Es beginnt oft mit einem harmlosen Kratzen hinter dem Ohr, doch schnell wird daraus eine nervenaufreibende Plage für Tier und Mensch. Wenn Sie auf Ihrem Vierbeiner einen Floh entdecken, stellt sich oft die Frage: Ist das nun ein Hundefloh oder ein Katzenfloh? Und spielt dieser Unterschied für die Bekämpfung überhaupt eine Rolle? Die Antwort ist überraschend komplex. Während der Volksmund strikt trennt, zeigt die wissenschaftliche Realität ein anderes Bild: Der Katzenfloh ist ein wahrer Kosmopolit und macht es sich auch gerne auf Hunden gemütlich, während der „echte“ Hundefloh in Mitteleuropa seltener geworden ist, aber keineswegs ausgestorben. In diesem Artikel tauchen wir tief in die mikroskopischen und biologischen Unterschiede ein, klären über die Verbreitung auf und geben Ihnen fundierte Strategien an die Hand, um die Parasiten – egal welcher Art – effektiv loszuwerden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Dominanz des Katzenflohs: Der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) ist die weltweit und auch in Deutschland am häufigsten vorkommende Flohart bei Hunden und Katzen.
- Morphologische Unterschiede: Die Unterscheidung ist mit bloßem Auge kaum möglich; unter dem Mikroskop verraten die Kopfform (flach vs. rund) und die Länge der Stachelkämme die Art.
- Wirtsspezifität: Flöhe sind weniger wählerisch als ihr Name vermuten lässt; der Katzenfloh befällt sehr häufig Hunde, während der Hundefloh (Ctenocephalides canis) seltener auf Katzen zu finden ist.
- Lebenszyklus: Beide Arten durchlaufen eine identische Entwicklung vom Ei über Larve und Puppe zum Adulttier, wobei 95 % der Population in der Umgebung leben.
- Bekämpfung: Für die Wahl des Antiparasitikums ist die genaue Art meist zweitrangig, da moderne Wirkstoffe gegen beide Spezies effektiv sind.
- Gesundheitsrisiko: Beide Arten können Allergien auslösen und als Zwischenwirte für den Gurkenkernbandwurm fungieren.
Die Verbreitung: Welcher Floh sitzt auf wem?
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass auf jedem Hund automatisch Hundeflöhe und auf jeder Katze Katzenflöhe sitzen. Epidemiologische Studien aus Deutschland zeichnen hier ein ganz anderes Bild. Untersuchungen im Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen zeigten, dass der Katzenfloh (Ctenocephalides felis) die absolute Dominanz besitzt. Er wurde bei 87,98 % der befallenen Katzen und bei beachtlichen 75,30 % der befallenen Hunde nachgewiesen[1].
Der „echte“ Hundefloh (Ctenocephalides canis) ist hingegen seltener geworden, aber keineswegs verschwunden. In derselben Studie war er für etwa 18,07 % der Infestationen bei Hunden verantwortlich, bei Katzen hingegen nur für 4,41 %[1]. Interessant ist hierbei ein Stadt-Land-Gefälle: Während in städtischen Gebieten der Katzenfloh fast alle Wirte dominiert, findet sich der Hundefloh häufiger in ländlichen Regionen, insbesondere bei Hunden, die in Zwingern oder Gruppen gehalten werden. Ähnliche Ergebnisse lieferte eine Studie aus dem Raum Karlsruhe, die bestätigte, dass Katzen signifikant häufiger von Flöhen befallen sind als Hunde (16 % gegenüber 5,1 %), wobei auch hier der Katzenfloh die Hauptrolle spielte[2].
Hinweis zur Wirtwahl
Lassen Sie sich vom Namen nicht täuschen: Wenn Ihr Hund Flöhe hat, ist die Wahrscheinlichkeit statistisch gesehen sehr hoch, dass es sich um Katzenflöhe handelt. Der Katzenfloh ist evolutionär erfolgreicher und anpassungsfähiger als sein Verwandter, der Hundefloh.
