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Steinmarder Martes foina

Steinmarder
Mittleres Risiko Kann beißen Krankheitsüberträger Lästling Physische Gefahr

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Chordatiere (Chordata)
Klasse Säugetiere (Mammalia)
Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie Mustelidae
Gattung Martes
Art Martes foina
Wissenschaftlicher Name: Martes foina (Erxleben, 1777)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der **Steinmarder** (*Martes foina*) ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder (Mustelidae), die in weiten Teilen Europas und Asiens verbreitet ist.[1][2] Als anpassungsfähiger Kulturfolger besiedelt er bevorzugt felsiges Terrain sowie menschliche Siedlungsbereiche wie Dachböden oder Scheunen. Von dem eng verwandten Baummarder (*Martes martes*) lässt er sich durch seinen weißen, oft gegabelten Kehlfleck und die weniger dichte Unterwolle unterscheiden.[1] Während er als Jäger von Ratten und Mäusen eine nützliche Funktion erfüllt, wird er aufgrund von Bissschäden an Fahrzeugkabeln und Gebäudeteilen auch als Materialschädling und Lästling eingeordnet.[3][1]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name *Martes foina* wurde im Jahr 1777 von Johann Christian Polycarp Erxleben etabliert.[2][1] Taxonomisch gehört die Art zur Gattung *Martes* (Echte Marder) innerhalb der Familie der Mustelidae. Der Gattungsname leitet sich vom lateinischen Begriff *martes* ab, dessen etymologischer Ursprung im protogermanischen *marþraz* liegt.[2] Das Art-Epitheton *foina* bezieht sich auf die französische Bezeichnung *fouine*, die in romanischen Sprachen für diesen Marder verwendet wird. Im deutschen Sprachraum verdeutlicht der Name „Steinmarder“ die Habitatpräferenz für felsige oder urbane Strukturen im Gegensatz zum waldlebenden Baummarder (*Martes martes*). Ähnliche Assoziationen finden sich im Englischen („stone marten“) oder Französischen (*martre des pierres*).[1] Fossilfunde aus dem späten Pleistozän im Nahen Osten sowie morphologische Merkmale deuten auf *Martes vetus* als gemeinsamen Vorfahren von Stein- und Baummarder hin.[4] Genetische Untersuchungen ordnen *Martes foina* einer basalen Position innerhalb der Untergattung zu, die sich von anderen eurasischen Arten wie dem Zobel abgrenzt.[1] Die Art wird in 11 Unterarten unterteilt, wobei die Nominatform *M. f. foina* in Mittel- und Westeuropa verbreitet ist.[1] In der angewandten Klassifikation gilt der Steinmarder als gelegentlicher Materialschädling und Lästling, aber auch als Nützling durch die Jagd auf Schadnager.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Steinmarder (*Martes foina*) ist ein kleiner, schlanker Marder mit einem langgestreckten Körper, kurzen Gliedmaßen und einem buschigen Schwanz.[1] Adulte Tiere erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 40 bis 53 cm, während der Schwanz etwa 21 bis 30 cm misst. Das Körpergewicht variiert je nach Alter und Geschlecht zwischen 1,0 und 2,5 kg. Das Fell ist grob und weist eine dunkelbraune bis blass graubraune Grundfärbung auf, wobei die Unterwolle weniger dicht ist als beim verwandten Baummarder (*Martes martes*). Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal ist der weiße, oft gabelförmig bis auf die Vorderbeine verlaufende Kehlfleck, der sich deutlich vom gelblichen Fleck des Baummarders unterscheidet.[1][3] Der Kopf trägt abgerundete Ohren ohne markante Haarpinsel und beherbergt ein Gebiss mit 38 Zähnen. Die Sohlen der Pfoten sind im Gegensatz zu denen des Baummarders kaum bis gar nicht behaart, was die Trittsicherheit auf unterschiedlichen Untergründen unterstützt. Es besteht ein Sexualdimorphismus, bei dem Männchen generell größer und schwerer sind als Weibchen.[1] Neugeborene Jungtiere sind Nesthocker, wiegen etwa 30 g bei einer Länge von 15 cm und kommen blind sowie nackt zur Welt. Die Augenöffnung erfolgt erst nach 34 bis 38 Tagen, während das Jugendfell oft einen graueren Ton als das der Adulten aufweist.[1][3] Zur sicheren Abgrenzung von verwechselbaren Arten dienen primär die Form und Farbe des Kehlflecks sowie die Nacktheit der Sohlenballen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Steinmarder (*Martes foina*) wird als gelegentlicher Materialschädling und Lästling klassifiziert, gilt jedoch aufgrund seiner effektiven Jagd auf Ratten und Mäuse gleichzeitig als Nützling.[3] Ein wirtschaftlicher Schwerpunkt der Schäden liegt im Kraftfahrzeugbereich, wo die Tiere durch territoriales Markierverhalten Zündkabel, Kühlwasserschläuche und Dämmmatten zerstören.[2][1] Allein in Deutschland wurden im Jahr 2014 durch Marder verursachte Kfz-Schäden auf über 64 Millionen Euro beziffert.[2] In Gebäuden führt die synanthrope Lebensweise zur Besiedlung von Dachböden und Hohlräumen, was Lärmbelästigung sowie hygienische Probleme durch Kot, Urin und eingetragene Nahrungsreste verursacht.[3][1] Zudem tritt der Steinmarder als Prädator in Geflügelställen auf, wo er durch den Tötungsreflex bei flüchtender Beute oft mehr Tiere tötet, als er verzehren kann. Gesundheitlich ist die Art als Vektor für Parasiten wie Würmer (*Toxocara* spp.) sowie für Infektionskrankheiten wie die Hundestaupe relevant.[3][1] Zur Prävention an Fahrzeugen haben sich technische Vorrichtungen etabliert, die mittels elektrischer Stromstöße oder Ultraschall eine Barriere im Motorraum erzeugen.[1] Ergänzend werden biologische Vergrämungsmittel eingesetzt, die durch Duftstoffe von natürlichen Feinden (z. B. Hundehaare oder spezifische Sekrete) eine Meidung des Areals bewirken sollen. Bauliche Maßnahmen an Häusern zielen darauf ab, Zugangswege wie lose Dachziegel oder Fassadenlücken mechanisch zu verschließen.[1] Der Steinmarder gehört in vielen Regionen zum jagdbaren Wild, wobei die Bestandsregulierung durch festgelegte Jagdzeiten erfolgt.[3][1] Da die Populationen stabil sind und die Art als nicht gefährdet gilt, fokussiert sich das Management primär auf die Abwehr in anthropogenen Konfliktzonen.[1]

