Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von *Anthrenus scrophulariae* erfolgte im Jahr 1758 durch Carl von Linné unter dem ursprünglichen Namen *Dermestes scrophulariae* in der zehnten Auflage der *Systema Naturae*. Systematisch wird die Art heute in die Familie der Speckkäfer (Dermestidae) und innerhalb dieser in die Gattung *Anthrenus* (Kabinettkäfer) eingeordnet.[2][1] Der Gattungsname *Anthrenus* leitet sich vom altgriechischen Begriff *anthrēnē* ab, was „Wespe“ oder „Hornisse“ bedeutet und vermutlich auf das geflügelte Erscheinungsbild der adulten Käfer anspielt. Das Art-Epitheton *scrophulariae* bildet den Genitiv von *Scrophularia* (Braunwurz) und reflektiert eine frühe Assoziation der Käfer mit diesen Pflanzen oder beobachtete morphologische Ähnlichkeiten. Im Laufe der Forschungsgeschichte sammelten sich diverse Synonyme an, die in modernen taxonomischen Katalogen, wie etwa von Háva (2015), zugunsten des validen Namens aufgelöst wurden.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Wollkrautblütenkäfer“ etabliert.[3] International, insbesondere im englischen Sprachraum, sind die Trivialnamen „common carpet beetle“ oder „buffalo carpet beetle“ gebräuchlich.[1] Die Gattung *Anthrenus* umfasst weltweit etwa 250 Arten in zehn Untergattungen, wobei *A. scrophulariae* zu einer Gruppe kleiner, rundlicher Käfer zählt, die durch charakteristische Schuppenmuster auf den Elytren gekennzeichnet sind.[1]
Die adulten Käfer von *Anthrenus scrophulariae* sind klein, oval und konvex geformt, mit einer Körperlänge von 2,0 bis 3,8 mm.[1][4] Der Körper ist mit Schuppen bedeckt, die ein charakteristisches Muster aus schwarzen, weißen und gelben oder roten Farbtönen bilden.[1] Kopf und Prothorax sind schwarz, jedoch dicht mit weißen Schuppen besetzt, was zur Tarnung auf hellen Untergründen beiträgt. Auf den Elytren (Flügeldecken) zeigt sich entlang der Mittellinie ein geschecktes Muster aus orangen oder roten Schuppen, das von weißen Schuppenflecken unterbrochen wird. Bei älteren Exemplaren nutzen sich diese Schuppen oft ab, wodurch das darunterliegende braune oder schwarze Integument sichtbar wird und der Käfer einheitlich dunkel erscheint.[4] Die Antennen bestehen aus 11 Segmenten und enden in einer dreigliedrigen Keule, während die Augen eine Einkerbung aufweisen.[1][4] Die Beine sind robust gebaut und folgen der für die Familie Dermestidae typischen Tarsalformel 5-5-5. Die Larven unterscheiden sich deutlich von den Adulten durch ihren langgestreckten, „karottenförmigen“ Körper, der sich zum hinteren Ende hin verjüngt.[4] Sie erreichen eine Länge von bis zu 5,5 mm und weisen eine braune bis rotbraune Grundfärbung auf.[1][4] Eine dichte Bedeckung mit langen, dunkelbraunen Haaren (Setae) verleiht ihnen ein wolliges Aussehen, das im Gegensatz zum schuppenbedeckten Exoskelett der Adulten steht. Am posterioren Ende befindet sich ein auffälliges Büschel längerer Haare, das sensorischen Funktionen dient. Während Adulte raspelnde Mundwerkzeuge haben, besitzen die Larven kräftige Kauwerkzeuge, die für das Zerkleinern von Keratin geeignet sind. Die Eier sind klein, weiß und länglich geformt, wobei sie über spezifische Fortsätze verfügen, die eine feste Anhaftung an faserige Substrate ermöglichen. Diese morphologischen Merkmale der Entwicklungsstadien grenzen die Art klar von anderen Speckkäfern ab.[4]
Der Wollkrautblütenkäfer (*Anthrenus scrophulariae*) gilt als bedeutender Materialschädling in Haushalten und Museen, da sich seine Larven von keratinhaltigen Stoffen wie Wolle, Seide, Pelzen, Federn und getrockneten Insekten ernähren.[3][4] Typische Schadbilder sind unregelmäßige Fraßlöcher in Textilien oder Teppichen sowie die Zerstörung von präparierten Naturobjekten und Taxidermien. Gesundheitlich relevant ist der Kontakt mit den Setae (Haaren) der Larven, die bei sensibilisierten Personen allergische Hautreaktionen wie Dermatitis, Papeln oder Urtikaria auslösen können. In seltenen Fällen kann das Einatmen von luftgetragenen Larvenhaaren zu Reizungen der Atemwege führen. Ein Befall lässt sich oft durch Ansammlungen von feinem Kot (Frass) und abgestreiften Larvenhäuten erkennen, die sich als staubartiger Belag unter befallenen Objekten finden. Ein effektives Management basiert auf Integrierter Schädlingsbekämpfung (IPM), wobei Hygiene und bauliche Maßnahmen im Vordergrund stehen.[4] Regelmäßiges Staubsaugen von Teppichen, Polstermöbeln und Schränken entfernt Eier sowie Larven und entzieht ihnen durch die Beseitigung von Tierhaaren die Nahrungsgrundlage.[3][4] Befallene waschbare Textilien können durch Reinigung bei mindestens 50 °C oder durch Einfrieren bei -18 °C über mindestens 72 Stunden dekontaminiert werden. Gefährdete Materialien sollten präventiv in luftdichten Behältern gelagert werden, um die Eiablage durch zufliegende Käfer zu verhindern. Zur Überwachung der Populationsdichte und Früherkennung eignen sich Pheromon- oder Klebefallen, die vorzugsweise in Fensternähe platziert werden. Bei hartnäckigem Befall können Insektizide auf Pyrethrin-Basis oder Silikatstäube (Diatomeenerde) in Ritzen und Fugen ausgebracht werden, wobei der direkte Kontakt mit Textilien oft vermieden wird. In Museen kommen bei großflächigem Befall professionelle Begasungen mit Sulfurylfluorid zum Einsatz, um wertvolle Sammlungen zu retten.[4] Ergänzend wirken Substanzen wie Naphthalin oder chemische Verbindungen wie Citronellol und Eugenol repellierend auf die Insekten.[4][3]