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Wacholder Juniperus communis

Wacholder

Taxonomische Klassifikation

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Pinopsida (Pinopsida)
Ordnung Pinales (Pinales)
Familie Cupressaceae
Gattung Juniperus
Art Juniperus communis
Wissenschaftlicher Name: Juniperus communis L.
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der **Wacholder** (*Juniperus communis*), im Deutschen auch Gemeiner Wacholder genannt, ist ein zweihäusiges, immergrünes Nadelgehölz aus der Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae), das in variablen Wuchsformen vom flachen Strauch bis zum kleinen Baum auftritt. Als die am weitesten verbreitete Gehölzart der Erde besiedelt er zirkumpolar weite Teile der Nordhalbkugel, von arktischen Tundren bis zu südlichen Gebirgszügen.[1] Ökologisch dient die Pflanze als Nahrungsquelle für Vögel und Wildtiere, während ihre aromatischen Zapfen („Wacholderbeeren“) kulinarisch genutzt werden und extrahierte Öle in technischen Anwendungen als Insektenabwehrmittel fungieren.[1][2]

Fakten (kompakt)

- Die Lebensdauer von *Juniperus communis* kann 170 Jahre überschreiten. - Das vertikale Verbreitungsgebiet reicht vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von über 3.600 Metern (12.000 Fuß). - Die Keimraten der Samen sind vergleichsweise niedrig und variieren stark zwischen 7 % und 75 %. - Morphologisch zeichnen sich die 5 bis 20 Millimeter langen Nadeln durch ein charakteristisches weißes Spaltöffnungsband auf der Oberseite aus. - Die reifen, beerenartigen Zapfen weisen einen Durchmesser von 4 bis 12 Millimetern auf. - Das Holz der Art ist feinfaserig und besitzt eine blassgelbe bis hellbraune Färbung.[10] - Innerhalb der Taxonomie werden verschiedene Varietäten unterschieden, darunter *var. depressa* und *var. montana*. - Auf der Roten Liste der IUCN wird der globale Bestand der Art als „nicht gefährdet“ (Least Concern) klassifiziert. - Historisch nutzten indigene Gemeinschaften Nordamerikas die Pflanze zur Herstellung medizinischer Tonika. - Im Garten- und Landschaftsbau gilt die Art als tolerant gegenüber dem für viele Pflanzen toxischen Schwarzen Walnussbaum (*Juglans nigra*).[10]

