Die wissenschaftliche Bezeichnung der Ordnung *Thysanoptera* wurde 1836 von dem irischen Entomologen Alexander Henry Haliday eingeführt, der die Gruppe formell von anderen Insekten abgrenzte und 41 Arten beschrieb. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern *thysanos* (Franse) und *pteron* (Flügel) zusammen, was auf die charakteristischen, mit langen Haaren gesäumten Flügel der Tiere anspielt.[1][2] Im deutschen Sprachraum ist die Ordnung daher als Fransenflügler oder unter dem Trivialnamen Thripse bekannt.[2] Der Begriff „Thrips“ leitet sich vom altgriechischen Wort *thrīps* für „Holzwurm“ ab und spiegelt frühe Vermutungen über eine holzbohrende Lebensweise wider. Carl Linnaeus etablierte die Gattung *Thrips* bereits 1758 in seinem Werk *Systema Naturae*, wobei er zunächst vier Arten klassifizierte. Historisch wurden Vertreter der Gruppe zuvor von Charles De Geer im Jahr 1744 unter dem Gattungsnamen *Physapus* geführt, bevor sich die linnésche Nomenklatur durchsetzte.[1] Aufgrund ihres massenhaften Auftretens bei schwülwarmem Wetter oder Gewittern werden sie im Englischen oft als „thunderflies“ (Gewitterfliegen) oder „thunderbugs“ bezeichnet.[2] Weitere internationale Trivialnamen wie „corn lice“ oder „freckle bugs“ verweisen auf ihre Assoziation mit landwirtschaftlichen Kulturen. Phylogenetisch wird die Ordnung den Paraneoptera zugeordnet und gilt als Schwestergruppe der Schnabelkerfe (*Hemiptera*).[1]
Thripse sind winzige Insekten mit einer typischen Körperlänge von 0,5 bis 1,5 mm, wobei einige Arten bis zu 14 mm erreichen können.[1] Ihr Körper ist schlank, zylindrisch oder zigarrenförmig gestreckt und wirkt oft quer eingeschnürt, was die Bewegung in engen Blütenkelchen erleichtert. Der schmale, hypognathe Kopf trägt kurze Antennen aus 6 bis 10 Gliedern sowie Facettenaugen, die bei Adulten meist von drei in einem Dreieck angeordneten Ocellen ergänzt werden. Einzigartig für die Ordnung sind die asymmetrischen Mundwerkzeuge in einem Mundkegel, bei denen der linke Mandibel zum Stechen entwickelt ist, während der rechte verkümmert oder nicht vorhanden ist.[2] Adulte Tiere besitzen meist zwei Paar schmale, riemenartige Flügel, die an den Rändern mit einem dichten Saum langer Fransenhaare besetzt sind.[3] Die Flügeladerung ist stark reduziert, und im Ruhezustand liegen die Flügel parallel über dem Abdomen. An den Beinen befinden sich 1- bis 2-gliedrige Tarsen, die an der Spitze ausstülpbare, blasenartige Haftstrukturen (Arolien) besitzen, um sich an glatten Oberflächen festzuhalten. Die Morphologie des Hinterleibs unterscheidet die beiden Unterordnungen maßgeblich: Weibchen der *Terebrantia* besitzen einen sägeartigen Legebohrer (Ovipositor) am achten und neunten Segment. Bei den *Tubulifera* hingegen fehlt der Legebohrer und das zehnte Abdominalsegment ist zu einer charakteristischen Röhre ausgezogen, die Anus und Genitalien umschließt. Ein Sexualdimorphismus ist oft ausgeprägt, wobei Männchen meist kleiner als Weibchen sind und in Familien wie den Phlaeothripidae zangenartige Greiforgane am neunten Segment aufweisen können.[2] Die Larven ähneln den Adulttieren in der Körperform (Hemimetabolie), sind jedoch flügellos und oft blassgelb bis orange gefärbt. Im Gegensatz zu den mobilen Larven sind die Präpuppen- und Puppenstadien ruhend und nehmen keine Nahrung auf, während sich die Flügelanlagen ausbilden. Als indirektes Bestimmungsmerkmal gelten die typischen Fraßspuren an Pflanzen, die sich als silbrige Sprenkelungen oder helle Flecken äußern, verursacht durch das Aussaugen von Pflanzenzellen.[1] Aufgrund ihrer geringen Größe werden Thripse häufig mit Blattläusen oder Milben verwechselt, lassen sich jedoch mikroskopisch durch die gefransten Flügel und die asymmetrischen Mundwerkzeuge eindeutig abgrenzen.[2]
