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Verwilderte Haustaube Columba livia

Verwilderte Haustaube
Mittleres Risiko Lästling

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Chordatiere (Chordata)
Klasse Vögel (Aves)
Ordnung Columbiformes (Columbiformes)
Familie Columbidae
Gattung Columba
Art Columba livia
Wissenschaftlicher Name: Columba livia J.F.Gmelin, 1789
Akzeptierter Name
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Einleitung

Die **Verwilderte Haustaube** (*Columba livia*) ist eine Vogelart aus der Familie der Tauben (Columbidae) und stammt ursprünglich von der Felsentaube ab, die in Felsregionen Europas, Nordafrikas und Asiens beheimatet ist.[1][2] Als erfolgreicher Kulturfolger hat sie sich weltweit in städtischen Ballungsräumen etabliert, wobei Gebäude, Brücken und Ruinen als Ersatz für natürliche Nistplätze an Felsen dienen. Aufgrund der Verschmutzung durch Kot sowie der möglichen Übertragung von Krankheiten wie Salmonellose, Ornithose oder Taubenpocken wird sie als Hygieneschädling eingeordnet.[1]

Name & Einordnung

Der wissenschaftliche Name *Columba livia* wurde 1789 von dem deutschen Naturforscher Johann Friedrich Gmelin validiert.[3][2] Etymologisch leitet sich der Gattungsname *Columba* vom lateinischen Wort für Taube ab, was ursprünglich auf das Eintauchverhalten der Vögel hindeutete, während das Artepitheton *livia* eine mittelalterliche Form von *livida* (bläulich-grau) darstellt und die typische Gefiederfärbung beschreibt.[2] Systematisch gehört die Art zur Ordnung der Columbiformes und der Familie der Columbidae.[3] Phylogenetische Studien zeigen, dass sich *Columba livia* vor etwa 4 bis 5 Millionen Jahren von nah verwandten Arten wie der Guineataube (*Columba guinea*) abspaltete und eine basale Position innerhalb der Gattung einnimmt.[2] Es werden derzeit neun genetisch bestätigte Unterarten anerkannt, darunter *C. l. gymnocyclus* in Westafrika und *C. l. dakhlae* in ägyptischen Oasen, wobei historische Klassifikationen bis zu 13 Subspezies listeten.[2] Die Art gilt als wilder Vorfahre aller Haustaubenrassen, wobei genomische Analysen aufgrund der erst vor ca. 5.000 Jahren in Mesopotamien begonnenen Domestikation nur minimale genetische Unterschiede zwischen Wild- und Haustauben zeigen.[2] Im deutschsprachigen Schädlingsmanagement wird die im urbanen Raum lebende Form spezifisch als „Verwilderte Haustaube“ bezeichnet und als Hygieneschädling eingeordnet.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Verwilderte Haustaube (*Columba livia*) ist ein mittelgroßer Vogel mit einem kompakten Körperbau, der eine Gesamtlänge von 32 bis 37 cm und eine Flügelspannweite von 63 bis 70 cm erreicht.[2] Das Körpergewicht variiert stark je nach Population und Ernährungszustand zwischen 238 und 500 g.[1][2] Ein Sexualdimorphismus ist kaum ausgeprägt, wobei Männchen tendenziell etwas größer und schwerer als Weibchen sind. Der Kopf ist dunkel blaugrau gefärbt und trägt einen schlanken, leicht gebogenen Schnabel, an dessen Basis sich die auffällige, weiche Wachshaut (Cere) befindet, welche die Nasenlöcher umschließt. Charakteristisch für adulte Tiere ist der metallische Glanz im Hals- und Brustbereich, der je nach Lichteinfall grünlich bis rötlich-violett schimmert. Diese Irideszenz entsteht durch Strukturfarben in den Federästen, die durch Interferenzerscheinungen an Keratschichten erzeugt werden. Die Wildform zeigt eine blaugraue Grundfärbung auf Rücken und Flügeln, einen weißen Bürzel sowie hellgraue Unterseiten. Auf den Flügeln befinden sich zwei markante schwarze Binden, die im sitzenden Zustand deutlich als Querstreifen erkennbar sind.[2] Bei städtischen Populationen ist die Färbung extrem variabel und reicht von weiß über scheckig bis hin zu vollständig schwarzen Varianten. Die kurzen Beine sind rötlich gefärbt und sowohl für das trippelnde Laufen am Boden als auch für das Sitzen auf schmalen Fels- oder Gebäudevorsprüngen geeignet.[1][2] Jungvögel unterscheiden sich von Adulten durch ein insgesamt bräunlicheres Gefieder, blassere Flügeldecken und das Fehlen des metallischen Halsglanzes. Ihr Hals wirkt durch das Jugendgefieder oft geschuppt, ein Merkmal, das erst nach der Jugendmauser im Alter von etwa sechs Monaten verschwindet.[2] Die frisch geschlüpften Jungtiere sind nackt und federlos.[1][2] Die Eier sind weiß und weisen ein Eigewicht von etwa 17 bis 22 g auf.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Verwilderte Haustaube (*Columba livia*) wird aufgrund ihrer engen Bindung an menschliche Siedlungen primär als Hygieneschädling eingeordnet. Ein einzelnes Tier produziert jährlich etwa 2,5 bis 3,0 kg Trockengewicht an Kot, was zu massiven Verschmutzungen an Fassaden und öffentlichen Plätzen führt. Bauschäden entstehen nicht nur durch chemische Korrosion, sondern auch mechanisch, da Weibchen zur Deckung ihres Kalkbedarfs Mörtel aus Fugen fressen, was zur Lockerung von Mauerwerk führt.[1] In den USA verursachen die Tiere durch Reinigungskosten, Gebäudeschäden und Haftungsansprüche jährliche Schäden von über einer Milliarde Dollar.[3] Als Vektor für Pathogene wie Salmonellen, Ornithose, Q-Fieber, Aspergillose und Kryptokokken birgt die Art gesundheitliche Risiken für empfindliche Personen.[1] Ansammlungen von Taubenkot können zudem den Pilz *Histoplasma capsulatum* beherbergen, dessen Sporen beim Einatmen die Lungenkrankheit Histoplasmose auslösen können.[3] Laut Robert Koch Institute (RKI) ist die Taube jedoch für das hochaggressive Influenzavirus H5N1 (Vogelgrippe) nicht empfänglich. Weitere Beeinträchtigungen ergeben sich durch Lärmbelästigung (Gurren) sowie das Anlocken von Sekundärschädlingen und Parasiten. Präventivmaßnahmen setzen auf bauliche Barrieren wie Spikes oder Netze, um das Nisten an Gebäudenischen und Simsen physikalisch zu verhindern.[1] Im Populationsmanagement kommen zunehmend chemische Methoden wie OvoControl zum Einsatz, ein Köder, der bei Brutpaaren Sterilität induziert, ohne die Tiere zu töten.[3] Neben konventionellen Bekämpfungsmethoden wie Fallenfang oder dem Einsatz von Aviziden werden auch betäubende Köder auf Basis von Cypermethrin und Urethanen entwickelt, um eine einfachere Entfernung der Tiere zu ermöglichen.[2]

