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Giardien Welpe
Februar 2, 2026 Patricia Titz

Giardien Welpe

Der Einzug eines Welpen ist eine aufregende Zeit voller Freude, doch wenn der kleine Vierbeiner plötzlich unter hartnäckigem, schleimigem Durchfall leidet, schlägt die Stimmung schnell in Sorge um. Die Diagnose "Giardien" ist für viele frischgebackene Hundehalter zunächst ein Schock. Giardien beim Welpen sind leider keine Seltenheit, sondern gehören zu den häufigsten parasitären Erkrankungen in deutschen Tierarztpraxen. Die gute Nachricht vorweg: Mit Konsequenz, der richtigen Hygiene und Geduld bekommen Sie dieses Problem in den Griff. Dieser Artikel führt Sie Schritt für Schritt durch den Behandlungsplan, erklärt die strikten Hygienemaßnahmen und zeigt Ihnen, wie Sie den Darm Ihres Welpen wieder aufbauen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hohe Ansteckungsgefahr: Giardien sind einzellige Dünndarm-Parasiten, die extrem widerstandsfähig sind und sich rasend schnell vermehren.
  • Typische Symptome: Wiederkehrender, oft schleimiger oder fettiger Durchfall (manchmal gelblich), Erbrechen und Gewichtsverlust trotz gutem Appetit.
  • Behandlungssäulen: Eine erfolgreiche Therapie basiert immer auf drei Säulen: Medikamente, strikte kohlenhydratarme Ernährung und penible Hygiene.
  • Reinfektionsrisiko: Ohne Desinfektion der Umgebung steckt sich der Welpe immer wieder an seinen eigenen Ausscheidungen an.
  • Zoonose: Giardien sind auf den Menschen übertragbar, weshalb Händehygiene im Umgang mit dem erkrankten Welpen essenziell ist.

Was sind Giardien eigentlich?

Giardien (Giardia duodenalis) sind keine Würmer, keine Bakterien und keine Viren. Es handelt sich um mikroskopisch kleine, einzellige Parasiten (Protozoen), die den Dünndarm von Hunden, Katzen und auch Menschen besiedeln. Sie heften sich an die Darmwand und stören dort massiv die Verdauungsvorgänge, insbesondere die Fettaufnahme [1].

Um den Feind zu besiegen, muss man seinen Lebenszyklus verstehen. Giardien treten in zwei Formen auf:

  • Trophozoiten: Dies ist die aktive Form, die im Darm lebt, sich dort vermehrt und die Symptome verursacht. Sie sterben an der Luft schnell ab.
  • Zysten: Dies ist die Dauerform. Bevor die Giardien mit dem Kot ausgeschieden werden, umhüllen sie sich mit einer extrem widerstandsfähigen Schutzschicht. Diese Zysten können in feuchter Umgebung (Pfützen, Wiese, Erdboden) wochen- bis monatelang überleben und infektiös bleiben.

Achtung: Explosionsartige Vermehrung

Ein infizierter Welpe kann pro Gramm Kot bis zu 10 Millionen Zysten ausscheiden. Um einen anderen Hund (oder sich selbst erneut) zu infizieren, reichen bereits 10 bis 100 Zysten aus. Das erklärt, warum die Reinfektionsrate so enorm hoch ist [2].

Symptome: Woran erkenne ich Giardien beim Welpen?

Während erwachsene Hunde mit einem starken Immunsystem oft symptomfreie Träger sind, trifft es Welpen meist härter. Ihr Immunsystem ist noch nicht voll ausgebildet, und die Darmflora befindet sich noch im Aufbau.

Die klassischen Anzeichen einer Giardiose sind:

  • Hartnäckiger Durchfall: Oft wechselt die Konsistenz zwischen "breiig" und "wässrig".
  • Aussehen des Kots: Der Kot ist häufig von einer Schleimschicht überzogen, wirkt fettig-glänzend und hat oft eine hellere, gelbliche bis ockerfarbene Färbung. Gelegentlich sind Blutbeimengungen sichtbar.
  • Geruch: Der Kot riecht oft extrem faulig, süßlich oder ranzig.
  • Erbrechen: Kann begleitend auftreten.
  • Gewichtsverlust: Der Welpe nimmt nicht zu oder verliert sogar an Gewicht, obwohl er Heißhunger hat. Das liegt daran, dass die Giardien die Nährstoffaufnahme im Darm blockieren (Malabsorption).
  • Allgemeinbefinden: Viele Welpen wirken trotz Durchfall munter, andere werden lethargisch, haben Bauchschmerzen oder Blähungen.