Thripse sind winzige Insekten der Ordnung *Thysanoptera*, die typischerweise 0,5 bis 1,5 mm lang sind und durch schlanke, zigarrenförmige Körper sowie schmale, mit langen Fransen besetzte Flügel charakterisiert werden.[1][2] Der wissenschaftliche Name leitet sich aus dem Griechischen („thysanos“ für Franse, „pteron“ für Flügel) ab, während der Trivialname „Thrips“ (Singular und Plural identisch) ursprünglich „Holzwurm“ bedeutete und auf frühe Beobachtungen in Pflanzenmaterial verweist. Ein einzigartiges anatomisches Merkmal ist die Asymmetrie der stechend-saugenden Mundwerkzeuge: Der linke Mandibel ist zu einem funktionalen Stilett entwickelt, während der rechte verkümmert ist oder fehlt.[2] Diese Anpassung ermöglicht das Anritzen (Raspeln) von Oberflächen und das anschließende Aussaugen verflüssigter Zellinhalte, was oft zu charakteristischen silbrigen Narben auf Blättern führt.[1][3] An den Tarsen besitzen sie spezialisierte, ausstülpbare Haftblasen (Arolien), die ihnen das Klettern auf glatten Oberflächen ermöglichen und der Gruppe den historischen Namen „Blasenfüße“ einbrachten.[2] Die zwei Flügelpaare sind riemenartig reduziert und nutzen einen „Clap-and-Fling“-Mechanismus, bei dem die Randfransen die aerodynamische Oberfläche im Flug vergrößern.[3] Die Entwicklung verläuft über eine spezielle Form der unvollständigen Metamorphose (Remetabolie) mit Ei, zwei aktiven Larvenstadien sowie zwei bis drei ruhenden, puppenähnlichen Stadien (Präpupa, Pupa), in denen keine Nahrungsaufnahme stattfindet.[1] Die flügellosen Larven sind meist blassgelb bis orange gefärbt und ähneln den Adulten, bevor sie zur Verpuppung oft in den Boden oder die Laubstreu abwandern.[1][2] Ein ausgeprägter Sexualdimorphismus zeigt sich oft in der Größe, wobei Männchen meist kleiner sind als Weibchen. Weibchen der Unterordnung *Terebrantia* besitzen einen sägeartigen Ovipositor (Legestachel) zur Eiablage in Pflanzengewebe, während *Tubulifera*-Weibchen diesen nicht aufweisen und Eier oberflächlich ablegen.[2] Während viele Arten gregär leben, zeigen einige gallenbildende Vertreter der Familie Phlaeothripidae echte Eusozialität mit spezialisierten Soldatenkasten zur Verteidigung der Kolonie.[2][6] Phylogenetisch gelten Thripse als Schwestergruppe der *Hemiptera* (Schnabelkerfe) innerhalb der Paraneoptera, mit fossilen Belegen, die bis in die Trias vor rund 230 Millionen Jahren zurückreichen.[1][2] Im Feld erscheinen die Tiere oft nur als winzige dunkle Striche in Blüten, während zur genauen Artbestimmung mikroskopische Merkmale wie Borstenanordnung (Chaetotaxie) und Flügeladerung herangezogen werden müssen.[1][3] Ihre kryptische Lebensweise in engen Blütenknospen oder Blattscheiden schützt sie effektiv vor Witterungseinflüssen und erschwert den Kontakt mit Insektiziden.[2]
