Fakten (kompakt)
- *Ruta graveolens* wird in der christlichen Tradition als "Kraut der Gnade" verehrt und symbolisiert Reue, Schutz vor dem Bösen und Gnade. - In der traditionellen Medizin wird *Ruta graveolens* seit Jahrhunderten zur Behandlung von Entzündungen, Menstruationsbeschwerden, Verdauungskrämpfen, Fieber, Kopfschmerzen, Prellungen, Rheuma und Hauterkrankungen wie Ekzemen und Geschwüren eingesetzt.[5] - Die Pflanze enthält bioaktive Verbindungen wie Alkaloide (z. B. Graveolin), Flavonoide, Cumarine und ätherische Öle, die in Vorstudien entzündungshemmende, krampflösende, antimikrobielle und antioxidative Aktivitäten aufweisen. - Die Pflanze ist giftig und enthält phototoxische Furocumarine und andere Reizstoffe, die bei Sonneneinstrahlung schwere Phytophotodermatitis (Hautverbrennungen), Magen-Darm-Beschwerden, Leberschäden und sogar Abtreibung oder Tod verursachen können, wenn sie in großen Mengen eingenommen wird. - Die Verwendung von *Ruta graveolens* ist heute weitgehend auf verdünnte homöopathische Zubereitungen beschränkt.[5] - Innerhalb der Gattung *Ruta* sind derzeit etwa acht Arten anerkannt, darunter *R. chalepensis* (Fiederraute), *R. montana* (Bergraute) und *R. corsica*.[5] - Diese Arten unterscheiden sich hauptsächlich durch die Blattmorphologie und das geografische Verbreitungsgebiet, wobei *R. graveolens* für ihre breitere Anbaugeschichte bekannt ist.[5] - Es sind keine Unterarten weit verbreitet anerkannt, obwohl mehrere kultivierte Sorten und Kultivare, wie z. B. 'Jackman's Blue' mit ihrem verstärkten blaugrünen Laub, für Zierzwecke entwickelt wurden.[5]
*Ruta graveolens* ist eine Pflanzenart aus der Familie der Rautengewächse (Rutaceae).[1] Sie wird im Deutschen als Weinraute bezeichnet.[2] Die formale Beschreibung erfolgte 1753 durch Carl Linnaeus in seinem Werk *Species Plantarum*. Der Gattungsname *Ruta* stammt vom lateinischen Wort *ruta*, welches wiederum vom altgriechischen Wort *rhytē* (ῥυτή) oder *pēganon* abgeleitet ist, das von klassischen Autoren wie Dioskurides für diese Pflanze verwendet wurde. Das griechische *rhytē* könnte mit *rheō* (fließen) in Verbindung stehen, was sich auf die angeblichen emmenagogischen Eigenschaften der Pflanze bezieht, während *pēganon* auf ihre gerinnungsfördernde Wirkung auf Körperflüssigkeiten anspielt, wie in alten Kräutertexten beschrieben. Das Artepitheton *graveolens* setzt sich aus den lateinischen Adjektiven *gravis* (schwer oder stark) und *olens* (riechend oder duftend) zusammen und bezieht sich auf das intensiv stechende Aroma der Pflanze. Es sind keine Unterarten von *Ruta graveolens* allgemein anerkannt. Es existieren jedoch verschiedene kultivierte Sorten und Züchtungen, wie z.B. 'Jackman's Blue' mit intensiv blaugrünem Laub, die für Zierzwecke entwickelt wurden. Synonyme für *Ruta graveolens* sind derzeit nicht bekannt. Im Englischen wird die Pflanze als "rue", "common rue" oder "herb-of-grace" bezeichnet. Der Name "herb-of-grace" (oder *herba gratia* auf Lateinisch) entstand im mittelalterlichen Europa aufgrund der rituellen Verwendung der Pflanze bei katholischen Zeremonien, wo Zweige der Weinraute zur Besprengung in Weihwasser getaucht wurden, was spirituelle Reinigung und Gnade symbolisierte.[1] In der traditionellen Medizin wurde *R. graveolens* seit Jahrhunderten zur Behandlung einer Reihe von Beschwerden eingesetzt, darunter entzündliche Erkrankungen, Menstruationsbeschwerden, Verdauungskrämpfe, Fieber, Kopfschmerzen, Prellungen, Rheuma und Hauterkrankungen wie Ekzeme und Geschwüre.[1]