Name & Einordnung

Die Art *Juniperus communis* L. wurde im Jahr 1753 von Carl Linnaeus in seinem fundamentalen Werk *Species Plantarum* wissenschaftlich erstbeschrieben.[3][4] Als Typuslokalität für diese Beschreibung legte Linnaeus die Wälder Nordeuropas fest.[3] Systematisch gehört das Gehölz zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) und repräsentiert eine alte Abstammungslinie innerhalb dieser Gruppe.[3][1] Zu den dokumentierten historischen Synonymen zählt unter anderem *Juniperus vulgaris* Bubani. Im englischen Sprachraum ist die Bezeichnung "common juniper" etabliert, was dem deutschen Trivialnamen entspricht.[3] Aufgrund der ausgeprägten morphologischen Variabilität über das weite Verbreitungsgebiet wird die Art taxonomisch in diverse Unterarten und Varietäten unterteilt, darunter die Nominatform *subsp. communis* sowie *subsp. nana*, *subsp. alpina* und *subsp. depressa*. Genetische Analysen bestätigen die Monophylie der Art, deren infraspezifische Aufspaltung auf das mittlere Pliozän datiert wird. Zytologisch weist *Juniperus communis* einen diploiden Chromosomensatz von 2n = 22 auf. Neuere Untersuchungen aus dem Jahr 2025 deuten jedoch auf fließende genetische Grenzen und Hybridisierungen zwischen den Unterarten hin, was die Notwendigkeit kombinierter morphologisch-genetischer Ansätze zur Klassifizierung unterstreicht.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der Gemeine Wacholder (*Juniperus communis*) ist ein variables, immergrünes Nadelgehölz, das je nach Standort als niedrig kriechender Strauch oder kleiner Baum Wuchshöhen von bis zu 10 bis 16 Metern erreicht. Die Wuchsform reicht von säulenförmig in milden Klimaten bis zu niederliegenden, mattenbildenden Formen in alpinen oder arktischen Regionen.[1] Die Rinde ist dünn, rot- bis graubraun gefärbt und blättert im Alter in schmalen Streifen oder Fetzen ab, wodurch das glatte innere Holz sichtbar wird.[1][7] Die steifen, pfriemförmigen Nadeln sind in dreizähligen Wirteln um den Stängel angeordnet und messen zwischen 5 und 20 mm in der Länge.[1][6] Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist das einzelne weiße Spaltöffnungsband (Stomataband) auf der Nadeloberseite, das von schmalen grünen Rändern gesäumt wird. Die Nadeln weisen eine grüne bis graugrüne Grundfärbung auf, wirken oft bereift (glauk) und verbleiben mehrere Jahre an den Zweigen. Als zweihäusige (diözische) Art bildet die Pflanze getrennte männliche und weibliche Zapfen auf verschiedenen Individuen aus. Die männlichen Zapfen sind kleine, 2 bis 4 mm lange, gelbliche Strukturen, die im zeitigen Frühjahr reichlich Pollen freisetzen.[1] Die weiblichen Zapfen entwickeln sich zu beerenartigen Früchten, die zunächst grün und fleischig sind und über einen Zeitraum von etwa 18 Monaten zu einer blau-schwarzen Farbe heranreifen.[1][7] Diese eiförmigen bis kugelförmigen Scheinbeeren haben einen Durchmesser von 4 bis 12 mm und enthalten typischerweise ein bis drei Samen. Das Wurzelsystem ist anpassungsfähig und kann sich flach bis zu 4 oder 5 Meter ausbreiten oder tiefreichende Pfahlwurzeln zur Erschließung von Grundwasser bilden.[1] Morphologisch lassen sich Unterarten differenzieren: Während *var. communis* aufrecht wächst, bildet *subsp. nana* niederliegende Matten mit kürzeren, 4 bis 12 mm langen Nadeln. Bei dieser Unterart ist das weiße Stomataband zwei- bis dreimal breiter als die grünen Ränder, und die Nadeln sind oft nach vorne gerichtet. Sämlinge und Jungpflanzen wachsen sehr langsam, wobei die Samen eine ausgeprägte Dormanz aufweisen und Keimraten zwischen 7 und 75 % zeigen.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Juniperus communis wird primär als ökologisch wertvolles Gehölz eingeordnet, das Nahrung für Vögel bietet und zur Erosionskontrolle dient, kann jedoch auf Weideflächen durch Verdrängung von Futterpflanzen als Weideunkraut gelten. Außerhalb seines nativen Areals, etwa in Patagonien, zeigt die Art invasives Potenzial und verdrängt native Flora in Schutzgebieten.[1] Das primäre Schadpotenzial für die Pflanze selbst geht von Bodenpathogenen aus: Phytophthora-Arten verursachen auf schlecht drainierten Böden Wurzelfäule, die zum Absterben des gesamten Strauches führt.[6] Oberirdisch manifestiert sich das Triebsterben durch Kabatina thujae, erkennbar an der Bräunung und dem Absterben der Triebspitzen.[2] Präventiv ist zur Vermeidung von Pilzerkrankungen auf gut drainierte, durchlässige Substrate zu achten, da Staunässe die Infektion begünstigt.[1] Ein signifikanter biotischer Stressfaktor ist der Verbiss durch Rotwild und Nutztiere, der die natürliche Verjüngung massiv hemmt und mechanische Schutzmaßnahmen wie Einzäunungen erfordert.[1][5] Aus medizinischer Sicht ist die windbürtige Verbreitung großer Pollenmengen im Frühjahr (April bis Juni) als Allergenquelle relevant.[3] Die Inhaltsstoffe, insbesondere Thujon im ätherischen Öl, besitzen bei übermäßiger Aufnahme nephrotoxische Wirkung und können gastrointestinale Beschwerden auslösen, weshalb bei Nierenerkrankungen und Schwangerschaft Vorsicht geboten ist.[1] In der Schädlingsbekämpfung wird J. communis hingegen aktiv genutzt: Patentierte Formulierungen setzen das ätherische Öl als Repellent gegen Stechmücken oder als Kontaktinsektizid ein.[2] Das Management wilder Bestände erfordert genetisches Monitoring, da Habitatfragmentierung zu Isolation und verminderter Samenviabilität führt, was in einigen Regionen zu einem gefährdeten Status geführt hat.[1][9]

