Fakten (kompakt)
- Das ätherische Öl im frischen Laub weist einen hohen Thujon-Gehalt auf, der bis zu 65 % erreichen kann. - Chemische Analysen bestätigen neben Thujon auch das Vorhandensein von Cumarinen, Flavonoiden und Tanninen, die antimikrobielle und antimykotische Eigenschaften besitzen. - In der traditionellen Volksmedizin Nordamerikas und Europas wurde die Pflanze zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Hautleiden und Rheuma verwendet. - Indigene Völker nutzten das leichte und verrottungsfeste Holz historisch spezifisch für den Bau von Kanus. - Die Art zeigt eine bemerkenswerte Toleranz gegenüber städtischen Stressfaktoren wie Luftverschmutzung und der Toxizität von Walnussbäumen (Black Walnut). - Im Winter verfärben sich die sonst hellgrünen Blätter häufig bronzefarben. - Ökologisch fungieren die Bestände nicht nur als Deckung, sondern explizit als Nistplätze für Singvögel. - Phylogenomische Studien identifizieren die asiatische Art *Thuja koraiensis* als die genetisch nächste Verwandte (Schwesterart), noch vor der nordamerikanischen *Thuja plicata*. - Innerhalb der Gattung *Thuja*, die fünf anerkannte Taxa umfasst, wurden für *Thuja occidentalis* historisch über 30 Synonyme vorgeschlagen. - Genetische Daten weisen auf historische Introgressionsereignisse und eine unvollständige Liniensortierung innerhalb der Gattung hin.[5]
Der wissenschaftliche Name der Art lautet *Thuja occidentalis*, wobei die Erstbeschreibung durch Carl von Linné im Jahr 1753 in der zweiten Auflage der *Species Plantarum* erfolgte.[1][2] Der Gattungsname *Thuja* leitet sich vom altgriechischen Wort *thuía* ab, das auf ein aromatisches, in antiken Opferritualen (*thúō*) verwendetes Holz verweist. Das Artepitheton *occidentalis* entstammt dem Lateinischen, bedeutet „westlich“ und dient der Abgrenzung zu asiatischen Verwandten der Gattung.[1] Taxonomisch wird die Art in die Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) und dort in die Unterfamilie Cupressoideae eingeordnet. Genetische Analysen zeigen, dass *Thuja occidentalis* eng mit der asiatischen *Thuja koraiensis* verwandt ist und sich phylogenetisch klar vom nordamerikanischen Riesen-Lebensbaum (*Thuja plicata*) unterscheidet.[3] Obwohl historisch über 30 Synonyme vorgeschlagen wurden, hat sich das ursprüngliche Linné’sche Binomen bis heute als gültiger Name durchgesetzt.[1] Die Bezeichnung „Arborvitae“ (lateinisch für „Baum des Lebens“) wurde 1558 geprägt, nachdem der französische Entdecker Jacques Cartier 1536 in Kanada von indigenen Völkern lernte, Skorbut mit einem Sud aus den Nadeln zu behandeln. In der Sprache der Anishinaabe (Ojibwe) trägt der Baum den Namen *giizhik* oder *Nookomis Giizhik* („Großmutter Zeder“), was seinen hohen spirituellen Stellenwert unterstreicht.[3] Im englischen Sprachraum sind zudem die Trivialnamen „Northern White-Cedar“ und „Swamp Cedar“ gebräuchlich, die auf das Verbreitungsgebiet und den bevorzugten Standort hinweisen. In Europa wird die Art im Gartenbau häufig einfach als Thuja oder Weiße Zeder bezeichnet.[1]
