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Tabakkäfer Lasioderma serricorne

Tabakkäfer
Mittleres Risiko Allergen Krankheitsüberträger Kann beißen Physische Gefahr

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Käfer (Coleoptera)
Familie Anobiidae
Gattung Lasioderma
Art Lasioderma serricorne
Wissenschaftlicher Name: Lasioderma serricorne Fabricius, 1792
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne*) ist eine kosmopolitisch verbreitete Käferart aus der Familie der Ptinidae ([Nagekäfer](/pages/lexikon/holzwurm)), die weltweit als bedeutender Vorratsschädling auftritt.[1][2] Die Larven befallen neben dem namensgebenden Tabak eine Vielzahl getrockneter pflanzlicher Materialien, darunter Gewürze, Getreide, Trockenfrüchte und pharmazeutische Erzeugnisse.[1] Die Art wird häufig mit dem ähnlichen Brotkäfer (*[Stegobium paniceum](/pages/lexikon/stegobium-paniceum)*) verwechselt, unterscheidet sich von diesem jedoch durch glatte Flügeldecken ohne Punktstreifen sowie gesägte Fühler.[1][2]

Fakten (kompakt)

- *Lasioderma serricorne*, auch bekannt als Tabakkäfer, ist ein weltweit verbreiteter Schädling in gelagerten Produkten. - Adulte [Käfer](/pages/lexikon/kafer) sind rötlich-braun, oval und 2 bis 3 mm lang. - Die Larven sind weiß, C-förmig und erreichen eine Länge von etwa 4 mm.[3] - Der Lebenszyklus von *L. serricorne* umfasst die Stadien Ei, Larve, Puppe und Adult, und dauert unter optimalen Bedingungen 6 bis 8 Wochen. - Weibliche Käfer legen bis zu 100 Eier einzeln oder in Gruppen auf geeignete Nahrungsquellen. - Die Larven bohren sich in Substrate und produzieren mit Seide ausgekleidete Tunnel. - Die Verpuppung erfolgt innerhalb eines Kokons am Larvenfressplatz. - Adulte Käfer sind flugfähig und werden vom Licht angezogen, sie leben 2 bis 4 Wochen.[3] - *L. serricorne* befällt hauptsächlich getrocknete Pflanzenmaterialien wie Tabak, Getreide, Gewürze und Trockenfrüchte. - Larvenfraß verursacht direkte Schäden durch Bohrgänge und Ausflugslöcher in Verpackungen. - Kot, Seide und Körperteile der Käfer verunreinigen Produkte.[3] - *L. serricorne* kann durch seine glatten Flügeldecken (Elytren) von dem ähnlichen *[Stegobium paniceum](/pages/lexikon/stegobium-paniceum)* unterschieden werden.[3] - Ursprünglich pantropisch verbreitet, hat sich *L. serricorne* durch den Handel weltweit ausgebreitet. - Die Art wurde in alten ägyptischen Gräbern gefunden, was ihre lange Verbindung zur menschlichen Aktivität unterstreicht.[3] - Die Bekämpfung umfasst Hygienemaßnahmen, physikalische Kontrollen (z. B. Einfrieren oder Erhitzen) sowie chemische oder biologische Methoden.[3]

Namen & Einordnung (kurz)