Biologie & Lebenszyklus

*Juniperus communis* ist eine diözische Pflanze, bei der männliche und weibliche Zapfen auf getrennten Individuen wachsen und die Bestäubung durch den Wind erfolgt.[1][3] Die männlichen Zapfen schütten im Frühjahr (April bis Juni) große Mengen Pollen aus, wobei die Befruchtung der weiblichen Zapfen erst im zweiten Jahr stattfindet.[1] Die Entwicklung der beerenartigen weiblichen Zapfen dauert etwa 18 Monate, bis sie von grün zu einer bereiften blau-schwarzen Farbe gereift sind.[3] Diese Zapfen enthalten typischerweise ein bis drei Samen, die eine physiologische Dormanz aufweisen und zur Keimung eine Warmphase gefolgt von einer Kälteperiode (90–140 Tage bei 3–4 °C) benötigen.[6] Die natürliche Keimrate variiert stark zwischen 7 % und 75 %, ist jedoch in isolierten Populationen oft durch einen hohen Anteil tauber Samen stark reduziert.[1][6] Das Wachstum der Sämlinge verläuft extrem langsam; sie benötigen oft drei bis vier Jahre, um eine Größe von 20 bis 40 cm zu erreichen. Als langlebiges Gehölz können Individuen ein Alter von über 1.600 Jahren erreichen, wie dendrochronologische Untersuchungen an Exemplaren in der Tundra belegen. Die Pflanze zeigt kaum physiologische Seneszenz, da ihre modulare Wachstumsweise eine stetige Erneuerung durch vegetative Absenker ermöglicht, selbst wenn Teile des Individuums absterben.[1] *J. communis* ist extrem kältetolerant (bis -43 °C) und nach der Etablierung trockenheitsresistent, wobei das Wurzelsystem Nährstoffe auch in armen Böden effizient erschließt.[1][3] Für die Nährstoffaufnahme geht die Art Symbiosen mit arbuskulären Mykorrhizapilzen und Ektomykorrhiza ein, was besonders auf nährstoffarmen Standorten essenziell ist. Zu den natürlichen Mortalitätsfaktoren zählen Pathogene wie *Phytophthora*-Arten, die Wurzelfäule verursachen, sowie der Pilz *Kabatina thujae*, der Triebsterben auslöst.[1] Trotz chemischer Abwehrstoffe dienen die Nadeln im Winter als Nahrung für Wildtiere wie Hirsche, während Vögel wie Drosseln die Zapfen fressen und die Samen verbreiten.[1][3]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Berchtesgadener Land, DE-BY, Deutschland

    18.01.2026

  • Grunewald, Berlin, Berlin, Deutschland

    17.01.2026

  • Zwätzen, Jena, Thüringen, Deutschland

    16.01.2026

  • Zwätzen, Jena, Thüringen, Deutschland

    16.01.2026

  • Zwätzen, Jena, Thüringen, Deutschland

    10.01.2026

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

*Juniperus communis* besitzt das größte natürliche Verbreitungsgebiet aller Gehölze und kommt zirkumboreal auf der gesamten Nordhalbkugel vor.[1][3] Das Areal erstreckt sich von der arktischen Tundra über die kontinuierlichen borealen Zonen Eurasiens und Nordamerikas bis südlich in die Gebirge Nordafrikas, den Himalaya und Japan. In Europa ist die Art von Skandinavien und Irland bis in den Mittelmeerraum verbreitet, wobei Vorkommen in südlichen Lagen wie den Pyrenäen oder Alpen oft auf kühlere Gebirgsrefugien beschränkt sind. Fossile Pollenfunde belegen eine rasche postglaziale Wiederbesiedlung nördlicher Breitengrade nach dem Rückzug des Eises vor etwa 11.000 bis 15.000 Jahren. Außerhalb des natürlichen Areals wurde der Wacholder in die Südhalbkugel eingeführt, wo er beispielsweise in Patagonien (Argentinien) seit den 1930er Jahren verwilderte und teils invasive Bestände bildet.[1] Zu den bevorzugten natürlichen Lebensräumen zählen offene Heidelandschaften, trockene Felshänge, lichte Nadelwälder sowie Küstendünen.[1][6] Die Pflanze gedeiht auf nährstoffarmen, gut durchlässigen Substraten wie sauren Sanden, Kalkstein, Schiefer oder Silikatgestein mit einem pH-Wert zwischen 4,5 und 7,5. In natürlichen Pflanzengesellschaften ist *Juniperus communis* häufig mit *Pinus sylvestris*, *Betula*-Arten, *Calluna vulgaris* und *Taxus baccata* vergesellschaftet. Die Vertikalverbreitung reicht vom Meeresspiegel in Küstenregionen bis in hochalpine Zonen über 3000 Meter. Als lichtbedürftige Pionierpflanze besiedelt der Wacholder auch gestörte Standorte und Rohböden, wobei sein weitreichendes Wurzelsystem zur Stabilisierung erosionsgefährdeter Hänge beiträgt. Während die Art Frost bis -43 °C toleriert, sind südliche Populationen zunehmend fragmentiert und durch Klimaveränderungen sowie Habitatverlust gefährdet.[1] Aktuelle Beobachtungsdaten bestätigen die kontinuierliche Präsenz in den nördlichen Kerngebieten, während Vorkommen in dicht besiedelten Regionen Mitteleuropas oft inselartig verteilt sind.[1][6]

