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Wollkrautblütenkäfer Anthrenus verbasci

Wollkrautblütenkäfer
Mittleres Risiko Allergen Kann beißen Lästling

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Käfer (Coleoptera)
Familie Dermestidae
Gattung Anthrenus
Art Anthrenus verbasci
Wissenschaftlicher Name: Anthrenus verbasci (Linnaeus, 1767)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der **Wollkrautblütenkäfer** (*Anthrenus scrophulariae*) ist eine Käferart aus der Familie der Speckkäfer (Dermestidae), die ursprünglich in der Paläarktis beheimatet war und heute weltweit verbreitet ist.[1][2] Die 2 bis 3,8 Millimeter langen, ovalen Imagines zeichnen sich durch ein charakteristisches Schuppenkleid mit einem Muster aus schwarzen, weißen und roten oder gelben Farbtönen aus.[1] Während die erwachsenen Käfer Pollen und Nektar aufnehmen, treten die Larven als bedeutende Materialschädlinge an Keratinquellen wie Wolle, Fellen und Museumsexponaten auf.[3]

Name & Einordnung

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von *Anthrenus scrophulariae* erfolgte im Jahr 1758 durch Carl von Linné unter dem ursprünglichen Namen *Dermestes scrophulariae* in der zehnten Auflage der *Systema Naturae*. Systematisch wird die Art heute in die Familie der Speckkäfer (Dermestidae) und innerhalb dieser in die Gattung *Anthrenus* (Kabinettkäfer) eingeordnet.[2][1] Der Gattungsname *Anthrenus* leitet sich vom altgriechischen Begriff *anthrēnē* ab, was „Wespe“ oder „Hornisse“ bedeutet und vermutlich auf das geflügelte Erscheinungsbild der adulten Käfer anspielt. Das Art-Epitheton *scrophulariae* bildet den Genitiv von *Scrophularia* (Braunwurz) und reflektiert eine frühe Assoziation der Käfer mit diesen Pflanzen oder beobachtete morphologische Ähnlichkeiten. Im Laufe der Forschungsgeschichte sammelten sich diverse Synonyme an, die in modernen taxonomischen Katalogen, wie etwa von Háva (2015), zugunsten des validen Namens aufgelöst wurden.[1] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung „Wollkrautblütenkäfer“ etabliert.[3] International, insbesondere im englischen Sprachraum, sind die Trivialnamen „common carpet beetle“ oder „buffalo carpet beetle“ gebräuchlich.[1] Die Gattung *Anthrenus* umfasst weltweit etwa 250 Arten in zehn Untergattungen, wobei *A. scrophulariae* zu einer Gruppe kleiner, rundlicher Käfer zählt, die durch charakteristische Schuppenmuster auf den Elytren gekennzeichnet sind.[1]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die adulten Käfer von *Anthrenus scrophulariae* sind klein, oval und konvex geformt, mit einer Körperlänge von 2,0 bis 3,8 mm.[1][4] Der Körper ist mit Schuppen bedeckt, die ein charakteristisches Muster aus schwarzen, weißen und gelben oder roten Farbtönen bilden.[1] Kopf und Prothorax sind schwarz, jedoch dicht mit weißen Schuppen besetzt, was zur Tarnung auf hellen Untergründen beiträgt. Auf den Elytren (Flügeldecken) zeigt sich entlang der Mittellinie ein geschecktes Muster aus orangen oder roten Schuppen, das von weißen Schuppenflecken unterbrochen wird. Bei älteren Exemplaren nutzen sich diese Schuppen oft ab, wodurch das darunterliegende braune oder schwarze Integument sichtbar wird und der Käfer einheitlich dunkel erscheint.