Morphologische Unterschiede: Der Blick durch das Mikroskop
Für den Laien sehen beide Floharten identisch aus: klein, braun, seitlich abgeflacht und sprunggewaltig. Doch unter dem Stereomikroskop offenbaren sich deutliche Unterschiede, die für Parasitologen zur Bestimmung essenziell sind. Beide Arten gehören zur Gattung Ctenocephalides, was bedeutet, dass sie sowohl einen Wangenstachelkamm (Genalctenidium) als auch einen Nackenstachelkamm (Pronotalctenidium) besitzen[3].
Der Kopf macht den Unterschied
Das markanteste Unterscheidungsmerkmal ist die Form der Stirn (Frons). Der Katzenfloh (C. felis) besitzt einen flachen, langgezogenen Kopf. Man könnte ihn als „aerodynamisch“ bezeichnen. Seine Stirn fällt flach ab, was ihm hilft, sich geschmeidig durch das dichte Fell der Katze zu bewegen. Im Gegensatz dazu hat der Hundefloh (C. canis) eine deutlich rundere, steilere Stirnpartie[4].
Die Stachelkämme (Ctenidien)
Ein weiteres Detail zur Differenzierung sind die Stacheln am Kopf, die sogenannten Genalctenidien. Beim Katzenfloh sind der erste und der zweite Stachel des Wangenkamms nahezu gleich lang. Beim Hundefloh hingegen ist der erste Stachel deutlich kürzer als der zweite (etwa nur halb so lang)[3]. Diese Stachelkämme dienen den Parasiten dazu, sich im Fell der Wirte zu verankern und nicht einfach abgestreift zu werden.
Die Hinterbeine (Tibia)
Auch ein Blick auf die Beine hilft Experten. An der hinteren Schiene (Tibia) der Hinterbeine befinden sich Borsten in Einkerbungen. Während der Katzenfloh in der Regel nur eine Borste in der vorletzten Einkerbung besitzt, weist der Hundefloh dort meist zwei Borsten auf. Zudem besitzt der Hundefloh meist acht Einkerbungen an der Tibia, während der Katzenfloh nur sechs hat[2].
Lebensweise und Zyklus: Gemeinsamkeiten überwiegen
Trotz der anatomischen Feinheiten ist die Biologie beider Arten nahezu identisch. Beide sind temporäre Ektoparasiten, die jedoch als adulte Tiere permanent auf dem Wirt verbleiben, wenn sie einmal einen gefunden haben. Der Lebenszyklus ist eine vollständige Metamorphose (Holometabolie) und umfasst die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago (erwachsener Floh)[5].
Das Eisberg-Modell
Ein entscheidendes Konzept für das Verständnis beider Floharten ist das sogenannte „Eisberg-Modell“. Nur etwa 5 % der gesamten Flohpopulation befinden sich als erwachsene Tiere auf dem Hund oder der Katze. Die restlichen 95 % verteilen sich als Eier (ca. 50 %), Larven (ca. 35 %) und Puppen (ca. 10 %) in der direkten Umgebung des Tieres[6]. Das bedeutet: Teppiche, Schlafplätze, Ritzen im Parkett und das Sofa sind die eigentlichen Brutstätten.
Reproduktionspotenzial
Ein einziges Weibchen des Katzenflohs kann nach der ersten Blutmahlzeit mit der Eiablage beginnen – oft schon nach 24 bis 48 Stunden. Sie legt durchschnittlich ca. 25 Eier pro Tag, kann aber Spitzenwerte von bis zu 50 Eiern täglich erreichen. Über ihr kurzes Leben hinweg kann ein einziges Weibchen somit bis zu 2.000 Eier produzieren[4]. Diese Eier sind nicht klebrig und fallen aus dem Fell des Wirtes, wo immer dieser sich bewegt. Dies erklärt die rasante Ausbreitung in der Wohnung.