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzungsbiologie von *Columba livia* ist durch eine monogame Lebensweise geprägt, bei der die Partner oft lebenslang zusammenbleiben und sich beim Brüten abwechseln.[1][2] Die Paarungszeit ist ganzjährig möglich, beginnt jedoch meist verstärkt ab Ende Februar, wobei die Eiablage etwa 8 bis 10 Tage nach der Begattung erfolgt.[1] Ein Gelege besteht in der Regel aus zwei weißen Eiern mit einem Eigewicht von 17 bis 22 g.[1][2] Die Brutdauer beträgt ca. 17 bis 19 Tage, woraufhin nackte, federlose Jungtiere schlüpfen.[1] In der ersten Lebenswoche werden die Nestlinge (Squabs) ausschließlich mit Kropfmilch gefüttert, einem protein- und fettreichen Sekret, das von den Elterntieren produziert wird.[2] Die Huderzeit dauert etwa eine Woche, und die Flugfähigkeit wird nach 4 bis 5 Wochen erreicht. Die Geschlechtsreife tritt bereits nach 4 bis 6 Monaten ein, was eine rasche Populationsentwicklung begünstigt. Abhängig von klimatischen Bedingungen sind bis zu 10 Bruten pro Jahr möglich, wobei die Fortpflanzung während der Mauserzeit (August bis November) meist ruht.[1] Die Ernährung der Adulten ist primär granivor (Samen, Getreide), umfasst im urbanen Raum jedoch auch anthropogene Abfälle wie Brot oder Pommes frites.[1][2] Die tägliche Futtermenge variiert je nach Größe der Taube zwischen 25 und 70 g.[1] Physiologisch ist *Columba livia* an aride Lebensräume angepasst und besitzt effiziente Nieren zur Wasserrückgewinnung, wodurch sie bis zu 48 Stunden ohne Wasseraufnahme überleben kann.[2] Während die potenzielle Lebensdauer über 10 Jahre betragen kann, liegt die Lebenserwartung wildlebender Tiere oft nur bei 3 bis 5 Jahren.[1][2] Zu den natürlichen Mortalitätsfaktoren zählen Prädatoren wie Wanderfalken (*Falco peregrinus*), Sperber sowie terrestrische Räuber wie Hauskatzen und Ratten.[2]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Gronau, 53 Bonn, Deutschland

