Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Dermanyssus gallinae* (De Geer, 1778).[2][1] Die Erstbeschreibung erfolgte durch Charles De Geer im Jahr 1778 unter dem Basionym *Acarus gallinae* in seinem Werk *Mémoires pour servir à l'histoire des insectes*, basierend auf schwedischen Funden. Ursprünglich wurde die Milbe der weit gefassten Gattung *Acarus* zugeordnet, bis Antoine Dugès 1834 die Gattung *Dermanyssus* für blutsaugende Vogelmilben etablierte. Dugès führte die Art zunächst unter dem Namen *Dermanyssus avium*, bevor Carl Ludwig Koch 1836 die Validität des ursprünglichen Epithetons *gallinae* wiederherstellte.[2] Zu den relevanten Synonymen zählt *Dermanyssus hominis*, eine historische Bezeichnung für auf Menschen gefundene Exemplare, die später taxonomisch mit *D. gallinae* synonymisiert wurde. Gelegentlich finden sich in älterer Literatur Falschschreibungen wie *Dermatyssus gallinae*.[2] Heute fungiert *D. gallinae* als Typusart der Gattung *Dermanyssus* innerhalb der Familie Dermanyssidae.[2][1] Morphologisch wird die Gattung von verwandten Gruppen wie *Ornithonyssus* (Macronyssidae) durch ihre stilettartigen Cheliceren unterschieden, die speziell an das Durchstechen von Vogelhaut angepasst sind.[2] Im deutschsprachigen Raum ist der Trivialname „Rote Vogelmilbe“ etabliert, während international englische Bezeichnungen wie „poultry red mite“ oder „chicken mite“ verwendet werden.[2][1]
Adulte Exemplare von *Dermanyssus gallinae* sind 0,6 bis 1 mm lang und besitzen einen ovalen, dorsoventral abgeflachten Körper, der das Eindringen in schmale Spalten erleichtert.[2][1] Die Grundfärbung ist bei nüchternen Tieren blass oder grau-weiß, wechselt jedoch nach der Blutaufnahme zu einem rötlich-braunen bis dunkelroten Farbton.[2] Das Idiosoma wird teilweise von einem einzelnen Rückenschild (Dorsalschild) bedeckt, das sich nach hinten verjüngt und in einer abgestumpften Kante endet. Ein entscheidendes Bestimmungsmerkmal des Gnathosomas sind die langen, stilettartigen Cheliceren, die zum Durchstechen der Vogelhaut angepasst sind. Im Gegensatz dazu besitzen verwechselbare Arten der Gattung *Ornithonyssus* robustere, scherenförmige Cheliceren mit deutlichen Fingern. Auf der Ventralseite befindet sich die Analöffnung auf einem separaten Analschild, das so breit ist wie die Genitoventralplatte und drei Borsten (Setae) trägt. Die vier Beinpaare sind lang und am Tarsus mit Ambulacra ausgestattet, die die Haftung auf dem Wirt unterstützen. Es besteht ein ausgeprägter Sexualdimorphismus: Weibchen sind größer, haben einen abgerundeten hinteren Rand des Dorsalschilds und stilettartige zweite Chelicerenglieder. Männchen hingegen sind kompakter, weisen ein verschmolzenes Holoventralschild auf und besitzen auffällig verdickte Tarsen am zweiten Beinpaar. Diese modifizierten Beine dienen als Spermatodactyl-Struktur für die Spermienübertragung während der Paarung.[1] Die Larven sind hexapod (sechsbeinig), deutlich kleiner, blasser und besitzen noch keine Genitalien.[1][4] Die darauffolgenden Nymphenstadien (Proto- und Deutonymphe) sind octopod (achtbeinig) und ähneln in ihrer abgeflachten Form den Adulten, weisen jedoch reduzierte Sklerotisierungen auf.[1] Weibchen legen Gelege von 4 bis 8 Eiern ab, die nicht am Wirt, sondern in Verstecken platziert werden.[2]
Dermanyssus gallinae gilt als bedeutender wirtschaftlicher Schädling in der Geflügelhaltung, der weltweit jährliche Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verursacht, vor allem durch verringerte Eiproduktion und erhöhte Mortalität.[2] Der hämatophage Ektoparasit verursacht bei Hühnern durch nächtliches Blutsaugen Stress, Federpicken, Kannibalismus sowie schwere Anämien, wobei Legehennen pro Nacht über 3 % ihres Blutvolumens verlieren können.[1][3] Als Vektor kann die Milbe Pathogene wie Salmonella enterica, das Vogelgrippevirus und das Newcastle-Disease-Virus übertragen. Auch Menschen werden opportunistisch befallen (Gamasoidosis), was zu juckender Dermatitis führt, wobei das Risiko besonders für Geflügelhalter und Bewohner in der Nähe von Wildvogelnestern besteht.[2] Da sich die Milben tagsüber in Ritzen verbergen, erfolgt der Nachweis über visuelle Inspektionen oder Monitoring-Systeme wie Klebefallen und Wellpappfallen an Sitzstangen.[5][1] Präventive Maßnahmen umfassen strikte Biosicherheits-Protokolle wie Quarantäne für neue Tiere, gründliche Reinigung zwischen den Durchgängen (All-in-all-out) und bauliche Barrieren gegen Wildvögel.[1][4] Physikalische Bekämpfungsmethoden beinhalten die thermische Behandlung von Ställen bei über 45 °C sowie den Einsatz von Silikatstäuben (Kieselgur), die den Panzer der Milben austrocknen.[1][3] Biologische Ansätze nutzen natürliche Feinde wie die Raubmilbe Cheyletus eruditus oder entomopathogene Pilze wie Metarhizium anisopliae zur Populationskontrolle.[3][4] Chemische Akarizide wie Organophosphate und Pyrethroide werden eingesetzt, jedoch erschweren weit verbreitete Resistenzen die Wirksamkeit zunehmend.[1][5] Neuere Ansätze erforschen repellierende ätherische Öle oder physikalische Systeme auf Basis spezifischer LED-Wellenlängen zur milbenfeindlichen Lichtsteuerung.[2][5] Eine integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM), die Monitoring mit chemischen und physikalischen Maßnahmen kombiniert, ist für eine nachhaltige Bestandsregulierung essenziell.[1]