Die Diagnose: Warum ein einziger Test oft nicht reicht

Wenn Sie den Verdacht auf Giardien haben, ist der Gang zum Tierarzt unumgänglich. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass Giardien nicht bei jedem Stuhlgang ausgeschieden werden. Die Ausscheidung erfolgt intermittierend, also in Schüben.

Die Sammelkotprobe

Ein negativer Test von einem einzigen Haufen bedeutet nicht zwingend, dass der Hund gesund ist. Um ein sicheres Ergebnis zu erhalten, sollten Sie Kot von drei aufeinanderfolgenden Tagen sammeln.

In der Praxis wird meist ein ELISA-Schnelltest (Antigen-Nachweis) durchgeführt, der sehr zuverlässig ist. Alternativ kann im Labor eine Flotation (mikroskopische Untersuchung) durchgeführt werden. Ein PCR-Test ist ebenfalls möglich, aber meist deutlich teurer und für die Routine nicht zwingend notwendig [3].

Der Schlachtplan: Behandlung und Hygiene

Die Bekämpfung von Giardien ist oft ein Geduldsspiel. Es reicht nicht, nur Tabletten zu geben. Die Umgebung muss zwingend mitbehandelt werden, um den Zyklus der ständigen Neuansteckung (Autoinfektion) zu durchbrechen.

1. Medikamentöse Therapie

Der Tierarzt wird in der Regel Wirkstoffe wie Fenbendazol (z.B. Panacur) oder Metronidazol verschreiben.

  • Behandlungszyklus: Ein gängiges Schema ist beispielsweise: 5 Tage Medikamentengabe, 3 bis 5 Tage Pause, erneute 5 Tage Gabe. Halten Sie sich strikt an die Anweisung Ihres Tierarztes!
  • Nachtest: Etwa 5–7 Tage nach Abschluss der letzten Medikamentengabe sollte erneut eine Sammelkotprobe getestet werden. Testen Sie nicht zu früh, da tote Giardien-Antigene den Test noch positiv erscheinen lassen können, obwohl die Infektion besiegt ist.

2. Hygiene: Das A und O

Dies ist der anstrengendste, aber wichtigste Teil. Giardien-Zysten sind gegen viele herkömmliche Desinfektionsmittel resistent. Chlor und normale Haushaltsreiniger beeindrucken sie kaum.

Checkliste für den Haushalt:

  • Heiß waschen: Decken, Kissen und Spielzeuge aus Stoff müssen bei mindestens 60°C gewaschen werden. Was nicht gewaschen werden kann, sollte für 2 Wochen in die Gefriertruhe (unter -18°C tötet Zysten ab, ist aber weniger sicher als Hitze) oder entsorgt werden.
  • Näpfe: Futter- und Wassernäpfe täglich mit kochendem Wasser übergießen und abtrocknen. Zysten lieben Feuchtigkeit.
  • Böden und Flächen: Verwenden Sie einen Dampfreiniger (mind. 60°C an der Austrittsdüse, langsam arbeiten!) oder spezielle Desinfektionsmittel, die gegen Giardien wirksam sind (z.B. auf Basis von Chlorcresol).
  • Kot sofort entfernen: Sammeln Sie jeden Haufen sofort ein und entsorgen Sie ihn im geschlossenen Müllbeutel über den Restmüll.

3. Körperhygiene beim Welpen

Zysten kleben im Fell, besonders am After. Wenn der Welpe sich putzt, nimmt er sie wieder auf.

  • Po abwischen: Nach JEDEM Kotabsatz sollten Sie den Analbereich des Welpen mit Feuchttüchern (ohne Alkohol) oder einem feuchten Waschlappen reinigen. Langes Fell am Po ggf. kürzen.
  • Baden: Es wird empfohlen, den Hund zu Beginn und am Ende der Behandlung (sowie ggf. zwischendurch) mit einem chlorhexidinhaltigen Shampoo zu baden, um Zysten aus dem Fell zu waschen [4].

Ernährung bei Giardien: Aushungern statt Füttern

Giardien ernähren sich im Darm vorzugsweise von Kohlenhydraten (Zucker, Stärke). Eine kohlenhydratreiche Ernährung ist wie "Kraftfutter" für die Parasiten und fördert deren Vermehrung.