*Ruta graveolens*, bekannt als Weinraute, ist ein immergrüner Halbstrauch, der typischerweise eine Höhe von 0,5 bis 1 Meter erreicht. Die Pflanze bildet eine kompakte, buschige Wuchsform mit einer verholzten Basis und aufrechten, verzweigten Stängeln. Die Stängel sind schlank, glatt und von blass blaugrüner Farbe. Die Blätter sind wechselständig angeordnet und bis zu 20 cm lang. Sie sind gefiedert, meist zwei- bis dreifach gefiedert und immergrün in milden Klimazonen. Die einzelnen Fiederblättchen sind länglich-verkehrt lanzettlich bis breit spatelförmig, 7–25 mm lang und 2–9 mm breit. Die Blattränder sind entweder ganzrandig oder leicht gekerbt. Charakteristisch sind die durchscheinenden Drüsenpunkte auf den Blättern, die zur Sinneswahrnehmung der Pflanze beitragen. Werden die Blätter verletzt oder zerdrückt, sondern diese Drüsen ein starkes, bitteres Aroma ab, was ein wichtiges Erkennungsmerkmal darstellt. Die Blüten sind zwittrig, gelb bis gelblich-grün und etwa 1 cm im Durchmesser. Sie stehen in endständigen Rispen oder zusammengesetzten Dichasien auf kräftigen Stielen von bis zu 9 cm Länge. Jede Blüte besitzt 4–5 Kelchblätter, 4–5 genagelte Kronblätter von bis zu 8 mm Länge mit konkaven Platten und zerrissenen Rändern sowie 8 Staubblätter, die in zwei Kreisen angeordnet sind. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Die Frucht ist eine längliche Kapsel von 5–6 mm Länge, die sich in 4–5 Klappen öffnet und zahlreiche kleine Samen enthält. Bei Reife im Spätsommer verfärbt sich die Kapsel von grün nach braun. Die Sorte 'Jackman's Blue' zeichnet sich durch ein intensiveres blaugrünes Laub aus. Die Weinraute kann leicht mit anderen Arten der Gattung *Ruta* verwechselt werden.[3] *Ruta chalepensis* (Fringed Rue) und *Ruta montana* (Mountain Rue) unterscheiden sich hauptsächlich in der Blattform und dem geografischen Verbreitungsgebiet von *R. graveolens*.[3]
*Ruta graveolens*, auch bekannt als Weinraute, ist traditionell als Heilpflanze genutzt worden, birgt jedoch auch toxische Eigenschaften und kann bei unsachgemäßer Anwendung Schäden verursachen. Die Pflanze ist nicht als Schädling im klassischen Sinne zu betrachten, kann aber aufgrund ihrer potenziell gesundheitsschädlichen Wirkungen und ihrer Fähigkeit, sich in manchen Regionen auszubreiten, als Lästling angesehen werden.[2] Das Schadpotenzial von *R. graveolens* liegt hauptsächlich in ihrer Toxizität. Die Pflanze enthält Furocumarine, die bei Hautkontakt in Verbindung mit Sonnenlicht phototoxische Reaktionen hervorrufen können (Phytophotodermatitis), was zu schweren Hautverbrennungen, Blasenbildung und Hyperpigmentierung führen kann. Die Einnahme größerer Mengen kann zu gastrointestinalen Beschwerden, Leberschäden und sogar zum Tod führen; bei Schwangeren kann sie Fehlgeburten auslösen. Es liegen Berichte vor, in denen der Missbrauch von Weinraute als Abtreibungsmittel zu Multiorganversagen und Todesfällen führte.[2] Aufgrund der genannten Risiken ist bei der Handhabung von *R. graveolens* Vorsicht geboten. Das Tragen von Schutzhandschuhen wird empfohlen, um Hautkontakt zu vermeiden, und exponierte Haut sollte sofort mit Wasser und Seife gewaschen werden. Nach der Handhabung sollte Sonneneinstrahlung für mindestens 48 Stunden vermieden werden. Die Europäische Union hat die Verwendung von Weinrautenöl in Kosmetika auf sehr geringe Konzentrationen beschränkt, um phototoxische Reaktionen zu minimieren.[2] Obwohl *R. graveolens* in der traditionellen Medizin und als Zierpflanze genutzt wird, überwiegen die potenziellen Risiken die Vorteile, sodass von einer unkontrollierten Verwendung abzuraten ist.[2] In der traditionellen chinesischen Medizin wird sie in Kombination mit anderen Kräutern in mückenabweisenden Armbändern verwendet.[3]