen blieb der lateinische Wortstamm weitgehend erhalten, wie im Italienischen *rosmarino* oder dem Spanischen *romero* ersichtlich ist.[1]
Rosmarin (*Salvia rosmarinus*, syn. *Rosmarinus officinalis*) wächst als immergrüner, ausdauernder Halbstrauch mit verholzenden, dicht verzweigten Stängeln.[1][3] Adulte Pflanzen erreichen typischerweise Wuchshöhen von 0,6 bis 1,8 Metern, wobei aufrechte Formen bis zu 2 Meter hoch werden können, während kriechende Varietäten eher bodendeckend wachsen.[1][2] Die gegenständigen Blätter sind linealisch, nadelartig geformt und messen 2 bis 4 cm in der Länge bei einer lederartigen Textur.[6][2] Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal ist die Blattfärbung: Die Oberseite erscheint dunkelgrün, während die Unterseite durch ein dichtes Indumentum aus feinen, wolligen Haaren (tomentos) silbrig-weiß gefärbt ist.[1][6] Auf den Blättern befinden sich glanduläre Trichome, die bei mechanischer Beanspruchung ein starkes, kampferartiges Aroma freisetzen, das an Kiefern erinnert.[6][2] Die kleinen, röhrenförmigen Blüten besitzen eine zweilippige Krone, sind meist weniger als 1 cm lang und stehen in kurzen Trauben oder Quirlen an den Zweigspitzen.[1][6] Das Farbspektrum der Blüten reicht von Hellblau bis Violett, seltener treten rosa oder weiße Varianten auf.[1][2] Das Wurzelsystem ist tiefreichend ausgebildet, was der Pflanze das Überleben in ariden Habitaten sichert.[3] Zur generativen Vermehrung bildet die Pflanze Samen, die jedoch oft eine Dormanz und eine geringe Keimrate von 15 bis 30 % aufweisen.[7] Verwechslungsgefahr besteht mit dem Australischen Rosmarin (*Westringia rosmariniformis*), der zwar ähnliche graugrüne Nadeln besitzt, dem jedoch das typische aromatische Harzaroma fehlt und der meist weiße Blüten trägt.[2] Auch das Currykraut (*Helichrysum italicum*) ähnelt im Habitus mit silbrig-grauem Laub dem Rosmarin, unterscheidet sich aber deutlich durch seinen Curry-Duft und gelbe, knopfartige Blüten.[3] *Coleonema pulchellum* weist ebenfalls nadelartige Blätter auf, blüht jedoch mit sternförmigen rosa Blüten und verströmt einen zitrusartigen Geruch.[2] Wesentliche Unterscheidungsmerkmale für *Salvia rosmarinus* bleiben somit der spezifische kampferartige Duft, die blau-violetten Lippenblüten und die weiß-filzige Blattunterseite.[1][2]
In der ökologischen Klassifizierung gilt *Rosmarinus officinalis* (syn. *Salvia rosmarinus*) primär als Nützling, der durch die Abgabe flüchtiger Terpene allelopathische Effekte zeigt und so das Keimen sowie Wachstum benachbarter Unkräuter hemmt.[2] Dennoch ist die Kultur anfällig für spezifische Schädlinge wie Spinnmilben, Blattläuse und Wollläuse, die insbesondere in feuchten Umgebungen oder bei der Innenhaltung auftreten. Bei Staunässe oder mangelnder Belüftung entstehen häufig Pilzerkrankungen wie Echter Mehltau, Wurzelfäule oder Grauschimmel (*Botrytis*).[3] Präventive bauliche und kulturtechnische Maßnahmen umfassen die Wahl eines Standorts mit voller Sonneneinstrahlung sowie die Nutzung gut durchlässiger, sandiger oder steiniger Böden zur Vermeidung von Feuchtigkeitsstau.[1][2] Da die Pflanze als Xerophyt an Trockenheit angepasst ist, stellt eine sparsame Bewässerung nach der Etablierung den effektivsten Schutz vor Wurzelkrankheiten dar.[6] Für das Bestandsmanagement ist die korrekte Identifikation essenziell, um Verwechslungen mit ähnlich aussehenden Arten wie *Westringia rosmariniformis* oder *Helichrysum italicum* zu vermeiden, die abweichende Standortansprüche haben.[2] Interessanterweise wird Rosmarin selbst als biologisches Bekämpfungsmittel erforscht; Patentdaten beschreiben pestizide Zusammensetzungen aus Rosmarinextrakten, die effektiv gegen *Botrytis*-Infektionen wirken.[1] Die ätherischen Öle der Pflanze zeigen zudem antimikrobielle Aktivität gegen Lebensmittelpathogene wie *Escherichia coli* und *Salmonella* sowie antifungale Wirkungen gegen Schuppenverursacher.[3] Aus gesundheitlicher Sicht bestehen jedoch Risiken, da Rosmarin als Uterus-Stimulans wirkt und während der Schwangerschaft gemieden werden sollte, um das Risiko einer Fehlgeburt zu minimieren. Zudem sind Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien wie Warfarin möglich, und bei direktem Kontakt oder Inhalation können allergische Hautreaktionen sowie Atemwegsbeschwerden auftreten. Industriell wird das Öl als natürliches Konservierungsmittel genutzt, das in Konzentrationen von 0,1–0,5 % mikrobielles Wachstum in Emulsionen hemmt und die Haltbarkeit verlängert.[2]