Die Familie *Pentatomidae* wurde im Jahr 1815 formell durch den britischen Zoologen William Elford Leach benannt, der die Gruppe innerhalb der taxonomischen Hierarchie der Heteroptera etablierte. Diese Nomenklatur bezieht sich auf die Typusgattung *Pentatoma*, die bereits 1789 von dem französischen Entomologen Guillaume-Antoine Olivier aufgestellt wurde. Olivier stützte sich dabei auf Arten wie *Pentatoma rufipes*, die ursprünglich von Carl Linnaeus in dessen Werk *Systema Naturae* (1758) beschrieben worden waren.[2] Der wissenschaftliche Name leitet sich etymologisch von den griechischen Wörtern *pente* (fünf) und *tomos* (Abschnitt) ab, was auf die charakteristischen fünfgliedrigen Antennen verweist, die diese Familie von anderen Schnabelkerfen unterscheiden. Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Baumwanzen“ als offizieller Trivialname gebräuchlich.[1] Aufgrund der übelriechenden Wehrsekrete, die aus spezialisierten Drüsen am Thorax oder Abdomen abgegeben werden, ist zudem der Name „Stinkwanzen“ weit verbreitet.[2] International werden sie analog dazu als „stink bugs“ oder aufgrund ihrer Schildform als „shield bugs“ bezeichnet. Systematisch gehört die Familie zur Überfamilie *Pentatomoidea* und umfasst aktuell etwa 5.000 Arten in rund 940 Gattungen, was sie zur drittgrößten Familie der Heteroptera macht.[2] Die interne Klassifikation unterteilt die *Pentatomidae* in zehn Unterfamilien, wobei die phylogenetische Einordnung historisch auf Morphologie basierte und seit einer Schlüsselstudie von Grazia et al. (2008) zunehmend durch DNA-Analysen gestützt wird.[1]
Adulte *Pentatomidae* zeichnen sich durch eine charakteristische schildförmige oder pentagonale Körpergestalt aus, die in der Dorsalansicht breit und abgeflacht erscheint. Die Körperlänge variiert typischerweise zwischen 5 und 30 mm, wobei die Grundfärbung je nach Art von tarnendem Grün und Braun bis zu lebhaften Mustern reicht. Der Kopf trägt fünfgliedrige, fadenförmige Antennen, die namensgebend für die Familie sind, sowie ein prominentes Rostrum als stechend-saugendes Mundwerkzeug. Ein zentrales Bestimmungsmerkmal ist das vergrößerte, dreieckige Scutellum (Schildchen), das sich nach hinten erstreckt und einen großen Teil des Abdomens bedeckt. Die Vorderflügel sind als Hemielytren ausgebildet, wobei der basale Teil ledrig und der apikale Bereich häutig-membranös ist. In Ruhestellung liegen die vollständig membranösen Hinterflügel gefaltet unter den Hemielytren. Auf der Thoraxunterseite befinden sich bei Adulten spezialisierte metathorakale Duftdrüsen, die zur Abwehr übelriechende Sekrete absondern. Ein Sexualdimorphismus ist oft ausgeprägt, wobei Weibchen meist größer sind und ein breiteres Abdomen für die Eiproduktion aufweisen. Die Larven (Nymphen) durchlaufen fünf Stadien, in denen sie noch keine flugfähigen Flügel besitzen, jedoch in späteren Phasen Flügelscheiden ausbilden. Frühe Larvenstadien wirken oft rundlicher und leben gesellig, wobei ihre Größe von etwa 1,5 mm im ersten Stadium bis fast zur Adultgröße im fünften Stadium zunimmt. Im Gegensatz zu den Adulten liegen die funktionsfähigen Duftdrüsen der Nymphen dorsal auf dem Abdomen und sind als Ostiolen auf den Segmenten III bis V sichtbar. Die Eier sind typischerweise tonnenförmig und werden in Gelegen von 20 bis über 100 Stück auf den Wirtspflanzen abgelegt. Zur Abgrenzung von anderen Hemipteren dienen primär die fünfgliedrigen Antennen sowie die spezifische Ausprägung des Scutellums.[1]