Thripse nutzen einen einzigartigen "Clap-and-Fling"-Flugmechanismus, bei dem die gefransten Flügel am Ende des Aufschlags zusammenschlagen und sich anschließend trennen, um durch Wirbelbildung Auftrieb zu erzeugen. Aufgrund ihrer geringen Größe ist der aktive Flug mit Geschwindigkeiten von 0,10 bis 0,50 m/s schwach ausgeprägt, weshalb die Fernverbreitung primär passiv durch den Wind erfolgt.[3] Für die Fortbewegung auf glatten Pflanzenoberflächen besitzen ihre Beine ausstülpbare, blasenartige Haftstrukturen (Arolien).[1] Die Orientierung erfolgt oft phototaktisch hin zu ultraviolettem Licht und reflektierenden Flächen, wobei Flugaktivitäten meist erst ab Temperaturen über 20 °C ausgelöst werden.[3] Das Nahrungsverhalten ist durch Raspeln und Saugen geprägt, wobei die asymmetrischen Mundwerkzeuge Pflanzenzellen aufreißen und verflüssigten Inhalt aufnehmen. Viele Arten zeigen ein gregäres Verhalten und bilden Ansammlungen, die durch von Männchen produzierte Aggregationspheromone wie (Z)-β-Ocimen gesteuert werden. Zur Kommunikation bei Gefahr setzen Larven, etwa beim *Kalifornischen Blütenthrips* (*Frankliniella occidentalis*), Alarmpheromone frei, die Flucht- oder Abwehrreaktionen auslösen.[2] Eine hochspezialisierte Form des Sozialverhaltens findet sich bei gallenbildenden Arten der Familie Phlaeothripidae (z. B. *Kladothrips*), die eusoziale Kolonien mit sterilen Soldatenkasten bilden.[2] Diese Soldaten verteidigen die Galle mit vergrößerten Vorderbeinen aggressiv gegen Kleptoparasiten oder Pilzbefall.[6] Im Rahmen der Nahrungssuche tragen Thripse Pollen, der an ihren Körperborsten und Flügeln haftet, passiv weiter und fungieren so als Bestäuber, insbesondere bei basaleren Angiospermen.[2]
Thripse besetzen vielfältige ökologische Nischen und fungieren je nach Art als Phytophagen, Bestäuber, Mycophagen oder Räuber. Die Mehrheit ernährt sich von Pflanzensäften, indem sie mit asymmetrischen Mundwerkzeugen Mesophyllzellen oder Pollen ansticht und aussaugt.[2] Als Bestäuber spielen sie eine wichtige Rolle für basale Angiospermen und kleinblütige Pflanzen, wobei sie trotz geringerer Pollenkapazität signifikant zum Samenansatz beitragen.[8] Mycophage Arten, insbesondere innerhalb der Familie Phlaeothripidae, besiedeln Laubstreu oder Totholz und ernähren sich von Pilzsporen und Hyphen.[2] Räuberische Thripse wie Vertreter der Gattung *Aeolothrips* regulieren Populationen kleiner Arthropoden, indem sie Milben und Blattläuse anstechen.[1] Im Nahrungsnetz dienen Thripse selbst als Beute für Raubmilben (z. B. *Amblyseius cucumeris*) und Blumenwanzen (*Orius* spp.) oder werden von parasitoiden Wespen wie *Ceranisus menes* attackiert.[1] Zusätzlich wirken entomopathogene Pilze wie *Beauveria bassiana* als natürliche Regulatoren, indem sie die Insekten bei Kontakt infizieren.[2] Die Habitatwahl ist eng an das Mikroklima gebunden, wobei Temperaturen über 20 °C und moderate Luftfeuchtigkeit die Aktivität und das Flugverhalten begünstigen.[3] Ihre schlanke Körperform ermöglicht die Nutzung kryptischer Mikrohabitate wie Blütenknospen, Blattspalten oder Gallen, die Schutz vor Austrocknung und Feinden bieten.[1] Einige gallenbildende Arten der Unterordnung Tubulifera zeigen eusoziales Verhalten mit spezialisierten Soldatenkasten zur Verteidigung der Kolonie gegen Kleptoparasiten.[2] Eine bedeutende ökologische Auswirkung auf Wirtspflanzen ist die Übertragung von Tospoviren wie dem Tomato spotted wilt virus, das sich im Vektor vermehrt und persistent weitergegeben wird.[7]
