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Lexikon-Eintrag

Stechpalme Ilex aquifolium

Stechpalme

Taxonomie

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Aquifoliales (Aquifoliales)
Familie Aquifoliaceae
Gattung Ilex
Art Ilex aquifolium
Wissenschaftlicher Name Ilex aquifolium L.
Akzeptierter Name

Einleitung

Die **Stechpalme** (*Ilex aquifolium*), auch Europäische Stechpalme genannt, ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum aus der Familie der Stechpalmengewächse (Aquifoliaceae), der ursprünglich in West- und Südeuropa, Nordafrika sowie Westasien verbreitet ist. Charakteristisch sind die glänzenden, dunkelgrünen Blätter mit oft stacheligen Rändern und die leuchtend roten Steinfrüchte, die im Winter eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel darstellen, für Menschen und Haustiere jedoch giftig sind. Während die Art in ihrem nativen Verbreitungsgebiet ökologisch wertvoll ist, gilt sie in Regionen wie dem pazifischen Nordwesten Nordamerikas oder Australien als invasiv, da sie dort heimische Vegetation verdrängt.[1]

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Zuletzt am 02.06.2026
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Fakten (kompakt)

- Das dichte Laubwerk dient Igeln als geschützter Ort für den Winterschlaf. - Neben Nordamerika tritt die Art auch in Australien und Neuseeland als invasive Spezies auf. - In Invasionsgebieten verändert die Pflanze aktiv die Bodenfeuchtigkeit. - Europäische Folklore assoziiert die Stechpalme traditionell mit Schutz und Fruchtbarkeit. - Das Fällen eines Baumes wurde im historischen Volksglauben als Unglück bringend betrachtet. - Historisch fanden Rinde und Blätter medizinische Anwendung, was heute aufgrund der Toxizität unüblich ist. - Die erste Produktion keimfähiger Samen erfolgt 5 bis 12 Jahre nach der Keimung. - Das jährliche Längenwachstum der Triebe beträgt etwa 10 bis 30 Zentimeter. - Männliche Blüten wachsen in Gruppen von drei bis fünf, während weibliche Blüten meist einzeln oder in kleineren Gruppen stehen. - Die Blütenmorphologie weist jeweils vier weiße Kronblätter auf.[10]