Die Familie *Pentatomidae*, im Deutschen oft als Baumwanzen oder Stinkwanzen bezeichnet, charakterisiert sich primär durch ihren schild- oder pentagonförmigen Körperumriss, der durch ein vergrößertes, dreieckiges Scutellum geprägt ist, welches weite Teile des Abdomens bedeckt. Dieser Habitus verleiht ihnen im englischen Sprachraum den Namen "shield bugs", während die Bezeichnung "Stinkwanzen" auf ihre Fähigkeit verweist, zur chemischen Verteidigung übelriechende Sekrete abzusondern. Der wissenschaftliche Name leitet sich aus dem Griechischen *pente* (fünf) und *tomos* (Abschnitt) ab und bezieht sich auf die diagnostisch wichtigen, fünfgliedrigen Antennen, die sie von anderen Schnabelkerfen unterscheiden. Adulte Tiere erreichen typischerweise eine Körperlänge von 5 bis 30 Millimetern, wobei die Färbung von unauffälligen Grün- und Brauntönen bis hin zu lebhaften Mustern variiert.[1] Die Vorderflügel sind als Hemielytren ausgebildet, deren basaler Teil lederartig verhärtet ist und dem Schutz der darunter gefalteten, membranösen Hinterflügel dient.[3] Im natürlichen Lebensraum nutzen die Tiere ihre stechend-saugenden Mundwerkzeuge (Rostrum), um je nach Unterfamilie Pflanzensäfte zu extrahieren oder als Räuber andere Arthropoden anzustechen. Eine funktionale Besonderheit sind die metathorakalen Duftdrüsen der Adulten, die bei Bedrohung volatile Verbindungen wie Aldehyde freisetzen und als Alarm- oder Abwehrsignal gegen Prädatoren wirken. Die Entwicklung verläuft hemimetabol über fünf Nymphenstadien, die den Adulten ähneln, jedoch flügellos sind und erst in späteren Phasen Flügelanlagen (Wing Pads) ausbilden. Frühe Nymphenstadien zeigen oft ein gregäres Verhalten und bleiben in Gruppen zusammen, was unter anderem die Aufnahme essentieller Darmsymbionten von den Eischalen erleichtert. Anders als die Imagines besitzen die Larven funktionale dorsale Abdominaldrüsen zur Verteidigung, deren Öffnungen auf den Hinterleibssegmenten sichtbar sind. Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich in der Körpergröße, wobei Weibchen meist größer und breiter gebaut sind, um die physiologischen Anforderungen der Eiproduktion zu erfüllen. Innerhalb der Überfamilie *Pentatomoidea* stellt *Pentatomidae* mit geschätzten 5.000 Arten die größte Familie dar und besiedelt weltweit diverse Habitate, von tropischen Wäldern bis zu Agrarlandschaften. Während die artenreichste Unterfamilie Pentatominae phytophag lebt, hat sich die Unterfamilie Asopinae evolutionär auf eine räuberische Lebensweise spezialisiert und dient in Ökosystemen als Regulator von Insektenpopulationen. Historisch geht die systematische Einordnung auf die Erstbeschreibung der Gattung *Pentatoma* durch Olivier im Jahr 1789 zurück, bevor Leach die Gruppe 1815 als Familie etablierte. Die enorme Anpassungsfähigkeit der Familie zeigt sich auch in der Verbreitung invasiver Arten wie *Halyomorpha halys*, die sich durch menschlichen Transport global etabliert haben.[1]