Die Diät-Strategie:

  • Kein Trockenfutter: Die meisten Trockenfutter enthalten viel Stärke (Getreide, Kartoffeln, Erbsen) als Bindemittel.
  • Kohlenhydratarm füttern: Stellen Sie während der Akutphase auf ein hochwertiges Nassfutter um, das reich an Fleisch ist und möglichst wenig Kohlenhydrate enthält. Alternativ kann gekochtes Huhn (Schonkost) gefüttert werden – allerdings ohne den klassischen Reis, da dieser wiederum Kohlenhydrate liefert. Besser ist die "Morosche Karottensuppe" als Ergänzung.
  • Keine Leckerlis mit Getreide: Achten Sie penibel auf die Inhaltsstoffe von Belohnungshappen.

Darmaufbau nicht vergessen!

Die Giardien und die Medikamente (Antibiotika/Wurmkuren) greifen die Darmflora massiv an. Beginnen Sie schon während oder direkt nach der Behandlung mit dem Aufbau der Darmflora durch Probiotika und Präbiotika. Ein gesunder Darm ist der beste Schutz vor einem Rückfall.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert es, bis die Giardien weg sind?

Das ist sehr individuell. Bei konsequenter Hygiene und Behandlung sind viele Welpen nach 2–3 Wochen giardienfrei. In hartnäckigen Fällen kann es jedoch mehrere Zyklen und Monate dauern. Wichtig ist: Nicht aufgeben!

Darf mein Welpe in die Hundeschule?

Nein. Solange der Welpe Giardien ausscheidet, ist er hoch ansteckend für andere Hunde. Meiden Sie Hundewiesen und den Kontakt zu Artgenossen, bis der Nachtest negativ ist.

Helfen Hausmittel wie Kokosöl oder Kräuterbuttermilch?

Hausmittel wie Kokosöl, Oregano oder Kräuterbuttermilch können das Darmmilieu für Giardien ungemütlich machen und die Behandlung unterstützen. Sie reichen jedoch bei einem massiven Befall beim Welpen als alleinige Therapie meist nicht aus, um die Parasiten vollständig zu eliminieren.

Können sich Menschen anstecken?

Ja, Giardien sind eine Zoonose. Allerdings sind die meisten Giardien-Genotypen wirtsspezifisch (Hund zu Hund). Dennoch ist eine Übertragung auf den Menschen (besonders Kinder oder immungeschwächte Personen) möglich. Waschen Sie sich nach jedem Kontakt mit dem Hund und nach dem Reinigen der Häufchen gründlich die Hände.

Mein Hund ist negativ getestet, hat aber immer noch Durchfall. Warum?

Der Darm wurde durch die Parasiten und die Medikamente stark geschädigt. Die Darmschleimhaut braucht Zeit zur Regeneration (oft Wochen). Füttern Sie weiterhin Schonkost und unterstützen Sie den Darmaufbau. Schließen Sie zudem andere Ursachen (andere Parasiten, Futtermittelunverträglichkeit) beim Tierarzt aus.

Fazit

Die Diagnose Giardien beim Welpen ist nervenaufreibend und arbeitsintensiv. Doch lassen Sie sich nicht entmutigen. Mit einem strikten Hygieneplan, der richtigen medikamentösen Behandlung und einer kohlenhydratarmen Ernährung bekommen Sie das Problem in den Griff. Wichtig ist, dass Sie den Darm Ihres Welpen im Anschluss liebevoll wieder aufbauen, damit er gestärkt in sein weiteres Hundeleben starten kann.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt nicht den Besuch beim Tierarzt. Bei anhaltendem Durchfall und schlechtem Allgemeinbefinden suchen Sie bitte umgehend eine Praxis auf.

Quellen und Referenzen

  1. ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites), "Bekämpfung von intestinalen Protozoen bei Hunden und Katzen", Deutsche Adaption der ESCCAP-Empfehlung Nr. 6, 2017/2021.
  2. Eckert, J., Friedhoff, K.T., Zahner, H., Deplazes, P., "Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin", 2. Auflage, Enke Verlag, 2008.
  3. Barutzki, D., "Giardia-Infektionen bei Hunden und Katzen: Ein Update", Kleintierpraxis 63, 2018.
  4. Bundesverband für Tiergesundheit e.V., "Leitfaden: Parasitenbekämpfung bei Hund und Katze", Bonn.

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