Name & Einordnung

Die wissenschaftlich als *Ilex aquifolium* L. klassifizierte Art steht innerhalb der Ordnung der Aquifoliales in der Familie der Aquifoliaceae.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung Stechpalme der etablierte Trivialname.[2] International wird die Art häufig als 'English holly' oder 'European holly' referenziert. Stammesgeschichtlich gilt *Ilex aquifolium* als Relikt der subtropischen Lorbeerwälder des Tertiärs (Känozoikum). Die evolutionären Wurzeln reichen bis in eine Radiation im Miozän zurück, wobei genetische Analysen auf eine nacheiszeitliche Ausbreitung aus Refugien in Südeuropa hindeuten.[1] Eine frühe historische Beschreibung lieferte Plinius der Ältere in seiner *Naturalis historia* (ca. 77 n. Chr.), in der er die immergrünen Eigenschaften als Schutzsymbol hervorhob. In der gärtnerischen Taxonomie ist zudem die Hybridisierung mit *Ilex perado* bedeutsam, welche die Gruppe *Ilex × altaclerensis* begründete.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Ilex aquifolium wächst als langsam wüchsiger, immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der typischerweise Höhen von 5 bis 15 Metern erreicht, wobei alte Exemplare bis zu 25 Meter hoch werden können.[4][1] Der Habitus ist durch eine dichte, konische bis pyramidenförmige Krone geprägt, die im Alter breiter werden kann. Die Rinde erscheint glatt, dünn und grau bis schwarz, oft durchsetzt mit kleinen braunen Lentizellen auf jüngeren Trieben, die im Alter deutlicher hervortreten. Die wechselständigen, einfachen Blätter messen 5 bis 12 cm in der Länge sowie 2 bis 6 cm in der Breite und besitzen eine ledrige Textur. Charakteristisch ist die glänzend dunkelgrüne Blattoberseite, die einen auffälligen Schimmer aufweist.[4] Die Blattränder zeigen eine ausgeprägte Heterophyllie: An Jungpflanzen und unteren Zweigen sind sie stark gewellt und mit scharfen Stacheln bewehrt, während Blätter im oberen Kronenbereich adulter Bäume oft glattrandig und stachellos sind.[4][1] Diese morphologische Variation ist positionsabhängig und nicht an das Geschlecht der Pflanze gebunden. Als zweihäusige (diözische) Art bildet Ilex aquifolium funktionell getrennte männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Individuen aus. Die kleinen, weißen Blüten besitzen vier Kronblätter und erscheinen von April bis Juni in den Blattachseln. Männliche Blüten stehen in Büscheln von drei bis fünf und enthalten zahlreiche Staubblätter, während weibliche Blüten meist einzeln oder in kleineren Gruppen stehen und einen Stempel aufweisen. Die daraus entstehenden Früchte sind rote, kugelige Steinfrüchte mit einem Durchmesser von 6 bis 10 mm, die drei bis vier Steinkerne enthalten. Diese Früchte reifen im Herbst und verbleiben den gesamten Winter über an der Pflanze, wobei selten auch gelbfrüchtige Varianten auftreten. Das Wurzelsystem breitet sich flach aus und bildet ein weitreichendes Netzwerk zur Stabilisierung. Zur Abgrenzung gegenüber Hybriden wie Ilex × altaclerensis dienen oft die bei der Hybride größeren Blätter und Früchte sowie deren meist geringere Bestachelung. In Nordamerika ist zudem die Unterscheidung zur heimischen Ilex opaca relevant, die ähnliche Merkmale aufweist, aber geographisch getrennt vorkommt.[4]

Beschreibung

Ilex aquifolium ist ein langsam wachsendes, immergrünes Gehölz, das als Relikt der tertiären Lorbeerwälder gilt und eine Lebensdauer von bis zu 300 Jahren, vereinzelt sogar über 400 Jahren, erreicht.[1][2] Im natürlichen Lebensraum, typischerweise in den Untergeschossen von Eichen- und Buchenwäldern, bildet die Art oft dichte Bestände oder wächst unter optimalen Bedingungen zu einem bis zu 25 Meter hohen, kegelförmigen Baum heran.[1] Das Wurzelsystem ist flach und weitläufig, wobei es eine Symbiose mit arbuskulären Mykorrhizapilzen eingeht, um die Nährstoffaufnahme in schattigen, nährstoffarmen Waldböden zu maximieren.[1][6] Ein herausragendes anatomisches Merkmal ist die ausgeprägte Heterophyllie (Verschiedenblättrigkeit), bei der die Blattmorphologie innerhalb eines Individuums variiert.[1] Während juvenile Pflanzen und untere, dem Wildverbiss ausgesetzte Zweige stark bedornte Blattränder zur mechanischen Abwehr aufweisen, sind die Blätter im oberen Kronenbereich adulter Bäume oft glattrandig und unbewehrt. Neuere Forschungen identifizieren diese Plastizität als epigenetische Anpassung: Durch Änderungen in der DNA-Methylierung kann die Pflanze als Reaktion auf Herbivorie, etwa durch Hirsche, die Bildung von Stacheln bei nachwachsendem Laub gezielt reaktivieren.[7][1] Die Rinde bleibt lange glatt und grau bis schwarz, oft besetzt mit kleinen Lentizellen, während das Holz extrem hart, weiß und feinfaserig ist. Reproduktionsbiologisch ist die Stechpalme diözisch (zweihäusig getrenntgeschlechtig), was bedeutet, dass männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Individuen sitzen und zur Bestäubung Insekten wie Bienen oder Schwebfliegen benötigen.[1] Nur die weiblichen Pflanzen entwickeln nach der Befruchtung die charakteristischen roten Steinfrüchte, die im Herbst reifen und den Winter über als essentielle Nahrungsquelle für Vögel wie Drosseln dienen.[2] Die Samenkeimung ist ein langwieriger Prozess, der oft 18 Monate oder zwei Winter dauert, da die Samen eine komplexe Dormanz überwinden müssen.[7] Ökologisch fungiert die Art zudem als Wirtspflanze für spezifische Insektenlarven, wie die des Faulbaum-Bläulings (*Celastrina argiolus*), dessen Raupen sich von den Blütenknospen und jungen Blättern ernähren.[1] In invasiven Verbreitungsgebieten wie dem pazifischen Nordwesten Amerikas zeigt sich die hohe Konkurrenzkraft der Art, wo sie durch ihre Schattentoleranz und die Veränderung der Bodenchemie heimische Arten verdrängt.[5] Historisch wurde die Art bereits im 1. Jahrhundert von Plinius dem Älteren beschrieben, der ihre immergrüne Natur als Schutzsymbol deutete.[2]

