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Lexikon-Eintrag

Schwarzkopfameise Tapinoma melanocephalum

Schwarzkopfameise
Mittleres Risiko Invasive Art Krankheitsüberträger Allergen Physische Gefahr Kann stechen

Taxonomie

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Formicidae
Gattung Tapinoma
Art Tapinoma melanocephalum
Wissenschaftlicher Name Tapinoma melanocephalum (Fabricius, 1793)
Akzeptierter Name

Einleitung

Die **Schwarzkopfameise** (*Tapinoma melanocephalum*) ist eine kleine Ameisenart aus der Unterfamilie Dolichoderinae innerhalb der Familie der [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) ([Formicidae](/pages/lexikon/ameisen)).[1][2] Aufgrund ihres hellen, teils durchscheinenden Hinterleibs und der Beine, die im Kontrast zum dunkelbraunen Kopf und Thorax stehen, wird sie international auch als „ghost ant“ bezeichnet.[3][4] Die weltweit durch den Menschen verschleppte Art gilt als klassische „Tramp-[Ameise](/pages/lexikon/argentinische-ameise)“ und tritt insbesondere in warmen Innenräumen als Hygiene- und Materialschädling auf.[1][3]

Fakten (kompakt)

Hier sind einige Fakten über die Schwarzkopfameise (*Tapinoma melanocephalum*): - *Tapinoma melanocephalum*, auch bekannt als Geisterameise, ist eine kleine, monomorphe Ameisenart. - Arbeiterinnen sind 1,3 bis 1,9 mm lang. - Der Kopf und der Thorax sind dunkelbraun, während Beine und Gaster milchig-weiß sind. - Die [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) sondern beim Zerquetschen einen charakteristischen Geruch nach verrotteter Kokosnuss ab. - Ursprünglich stammt die Art aus den tropischen Regionen der Alten Welt.[3] - *T. melanocephalum* hat sich weltweit als invasive "Tramperameise" verbreitet. - Sie ist sehr anpassungsfähig an verschiedene Umweltbedingungen. - Die [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) nisten im Boden, unter [Steinen](/pages/lexikon/lebende-steine), in Mauern, in Topfpflanzen oder Pflanzenstängeln.[3] - *T. melanocephalum* bildet große, polygynische, unicoloniale Populationen mit mehreren Königinnen und Tausenden von Arbeiterinnen. - Die Vermehrung erfolgt durch Koloniebildung, was die rasche Ausbreitung begünstigt. - Sie ist Allesfresser und sucht nach süßen Substanzen wie Honigtau, Nektar und Haushaltsnahrungsmitteln sowie nach toten oder lebenden [Insekten](/pages/lexikon/insekten). - Als invasive Art stellt sie eine große Herausforderung als Haushalts- und Gebäudeschädling dar. - Sie kann pathogene Mikroben in sensiblen Umgebungen wie Krankenhäusern übertragen. - Die Art wurde ursprünglich 1793 von Johan Christian Fabricius als *Formica melanocephalum* beschrieben. - Arbeiterinnen haben 12-gliedrige Antennen, denen eine deutliche Keule fehlt.[3]

Namen & Einordnung (kurz)