Der Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne* Fabricius, 1792) wird taxonomisch der Familie der Ptinidae zugeordnet, wobei er historisch lange unter den [Anobiidae](/pages/lexikon/nagekafer) geführt wurde.[1][2] Diese Klassifizierung änderte sich durch molekulare und morphologische Studien, woraufhin die Anobiidae als Unterfamilie in die Ptinidae eingegliedert wurden.[2] Der wissenschaftliche Gattungsname *Lasioderma* entstammt dem Griechischen und bedeutet „behaarte Haut“, was auf die feine Behaarung des Körpers anspielt, während das Artepitheton *serricorne* die gesägten Antennen beschreibt.[1] In der Literatur finden sich zudem Synonyme wie *Ptinus testaceus* Duftschmid (1805) oder *Ptinus castaneus* Melsheimer (1845).[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der adulte *Lasioderma serricorne* ist ein kleiner, ovaler [Käfer](/pages/lexikon/kafer) mit einer Körperlänge von etwa 2 bis 3 Millimetern. Die Färbung variiert von Rotbraun bis Dunkelbraun, wobei die glatten Flügeldecken (Elytren) mit feinen Härchen bedeckt sind. Ein charakteristisches Merkmal ist die buckelige Erscheinung, da der Kopf nach unten geneigt ist und von oben betrachtet weitgehend durch das Halsschild verdeckt wird.[1] Die Fühler bestehen aus 11 Segmenten und sind gesägt, was sich im Artnamen *serricorne* widerspiegelt.[1][3] Im Gegensatz zu vielen anderen Arten bilden die Fühler keine abgesetzte Keule. Diese Merkmale sowie die glatten Flügeldecken unterscheiden die Art vom ähnlichen Brotkäfer (*[Stegobium paniceum](/pages/lexikon/stegobium-paniceum)*), der punktierte Längsreihen auf den Elytren und eine dreigliedrige Fühlerkeule aufweist.[1] Die Larven sind weißliche, C-förmige [Engerlinge](/pages/lexikon/engerlinge), die stark behaart sind und eine Länge von bis zu 5 Millimetern erreichen.[1][3] Sie besitzen eine braune Kopfkapsel sowie drei gut entwickelte Beinpaare. Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon, der aus Nahrungspartikeln und Abfallstoffen konstruiert wird.[1] Ein Sexualdimorphismus ist kaum erkennbar, jedoch sind Weibchen mit durchschnittlich 2,6 mm oft minimal größer als die Männchen.[3]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne*) gilt weltweit als bedeutender Vorratsschädling, der neben Tabakprodukten auch Getreide, Gewürze, Trockenfrüchte und pharmazeutische Erzeugnisse befällt.[1] Die Hauptschäden werden durch die Larven verursacht, die Fraßgänge in den Substraten anlegen und Verpackungen mit typischen Ausbohrlöchern durchlöchern.[3][5] Zusätzlich zur direkten Zerstörung werden Waren durch Kot, der gemahlenem Pfeffer ähnelt, sowie durch Spinnfäden und Insektenreste verunreinigt.[1][2] In der Tabakindustrie führt der [Käfer](/pages/lexikon/kafer) zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen, wobei allein in den USA jährlich etwa 1 % des gelagerten Tabaks vernichtet wird.[3] Gesundheitlich ist der Schädling relevant, da Proteine im Kot allergische Reaktionen wie Asthma oder Rhinitis auslösen können und eine versehentliche Aufnahme in seltenen Fällen zu Canthariasis führt.[3][2] Ein effektives Management basiert primär auf sanitären Maßnahmen wie der Entsorgung befallener Materialien und der Nutzung luftdichter Lagerbehälter.[1] Zur Überwachung der Populationen werden Pheromonfallen eingesetzt, die das Sexualpheromon Serricornin nutzen, um Männchen anzulocken.[3] Zur physikalischen Bekämpfung hat sich eine Hitzebehandlung bei 50 bis 60 °C über 24 bis 36 Stunden als wirksam erwiesen, um alle Entwicklungsstadien abzutöten. Alternativ kann eine Kältebehandlung bei -18 °C über einen Zeitraum von mindestens sechs Tagen durchgeführt werden.[1][3] Ergänzend kommen im integrierten Pflanzenschutz Begasungsmittel oder natürliche Gegenspieler wie die [Lagererzwespe](/pages/lexikon/lagererzwespe) *Anisopteromalus calandrae* zum Einsatz.[3][2]

Biologie & Lebenszyklus

Der Entwicklungszyklus von *Lasioderma serricorne* verläuft holometabol über die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago. Unter optimalen warmen Bedingungen über 20 °C dauert die gesamte Entwicklung typischerweise 6 bis 8 Wochen, kann sich jedoch bei kühleren Temperaturen um 20 °C auf bis zu 120 Tage verlängern. Die Weibchen legen bis zu 100 Eier einzeln oder in Gruppen direkt auf das Nährsubstrat, aus denen nach einer Inkubationszeit von 6 bis 10 Tagen die Larven schlüpfen. Das Larvenstadium umfasst 4 bis 6 Häutungen und erstreckt sich über einen Zeitraum von 4 bis 10 Wochen.[1] Diese weißen, C-förmigen Larven bohren sich in das Substrat und legen mit Seide ausgekleidete Tunnel an, was sie zum zerstörerischsten Stadium macht.[1][3] Zu ihrer Nahrung zählen vorwiegend getrocknete pflanzliche Materialien wie Tabak, Getreide, Gewürze, Nüsse und Trockenfrüchte.[1] Das Überleben auf nährstoffarmen Diäten wird durch symbiotische Hefen im Verdauungstrakt ermöglicht, die essenzielle B-Vitamine bereitstellen.[2] Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon aus Nahrungspartikeln und Kot am Fraßort und dauert 1 bis 3 Wochen. Die schlüpfenden, rotbraunen [Käfer](/pages/lexikon/kafer) sind 2 bis 3 mm groß, nachtaktiv und leben als Adulte nur 2 bis 4 Wochen.[1] In dieser Phase nehmen sie kaum feste Nahrung zu sich, sondern zehren von Reserven oder trinken Flüssigkeiten.[3]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Berlin, Berlin, Deutschland