Verhalten

Ilex aquifolium zeigt eine bemerkenswerte phänotypische Plastizität als aktive Abwehrreaktion gegen Fressfeinde. Bei Verbiss durch Säugetiere reagiert die Pflanze epigenetisch gesteuert mit der Bildung verstärkt stacheliger Blätter, wobei DNA-Methylierungsmuster als Stressgedächtnis fungieren.[7] Diese Heterophyllie führt dazu, dass untere, herbivoriegefährdete Bereiche dorniges Laub tragen, während obere Kronenbereiche oft glattrandige Blätter ausbilden.[4] In Konkurrenzsituationen nutzt die Art ihre hohe Schattentoleranz, um unter geschlossenen Baumkronen zu überdauern und native Unterwuchsarten durch Lichtentzug zu verdrängen. Zudem modifiziert die Pflanze aktiv ihre chemische Umgebung, indem sie unter ihrem Kronendach den Schwefelgehalt um bis zu 15 % erhöht und den pH-Wert senkt, was die Etablierung anderer Arten hemmt.[5] Das Wurzelsystem geht Symbiosen mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein, um die Nährstoffaufnahme in nährstoffarmen Böden zu maximieren.[6] Zur Fortpflanzung locken insbesondere die männlichen Blüten durch reichhaltige Nektarproduktion Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen an. Eine enge Interaktion besteht zudem mit Vögeln wie Drosseln, die durch den Verzehr der im Winter verbleibenden Beeren die Samenverbreitung über weite Distanzen übernehmen. Nach physischen Störungen zeigt *Ilex aquifolium* ein aggressives Regenerationsverhalten durch Stockausschlag und Wurzelbrut, wobei sich die Wachstumsrate von anfänglich 1 cm auf bis zu 50 cm pro Jahr beschleunigen kann.[1]