Experten-Tipp: Die Puppenruhe
Die Puppenphase ist das widerstandsfähigste Stadium. In ihrem Kokon können Flöhe bis zu 6 Monate (teilweise länger) verharren und auf einen Wirt warten. Sie schlüpfen erst durch Reize wie Vibration (Trittschall), Wärme oder CO2-Anstieg[4]. Deshalb kommt es oft zu einem massenhaften Schlüpfen, wenn man nach einem Urlaub in eine leerstehende Wohnung zurückkehrt.
Gesundheitliche Risiken für Tier und Mensch
Ob Hunde- oder Katzenfloh – die gesundheitlichen Folgen sind bei beiden Parasiten vergleichbar und nicht zu unterschätzen. Beide Arten sind Blutsauger und verursachen durch ihren Stich Juckreiz und Hautirritationen. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Flohspeichelallergie-Dermatitis (FAD)
Die häufigste Hauterkrankung bei Hunden und Katzen ist die Flohspeichelallergie. Dabei reagiert das Immunsystem des Wirtes allergisch auf Proteine im Speichel des Flohs, den dieser beim Saugen in die Wunde injiziert, um die Blutgerinnung zu hemmen. Bereits ein einziger Flohstich kann bei einem allergischen Tier zu massivem Juckreiz, Haarausfall (Alopezie) und entzündeten Hautstellen (Hot Spots) führen[4]. Interessanterweise wurde beobachtet, dass Katzen oft weniger klinische Symptome zeigen als Hunde, sich aber durch exzessives Putzen die Haare entfernen („lecken“), was oft fälschlicherweise als rein psychologisches Problem gedeutet wird[2].
Übertragung von Bandwürmern
Sowohl C. felis als auch C. canis fungieren als Zwischenwirte für den Gurkenkernbandwurm (Dipylidium caninum). Flohlarven nehmen die Eier des Bandwurms auf, die sich im Floh weiterentwickeln. Zerbeißt und verschluckt der Hund oder die Katze bei der Fellpflege einen infizierten Floh, gelangt der Bandwurm in den Darm des Haustieres[5]. Auch Menschen, insbesondere Kinder, können sich auf diesem Weg infizieren, wenn sie versehentlich einen Floh verschlucken.
Bakterielle Infektionen
Flöhe können zudem Bakterien übertragen. Bekannt ist die Übertragung von Bartonella henselae, dem Erreger der Katzenkratzkrankheit, durch den Katzenfloh. Auch Rickettsien (Erreger des Fleckfiebers) können durch Flöhe verbreitet werden[5]. Zwar spielt die Pestübertragung durch Haustierflöhe in Europa heute keine Rolle mehr, historisch gesehen sind Flöhe jedoch potente Vektoren.
Bekämpfung: Muss ich die Art kennen?
Für die praktische Bekämpfung im Haushalt ist die Unterscheidung zwischen Hunde- und Katzenfloh in der Regel zweitrangig. Die meisten modernen Antiparasitika (Spot-ons, Tabletten, Halsbänder) wirken gegen beide Spezies gleichermaßen effektiv, da ihre Physiologie sehr ähnlich ist. Wichtiger als die Artbestimmung ist die Strategie der Bekämpfung.
Behandlung am Tier (Adultizide)
Um den Lebenszyklus zu unterbrechen, müssen die erwachsenen Flöhe auf dem Tier schnell abgetötet werden, idealerweise bevor sie Eier legen können. Wirkstoffe wie Imidacloprid, Fipronil oder Fluralaner haben sich hier bewährt. Es ist entscheidend, alle Tiere im Haushalt gleichzeitig zu behandeln, auch wenn nur eines Symptome zeigt[6]. Katzen sollten niemals mit Permethrin-haltigen Mitteln für Hunde behandelt werden, da dies für sie tödlich sein kann.
