Fakten (kompakt)
Hier sind einige Fakten über die *Vespidae* (Faltenwespen): - Die *Vespidae* sind eine vielfältige Familie innerhalb der Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera). - Weltweit gibt es etwa 5.000 Arten in etwa 270 Gattungen und sechs Unterfamilien. - Zu den bekannten Gruppen innerhalb der *Vespidae* gehören Feldwespen, [Hornissen](/pages/lexikon/hornisse), Papierwespen und Töpferwespen. - Viele *Vespidae* zeigen soziale Verhaltensweisen, die von solitär bis zu hochgradig eusozial reichen. - *Vespidae* sind überwiegend räuberisch und spielen eine wichtige ökologische Rolle bei der Kontrolle von Schädlingspopulationen. - Die Familie ist weltweit verbreitet, wobei die größte Vielfalt in tropischen Regionen zu finden ist. - Zu den sechs Hauptunterfamilien gehören *Eumeninae*, *Euparagiinae*, *Masarinae*, *Polistinae*, *Stenogastrinae* und *Vespinae*. - Die *Eumeninae* sind die größte Unterfamilie mit über 3.900 beschriebenen Arten, hauptsächlich solitäre Töpferwespen. - *Polistinae* (Papierwespen) und *Vespinae* (Gelbwesten und [Hornissen](/pages/lexikon/hornisse)) sind überwiegend sozial und bilden eusoziale Kolonien. - Die *Masarinae* sind einzigartig unter den *Vespidae*, da sie ihre Nester mit Nektar und Pollen versorgen. - *Vespidae* sind mittelgroße [Insekten](/pages/lexikon/insekten) (typischerweise 9–25 mm lang) mit einer schlanken "Wespentaille". - Die Vorderflügel falten sich in Längsrichtung, wenn sie nicht gebraucht werden. - Soziale Arten bauen Nester aus zerkauten Holzfasern, die mit Speichel vermischt sind, wodurch haltbare papierartige Strukturen entstehen. - Erwachsene *Vespidae* sind aktive Räuber oder Aasfresser, die [Insekten](/pages/lexikon/insekten) wie [Raupen](/pages/lexikon/raupen) und [Fliegen](/pages/lexikon/fliegen) fangen, um ihre Larven zu füttern. - Sie tragen auch zur Bestäubung bei, wenn sie Blüten besuchen, um Nektar zu sammeln.[1]
Die Bezeichnung *Vespidae* leitet sich vom lateinischen *vespa* ab und wurde als Familienname formal 1815 von William Elford Leach in der *Brewster’s Edinburgh Encyclopaedia* vorgeschlagen. Grundlage der Nomenklatur ist die Gattung *Vespa*, die Carl von Linné bereits 1758 in der zehnten Auflage der *Systema Naturae* beschrieb. Historisch wurden Gruppen wie die Lehmwespen (ehemals *Eumenidae*) und die Honigwespen (ehemals *Masaridae*) oft als eigenständige Familien abgegrenzt, gelten heute jedoch taxonomisch als Unterfamilien innerhalb der *Vespidae*.[1]
Die Vertreter der *Vespidae* sind mittelgroße [Insekten](/pages/lexikon/insekten) mit einer Körperlänge von typischerweise 9 bis 25 mm, wobei die Spanne von etwa 5 mm bei kleinen Arten der *Polistinae* bis zu 35 mm bei großen *Vespinae*-Arten reicht.[2][1] Ein zentrales Bestimmungsmerkmal sind die Vorderflügel, die in Ruhestellung charakteristisch längs gefaltet werden. Zudem bildet das Pronotum oft eine deutliche U-Form, die sich seitlich bis zu den Tegulae erstreckt. Der Körper weist die typische Hymenopteren-Gliederung auf und besitzt eine schlanke „Wespentaille“ (Petiolus), die das Abdomen flexibel mit dem Thorax verbindet. Am Kopf befinden sich große Komplexaugen sowie gekniete Antennen, die bei Weibchen aus 12 und bei Männchen aus 13 Segmenten bestehen. Viele Arten, insbesondere innerhalb der Unterfamilie *Vespinae*, zeichnen sich durch eine aposematische schwarz-gelbe Warnfärbung aus. Weibliche Tiere, sowohl Königinnen als auch Arbeiterinnen, verfügen über einen wehrhaften Stachel, der aus einem modifizierten Legebohrer (Ovipositor) entstanden ist. Bei eusozialen Arten ist ein Polymorphismus ausgeprägt, wobei Königinnen oft robuster und bei *Vespinae* bis zu doppelt so groß wie die Arbeiterinnen sind. Männchen hingegen sind meist kleiner, besitzen keinen Stachel und weisen oft breitere Köpfe sowie stärker gekrümmte Hinterleiber auf.[2] Die Larven entwickeln sich in den Nestzellen und [spinnen](/pages/lexikon/spinnen) vor der Verpuppung einen seidigen Kokon, aus dem nach der Metamorphose das adulte Insekt schlüpft.[1]
Die *Vespidae* nehmen eine ökologische Doppelrolle ein, da sie einerseits als bedeutende biologische Schädlingsbekämpfer fungieren, indem sie herbivore [Insekten](/pages/lexikon/insekten) wie [Raupen](/pages/lexikon/raupen) in landwirtschaftlichen Kulturen dezimieren. Experimentelle Studien belegen, dass Arten der Gattung *Polistes* die Larvendichte von Schädlingen wie *Spodoptera frugiperda* in Maisfeldern um bis zu 79 % reduzieren können.[2] Ergänzend tragen viele Wespenarten als generalistische Blütenbesucher zur Bestäubung bei, auch wenn dies primär inzidentell bei der Suche nach Nektar erfolgt.[6] Demgegenüber verursachen bestimmte Arten, insbesondere invasive Vertreter der Gattung *Vespula*, signifikante ökonomische Schäden im Obstbau, indem sie reifende Früchte wie Trauben anfreßen und Ernteverluste von 10 bis 25 % bewirken. In der Imkerei treten diese Wespen als Nahrungskonkurrenten und Räuber auf, die Honigtau verzehren oder Bienenstöcke direkt attackieren, was die Honigproduktion erheblich mindert. Die finanziellen Folgen sind gravierend; so belaufen sich die jährlichen Kosten durch die invasiven Arten *[Vespula germanica](/pages/lexikon/deutsche-wespe)* und *[Vespula vulgaris](/pages/lexikon/gemeine-wespe)* in Neuseeland auf rund 133 Millionen NZ-Dollar.[1] Gesundheitlich ist das Gift der *Vespidae* relevant, da es bei etwa 3 % der Erwachsenen systemische allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie auslösen kann.[6] Die Bekämpfung und Prävention konzentriert sich auf die Entfernung von Nestern sowie den Einsatz von Fallen, wobei die erfolgreiche Ausrottung der Nördlichen Riesenhornisse (*Vespa mandarinia*) in den USA die Effektivität koordinierter Maßnahmen demonstriert.[6][2] Im urbanen Umfeld werden Wespen zudem durch das Anfliegen anthropogener Nahrungsquellen wie zuckerhaltiger Getränke oder Fleischabfälle lästig, was Konflikte im Siedlungsbereich fördert.[1]