Die Schwarzkopfameise (*Tapinoma melanocephalum*) ist eine Art aus der Unterfamilie der Drüsenameisen (Dolichoderinae), die 1793 von dem Entomologen Johan Christian Fabricius unter dem Basionym *Formica melanocephalum* erstbeschrieben wurde.[2][4] Wegen ihrer globalen Verbreitung und morphologischen Variabilität existieren zahlreiche historische Synonyme wie *Formica nana* oder *Myrmica pellucida*, die heute taxonomisch der Art zugeordnet sind.[4] Der englische Trivialname „ghost ant“ verweist auf die charakteristische, blasse und durchscheinende Färbung von Gaster und Beinen.[4][1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Arbeiterinnen von *Tapinoma melanocephalum* sind sehr kleine, monomorphe [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) mit einer Körperlänge von 1,3 bis 1,5 mm, wobei einige Quellen auch Größen bis 2,0 mm nennen. Ein zentrales Bestimmungsmerkmal ist die markante zweifarbige Färbung: Kopf und Brust (Thorax) sind schwarzbraun gefärbt, während der Hinterleib (Gaster) sowie die Beine milchig-weiß, rahmfarben oder durchscheinend erscheinen.[1][3] Diese helle, teils transparente Pigmentierung macht die Tiere schwer erkennbar und trug ihnen den Trivialnamen „Geisterameise“ ein. Die Fühler sind zwölfgliedrig und verdicken sich zur Spitze hin, ohne eine deutlich abgesetzte Keule zu bilden. Der Thorax ist dornenlos und das Stielchenglied (Petiolus) ist zu einem einzigen, niedrigen Knoten reduziert, der oft vom Gaster verdeckt wird. Ein Stachel fehlt den Tieren, jedoch verströmen sie beim Zerdrücken einen charakteristischen Geruch, der an verrottete Kokosnuss erinnert.[3] Die Königinnen sind mit 2,3 bis 2,5 mm (teils bis 3,5 mm) deutlich größer und weisen einen schwarzbraunen Kopf und Thorax sowie einen bräunlichen bis gelblich-braunen Gaster auf. Männchen erreichen eine Länge von etwa 2,3 bis 2,5 mm und werden je nach Population als völlig braunschwarz oder zweifarbig beschrieben.[1][3] Die Larven sind nackt, spindelförmig und besitzen nur spärliche, kurze Borsten. Auch die Puppen sind nackt und entwickeln sich ohne Kokon.[3] Die Eier der Art werden als weißlich trüb beschrieben.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Tapinoma melanocephalum gilt als bedeutender Hygiene- und Materialschädling, der in gemäßigten Breiten primär in feuchtwarmen Innenräumen wie Küchen, Sanitärbereichen oder Gewächshäusern auftritt.[1][3] Die Art verursacht Lebensmittelverderb und kann als mechanischer Vektor diverse Keime, darunter Staphylococcus, Streptococcus oder Schimmelpilze, auf Nahrungsmittel und in sterilen Umgebungen wie Krankenhäusern verschleppen.[1][7] In Gewächshäusern entstehen zudem indirekte Schäden, da die [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) Honigtau produzierende Pflanzenschädlinge wie Schmierläuse und [Blattläuse](/pages/lexikon/blattlause) pflegen und deren Populationen fördern.[2] Die Bekämpfung gilt als schwierig und oft langwieriger als bei der Pharaoameise, da die Tiere ihre Nahrungspräferenzen ständig ändern und kommerzielle Köder daher unregelmäßig annehmen.[1] Effektive chemische Maßnahmen setzen primär auf flüssige Zucker-Köder mit Wirkstoffen wie Borsäure (1 %) oder Fipronil, die über den Futteraustausch (Trophallaxis) im Nest verteilt werden. Von reinen Kontaktsprays wird abgeraten, da diese Stressreaktionen auslösen können, die zur Aufspaltung der Kolonie und Bildung neuer Zweignester führen. Präventiv sind bauliche Maßnahmen wie das Abdichten von Fugen sowie der Entzug von Nahrungs- und Feuchtigkeitsquellen entscheidend.[3] Da die optimale Entwicklung bei 25–32 °C liegt und unterhalb von 25 °C stagniert, ist eine dauerhafte Ansiedlung in kühleren Bereichen unwahrscheinlich; eine Überwinterung gelingt nur in stark beheizten Räumen.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Die Kolonien von *Tapinoma melanocephalum* sind polygyn und unikolonial organisiert, wobei mehrere Königinnen und tausende Arbeiterinnen ohne Aggression in vernetzten Nestern leben.[3] Die Nistplätze befinden sich opportunistisch in Hohlräumen, unter loser Rinde, in Blumentöpfen oder im Erdreich, ohne dass feste Bauten errichtet werden. Eine Paarung der Geschlechtstiere findet ausschließlich innerhalb des Nestes statt, da Hochzeitsflüge bei dieser Art nicht beobachtet wurden. Die Ausbreitung erfolgt primär durch passive Verschleppung oder das sogenannte „Budding“ (Sprossung), bei dem Tochterkolonien gebildet werden.[1][3] Der Lebenszyklus umfasst die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago.[3] Die weißlich-trüben Eier durchlaufen eine Embryonalentwicklung von 6 bis 10 Tagen. Daran schließt sich eine Larvenzeit von 11 bis 13 Tagen sowie eine Puppenruhe von 8 bis 12 Tagen an. Die Gesamtentwicklung dauert bei Arbeiterinnen 26 bis 31 Tage, während Königinnen und Männchen 29 bis 36 Tage benötigen. Eine optimale Entwicklung ist bei Temperaturen zwischen 25 und 32 °C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 90 % gewährleistet. Unterhalb von 25 °C und 70 % Luftfeuchtigkeit kommt die Entwicklung zum Stillstand.[1] Die Ernährung ist omnivor und umfasst süße Substanzen wie Honigtau oder Haushaltszucker sowie tote und lebende [Insekten](/pages/lexikon/insekten). Arbeiterinnen pflegen mutualistische Beziehungen zu Honigtau produzierenden Hemipteren wie Schmierläusen und [Blattläusen](/pages/lexikon/blattlause).[3]