Ein charakteristisches Merkmal der *Pentatomidae* ist die Abgabe flüchtiger, übelriechender Sekrete als chemische Verteidigung gegen Fressfeinde, sobald die Tiere bedroht oder berührt werden. Diese Abwehrstoffe, die oft Aldehyde wie trans-2-Hexenal enthalten, werden bei Nymphen aus dorsalen Abdominaldrüsen und bei Adulten aus metathorakalen Drüsen freigesetzt.[1] Zur innerartlichen Kommunikation und Paarungsanbahnung emittieren Männchen spezifische Aggregationspheromone, häufig Sesquiterpene, die sowohl Geschlechtspartner als auch Artgenossen anlocken. Besonders frühe Nymphenstadien zeigen ein ausgeprägtes Aggregationsverhalten und bleiben nach dem Schlüpfen zunächst in Gruppen zusammen, um essentielle Darmsymbionten von den Eischalen aufzunehmen.[3] Adulte Tiere verfügen über ein gutes Flugvermögen, wobei Arten wie *Nezara viridula* saisonale Wanderungen über mehrere Kilometer aktiv fliegen oder sich passiv durch Wind über hunderte Kilometer verdriften lassen. Bei Störungen reagieren viele Arten mit einer schnellen Fluchtreaktion, indem sie unverzüglich auffliegen, um potenziellen Gefahren zu entkommen. In gemäßigten Klimazonen suchen die Imagines geschützte Überwinterungsquartiere wie Laubstreu oder Rindenspalten auf, um in eine Diapause einzutreten. Invasive Vertreter wie *Halyomorpha halys* dringen dabei oft in großer Zahl in menschliche Gebäude ein, was zu Lästlingsproblemen führen kann. Hinsichtlich des Nahrungserwerbs injizieren phytophage Arten Verdauungsenzyme in Pflanzengewebe, während räuberische Vertreter der Unterfamilie Asopinae aktiv weichhäutige Insektenlarven jagen.[1]
Die Familie besetzt vielfältige ökologische Nischen, wobei die Mehrheit der Arten phytophag ist und Pflanzensäfte saugt, während die Unterfamilie Asopinae als Räuber anderer Arthropoden fungiert. Ihre Habitate erstrecken sich von Wäldern und Grasland bis hin zu Agrarflächen, wo sie von Meereshöhe bis in Höhenlagen von über 2.000 Metern auf holziger und krautiger Vegetation anzutreffen sind. Herbivore Vertreter wie *Nezara viridula* sind oft polyphag und nutzen ihre stechend-saugenden Mundwerkzeuge, um Flüssigkeiten aus Gefäßgeweben, Samen und Früchten von über 200 Pflanzenarten zu extrahieren, mit einer Vorliebe für Fabaceae und Solanaceae. Die Injektion enzymatischer Speichelflüssigkeit führt dabei zu lokalen Nekrosen, Chlorosen und strukturellen Deformationen an Wirtspflanzen. Räuberische Arten wie *Podisus*-Spezies regulieren im Nahrungsnetz Populationen weichhäutiger Insektenlarven, darunter Raupen und Käferlarven.[1] Natürliche Feinde limitieren die Bestände signifikant, insbesondere Eiparasitoide wie *Trissolcus japonicus* und *Telenomus podisi*, die Parasitierungsraten von 20 bis 80 Prozent erreichen können. Zusätzlich parasitieren Raupenfliegen (Tachinidae) wie *Trichopoda pennipes* Nymphen und Adulte.[3] Zur Abwehr von Prädatoren setzen Nymphen und Adulte flüchtige Aldehyde wie Trans-2-Hexenal aus spezialisierten Drüsen frei, die als Repellentien gegen Wirbeltiere und Wirbellose wirken. Klimatische Bedingungen steuern den Lebenszyklus, wobei gemäßigte Arten in geschützten Verstecken eine reproduktive Diapause einlegen, während tropische Populationen sich kontinuierlich fortpflanzen. Invasive Arten wie *Halyomorpha halys* zeigen eine hohe Anpassungsfähigkeit und nutzen menschliche Bauwerke als Überwinterungsquartiere, oft fernab ihrer ursprünglichen Wirtspflanzen.[1]