Biologie & Lebenszyklus

Die Paarungszeit (Ranz) des Steinmarders (*Martes foina*) findet im Hochsommer statt, primär in den Monaten Juni bis Anfang August.[3][1] Während dieser Zeit paaren sich die Tiere in einem polygynandren System, wobei sowohl Männchen als auch Weibchen mehrere Partner akzeptieren.[1] Eine physiologische Besonderheit ist die verlängerte Tragzeit durch die sogenannte Keimruhe; obwohl die gesamte Trächtigkeit 245 bis 290 Tage dauert, nistet sich die befruchtete Eizelle erst im Februar in die Gebärmutter ein.[3][1] Die eigentliche Embryonalentwicklung nach der Einnistung beträgt lediglich etwa einen Monat.[1] Die Setzzeit liegt im Frühjahr, meist zwischen März und Mai, wobei die Wurfgröße in der Regel zwei bis drei, selten bis zu sieben Jungtiere umfasst. Die Jungen kommen als Nesthocker zur Welt, sind blind, unbehaart und wiegen bei der Geburt etwa 30 Gramm.[3][1] Die Augenöffnung erfolgt erst nach 34 bis 38 Tagen, und ab dem 45. Tag beginnen die Jungtiere mit der Aufnahme fester Nahrung. Die Entwöhnung setzt nach etwa zwei Monaten ein, und im Spätsommer oder Herbst verlassen die Jungtiere das mütterliche Revier.[3][1] Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere nach zwei bis drei Jahren.[3] In freier Wildbahn beträgt die Lebenserwartung acht bis zehn Jahre, während sie in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre erreichen kann.[3][1] Als opportunistischer Allesfresser passt *Martes foina* seine Ernährung saisonal an.[1] Zu den tierischen Nahrungsquellen zählen Kleinsäuger (insbesondere Nagetiere), Vögel und deren Eier sowie Insekten. Pflanzliche Kost wie Obst, Beeren und Nüsse macht besonders im Sommer und Herbst einen signifikanten Teil der Nahrung aus.[3][1] Zu den natürlichen Feinden und Mortalitätsfaktoren gehören größere Prädatoren wie der Rotfuchs (*Vulpes vulpes*), der Uhu (*Bubo bubo*) und gelegentlich der Steinadler (*Aquila chrysaetos*). Zudem fungiert der Steinmarder als Wirt für Ektoparasiten wie Zecken (*Ixodes ricinus*) und Flöhe sowie für Endoparasiten wie Nematoden der Gattungen *Toxocara* und *Capillaria*.[1]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Algermissen Bahnhof, 31191 Algermissen, Deutschland

