Fakten (kompakt)
- Phylogenetische DNA-Analysen führten zur Bestätigung, dass neuweltliche Zypressenarten in die Gattung *Hesperocyparis* ausgegliedert werden, während *Cupressus sempervirens* als altweltliche Art in der Kerngattung verbleibt.[7] - Historische Synonyme für die Art umfassen *Cupressus horizontalis* Mill. und *Cupressus patula* Spadoni, die oft aufgrund abweichender Wuchsformen vergeben wurden. - Das Holz der Zypresse weist eine besonders geringe Schwindung auf, weshalb es historisch bevorzugt für die Fertigung von Särgen und Statuen genutzt wurde. - In der Volksmedizin wurden Bestandteile der Pflanze traditionell als Adstringens, Antiseptikum sowie als Mittel gegen Rheuma und Durchfall eingesetzt. - Kulturell ist der Baum eng mit Trauer, Unsterblichkeit und Schutz assoziiert und war in der Antike dem Gott Apollo geweiht. - Zu den bekannten Zuchtsorten zählen 'Glauca' mit silbrig-blauem Laub, 'Swane's Golden' mit gelblichen Nadeln sowie die kompakt wachsende Form 'Tiny Tower'. - Die Art wird in die USDA-Winterhärtezonen 7a bis 10b klassifiziert. - Während etablierte Exemplare eine hohe Trockentoleranz aufweisen, benötigen Jungpflanzen eine regelmäßige Bewässerung. - Bei ungünstigen Standortbedingungen ist die Art anfällig für spezifische Schädlinge wie Sackträger (Bagworms) und Milben. - Die schlanke, säulenförmige Wuchsform erreicht oft nur eine Breite von 1 bis 2 Metern.[7]
Der wissenschaftliche Name *Cupressus sempervirens* wurde im Jahr 1753 von Carl von Linné in seinem fundamentalen Werk *Species Plantarum* gültig erstbeschrieben.[2] Etymologisch leitet sich der Gattungsname *Cupressus* vom lateinischen *cupressus* ab, einer Adaption des altgriechischen *kyparissos*, das mythologisch mit der Verwandlung des Jünglings Kyparissos assoziiert wird. Das Artepitheton *sempervirens* kombiniert die lateinischen Begriffe *semper* (immer) und *virens* (grünen) und verweist auf die immergrüne Natur der Nadelblätter.[1] Im deutschen Sprachraum ist die Art als Mittelmeer-Zypresse, Echte Zypresse oder Säulen-Zypresse bekannt, während internationale Bezeichnungen wie „Italian cypress“ ihre kulturelle Verankerung in Südeuropa betonen.[3] Historische Handelsbeziehungen etablierten zudem Namen wie das persische „sarv“ oder arabische „saru“, die als Symbole für Aufrichtigkeit gelten. Taxonomisch gehört die Art zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) und wird phylogenetisch der Klade der Altwelt-Zypressen zugeordnet. Neuere DNA-Analysen der 2010er Jahre bestätigten die Abgrenzung zu den neuweltlichen Arten (nun oft *Hesperocyparis*), wobei *Cupressus sempervirens* eng mit nordafrikanischen Vertretern wie *Cupressus atlantica* verwandt ist.[1] In der Literatur finden sich Synonyme wie *Cupressus horizontalis* Mill. oder *Cupressus patula* Spadoni, die meist auf unterschiedliche Wuchsformen zurückzuführen sind.[2] Man unterscheidet traditionell zwei Varietäten: die wild vorkommende *Cupressus sempervirens* var. *horizontalis* mit ausladender Krone und die kultivierte *Cupressus sempervirens* var. *sempervirens* (auch var. *stricta*), die den typischen säulenartigen Habitus aufweist.[3]