[4] Die Antennen bestehen aus 11 Segmenten und enden in einer dreigliedrigen Keule, während die Augen eine Einkerbung aufweisen.[1][4] Die Beine sind robust gebaut und folgen der für die Familie Dermestidae typischen Tarsalformel 5-5-5. Die Larven unterscheiden sich deutlich von den Adulten durch ihren langgestreckten, „karottenförmigen“ Körper, der sich zum hinteren Ende hin verjüngt.[4] Sie erreichen eine Länge von bis zu 5,5 mm und weisen eine braune bis rotbraune Grundfärbung auf.[1][4] Eine dichte Bedeckung mit langen, dunkelbraunen Haaren (Setae) verleiht ihnen ein wolliges Aussehen, das im Gegensatz zum schuppenbedeckten Exoskelett der Adulten steht. Am posterioren Ende befindet sich ein auffälliges Büschel längerer Haare, das sensorischen Funktionen dient. Während Adulte raspelnde Mundwerkzeuge haben, besitzen die Larven kräftige Kauwerkzeuge, die für das Zerkleinern von Keratin geeignet sind. Die Eier sind klein, weiß und länglich geformt, wobei sie über spezifische Fortsätze verfügen, die eine feste Anhaftung an faserige Substrate ermöglichen. Diese morphologischen Merkmale der Entwicklungsstadien grenzen die Art klar von anderen Speckkäfern ab.[4]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Wollkrautblütenkäfer (*Anthrenus scrophulariae*) gilt als bedeutender Materialschädling in Haushalten und Museen, da sich seine Larven von keratinhaltigen Stoffen wie Wolle, Seide, Pelzen, Federn und getrockneten Insekten ernähren.[3][4] Typische Schadbilder sind unregelmäßige Fraßlöcher in Textilien oder Teppichen sowie die Zerstörung von präparierten Naturobjekten und Taxidermien. Gesundheitlich relevant ist der Kontakt mit den Setae (Haaren) der Larven, die bei sensibilisierten Personen allergische Hautreaktionen wie Dermatitis, Papeln oder Urtikaria auslösen können. In seltenen Fällen kann das Einatmen von luftgetragenen Larvenhaaren zu Reizungen der Atemwege führen. Ein Befall lässt sich oft durch Ansammlungen von feinem Kot (Frass) und abgestreiften Larvenhäuten erkennen, die sich als staubartiger Belag unter befallenen Objekten finden. Ein effektives Management basiert auf Integrierter Schädlingsbekämpfung (IPM), wobei Hygiene und bauliche Maßnahmen im Vordergrund stehen.[4] Regelmäßiges Staubsaugen von Teppichen, Polstermöbeln und Schränken entfernt Eier sowie Larven und entzieht ihnen durch die Beseitigung von Tierhaaren die Nahrungsgrundlage.[3][4] Befallene waschbare Textilien können durch Reinigung bei mindestens 50 °C oder durch Einfrieren bei -18 °C über mindestens 72 Stunden dekontaminiert werden. Gefährdete Materialien sollten präventiv in luftdichten Behältern gelagert werden, um die Eiablage durch zufliegende Käfer zu verhindern. Zur Überwachung der Populationsdichte und Früherkennung eignen sich Pheromon- oder Klebefallen, die vorzugsweise in Fensternähe platziert werden. Bei hartnäckigem Befall können Insektizide auf Pyrethrin-Basis oder Silikatstäube (Diatomeenerde) in Ritzen und Fugen ausgebracht werden, wobei der direkte Kontakt mit Textilien oft vermieden wird. In Museen kommen bei großflächigem Befall professionelle Begasungen mit Sulfurylfluorid zum Einsatz, um wertvolle Sammlungen zu retten.[4] Ergänzend wirken Substanzen wie Naphthalin oder chemische Verbindungen wie Citronellol und Eugenol repellierend auf die Insekten.[4][3]