Ökologie

Die ökologische Rolle von *Ilex aquifolium* ist vielfältig, da die nektarreichen Blüten im Frühjahr Bestäuber wie Bienen (*Apis mellifera*) und Schwebfliegen (*Syrphidae*) anziehen. Die Samenverbreitung erfolgt primär durch Ornithochorie, indem Vögel wie Drosseln (*Turdus* spp.) und Amseln (*Turdus merula*) die im Winter verbleibenden Steinfrüchte fressen und die keimfähigen Samen an entfernten Orten ausscheiden.[1][2] Als Reaktion auf Verbiss durch Säugetiere wie Rothirsche (*Cervus elaphus*) zeigt die Pflanze eine epigenetische Anpassung, bei der nachwachsende Blätter eine stärkere Bestachelung zur Abwehr entwickeln. *Ilex aquifolium* dient zudem als Wirtspflanze für die Larven des Faulbaum-Bläulings (*Celastrina argiolus*) und wird häufig von der Ilex-Minierfliege (*Phytomyza ilicis*) besiedelt, deren Larven Gangsysteme in den Blättern anlegen.[1] Das dichte, immergrüne Laub bietet wichtigen Schutz, etwa Nistplätze für Rotkehlchen (*Erithacus rubecula*) oder Überwinterungsquartiere für Igel (*Erinaceus europaeus*) im Laubstreu.[1][2] Im Wurzelbereich geht die Art symbiotische Verbindungen mit arbuskulären Mykorrhizapilzen (Glomeromycota) ein, um die Nährstoffaufnahme in schattigen Waldböden zu optimieren.[6] In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet besetzt die Stechpalme die Nische eines schattentoleranten Unterwuchses in Laubmischwäldern, oft vergesellschaftet mit Eichen und Buchen.[2] In invasiven Arealen wie dem pazifischen Nordwesten Nordamerikas tritt sie jedoch in Konkurrenz zu heimischen Arten wie der Pazifischen Eibe (*Taxus brevifolia*) und verändert die Bodenchemie durch eine Absenkung des pH-Werts.[5]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Ilex aquifolium nimmt eine ambivalente Rolle ein: Während sie im nativen Verbreitungsgebiet die Biodiversität fördert, wird sie in Regionen wie dem pazifischen Nordwesten der USA als invasiver Schädling klassifiziert.[1][5] In diesen Invasionsgebieten bildet die Art dichte Monokulturen, die heimische Pflanzen wie die Pazifische Eibe (Taxus brevifolia) verdrängen, die Bodenchemie durch Versauerung verändern und das Waldbrandrisiko erhöhen.[1][2] Medizinisch relevant ist die Toxizität der Pflanze, da Blätter und Beeren Saponine sowie Alkaloide wie Theobromin enthalten.[1][7] Der Verzehr von nur 3 bis 5 Beeren kann bei Kindern zu Erbrechen und Schläfrigkeit führen, während bei Haustieren schwere gastrointestinale Symptome auftreten können. Als Wirtspflanze leidet Ilex aquifolium selbst unter Schädlingen wie der Ilex-Minierfliege (Phytomyza ilicis), deren Larvenfraß die Photosynthese beeinträchtigt, sowie unter Schildläusen, die Rußtau begünstigen. Ein Befall durch die tödliche Phytophthora-Wurzelfäule zeigt sich oft durch Welke und schwarze Wurzeln, was durch Bodenverbesserung präventiv vermieden werden muss.[1] Zur Bekämpfung invasiver Bestände werden mechanische Methoden wie das Ausgraben der Wurzeln mit chemischen Maßnahmen kombiniert, wobei Herbizide wie Triclopyr oder Imazapyr direkt in den Stamm injiziert oder auf die Rinde aufgetragen werden. Präventiv wird in betroffenen Gebieten vom Anbau abgeraten, und bestehende weibliche Pflanzen sollten entfernt werden, um die Samenverbreitung durch Vögel zu stoppen.[7] Rechtlich ist die Pflanze im US-Bundesstaat Washington als "Class C noxious weed" gelistet, was spezifische Kontrollpflichten nach sich ziehen kann.[1] Jenseits der Schadwirkung nutzen Patentanmeldungen Extrakte von Ilex aquifolium dermatologisch zur Behandlung von Hautpigmentierungsstörungen und zur Hautberuhigung.[2]