Behandlung der Umgebung
Da 95 % der Flohpopulation nicht auf dem Tier sitzen, ist die Umgebungsbehandlung der Schlüssel zum Erfolg. Tägliches Staubsaugen (und sofortiges Entsorgen des Beutels) entfernt Eier, Larven und den Flohkot, der den Larven als Nahrung dient. Das Waschen von Decken bei mindestens 60 °C tötet alle Stadien ab. In hartnäckigen Fällen können Insektizide für die Umgebung (Fogger oder Sprays) mit Wachstumsregulatoren (IGRs) eingesetzt werden, die die Verpuppung und Häutung der Larven verhindern[6].
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Können Katzenflöhe auf Menschen übergehen?
Ja. Der Katzenfloh ist nicht streng wirtsspezifisch. Wenn kein tierischer Wirt verfügbar ist oder der Befallsdruck sehr hoch ist, stechen Katzenflöhe auch Menschen. Typisch sind Stiche an den Unterschenkeln oder Knöcheln, oft in Straßenform („Flohstraße“).
Warum hat mein Hund Katzenflöhe?
Der Katzenfloh (C. felis) ist extrem anpassungsfähig und hat den Hundefloh in vielen Gebieten verdrängt. Er fühlt sich auf Hunden fast genauso wohl wie auf Katzen. Ein Befall ist daher sehr häufig und völlig normal.
Wie erkenne ich Flohkot?
Kämmen Sie das Fell Ihres Tieres mit einem feinen Flohkamm aus und klopfen Sie das Material auf ein feuchtes weißes Papiertuch. Färben sich die schwarzen Krümel rötlich-braun, handelt es sich um Flohkot (verdautes Blut). Bleiben sie schwarz, ist es nur Schmutz[6].
Sterben Flöhe im Winter?
Draußen ja, aber in unseren zentralbeheizten Wohnungen finden Flöhe auch im Winter ideale Bedingungen (20–25 °C, moderate Luftfeuchte). Ein Flohbefall ist daher ein ganzjähriges Risiko[2].
Hilft es, nur das Tier zu behandeln?
Nein, meistens nicht nachhaltig. Da der Großteil der Population als Eier, Larven und Puppen in der Umgebung lebt, würde ein reines Behandeln des Tieres immer wieder zu Neuinfektionen führen, sobald die Wirkung des Mittels nachlässt und neue Flöhe aus den Puppen schlüpfen[3].
Fazit
Obwohl es mikroskopische Unterschiede zwischen Hundefloh und Katzenfloh gibt – wie die Form der Stirn und die Länge der Stacheln – ist das Ergebnis für den Tierhalter dasselbe: Juckreiz, Allergierisiko und Handlungsbedarf. Die Tatsache, dass der Katzenfloh auch Hunde befällt, ist heute eher die Regel als die Ausnahme. Lassen Sie sich davon nicht verwirren. Entscheidend ist eine konsequente Strategie, die nicht nur die adulten Flöhe auf dem Tier, sondern vor allem die unsichtbare Brut in Ihrer Wohnung bekämpft. Mit Geduld, Hygiene und den richtigen Präparaten bekommen Sie das Problem in den Griff.
Quellen und Referenzen
- Wiegand, B.: Epidemiologische Untersuchungen zum Vorkommen und zur Verbreitung von Flöhen bei Hunden und Katzen im Großraum Nürnberg / Fürth / Erlangen. Inaugural-Dissertation, LMU München, 2007.
- Mackensen, H.: Untersuchungen zur Populationsdynamik von Flöhen bei Hunden und Katzen in der Region Karlsruhe. Inaugural-Dissertation, LMU München, 2006.
- Institut für Schädlingskunde: Steckbriefe Katzenfloh (Ctenocephalides felis) und Hundefloh (Ctenocephalides canis), Reinheim.
- Felke, M.: Hundefloh - Ctenocephalides canis / Katzenfloh - Ctenocephalides felis. Institut für Schädlingskunde.
- Mehlhorn, H.: Flöhe (Siphonaptera). In: Behr's Verlag, Hamburg, Dokument 012_04_04.
- Lieblingstier / MSD Tiergesundheit: Ein Floh kommt selten allein - Die erfolgreiche Flohbekämpfung in der Umgebung. Broschüre, 2022.
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