Adulte Exemplare von *Cupressus sempervirens* erreichen in ihren natürlichen Habitaten Wuchshöhen von 20 bis 25 Metern, während kultivierte Individuen bis zu 35 Meter hoch werden können.[1][3] Der Stammdurchmesser beträgt typischerweise 0,5 bis 1 Meter, kann jedoch bei außergewöhnlichen Exemplaren bis zu 2 Meter erreichen.[1] Die Wuchsform variiert stark zwischen den zwei Hauptvarietäten: *C. sempervirens* var. *horizontalis* bildet eine breite Krone mit waagerecht abstehenden Ästen, während die als *C. sempervirens* var. *stricta* (oder *sempervirens*) bekannte Form eine schmale, säulenartige Silhouette mit straff aufrechtem Astwerk aufweist.[1][2] Die Rinde ist dünn und faserig, anfangs glatt und hellbraun bis grau, bevor sie im Alter graubraun wird und sich in langen Streifen ablöst, was eine gefurchte Struktur hinterlässt. Die Triebe sind etwa 1 mm dick, im Querschnitt rund oder vierkantig und strahlen in alle Richtungen aus. Das Laub besteht aus kleinen, schuppenförmigen Blättern von 2 bis 5 mm Länge, die dunkelgrün gefärbt sind und dachziegelartig eng anliegen. Diese Blätter sind kreuzgegenständig in vier Reihen angeordnet und besitzen eine dorsale Drüse, die eine leichte Längsfurche bildet. In juvenilen Stadien oder an schnell wachsenden Trieben können die Blätter nadel- oder pfriemförmig sein, bevor sie zur schuppigen Adultform wechseln. *Cupressus sempervirens* ist monözisch, bildet also männliche und weibliche Zapfen auf demselben Baum aus. Die männlichen Zapfen sind 3 bis 8 mm lang, zylindrisch und wechseln ihre Farbe von Hellgrün oder Rötlich zu Gelb vor der Pollenausschüttung. Die weiblichen Zapfen sind zur Bestäubungszeit subglobos und grünlich, reifen jedoch über 20 bis 24 Monate zu verholzten, eiförmigen bis ellipsoiden Strukturen von 2,5 bis 4 cm Länge heran. Ein reifer Zapfen besteht aus 8 bis 14 schildförmigen (peltaten) Schuppen, die jeweils einen zentralen Dorn (Mucro) tragen. Die geflügelten Samen sind abgeflacht, linsenförmig, 2 bis 8 mm lang und von glänzend brauner oder gräulicher Färbung.[1]
Cupressus sempervirens wird primär als Nützling im Landschaftsbau und Forst klassifiziert, wobei ätherische Öle der Art sogar als Wirkstoff in biologischen Insektiziden gegen Vorratsschädlinge dienen.[4] Aufgrund der schweren Entflammbarkeit und dichten Streuschicht fungiert die Art in brandgefährdeten Regionen als strategischer „grüner Brandschutzwall“.[1] Gesundheitlich relevant ist jedoch die massive Produktion windverbreiteter Pollen im Spätwinter, die als Allergen wirken können. Zudem können die ätherischen Öle bei direktem Kontakt Hautreizungen oder Sensibilisierungen auslösen.[3] Das bedeutendste Schadpotenzial für die Pflanze selbst geht vom Zypressenkrebs (*Seiridium cardinale*) aus, der Rindenläsionen und Zweigsterben verursacht.[5] Auf schlecht drainierten Böden führt zudem *Phytophthora cinnamomi* häufig zu Wurzelfäule und Chlorose. Als tierische Schädlinge treten gelegentlich Spinnmilben, Blattläuse und Sackträger-Motten auf.[3] Ein Befall mit Zypressenkrebs äußert sich frühzeitig durch Harzfluss an Ästen und Stämmen, noch bevor sich das Nadelwerk braun verfärbt. Die effektivste physikalische Bekämpfung besteht im sofortigen Herausschneiden infizierter Pflanzenteile bis ins gesunde Holz. Präventiv sind Staunässe zu vermeiden und Schnittwerkzeuge regelmäßig zu desinfizieren, um eine Übertragung von Pilzsporen zu verhindern.[5] Bei leichtem Befall durch saugende Insekten genügt oft das Abspülen mit einem harten Wasserstrahl als mechanische Maßnahme. In der professionellen Anzucht werden Fungizide gegen Auflaufkrankheiten bei Sämlingen eingesetzt, während langfristig die Selektion krankheitsresistenter Klone angestrebt wird.[3]