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftliche Hauptbedeutung von *Ilex aquifolium* liegt heute im Zierpflanzenbau, insbesondere für die kommerzielle Produktion von Weihnachtsdekorationen und Kränzen.[1][2] Historisch wurde das harte, weiße Holz für hochwertige Intarsien, mathematische Instrumente und Dudelsäcke genutzt, bevor es im 19. Jahrhundert weitgehend durch tropische Hölzer verdrängt wurde.[1][3] In Regionen wie dem pazifischen Nordwesten Nordamerikas verursacht die Art als invasiver Neophyt ökonomische Schäden in der Forstwirtschaft, indem sie einheimische Nutzhölzer wie die Pazifische Eibe (*Taxus brevifolia*) verdrängt.[1][5] Die Bekämpfung in diesen Gebieten erfordert kostenintensive Maßnahmen, da mechanische Entfernung oft durch mehrjährige Herbizideinsätze ergänzt werden muss, um den Wiederaustrieb zu verhindern.[7][1] Zusätzlich erhöht die Art in Invasionsgebieten das Waldbrandrisiko und verändert die Bodenchemie, was die Wiederaufforstung mit heimischen Arten erschwert.[1][5] In der Landwirtschaft kann die Toxizität der Pflanze zu Verlusten führen, da der Verzehr bei Weidevieh wie Rindern und Pferden schwere gastrointestinale Störungen auslöst.[1][9] Historisch hingegen diente das Laub in Mangelzeiten oder bei hoher Schneedecke als wichtiges Notfutter für Schafe und Rinder.[2][1] Neuere wirtschaftliche Anwendungen finden sich in der Kosmetikindustrie, wo patentierte Samenextrakte zur Hautaufhellung und dermatologischen Pflege eingesetzt werden.[2] Als Nützling fördert *Ilex aquifolium* bestäubende Insekten durch frühes Nektarangebot und dient als Wirtspflanze für den Faulbaum-Bläuling (*Celastrina argiolus*).[2][1]

Biologie & Lebenszyklus

*Ilex aquifolium* ist eine zweihäusige (diözische) Pflanze, was bedeutet, dass männliche und weibliche Blüten auf getrennten Individuen wachsen.[4] Die Bestäubung der kleinen, weißen Blüten erfolgt zwischen April und Juni vorwiegend durch Insekten wie Bienen und Schwebfliegen, die vom reichhaltigen Nektarangebot angelockt werden.[1] Für eine erfolgreiche Fruchtbildung ist die Nähe kompatibler männlicher Pflanzen notwendig, da die Art auf Fremdbestäubung angewiesen ist.[2] Nach der Befruchtung entwickeln die weiblichen Pflanzen 6 bis 10 mm große, rote Steinfrüchte, die im Herbst reifen und den Winter über an der Pflanze verbleiben.[8] Jede Frucht enthält typischerweise drei bis vier Samenkerne, deren Verbreitung (Ornithochorie) hauptsächlich durch Vögel wie Drosseln erfolgt, die das Fruchtfleisch verdauen und die Samen ausscheiden. Die Keimung ist ein langwieriger Prozess, da die Samen eine warme und anschließende kalte Stratifikation benötigen und oft erst nach 18 Monaten oder zwei Wintern keimen.[1] Neben der sexuellen Fortpflanzung vermehrt sich die Art auch vegetativ durch Wurzelsprosse oder Absenker, insbesondere in dichten Waldbeständen.[5] Das Wachstum verläuft zunächst langsam, wobei etablierte Pflanzen jährlich etwa 10 bis 30 cm an Höhe gewinnen.[1] Die Geschlechtsreife und die Fähigkeit zur Produktion lebensfähiger Samen werden etwa 5 bis 12 Jahre nach der Keimung erreicht.[5] Als langlebiges Gehölz erreicht die Art ein Alter von bis zu 300 Jahren, wobei einzelne Exemplare auch über 400 Jahre alt werden können.[2] Ein physiologisches Merkmal ist die Heterophyllie, bei der juvenile Pflanzen und untere Zweige stachelige Blätter zur Abwehr von Fraßfeinden ausbilden.[7] Diese morphologische Anpassung kann durch epigenetische Mechanismen wie DNA-Methylierung als Reaktion auf Wildverbiss auch an älteren Pflanzen reaktiviert werden.[1] Im Wurzelbereich geht *Ilex aquifolium* eine Symbiose mit arbuskulären Mykorrhizapilzen ein, welche die Nährstoffaufnahme auf nährstoffarmen Waldböden verbessert.[6] Die Pflanze bevorzugt gut durchlässige, lehmige Substrate mit einem leicht sauren bis neutralen pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5. Zu den spezifischen Interaktionen gehört der Faulbaum-Bläuling (*Celastrina argiolus*), dessen Larven sich als Wirtsspezialisten von den Blättern ernähren. Ein häufiger Schädling ist die Ilex-Minierfliege (*Phytomyza ilicis*), deren Larven minierend in den Blättern leben und die Photosyntheseleistung reduzieren können. Auch Schildläuse wie *Pulvinaria floccifera* können die Blätter befallen und durch Rußtaupilze sekundäre Schäden verursachen.[1] Das dichte, immergrüne Laub dient ökologisch als wichtiger Überwinterungsort für Igel und geschützter Nistplatz für Vögel.[3]