Biologie & Lebenszyklus

Der Wollkrautblütenkäfer (*Anthrenus scrophulariae*) durchläuft eine vollständige Metamorphose, die die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago umfasst.[1] Die Paarung findet meist im Freiland statt, wobei Weibchen Sexpheromone abgeben, um Männchen anzulocken. Zur Eiablage suchen die Weibchen geeignete Substrate auf und legen Eier in Gruppen von 30 bis 60 Stück ab, wobei die Gesamtzahl bis zu 100 betragen kann.[4] Die kleinen, weißen Eier besitzen Fortsätze, die eine feste Anheftung an faserige Materialien wie Wolle oder Felle ermöglichen.[3] Bei Raumtemperatur (ca. 24 °C) schlüpfen die Larven nach 10 bis 20 Tagen.[4] Die Larven sind karottenförmig, dicht mit braunen bis goldenen Haaren (Setae) bedeckt und weisen am Hinterende ein charakteristisches Haarbüschel auf.[3] Sie durchlaufen typischerweise 6 bis 8 Larvenstadien (Instars), wobei die Anzahl je nach Umweltbedingungen zwischen 5 und 16 variieren kann.[4] Im Gegensatz zu den Adulten ernähren sich die Larven von keratinhaltigen tierischen Produkten wie Wolle, Federn, Leder und getrockneten Insekten, die sie mithilfe spezieller Enzyme verdauen.[1][3] Die Larvenentwicklung dauert unter günstigen Bedingungen 2 bis 6 Monate, kann sich jedoch bei kühleren Temperaturen auf bis zu ein Jahr verlängern.[4] In gemäßigten Klimazonen überwintert die Art häufig als Larve, wobei Temperaturen unter 15 °C oder verkürzte Photoperioden eine Diapause auslösen.[1][3] Die Verpuppung erfolgt innerhalb der letzten Larvenhaut (Exuvie) und dauert etwa 7 bis 15 Tage.[4] Der gesamte Lebenszyklus erstreckt sich meist über 6 bis 12 Monate, was einer Generation pro Jahr entspricht, kann aber unter ungünstigen Bedingungen zwei Jahre dauern.[3] Nach dem Schlupf suchen die kurzlebigen Imagines, die nur etwa zwei Wochen leben, weiße oder cremefarbene Blüten (z. B. *Spiraea*, *Ceanothus*) auf, um Pollen und Nektar zu fressen.[1] Diese Nahrungsaufnahme ist essenziell für die Förderung der Eiproduktion und das Paarungsverhalten.[4] In natürlichen Habitaten fungieren die Larven als Detritivoren in Vogel- und Wespennestern sowie an Tierkadavern.[3]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    20.06.2025

  • Botanischer Garten München

    17.06.2025

  • Tramm, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

    05.06.2025

  • Jena, Thuringia, Deutschland

    04.06.2025

  • Klein Todtshorn

    04.06.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Anthrenus scrophulariae* liegt in der Paläarktis und umfasst weite Teile Europas, den Nahen Osten sowie Regionen Nordafrikas.[1][2] In Europa ist die Art bis nach Skandinavien und Großbritannien dokumentiert und gilt als fester Bestandteil der Fauna in gemäßigten Zonen. Durch menschliche Handelsaktivitäten und den Transport von Gütern wurde der Käfer weltweit verschleppt und gilt heute als Kosmopolit.[1] Die Einschleppung nach Nordamerika erfolgte vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts über importierte Wollwaren aus Europa. Heute ist die Art in der Nearktis, insbesondere in den nördlichen Vereinigten Staaten und Kanada, weit verbreitet und etabliert.[1] Weitere Vorkommen sind in der Neotropis (z. B. Chile), Australasien (Australien) und Teilen Asiens belegt. Die globale Verbreitung konzentriert sich jedoch vorwiegend auf nördliche, gemäßigte Klimazonen, während die Art in feuchten tropischen Gebieten deutlich seltener auftritt. Im natürlichen Lebensraum finden sich die adulten Käfer häufig auf weiß oder cremefarben blühenden Pflanzen wie *Spiraea*, Astern, Gänseblümchen oder Buchweizen, wo sie Pollen und Nektar aufnehmen. Die Larven entwickeln sich in der Natur in geschützten Bereichen wie Vogel- und Wespennestern oder an Tierkadavern, wo sie sich von keratinhaltigen Überresten wie Federn und Insektenresten ernähren. Als Kulturfolger dringt *Anthrenus scrophulariae* regelmäßig in menschliche Siedlungsbereiche ein, oft durch offene Fenster oder den Transport befallener Materialien.[1] In Gebäuden und Museen besiedeln die Larven dunkle, ungestörte Nischen und befallen dort Textilien, Teppiche sowie naturkundliche Sammlungen.[1][4]