    19.01.2026

  • Deutschland

    17.01.2026

  • Ovelgönne, Lower Saxony, Deutschland

    16.01.2026

  • Deutschland

    15.01.2026

  • Deutschland

    07.01.2026

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Steinmarders (*Martes foina*) erstreckt sich über weite Teile Eurasiens, von der Iberischen Halbinsel und Dänemark im Westen bis nach Nord-Myanmar und China im Osten.[1][3] In Europa besiedelt die Art flächendeckend Mittel- und Südeuropa sowie mediterrane Inseln wie Kreta, Rhodos und Korfu, fehlt jedoch ursprünglich auf den Britischen Inseln und in Skandinavien.[1][2] Jüngere Beobachtungsdaten belegen allerdings eine Arealerweiterung nach Südschweden, wo die Art mittlerweile als invasiv eingestuft wird.[7] Außerhalb des paläarktischen Ursprungsgebiets existiert eine etablierte Population im US-Bundesstaat Wisconsin, die auf Farmflüchtlinge der 1940er Jahre zurückgeht und sich auf urbane Bereiche um Milwaukee beschränkt.[2] Als anpassungsfähiger Kulturfolger bevorzugt *Martes foina* strukturreiche Mosaiklandschaften, offene Laubwälder und felsiges Gelände, meidet jedoch im Gegensatz zum Baummarder (*Martes martes*) dichte Nadelwälder.[1][2] Die Art zeigt eine ausgeprägte Synanthropie und sucht gezielt die Nähe menschlicher Siedlungen, wo sie Scheunen, Dachböden und Ruinen als Ruheplätze nutzt.[3][2] In urbanen Lebensräumen verwenden bis zu 97 % der Tiere anthropogene Strukturen als Unterschlupf, während in naturnahen Gebieten Baumhöhlen und Felsspalten dominieren. Die vertikale Verbreitung reicht vom Meeresspiegel bis in Hochgebirgsregionen, wobei in Zentralasien Höhen von bis zu 4.000 Metern und im Himalaya sogar 4.200 Meter erreicht werden.[1][2] In Deutschland ist der Steinmarder als häufiger Lästling und Materialschädling bekannt, der oft in Steinbrüchen oder leerstehenden Gebäuden anzutreffen ist.[3] Die Reviergrößen variieren stark je nach Ressourcenverfügbarkeit und liegen typischerweise zwischen 12 und über 200 Hektar, wobei urbane Reviere oft kleiner ausfallen als ländliche.[1][2]