    04.09.2025

  • Berlin, Deutschland

    29.05.2024

  • Rosdorf, Niedersachsen, Deutschland

    23.11.2023

  • Germany

    05.07.2021

  • Brandenburg, Deutschland

    05.07.2026

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Ursprünglich in pantropischen Regionen beheimatet, hat *Lasioderma serricorne* durch den globalen Handel mit Vorratsgütern eine kosmopolitische Verbreitung erlangt.[3] Die Art ist heute auf allen Kontinenten etabliert und besiedelt in gemäßigten Zonen wie Europa und Nordamerika vorwiegend beheizte Innenräume.[3][1] Im natürlichen Habitat tropischer und subtropischer Gebiete lebt der [Käfer](/pages/lexikon/kafer) in getrocknetem Pflanzenmaterial, Totholz oder der Laubstreu.[1] Als Kulturfolger tritt er primär in Lagerhäusern, lebensmittelverarbeitenden Betrieben und Wohnräumen auf, wobei er dunkle und feuchte Mikrohabitate bevorzugt.[1][2] Befälle konzentrieren sich oft auf gelagerten Tabak, Gewürze und Getreide, kommen aber auch an Herbarien in Museen oder in Privathaushalten vor.[4] Da die Entwicklung Temperaturen über 18 °C erfordert, ist die Art in kühleren Klimazonen auf geschützte Gebäude angewiesen.[2] In diesen Regionen zeigt *Lasioderma serricorne* oft eine saisonale Dynamik mit Aktivitätsspitzen in den wärmeren Monaten, während sie sich in den Tropen ganzjährig fortpflanzt.[3]

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität von *Lasioderma serricorne* ist stark temperaturabhängig, wobei die optimale Entwicklung in einem Bereich zwischen 30 °C und 33 °C stattfindet.[3] In tropischen Regionen oder konstant beheizten Lagerstätten können sich jährlich bis zu sechs überlappende Generationen entwickeln, während sich die Fortpflanzung in gemäßigten Zonen oft auf die wärmeren Monate beschränkt. Unterhalb von etwa 16 °C bis 17 °C werden die [Käfer](/pages/lexikon/kafer) inaktiv und die Entwicklung stagniert, weshalb Kälte eine limitierende Rolle spielt.[1] Adulte Tiere sind vorwiegend nachtaktiv, wobei die Flugaktivität in der Dämmerung beginnt und bis in die Nacht andauert.[3] Daten zum digitalen Suchinteresse in Deutschland zeigen saisonale Spitzenwerte im Spätsommer (August), was mit den natürlichen Temperaturmaxima korreliert. Ein weiterer signifikanter Anstieg des Interesses ist im Februar zu beobachten, was auf Befälle in beheizten Innenräumen während der Wintermonate hindeutet.[4] Die Flugbereitschaft der Imagines setzt generell erst ab Temperaturen über 18 °C ein, was die Ausbreitung innerhalb von Gebäuden begünstigt.[3]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-109392964-A Biological Unbekannt

Ein Repellent gegen Lasioderma serricorne und dessen Herstellungsverfahren

University of Guiyang (2018)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt ein pflanzliches Repellent zur Abwehr des Tabakkäfers. Die Formulierung basiert auf natürlichen Inhaltsstoffen wie afrikanischer Berg-Sojabohne, Borneol, Aloe sowie ätherischen Ölen von Zitrone und Eukalyptus. Durch die Kombination dieser Pflanzenextrakte wird eine starke abwehrende Wirkung erzielt, während das Mittel für den Menschen weitgehend ungiftig bleibt. Es bietet eine umweltfreundliche Alternative zu synthetischen Insektiziden im Vorratsschutz.

US-4968620-A Biological Erteilt

Biologisch reine Kultur eines Hefestamms zur mikrobiellen Entgiftung von Xenobiotika

US Agriculture (1989)

Relevanz: 5/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt keine direkte Bekämpfungsmethode, sondern isoliert einen symbiotischen Hefestamm aus dem Tabakkäfer selbst. Diese Hefe ist in der Lage, Giftstoffe und Insektizide abzubauen (Entgiftung). Die Erkenntnis ist biologisch relevant, da sie zeigt, wie der Käfer resistent gegen Gifte sein könnte, die eigentliche Anwendung des Patents liegt jedoch in der biotechnologischen Entgiftung von Chemikalien, nicht in der Tötung des Käfers.

US-4374746-A Chemical Erteilt

Cyclohexylphenethylether-Derivate, Verfahren zu deren Herstellung und Verwendung zur Bekämpfung von Tabakkäfern sowie zur Aromaverbesserung

International Flavors & Fragrances Inc. (1981)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Die Erfindung betrifft spezifische chemische Verbindungen (Cyclohexylphenethylether-Derivate), die eine Doppelfunktion erfüllen. Sie dienen einerseits als Duftstoffe in Parfüms und andererseits zur aktiven Bekämpfung von Tabakkäfern (Lasioderma serricorne). Das Patent beschreibt die chemische Synthese dieser Stoffe und ihre Anwendung. Dies ist besonders interessant für die Behandlung von parfümierten Waren, die anfällig für diesen Schädling sein könnten.

Quellen & Referenzen

  1. https://edis.ifas.ufl.edu/publication/IN384
  2. https://gd.eppo.int/taxon/LASDSE
  3. https://www.cabidigitallibrary.org/doi/full/10.1079/cabicompendium.29882
  4. https://museumpests.net/wp-content/uploads/2014/03/Cigarette-beetle.pdf
  5. https://citybugs.tamu.edu/factsheets/household/food-fabric/ent-2004/