Thuja occidentalis ist ein immergrüner Nadelbaum, der typischerweise Wuchshöhen von 10 bis 20 Metern und Stammdurchmesser von bis zu einem Meter erreicht. Die Krone wächst dicht und kegelförmig bis säulenartig, wobei die Äste bei freistehenden Exemplaren fast horizontal und in Waldbeständen aufsteigend angeordnet sind. Die dünne, rötlich- bis graubraune Borke ist faserig und löst sich charakteristisch in schmalen, vertikalen Streifen ab. Das Laub besteht aus schuppenartigen Blättern von 1 bis 4 mm Länge, die in abgeflachten, fächerförmigen Zweigen angeordnet sind. Oberseits sind die Blätter hellgrün und weisen oft wachsartige Drüsenpunkte auf, während die Unterseite blasser grün erscheint; im Winter kann sich das Laub bronzefarben verfärben. Beim Zerreiben verströmen die Blätter einen markanten, kampferartigen oder harzigen Geruch, der auf flüchtige Öle wie α-Thujon zurückzuführen ist. Die Art ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), wobei männliche und weibliche Zapfen auf denselben Zweigen gebildet werden. Die winzigen, 1 bis 2 mm langen männlichen Pollenzapfen sind gelb bis rötlich gefärbt. Die aufrechten Samenzapfen sind länglich-eiförmig, messen 8 bis 12 mm in der Länge und reifen im Sommer von Grün zu Hellbraun. Sie bestehen aus 8 bis 12 dünnen, dachziegelartig (imbrikat) angeordneten Schuppen in gegenständigen Paaren. Jede fertile Schuppe trägt in der Regel zwei geflügelte Samen, die 4 bis 5 mm lang sind und schmale laterale Flügel zur Windverbreitung besitzen. Das Wurzelsystem ist flach und faserig ausgebildet, wobei es sich oft weit über die Kronenbreite hinaus erstreckt.[1] Von der verwandten Art *Thuja plicata* (Riesen-Lebensbaum) unterscheidet sich *T. occidentalis* durch die geringere Wuchshöhe sowie deutlich kleinere Zapfen (8–12 mm gegenüber 12–20 mm).[8] Zudem sind die Laubzweige bei *T. occidentalis* kompakter und flacher ausgeprägt als bei der westlichen Verwandtschaft.[8]
*Thuja occidentalis* ist primär ein ökologisch und ökonomisch wertvolles Gehölz, fungiert jedoch als Wirtspflanze für spezifische Schadorganismen und reagiert empfindlich auf Umweltstress. Ein wesentlicher Schadfaktor in natürlichen Beständen ist der intensive Verbiss durch den Weißwedelhirsch (*Odocoileus virginianus*), der besonders im Winter Sämlinge dezimiert und die Verjüngung limitiert.[1] Zu den relevanten Insektenschädlingen zählen Sackträger-Motten (*Thyridopteryx ephemeraeformis*), deren Larven durch Nadelverlust die Vitalität der Bäume beeinträchtigen.[9] Auch Spinnmilben und Blattläuse treten an Ziergehölzen auf und können durch den Einsatz von Gartenbauölen während der Ruhephase oder im frühen Wachstum kontrolliert werden.[1] Bei Staunässe besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Wurzelfäule durch bodenbürtige Pathogene der Gattung *Phytophthora*, was sich durch Verfärbungen der Nadeln äußert.[9] Präventive gartenbauliche Maßnahmen umfassen die Wahl gut durchlässiger Böden sowie Pflanzabstände von etwa einem Meter, um durch ausreichende Luftzirkulation Pilzinfektionen vorzubeugen.[7][4] Zum Schutz vor Wildverbiss haben sich physische Barrieren wie Zäune (Exclosures) als effektivste Methode für Jungpflanzen erwiesen. Die Art dient zudem als Bioindikator, da sie auf Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid und Schwermetalle mit Wachstumshemmungen reagiert. Medizinisch ist Vorsicht geboten, da das im ätherischen Öl enthaltene Thujon in hohen Dosen neurotoxisch wirkt und Krämpfe auslösen kann.[1] Paradoxerweise werden Inhaltsstoffe der Pflanze, wie Hinokitiol, aufgrund ihrer starken antimikrobiellen Eigenschaften technisch zur Entwicklung biologischer Fungizide und Insektizide genutzt.[4] In nicht-heimischen Feuchtgebieten zeigt *Thuja occidentalis* ein geringes invasives Potenzial, ohne jedoch Ökosysteme vollständig zu dominieren.[1]