Saisonalität & Aktivität

*Juniperus communis* ist eine immergrüne Pflanze, deren reproduktive Phase im Frühling beginnt, wobei die männlichen Zapfen typischerweise von April bis Juni Pollen freisetzen. Dieser windbürtige Pollenflug weist oft eine tageszeitliche Periodizität auf, bei der die höchsten Konzentrationen auf ein Fenster von vier bis sechs Stunden begrenzt sind. Die Entwicklung der weiblichen Zapfen ist ein langwieriger Prozess, der etwa 18 Monate in Anspruch nimmt, bis die Früchte in der zweiten Vegetationsperiode von Grün zu Blau-Schwarz reifen. In kühleren Klimazonen kann sich diese Reifungsphase auf bis zu drei Jahre verlängern.[1] Die Ernte der reifen Beeren erfolgt dementsprechend meist im Spätherbst, zwischen Ende September und Oktober.[5] Physiologisch zeigt die Art saisonale Schwankungen, wobei die Ausbeute an ätherischen Ölen in den Nadeln während der Sommermonate signifikant höher ist als im Winter.[1] Für die Keimung benötigen die Samen eine komplexe Stratifikation, die eine Warmphase gefolgt von einer Kälteperiode von 90 bis 140 Tagen bei 3 bis 4 °C umfasst, um die physiologische Dormanz zu brechen.[5] Als extrem frosthartes Gehölz überdauert *Juniperus communis* Temperaturen bis zu -42 °C (USDA Zone 2) ohne Nadelverlust. Das öffentliche Interesse an der Art korreliert zeitlich mit der Blüte- und Pflanzzeit und zeigt Spitzenwerte in den Monaten April und Mai.[1]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-106619442-A Chemical Unbekannt

Mückenabweisendes und juckreizstillendes Toilettenwasser

Han Siyue (2016)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Beschrieben wird ein Duftwasser (Toilet Water), das spezifisch zur Abwehr von Mücken formuliert ist. Es enthält Wacholderöl (Juniperus communis) als wesentlichen Bestandteil neben anderen Ölen. Das Produkt bietet eine praktische Anwendung zur Insektenabwehr und lindert gleichzeitig Juckreiz nach Stichen.

FR-2852204-A1 Biological Unbekannt

Universell wirksames insektenabweisendes und insektizides Produkt, umfassend eine Mischung aromatischer ätherischer Öle aus 17 Pflanzenarten

Camprasse Georges, Camprasse Serge (2003)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt ein Insektizid und Repellent auf Basis einer Mischung ätherischer Öle, einschließlich Wacholder. Es wirkt als Neurotoxin gegen Insekten und hält diese effektiv fern (z.B. bei Pferden über 96 Stunden). Hier wird Juniperus communis aktiv als Wirkstoff zur Bekämpfung von Schädlingen (Insekten) eingesetzt.

Quellen & Referenzen

  1. https://www.fs.usda.gov/database/feis/plants/shrub/juncom/all.html
  2. https://patents.google.com/patent/FR2852204A1/en
  3. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:30088655-2
  4. http://www.missouribotanicalgarden.org/plantfinder/PlantFinderDetails.aspx?taxonid=279617
  5. https://courses.washington.edu/esrm412/protocols/2009/JUCO6.pdf
  6. https://explorer.natureserve.org/Taxon/ELEMENT_GLOBAL.2.1275555/Juniperus_communis
  7. http://floranorthamerica.org/Juniperus_communis
  8. https://esajournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ecy.4514
  9. https://turkiyeparazitolderg.org/pdf/c1dc3a38-51db-436b-af33-1bc7522029b3/articles/tpd.galenos.2025.27928/115-119.pdf
  10. Literaturzusammenfassung: Juniperus communis