    19.01.2026

  • Fakultät für Elektrotechnik, Informationstechnik, Physik, Braunschweig, Lower Saxony, Deutschland

    19.01.2026

  • Hannover Christuskirche, 30167 Hannover, Deutschland

    19.01.2026

  • Hannover Steintor (U), 30159 Hannover, Deutschland

    19.01.2026

  • SZ-Lobmachtersen, Am Spring, 38259 Salzgitter, Deutschland

    19.01.2026

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Felsentaube (*Columba livia*) erstreckt sich über die felsigen Küstenklippen, Meereshöhlen und ariden Regionen von Europa, Nordafrika und Südwestasien. In diesen natürlichen Habitaten bevorzugt die Art offene, halbtrockene Landschaften mit Zugang zu Felsvorsprüngen als Nistplätze und meidet dichte Vegetation. Das historische Areal reicht von den Atlantikküsten über das Mittelmeerbecken bis nach Indien und südlich in die Sahelzone.[2] Durch menschliche Einführung und Verschleppung hat *Columba livia* eine weltweite Verbreitung erreicht und ist heute auf fast allen Kontinenten als Kulturfolger etabliert.[1][2] Die globale Ausbreitung wurde historisch durch den Seeverkehr begünstigt, wodurch domestizierte Vögel beispielsweise im 17. Jahrhundert Nordamerika und im späten 18. Jahrhundert Australien besiedelten.[2] In ihrem heutigen Hauptverbreitungsgebiet, den menschlichen Siedlungen und Städten, nutzen verwilderte Haustauben Gebäude, Ruinen und Brücken als ökologisches Äquivalent zu natürlichen Felsklippen.[1][2] Die Nester werden dabei in Gebäudenischen oder unter Brücken angelegt, jedoch niemals auf Bäumen. Die Art zeigt eine bemerkenswerte vertikale Anpassungsfähigkeit und kommt vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von 4.500 Metern vor.[2] Während die Nominatform *C. l. livia* in Europa und Nordafrika verbreitet ist, besiedeln andere Unterarten wie *C. l. neglecta* oder *C. l. gymnocyclus* spezifische Regionen in Südasien beziehungsweise Westafrika.[2] Im städtischen Lebensraum ist der Aktionsradius eines Schwarmes meist auf etwa 500 Meter begrenzt.[1] Diese Standorttreue und die Nutzung anthropogener Strukturen ermöglichen enorme Populationsdichten, wie Bestandszahlen von über einer Million Individuen in Großstädten wie New York belegen.[2]

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität von *Columba livia* ist tagorientiert, wobei die Nahrungssuche oft in Schwärmen während der frühen Morgenstunden oder am Nachmittag erfolgt.[2] Die Art ist standorttreu und nicht ziehend; der Aktionsradius eines Schwarmes beschränkt sich meist auf etwa 500 Meter.[1][3] Die Fortpflanzung ist ganzjährig möglich, wird jedoch durch die Umgebungstemperatur beeinflusst. Eine Ausnahme bildet die Mauserzeit zwischen August und November, in der die Brutaktivität in der Regel ruht. Die Paarungszeit intensiviert sich meist ab Ende Februar.[1] Dies korreliert mit einem Anstieg des öffentlichen Suchinteresses an der Art in diesem Monat.[4] Abhängig vom Klima sind bis zu 10 Bruten pro Jahr möglich, wobei die Zeitspanne vom Treten bis zur Eiablage 8 bis 10 Tage beträgt. Die Jungtiere erreichen die Flugfähigkeit nach 4 bis 5 Wochen, während die Geschlechtsreife nach 4 bis 6 Monaten eintritt. Die Lebensdauer der Tiere kann über 10 Jahre betragen.[1]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-106234406-A Chemical Unbekannt

Ein Lockmittel für Columba livia und dessen Herstellungsverfahren

Qiao Liang, LI Rongbo (2016)

Relevanz: 9/10

Zusammenfassung

Das Patent beschreibt einen giftarmen Köder, der Tauben anlockt und betäubt. Die Mischung besteht aus Bohnen/Reis, Cypermethrin, Urethanen und Alkohol. Nach der Aufnahme fallen die Vögel innerhalb von 10 Minuten in einen Krampf- oder Betäubungszustand, was ein einfaches Einsammeln und Entfernen durch Personal ermöglicht, ohne die Tiere sofort zu töten.

Quellen & Referenzen

  1. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_08_02_01_01/print
  2. https://animaldiversity.org/accounts/Columba_livia/
  3. https://www.gbif.org/species/2495414
  4. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert), 2026
  5. https://birdsoftheworld.org/bow/species/rocpig/cur/behavior