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Tapinoma melanocephalum* wird in den Tropen der Alten Welt vermutet, wobei genetische und historische Hinweise auf Afrika oder den indopazifischen Raum deuten.[6][2] Durch den globalen Handel wurde die Art weltweit in über 150 Länder verschleppt und ist heute in vielen tropischen und subtropischen Regionen etabliert.[2][4] In gemäßigten Klimazonen ist ein Überleben im Freien aufgrund der Kälteempfindlichkeit nicht möglich, weshalb Vorkommen dort auf dauerhaft beheizte Strukturen wie Gewächshäuser und Gebäude beschränkt sind.[6][1] Bevorzugte Lebensräume im Innenbereich sind feuchtwarme Orte wie Küchen, Sanitärbereiche, Terrarien oder Tropenhäuser. Die Nistweise ist sehr flexibel; Kolonien nutzen opportunistisch vorhandene Hohlräume in Wänden, Blumentöpfen oder unter loser Rinde, anstatt eigene Nester zu bauen.[1][3] Im Freiland besiedelt die Art oft gestörte Habitate und nistet im flachen Boden, in Laubstreu oder an Pflanzenstängeln.[2][3] Die Ausbreitung erfolgt überwiegend passiv durch den Transport von befallenen Materialien oder Zierpflanzen.[1][3]

Saisonalität & Aktivität

Da die Paarung von *Tapinoma melanocephalum* intranidal erfolgt, werden keine klassischen Schwärmzeiten oder Hochzeitsflüge im Freien beobachtet.[1][2] Die Aktivität der Art ist stark temperaturabhängig, wobei die optimale Entwicklung zwischen 25 und 32 °C stattfindet und unterhalb von 25 °C zum Erliegen kommt.[1] In gemäßigten Breiten ist eine Überwinterung daher nur in stark beheizten Innenräumen wie Gewächshäusern oder Wohngebäuden möglich.[1][2] Die Nahrungssuche der Arbeiterinnen erfolgt sowohl tagsüber als auch in der Nacht.[2] Das digitale Suchinteresse in Deutschland spiegelt eine saisonale Dynamik wider, bei der die Aufmerksamkeit im Juli ihren Höhepunkt erreicht. Im Gegensatz dazu fallen die Suchanfragen in den Wintermonaten Januar und Februar auf ein Minimum ab.[5]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Freising, Bayern, Deutschland

    01.04.2025

  • DE-BY, Deutschland

    17.10.2022

  • Zoo Köln

    11.03.2007

Daten: iNaturalist

Quellen & Referenzen

  1. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_04_01_04_06/print
  2. https://www.gbif.org/species/1316805
  3. https://edis.ifas.ufl.edu/publication/IN532
  4. https://antwiki.org/wiki/Tapinoma_melanocephalum
  5. Suchinteresse-Zeitreihe (aggregiert)
  6. http://entnemdept.ufl.edu/creatures/urban/ants/ghost_ant.htm
  7. https://doi.org/10.1016/j.jhin.2012.11.022