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet von *Ilex aquifolium* umfasst West- und Südeuropa und reicht von den Britischen Inseln bis zum Balkan und der Türkei. Es erstreckt sich zudem über Nordwestafrika in den Atlas-Gebirgen von Marokko bis Tunesien sowie in Südwestasien bis zum Kaukasus und Iran.[2] Biogeographisch gilt die Art als Relikt der tertiären Lorbeerwälder, die einst den Mittelmeerraum dominierten.[4] Die Pflanze bevorzugt gemäßigte, ozeanische Klimata mit milden Wintern und feuchten Sommern, wobei Jahresniederschläge von über 800 mm optimal sind. In Nord- und Mitteleuropa reicht die vertikale Verbreitung vom Meeresspiegel bis auf etwa 1.100 Meter, während die Art in Südeuropa bis 1.850 Meter und im Atlasgebirge bis auf 2.600 Meter ansteigt. Typische natürliche Habitate bilden die schattigen Unterhölzer von Laubmischwäldern, oft in Vergesellschaftung mit Eichen (*Quercus*) und Buchen (*Fagus*). Die Stechpalme bevorzugt dabei feuchte, gut durchlässige Lehmböden mit einem leicht sauren bis neutralen pH-Wert zwischen 5,5 und 7,5.[2] Außerhalb des nativen Areals wurde die Art im 19. Jahrhundert in den pazifischen Nordwesten Nordamerikas eingeführt, wo sie heute von British Columbia bis Kalifornien weit verbreitet ist.[1][5] Weitere neophytische Vorkommen existieren in gemäßigten Zonen Australiens und Neuseelands, wo sich die Pflanze in gestörten und bewaldeten Landschaften etabliert hat.[1] In einigen dieser Regionen wird *Ilex aquifolium* als invasiv eingestuft, da sie dichte Monokulturen bildet, die heimische Arten wie die Pazifische Eibe (*Taxus brevifolia*) verdrängen und die Bodenchemie verändern.[5][1] Aufgrund ihrer Toleranz gegenüber Luftverschmutzung und Schnittmaßnahmen findet sich die Art häufig auch in Siedlungsbereichen, Parks und als Heckenpflanze im urbanen Raum. In Deutschland ist die Stechpalme weit verbreitet, wird jedoch in Bayern auf der Roten Liste als gefährdet geführt. Während die Bestände im Kernareal stabil sind, leiden Populationen an den südlichen Rändern zunehmend unter Trockenstress durch den Klimawandel.[1]