Saisonalität & Aktivität

Der Entwicklungszyklus von *Anthrenus scrophulariae* dauert in der Regel 6 bis 12 Monate, kann sich jedoch unter ungünstigen Bedingungen auf bis zu zwei Jahre verlängern.[4] Die Art bildet meist eine Generation pro Jahr, wobei die Entwicklung stark temperaturabhängig ist und ihr Optimum bei etwa 25 °C liegt.[1] Adulte Käfer treten vorwiegend in den wärmeren Monaten auf, wobei sie oft im Frühjahr in Gebäuden oder auf Blüten beobachtet werden.[3] Diese saisonale Aktivität spiegelt sich in einem erhöhten öffentlichen Suchinteresse in den Monaten März und April wider.[5] Die adulten Tiere sind kurzlebig und sterben meist nach etwa zwei Wochen, nachdem sie im Freien Pollen und Nektar aufgenommen und sich gepaart haben.[3] Die Eiablage erfolgt anschließend oft in Innenräumen auf keratinhaltigen Materialien oder im Freien in Nestern.[1] Das Larvenstadium stellt die längste Phase im Lebenszyklus dar und kann je nach Temperatur und Nahrungsverfügbarkeit zwischen zwei Monaten und einem Jahr andauern.[4] In gemäßigten Klimazonen überwintert *Anthrenus scrophulariae* typischerweise als Larve in einem späten Entwicklungsstadium. Sinkende Temperaturen unter 15 °C sowie verkürzte Tageslängen lösen bei den Larven eine Diapause aus, um die kalte Jahreszeit zu überdauern. Temperaturen über 35 °C wirken hingegen letal auf die Entwicklungsstadien.[1] Die Verpuppung erfolgt im Frühjahr oder Sommer innerhalb der letzten Larvenhaut und dauert etwa 7 bis 15 Tage, bevor die neuen Käfer schlüpfen.[3]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

DE-3901341-A1 Chemical Unbekannt

Mittel zur Vernichtung und Vertreibung von Insekten sowie dessen Verwendung

Detia Freyberg GmbH (1989)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt eine chemische Zusammensetzung zur Bekämpfung von Textilschädlingen, wobei spezifisch Käfer der Gattung Anthrenus (zu der der Wollkrautblütenkäfer gehört) und Kleidermotten adressiert werden. Als Wirkstoffe werden 3,7-Dimethyl-6-octen-1-ol (Citronellol) und/oder 2-Methoxy-4-allylphenol (Eugenol) eingesetzt. Diese Substanzen wirken sowohl vernichtend als auch vertreibend (repellierend) auf die Insekten. Die Anwendung kann in Kombination mit üblichen Trägerstoffen erfolgen, um Textilien und Materialien effektiv vor Fraßschäden zu schützen. Die Erfindung stellt eine gezielte Alternative zu herkömmlichen Insektiziden für diese spezifische Schädlingsgruppe dar.

Quellen & Referenzen

  1. https://bugguide.net/node/view/28095
  2. https://www.gbif.org/species/1095899
  3. https://edis.ifas.ufl.edu/publication/IN873
  4. https://museumpests.net/wp-content/uploads/2019/03/Buffalo-Carpet-Beetle.pdf
  5. Aggregierte Suchtrends (Systemdaten)