Fakten (kompakt)
- Rohe Zwiebeln bestehen zu etwa 89 % aus Wasser, 9 % Kohlenhydraten (davon 4 % Zucker und 2 % Ballaststoffe) sowie 1,1 % Protein bei vernachlässigbarem Fettgehalt. - Zu den enthaltenen Mikronährstoffen zählen Kalium (146 mg/100 g), Folat (19 μg/100 g) und Vitamin C (7,4 mg/100 g). - Die Pflanze enthält bioaktive Verbindungen wie Quercetin und Organoschwefelverbindungen, denen entzündungshemmende, antimikrobielle und kardiovaskulär schützende Wirkungen zugeschrieben werden. - Im alten Ägypten besaßen Zwiebeln eine religiöse Bedeutung und wurden als Symbole der Ewigkeit in Grabstätten beigelegt. - Frühe amerikanische Siedler nutzten die Zwiebel medizinisch zur Behandlung von Erkältungen und Infektionen. - Der Anbau erfolgt heute auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis, wobei China, Indien und die Vereinigten Staaten zu den größten Exporteuren zählen. - Die Ernte erfolgt je nach Sorte und Wachstumsbedingungen typischerweise 90 bis 120 Tage nach der Pflanzung. - Neben der Nutzung der Zwiebelknolle besitzen auch Nebenprodukte wie die Schalen aufgrund ihres hohen Gehalts an Antioxidantien Potenzial für nutrazeutische Anwendungen. - Systematisch wird die Art der Ordnung Asparagales (Spargelartige) und der Klasse Liliopsida (Einkeimblättrige) zugeordnet.[11]
Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Allium cepa* L. und wird taxonomisch in die Familie der Amaryllidaceae (Narzissengewächse) eingeordnet.[1] Innerhalb der artenreichen Gattung *Allium* gehört sie zur Sektion *Cepa* und ist eng mit wilden Verwandten wie *Allium vavilovii* und *Allium oschaninii* aus Zentralasien assoziiert, wobei kein eindeutiger direkter wilder Vorfahre der domestizierten Form identifiziert wurde.[3][1] Morphologisch und gärtnerisch werden oft Varietäten unterschieden, darunter *Allium cepa* var. *cepa* für die klassische Speisezwiebel und *Allium cepa* var. *aggregatum* G. Don für Schalotten und büschelbildende Formen. Einige taxonomische Autoritäten wie ITIS führen die Varietät *aggregatum* jedoch als Synonym, da intensive Züchtung und Hybridisierung die Grenzen verwischen. Der englische Trivialname „onion“ leitet sich vom lateinischen *unio* („Einheit“) ab, was auf die aus konzentrischen Schichten bestehende Einzelzwiebel anspielt. In romanischen Sprachen wie Spanisch (*cebolla*) und Italienisch (*cipolla*) basiert die Bezeichnung hingegen auf dem lateinischen Wort *caepa*.[1] Über historische Handelsrouten verbreitete sich der persische Begriff *piyāz*, der die Namensgebung in vielen asiatischen Sprachen, darunter Türkisch und Hindi (*pyaaz*), prägte.[3] Bereits im Alten Ägypten war die Pflanze unter dem Namen *hedju* bekannt, während sie in Sanskrit-Texten als *palāṇḍu* bezeichnet wurde. Im deutschsprachigen Raum wird die Art allgemein als Zwiebel geführt, wobei die Gattung *Allium* als Lauch bekannt ist.[1]
Die Küchenzwiebel (*Allium cepa*) ist eine zweijährige krautige Pflanze, deren primäres Speicherorgan eine unterirdische Zwiebel ist.[2] Diese Zwiebel ist kugelförmig bis eiförmig, misst typischerweise 3–10 cm im Durchmesser und besteht aus einer gestauchten Sprossachse (Zwiebelkuchen), der von verdickten, konzentrischen Blattbasen umgeben ist.[8] Die inneren Schuppen sind fleischig und wasserhaltig, während die äußeren 3–4 Schuppen zu schützenden, papierartigen Häuten (Tunika) vertrocknen. Die Färbung der Außenhaut variiert je nach Sorte und reicht von goldgelb über rot bis silberweiß. Aus dem Zwiebelhals entspringen 4–10 basale Laubblätter in einer Rosette, die bläulich-grün gefärbt, wachsartig und photosynthetisch aktiv sind.