Saisonalität & Aktivität

Als immergrünes Gehölz behält *Ilex aquifolium* ganzjährig sein Laub und durchläuft keine winterliche Ruhephase durch Blattabwurf, wodurch die Pflanze auch in der kalten Jahreszeit Schutz für die Fauna bietet. Die reproduktive Aktivität beginnt mit der Blütezeit, die sich im Frühling von April bis Juni erstreckt. Während dieser Phase werden die nektarreichen Blüten intensiv von bestäubenden Insekten wie Bienen und Schwebfliegen angeflogen.[1] Nach der Bestäubung entwickeln sich die Steinfrüchte, die im Herbst reifen und den gesamten Winter über an der Pflanze verbleiben.[2] Diese Persistenz der Früchte sichert die Samenverbreitung durch Vögel (Ornithochorie) in den Wintermonaten, wenn andere Nahrungsquellen limitiert sind.[3] Das vegetative Wachstum der Pflanze verläuft vergleichsweise langsam, wobei etablierte Exemplare einen jährlichen Zuwachs von etwa 10 bis 30 cm verzeichnen. Die physiologische Aktivität ist an gemäßigte Klimazonen angepasst, wobei die Art in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet Wintertemperaturen bis zu -15 °C toleriert. Spezifische biotische Interaktionen zeigen ebenfalls eine Saisonalität, wie etwa die Larvenaktivität der Ilex-Minierfliege (*Phytomyza ilicis*), deren Fraßgänge besonders im Frühjahr in den Blättern sichtbar werden.[1] Das öffentliche Interesse an der Stechpalme spiegelt diese biologischen und kulturellen Phasen wider, mit erhöhter Aufmerksamkeit im April während der Blüte und einem signifikanten Anstieg im November, der mit der Fruchtreife und der traditionellen Nutzung als Winterdekoration korreliert.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    21.01.2026

  • Deutschland

    20.01.2026

  • Scheidegg, Bayern, Deutschland

    20.01.2026

  • Deutschland

    19.01.2026

  • Deutschland

    19.01.2026

Daten: iNaturalist

Wissenschaftliche Forschung & Patente

EP-3765161-A1 Biological Unbekannt

Verwendung eines Ilex aquifolium-Extrakts zur Behandlung von Hautpigmentierungsstörungen und zur Hautaufhellung

Centre National Rech Scient, Laboratoire Inoya Sas, University of Aix Marseille (2019)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt die spezifische Verwendung von Samenextrakten der Gattung Ilex, insbesondere Ilex aquifolium, in einer kosmetischen Zusammensetzung (MEL'OYA). Die Kernidee ist die Nutzung des Extrakts zur Depigmentierung und Aufhellung der Haut. Es handelt sich um eine direkte Anwendung der Pflanze als dermatologischer Wirkstoff.

WO-2014184340-A1 Biological Unbekannt

Zusammensetzung aus Ilex aquifolium-Extrakten und deren Verwendung

Biolis, Jennepin (2014)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Dieses Patent fokussiert sich explizit auf Extrakte von Ilex aquifolium. Es beschreibt deren Anwendung zur Behandlung dermatologischer Erkrankungen sowie zur Beruhigung und Reinigung der Haut, insbesondere auch bei Nutztieren. Die Innovation liegt in der spezifischen Aufbereitung und Nutzung der Stechpalme für medizinische und pflegende Zwecke.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.woodlandtrust.org.uk/trees-woods-and-wildlife/british-trees/a-z-of-british-trees/holly/
  2. https://patents.google.com/patent/EP3765161A1/en
  3. https://scottishwildlifetrust.org.uk/species/holly/
  4. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:83051-1/general-information
  5. https://www.nwcb.wa.gov/pdfs/Common-holly-Ilex-aquifolium-written-findings-2025.pdf
  6. https://mycorrhizae.com/wp-content/uploads/2017/03/Mycorrhizal-Status-of-Families-and-Genera-v1.6.pdf
  7. https://academic.oup.com/aob/article/135/1-2/357/7728990
  8. https://landscapeplants.oregonstate.edu/plants/ilex-aquifolium
  9. https://wagwalking.com/condition/holly-poisoning
  10. Literaturzusammenfassung: Ilex aquifolium