Saisonalität & Aktivität

Der Steinmarder (*Martes foina*) ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei sich 85–90 % der Bewegungen auf die Zeit nach Sonnenuntergang konzentrieren.[5][4] Die nächtliche Aktivität zeigt oft ein bimodales Muster mit Spitzenwerten zwischen 21:00–23:00 Uhr sowie 01:00–03:00 Uhr. Im Jahresverlauf ist die Mobilität im Sommer deutlich höher als im Winter, da strenge Witterung und Schneedecke den Bewegungsradius einschränken.[4] Die Paarungszeit, auch Ranz genannt, findet im Hochsommer von Juni bis Anfang August statt. Charakteristisch für die Fortpflanzung ist die Keimruhe, bei der die befruchteten Eizellen bis zum Februar im Ruhestadium verbleiben, bevor die eigentliche Tragzeit beginnt.[5][4] Die Setzzeit der Jungtiere erfolgt saisonal synchronisiert im Frühjahr, meist im März oder April.[5] Im Spätsommer und Herbst findet die Abwanderung der Jungtiere und die Suche nach eigenen Revieren statt, was zu einer erhöhten Mobilität führt.[5][4] Konflikte mit menschlicher Infrastruktur, insbesondere Verbiss an Fahrzeugkabeln durch territoriales Markierverhalten, erreichen im Frühjahr und Frühsommer ihren Höhepunkt.[4] Diese saisonale Dynamik spiegelt sich im öffentlichen Informationsbedarf wider, der in den Monaten Mai und Juni signifikant ansteigt.[6]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

US-2020093120-A1 Biological Unbekannt

Duftset zur Abschreckung von Mardern, insbesondere ein Duftanhänger

Kunagone Spolka Akcyjna (2018)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Dieses Patent stellt eine biologische Vergrämungsmethode vor, die spezifisch auf Martes foina abzielt. Ein Duftanhänger (z.B. ein Organzabeutel) wird mit Trägermaterialien wie Hundefell, Menschenhaar oder Exkrementen von Raubtieren gefüllt. Zusätzlich können Wachs, Öle oder eine Capsaicin-Lösung enthalten sein. Durch die Imitation der Anwesenheit natürlicher Feinde (Prädatoren) wird der Steinmarder instinktiv vertrieben, ohne dass komplexe Elektronik notwendig ist.

AT-394007-B Mechanical Erteilt

Vorrichtung zur Vergrämung von Kleinraubtieren wie Steinmardern in Kraftfahrzeugen

Daimler Benz AG (1986)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt eine technische Vorrichtung zum Schutz von Kraftfahrzeugen vor Steinmardern. Die Kernidee ist die Installation eines Abwehrsystems im Motorraum, das basierend auf den CPC-Codes (A01M29/30) wahrscheinlich elektrische Stromstöße oder akustische Signale nutzt. Dies verhindert effektiv, dass die Tiere Kabel oder Schläuche zerbeißen, indem der Aufenthalt im Motorraum unangenehm gemacht wird. Es handelt sich um eine klassische technische Barriere zur Schadensprävention.

AT-394006-B Mechanical Erteilt

Vorrichtung zur Vergrämung von Kleintieren wie Steinmardern in Kraftfahrzeugen

Daimler Benz AG (1986)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Hier wird eine spezifische Vorrichtung zur Marderabwehr in Fahrzeugen vorgestellt, die eng mit dem vorherigen Patent verwandt ist. Das System zielt darauf ab, den Steinmarder durch sensorische Reize (wahrscheinlich Ultraschall gemäß CPC A01M29/24) aus dem Motorraum zu vertreiben. Es bietet eine präventive, dauerhafte Lösung gegen die typischen Bissschäden an der Fahrzeugelektronik und Isolierung. Die technische Umsetzung ist für die Integration in die Fahrzeugelektrik konzipiert.

Quellen & Referenzen

  1. https://animaldiversity.org/accounts/Martes_foina/
  2. https://www.gbif.org/species/5218887
  3. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_08_01_08_01/print
  4. https://palaeo-electronica.org/content/2024/5240-fossil-martens-from-austria
  5. U. Sellenschlo, Steinmarder (Martes foina), Behr's Verlag, Hamburg
  6. Suchinteresse-Zeitreihe (Aggregierte Daten, DE)
  7. https://swedenherald.com/article/stone-marten-eradication-efforts-resume-in-sweden
  8. https://eh.net/encyclopedia/the-economic-history-of-the-fur-trade-1670-to-1870/