Fakten (kompakt)
- *Lasioderma serricorne*, auch bekannt als Tabakkäfer, ist ein weltweit verbreiteter Schädling in gelagerten Produkten. - Adulte [Käfer](/pages/lexikon/kafer) sind rötlich-braun, oval und 2 bis 3 mm lang. - Die Larven sind weiß, C-förmig und erreichen eine Länge von etwa 4 mm.[3] - Der Lebenszyklus von *L. serricorne* umfasst die Stadien Ei, Larve, Puppe und Adult, und dauert unter optimalen Bedingungen 6 bis 8 Wochen. - Weibliche Käfer legen bis zu 100 Eier einzeln oder in Gruppen auf geeignete Nahrungsquellen. - Die Larven bohren sich in Substrate und produzieren mit Seide ausgekleidete Tunnel. - Die Verpuppung erfolgt innerhalb eines Kokons am Larvenfressplatz. - Adulte Käfer sind flugfähig und werden vom Licht angezogen, sie leben 2 bis 4 Wochen.[3] - *L. serricorne* befällt hauptsächlich getrocknete Pflanzenmaterialien wie Tabak, Getreide, Gewürze und Trockenfrüchte. - Larvenfraß verursacht direkte Schäden durch Bohrgänge und Ausflugslöcher in Verpackungen. - Kot, Seide und Körperteile der Käfer verunreinigen Produkte.[3] - *L. serricorne* kann durch seine glatten Flügeldecken (Elytren) von dem ähnlichen *[Stegobium paniceum](/pages/lexikon/stegobium-paniceum)* unterschieden werden.[3] - Ursprünglich pantropisch verbreitet, hat sich *L. serricorne* durch den Handel weltweit ausgebreitet. - Die Art wurde in alten ägyptischen Gräbern gefunden, was ihre lange Verbindung zur menschlichen Aktivität unterstreicht.[3] - Die Bekämpfung umfasst Hygienemaßnahmen, physikalische Kontrollen (z. B. Einfrieren oder Erhitzen) sowie chemische oder biologische Methoden.[3]
Der Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne* Fabricius, 1792) wird taxonomisch der Familie der Ptinidae zugeordnet, wobei er historisch lange unter den [Anobiidae](/pages/lexikon/nagekafer) geführt wurde.[1][2] Diese Klassifizierung änderte sich durch molekulare und morphologische Studien, woraufhin die Anobiidae als Unterfamilie in die Ptinidae eingegliedert wurden.[2] Der wissenschaftliche Gattungsname *Lasioderma* entstammt dem Griechischen und bedeutet „behaarte Haut“, was auf die feine Behaarung des Körpers anspielt, während das Artepitheton *serricorne* die gesägten Antennen beschreibt.[1] In der Literatur finden sich zudem Synonyme wie *Ptinus testaceus* Duftschmid (1805) oder *Ptinus castaneus* Melsheimer (1845).[2]
Der adulte *Lasioderma serricorne* ist ein kleiner, ovaler [Käfer](/pages/lexikon/kafer) mit einer Körperlänge von etwa 2 bis 3 Millimetern. Die Färbung variiert von Rotbraun bis Dunkelbraun, wobei die glatten Flügeldecken (Elytren) mit feinen Härchen bedeckt sind. Ein charakteristisches Merkmal ist die buckelige Erscheinung, da der Kopf nach unten geneigt ist und von oben betrachtet weitgehend durch das Halsschild verdeckt wird.[1] Die Fühler bestehen aus 11 Segmenten und sind gesägt, was sich im Artnamen *serricorne* widerspiegelt.[1][3] Im Gegensatz zu vielen anderen Arten bilden die Fühler keine abgesetzte Keule. Diese Merkmale sowie die glatten Flügeldecken unterscheiden die Art vom ähnlichen Brotkäfer (*[Stegobium paniceum](/pages/lexikon/stegobium-paniceum)*), der punktierte Längsreihen auf den Elytren und eine dreigliedrige Fühlerkeule aufweist.[1] Die Larven sind weißliche, C-förmige [Engerlinge](/pages/lexikon/engerlinge), die stark behaart sind und eine Länge von bis zu 5 Millimetern erreichen.[1][3] Sie besitzen eine braune Kopfkapsel sowie drei gut entwickelte Beinpaare. Die Verpuppung erfolgt in einem Kokon, der aus Nahrungspartikeln und Abfallstoffen konstruiert wird.[1] Ein Sexualdimorphismus ist kaum erkennbar, jedoch sind Weibchen mit durchschnittlich 2,6 mm oft minimal größer als die Männchen.[3]
Der Tabakkäfer (*Lasioderma serricorne*) gilt weltweit als bedeutender Vorratsschädling, der neben Tabakprodukten auch Getreide, Gewürze, Trockenfrüchte und pharmazeutische Erzeugnisse befällt.[1] Die Hauptschäden werden durch die Larven verursacht, die Fraßgänge in den Substraten anlegen und Verpackungen mit typischen Ausbohrlöchern durchlöchern.[3][5] Zusätzlich zur direkten Zerstörung werden Waren durch Kot, der gemahlenem Pfeffer ähnelt, sowie durch Spinnfäden und Insektenreste verunreinigt.[1][2] In der Tabakindustrie führt der [Käfer](/pages/lexikon/kafer) zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen, wobei allein in den USA jährlich etwa 1 % des gelagerten Tabaks vernichtet wird.[3] Gesundheitlich ist der Schädling relevant, da Proteine im Kot allergische Reaktionen wie Asthma oder Rhinitis auslösen können und eine versehentliche Aufnahme in seltenen Fällen zu Canthariasis führt.[3][2] Ein effektives Management basiert primär auf sanitären Maßnahmen wie der Entsorgung befallener Materialien und der Nutzung luftdichter Lagerbehälter.[1] Zur Überwachung der Populationen werden Pheromonfallen eingesetzt, die das Sexualpheromon Serricornin nutzen, um Männchen anzulocken.[3] Zur physikalischen Bekämpfung hat sich eine Hitzebehandlung bei 50 bis 60 °C über 24 bis 36 Stunden als wirksam erwiesen, um alle Entwicklungsstadien abzutöten. Alternativ kann eine Kältebehandlung bei -18 °C über einen Zeitraum von mindestens sechs Tagen durchgeführt werden.[1][3] Ergänzend kommen im integrierten Pflanzenschutz Begasungsmittel oder natürliche Gegenspieler wie die [Lagererzwespe](/pages/lexikon/lagererzwespe) *Anisopteromalus calandrae* zum Einsatz.[3][2]