Thripse gelten weltweit als eine der bedeutendsten Gruppen von Schadinsekten, die in der Landwirtschaft und im Gartenbau jährliche Verluste in Milliardenhöhe verursachen.[2] Das Schadpotenzial resultiert primär aus der Saugtätigkeit der Tiere, deren asymmetrische Mundwerkzeuge Pflanzenzellen anstechen und entleeren, was zu silbrigen Sprenkelungen, Verkorkungen und Wachstumsdeformationen führt.[3] Besonders gravierend ist die Rolle vieler Arten, wie des Kalifornischen Blütenthrips (*Frankliniella occidentalis*), als Vektoren für Tospoviren (z. B. Tomato spotted wilt virus), die sie im Larvenstadium aufnehmen und als Adulte persistent übertragen.[7] Aus medizinischer Sicht sind *Thysanoptera* weitgehend unbedenklich, können jedoch auf der Suche nach Feuchtigkeit gelegentlich Menschen stechen und leichte Hautreizungen verursachen.[3] Zur Früherkennung und Überwachung des Befalls werden Gelbtafeln oder das Abklopfen von Pflanzenteilen über weißem Papier eingesetzt.[1] Entscheidungen über Bekämpfungsmaßnahmen basieren oft auf wirtschaftlichen Schadensschwellen, beispielsweise 3 bis 7,5 Thripse pro Blüte in Gewächshauskulturen.[5] Präventive Strategien im integrierten Pflanzenschutz (IPM) umfassen strikte Gewächshaushygiene, die Beseitigung von Unkräutern als Wirtspflanzen sowie den Einsatz reflektierender Mulchfolien zur Desorientierung der Anflieger. Die biologische Bekämpfung nutzt natürliche Feinde wie Raubmilben (*Amblyseius cucumeris*), Blumenwanzen (*Orius* spp.) oder entomopathogene Pilze wie *Beauveria bassiana*.[1] Chemische Maßnahmen sind aufgrund weit verbreiteter Resistenzen komplex und erfordern eine strikte Rotation von Wirkstoffen wie Spinosad oder Neonicotinoiden.[8] Neuere technologische Ansätze beinhalten Saatgutbeizen mit synergistischen Wirkstoffkombinationen zum Schutz von Jungpflanzen sowie den Einsatz von Semiochemikalien wie Verbenon zur Verhaltensmanipulation.[3] Zudem gewinnen genetische Methoden an Bedeutung, darunter die Züchtung resistenter Pflanzensorten mit dem *Sw-5*-Gen oder die Entwicklung von RNAi-basierten Sprays, die essenzielle Gene der Thripse silencen.[1]
Thripse zählen weltweit zu den wirtschaftlich bedeutendsten Insektenschädlingen, die jährlich Verluste in Milliardenhöhe durch direkten Fraß und Virusübertragung verursachen.[2][1] Der Saugakt der Tiere führt zu Silberglanz, Verkorkungen und Deformationen an Blättern und Früchten, was die Qualität von Hochwertprodukten wie Schnittblumen, Erdbeeren und Tomaten massiv beeinträchtigt.[1] Bereits geringfügige ästhetische Schäden, wie die sogenannten "Pansy Spots" auf Äpfeln oder Schalenfehler bei Zitrusfrüchten, können die Ware unverkäuflich machen.[1][3] Ein erheblicher Teil des ökonomischen Schadens resultiert aus der Übertragung von Tospoviren wie dem *Tomato spotted wilt virus* (TSWV), das bei Gemüse- und Zierpflanzen zu Totalausfällen führen kann.[9][2] Allein in den USA werden die Bekämpfungskosten und Ertragsausfälle im Gemüsebau auf hunderte Millionen Dollar pro Jahr geschätzt.[9] Die Bekämpfung wird durch weit verbreitete Insektizidresistenzen erschwert, wobei allein beim Kalifornischen Blütenthrips (*Frankliniella occidentalis*) über 176 Fälle dokumentiert sind.[2] Der globale Handel begünstigt die Ausbreitung invasiver Arten wie *Thrips parvispinus*, der seit den frühen 2020er Jahren in Amerika erhebliche Schäden im Zierpflanzenbau verursacht.[3] Neben ihrer Schadwirkung spielen Thripse jedoch auch eine positive wirtschaftliche Rolle als Bestäuber, die den Samen- und Fruchtansatz bei verschiedenen Kulturen signifikant erhöhen können.[1][8] Zudem fungieren räuberische Arten, etwa aus der Familie Aeolothripidae, als Nützlinge, indem sie Spinnmilben und andere Schädlinge dezimieren.[1] Die hohe wirtschaftliche Relevanz treibt die Entwicklung spezifischer Technologien voran, darunter neuartige Biopestizide und pheromonbasierte Fallensysteme.[3]