Die Familie *Pentatomidae* nimmt eine ökologische Doppelrolle ein, da sie sowohl bedeutende Agrarschädlinge als auch nützliche Prädatoren für die biologische Schädlingsbekämpfung umfasst.[1] Phytophage Arten wie die invasive *Halyomorpha halys* (Marmorierte Baumwanze) und *Nezara viridula* verursachen massive Schäden durch das Saugen von Pflanzensaft, was zu Fruchtdeformationen („Katzengesichtigkeit“), Samenverlust und der Übertragung von Krankheiten wie der durch *Eremothecium* spp. ausgelösten Hefefleckenkrankheit führt.[1][3] In schweren Fällen reichen die Ernteverluste bei Soja, Baumwolle und Obst von 10 % bis 60 %, was zu finanziellen Einbußen in Millionenhöhe führt, wie etwa 37 Millionen Dollar bei US-Apfelbauern im Jahr 2010.[6][1] Obwohl sie keine Vektoren für menschliche Krankheiten sind, gelten Arten wie *H. halys* als Lästlinge, da sie zum Überwintern in großer Zahl in Gebäude eindringen und bei Störung ein übelriechendes Sekret absondern.[2] Das Integrierte Schädlingsmanagement (IPM) nutzt Pheromonfallen und visuelle Kontrollen zum Monitoring, wobei wirtschaftliche Schadensschwellen, wie 1–2 Wanzen pro Kescherfang in Soja, über Maßnahmen entscheiden.[4][1] Präventive ackerbauliche Maßnahmen umfassen die Entfernung von Wirtspflanzenunkräutern und den Einsatz von Fangpflanzen wie Sorghum oder Sonnenblumen, die Schädlinge von der Hauptkultur ablenken können.[3] Zur biologischen Bekämpfung werden räuberische Vertreter der Unterfamilie Asopinae, wie *Podisus maculiventris*, eingesetzt, die Raupen und Käferlarven vertilgen.[1] Zudem spielen Parasitoide wie die Schlupfwespe *Trissolcus japonicus* eine Schlüsselrolle, da sie in etablierten Invasionsgebieten Parasitierungsraten von über 50 % erreichen können. Die chemische Bekämpfung erfolgt oft mit Pyrethroiden, Organophosphaten und Neonicotinoiden, wobei zunehmende Resistenzen, etwa bei *Oebalus pugnax*, eine Rotation der Wirkstoffklassen erfordern.[3] Neuere Ansätze beinhalten die RNA-Interferenz (RNAi) zur Gen-Stilllegung sowie patentierte biologische Verfahren auf Basis von Pflanzenextrakten wie *Sophora* spp. gegen *Euschistus heros*.[5][2]
Die Familie *Pentatomidae* verursacht als bedeutender landwirtschaftlicher Schädling jährliche globale Verluste von über einer Milliarde US-Dollar.[1] Besonders invasive Arten wie die Marmorierte Baumwanze (*Halyomorpha halys*) und die Grüne Reiswanze (*Nezara viridula*) befallen hunderte Pflanzenarten, darunter Soja, Baumwolle, Reis und Obstbäume.[1][3] Die Saugtätigkeit führt zu direkten Ertragseinbußen von 10 % bis 60 %, wobei Deformationen an Früchten („Katzengesichtigkeit“ bei Pfirsichen) oder geschrumpfte Samen entstehen.[4][1] Neben dem direkten Verlust mindern Sekundärinfektionen wie die Übertragung der Hefepilzkrankheit bei Sojabohnen oder die Fleckigkeit bei Reis („pecky rice“) die Qualität massiv, was Getreide oft unverkäuflich macht.[3][1] Ein Ausbruch von *H. halys* verursachte 2010 allein bei Apfelproduzenten im mittelatlantischen Raum der USA Schäden von über 37 Millionen US-Dollar, während italienische Obstkulturen 2019 Verluste von 600 Millionen Euro verzeichneten.[1][5] In der Textilwirtschaft führt der Befall von Baumwolle zu Kapselschäden und Faserverfärbungen, was den Marktwert der Rohstoffe senkt.[6] Abseits der Landwirtschaft treten Arten wie *H. halys* als Lästlinge auf, indem sie in großen Zahlen in Wohnhäuser eindringen, um zu überwintern. Zur Bewältigung dieser wirtschaftlichen Last werden spezifische chemische und biologische Bekämpfungsmittel entwickelt, darunter Pflanzenextrakte aus *Sophora* oder synthetische Tetramsäurederivate.[2] Demgegenüber stehen wirtschaftlich nützliche Vertreter der Unterfamilie Asopinae, wie *Podisus maculiventris*, die als biologische Schädlingsbekämpfer gegen Raupen und Blattläuse eingesetzt werden.[1][7]