[2] Morphologisch sind die Blätter linear, hohl und zylindrisch, weisen oft einen D-förmigen Querschnitt auf und erreichen Längen von 10–50 cm bei einer Breite von 4–20 mm.[8] Das Wurzelsystem ist faserig und adventiv, wobei Dutzende flacher Wurzeln ringförmig aus der Basalplatte der Zwiebel austreten und die Pflanze im Oberboden verankern. Im zweiten Jahr des Wachstumszyklus bildet die Pflanze einen einzelnen, blattlosen und hohlen Blütenschaft (Scapus), der eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter erreichen kann.[2] An dessen Spitze befindet sich ein kugelförmiger doldiger Blütenstand, der sich aus 200–600 kleinen, zwittrigen Einzelblüten zusammensetzt. Die 3–7 mm langen Blüten sind aktinomorph und besitzen sechs Blütenhüllblätter (Tepalen) in zwei Kreisen, die meist weiß oder rosa mit grünlichen Adern gefärbt sind.[8] Nach der Bestäubung entwickelt sich der oberständige Fruchtknoten zu einer lokuliziden Kapsel, die 2–6 schwarze, endospermhaltige Samen enthält.[2] Taxonomisch werden Varietäten unterschieden, wobei *A. cepa* var. *cepa* einzelne große Zwiebeln bildet, während die *Aggregatum*-Gruppe (z. B. Schalotten) Cluster aus 2–15 kleineren Zwiebeln hervorbringt. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen primär mit wilden Verwandten wie *Allium vavilovii* oder *Allium oschaninii*, wobei die domestizierte Zwiebel durch Selektion auf größere, festere Zwiebeln morphologisch abweicht.[1]
Als weltweit bedeutende Nutzpflanze ist die Zwiebel (*Allium cepa*) anfällig für diverse Schadorganismen, die erhebliche Ernteverluste verursachen können.[1] Zu den wirtschaftlich relevantesten Schädlingen zählt der Zwiebelthrips (*Thrips tabaci*), dessen Saugtätigkeit zu silbrigen Narben auf den Blättern führt und Viren wie das Iris-Yellow-Spot-Virus überträgt.[4] Die Zwiebelfliege (*Delia antiqua*) verursacht Schäden durch Larven, die in Sämlinge eindringen, was zu Welke und Fäulnis an der Basis führt. Wurzelgallennematoden (*Meloidogyne* spp.) befallen das Wurzelsystem, induzieren Gallenbildung und können den Ertrag um bis zu 70 % reduzieren. Pilzliche Erreger wie der Falsche Mehltau (*Peronospora destructor*) manifestieren sich durch gelbliche Blattflecken und pelzigen Sporenbelag, während die Fusarium-Basalfäule (*Fusarium oxysporum*) oft latent bleibt und erst bei der Lagerung massive Ausfälle bewirkt.[3] Aus medizinischer Sicht ist *Allium cepa* für Hunde und Katzen toxisch, da enthaltene Verbindungen wie N-Propyldisulfid eine hämolytische Anämie auslösen können.[1] Beim Menschen sind IgE-vermittelte Allergien selten, können jedoch in schweren Fällen zu Anaphylaxie führen. Ein effektives Management basiert auf Integrierter Schädlingsbekämpfung (IPM), die regelmäßiges Scouting und Schadschwellen, beispielsweise 5–10 Thripse pro Blatt, nutzt. Präventive kulturtechnische Maßnahmen umfassen eine drei- bis vierjährige Fruchtfolge sowie strikte Feldhygiene zur Entfernung von Ernterückständen, um Lebenszyklen von Pathogenen zu unterbrechen.[3] Biologische Bekämpfungsstrategien setzen auf Nützlinge wie Raubmilben gegen Thripse oder entomopathogene Nematoden zur Kontrolle von Fliegenlarven. Der chemische Pflanzenschutz erfolgt gezielt mittels Insektiziden wie Spinosad oder Fungiziden wie Mancozeb, wobei Resistenzmanagement entscheidend ist.[2] Züchterische Innovationen zielen zunehmend auf Resistenzen gegen Fäulnis und Mehltau ab, während Zwiebelextrakte selbst patentrechtlich als biologische Pestizide gegen Milben erforscht werden.[1][2]