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Giardien wie lange ansteckend?
Februar 5, 2026 Patricia Titz

Giardien wie lange ansteckend?

Die Diagnose "Giardien" löst bei den meisten Tierhaltern verständlicherweise Stress aus. Es ist nicht nur die Sorge um das erkrankte Tier, das unter hartnäckigem, oft schleimigem Durchfall leidet, sondern auch die Angst vor der unsichtbaren Gefahr im eigenen Zuhause. Eine der brennendsten Fragen, die sich Besitzer sofort stellen, lautet: Wie lange sind Giardien eigentlich ansteckend? Die Antwort ist komplexer, als man hofft, denn sie betrifft nicht nur den Zeitraum, in dem der Hund oder die Katze Symptome zeigt, sondern vor allem die Überlebensdauer der Parasiten in der Umgebung. Giardien sind Überlebenskünstler. Ohne die richtige Strategie kann aus einer akuten Infektion ein monatelanger Kreislauf aus Ansteckung und Reinfektion werden. In diesem Artikel erfahren Sie wissenschaftlich fundiert, wie Sie diesen Kreislauf durchbrechen, wie lange die Ansteckungsgefahr wirklich besteht und welche Hygienemaßnahmen unverzichtbar sind.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Akute Ansteckung: Ein infiziertes Tier ist ansteckend, solange es Giardien-Zysten mit dem Kot ausscheidet. Dies beginnt oft schon 4 bis 16 Tage nach der Aufnahme (Präpatenzzeit).
  • Umweltresistenz: Die ausgeschiedenen Zysten können in feuchter, kühler Umgebung (z. B. im Garten oder in Pfützen) bis zu 3 Monate infektiös bleiben.
  • Intermittierende Ausscheidung: Tiere scheiden die Zysten nicht bei jedem Stuhlgang aus. Ein negativer Test bedeutet daher nicht zwingend Entwarnung ("Sammelkotprobe" ist Pflicht).
  • Reinfektionsgefahr: Die größte Gefahr ist nicht die direkte Übertragung Tier-zu-Tier, sondern die Selbst-Reinfektion durch Schnüffeln am eigenen Kot oder Lecken des Fells.
  • Behandlungsdauer: Die medikamentöse Behandlung dauert oft nur wenige Tage, aber die Hygienemaßnahmen müssen über Wochen aufrechterhalten werden, um Rückfälle zu vermeiden.
  • Zoonose: Giardien sind auf den Menschen übertragbar, auch wenn dies bei gesunden Erwachsenen seltener zu schweren Symptomen führt als bei Tieren.

Was sind Giardien und warum sind sie so hartnäckig?

Um zu verstehen, wie lange Giardien ansteckend sind, muss man ihren Lebenszyklus betrachten. Giardien (Giardia duodenalis) sind keine Würmer und keine Bakterien, sondern einzellige Dünndarm-Parasiten (Protozoen). Sie kommen weltweit vor und befallen Hunde, Katzen, Wildtiere und auch Menschen [1].

Das Tückische an Giardien ist ihre Fähigkeit, in zwei verschiedenen Formen zu existieren:

  1. Trophozoiten (Die aktive Form): Diese leben im Darm des Wirtes, heften sich an die Darmwand und vermehren sich durch Teilung. Sie verursachen die eigentlichen Symptome wie Durchfall und Nährstoffmangel. Außerhalb des Körpers sterben sie sehr schnell ab.
  2. Zysten (Die ansteckende Form): Bevor die Giardien mit dem Kot ausgeschieden werden, kapseln sie sich ein. Sie bilden eine extrem widerstandsfähige Schutzhülle. Diese Zysten sind sofort nach der Ausscheidung infektiös und extrem langlebig in der Umwelt.

Achtung: Die unsichtbare Gefahr

Ein einziges Gramm Kot eines infizierten Hundes kann bis zu 10 Millionen Zysten enthalten. Um ein neues Tier zu infizieren, reichen jedoch oft schon 10 bis 100 Zysten aus. Das erklärt die extrem hohe Ansteckungsrate in Tierheimen, Zuchten oder auf stark frequentierten Hundewiesen [2].

Wie lange ist das Tier selbst ansteckend?

Solange sich lebende Giardien im Darm Ihres Tieres befinden und Zysten produzieren, ist das Tier eine Ansteckungsquelle für andere Tiere und Menschen.

Die Präpatenzzeit

Nachdem ein Hund oder eine Katze eine Zyste aufgenommen hat (z. B. aus einer Pfütze), dauert es etwa 4 bis 16 Tage, bis die ersten neuen Zysten im Kot ausgeschieden werden. Dies nennt man die Präpatenzzeit. In dieser Zeit ist das Tier bereits infiziert, aber noch nicht ansteckend über den Kot – wohl aber über Zysten, die eventuell noch im Fell kleben.

Dauer der Ausscheidung ohne Behandlung

Ohne Behandlung kann die Infektion Monate andauern. Das Immunsystem erwachsener, gesunder Tiere schafft es manchmal, die Parasiten selbst zu eliminieren, aber das ist unsicher. Bei Welpen, Senioren oder immungeschwächten Tieren kann die Ausscheidung chronisch werden. Solange der Test positiv ist, gilt das Tier als ansteckend.

Das Problem der intermittierenden Ausscheidung

Ein häufiges Missverständnis ist, dass jeder Kot eines kranken Tieres ansteckend ist. Giardien werden "intermittierend", also schubweise ausgeschieden.

  • Tag 1: Massive Ausscheidung von Zysten (hoch ansteckend).
  • Tag 2-3: Keine oder kaum Zysten im Kot (Test wäre hier falsch-negativ).
  • Tag 4: Wieder massive Ausscheidung.

Deshalb empfehlen Tierärzte und Labore wie IDEXX oder Laboklin stets die Untersuchung einer Sammelkotprobe von drei aufeinanderfolgenden Tagen, um eine Infektion sicher auszuschließen [3].

Wie lange überleben Giardien in der Umwelt?

Dies ist der kritischste Punkt für die Frage "Wie lange ansteckend?". Selbst wenn Ihr Hund erfolgreich behandelt wurde, lauert die Gefahr oft noch Wochen später im eigenen Teppich oder Garten. Die Überlebensdauer der Zysten hängt stark von Temperatur und Feuchtigkeit ab.

Umgebung / Bedingung Überlebensdauer der Zysten
Kaltes Wasser (4°C) Bis zu 3 Monate
Feuchter Boden / Kühle Umgebung Ca. 7 Wochen bis mehrere Monate
Zimmertemperatur (trocken) Ca. 1 Woche
Direkte Sonneneinstrahlung / Trockenheit Wenige Tage
Hitze über 60°C Sofortiges Absterben
Frost (-20°C) Zysten werden inaktiviert (aber nicht immer zuverlässig sofort)

Fazit zur Umwelt: In einer feuchten Herbst- oder Winterumgebung ist das Ansteckungsrisiko im Freien deutlich höher und langanhaltender als in einem heißen, trockenen Sommer.

Der Hygiene-Plan: So stoppen Sie die Ansteckungskette

Da Medikamente (wie Fenbendazol oder Metronidazol) nur die Giardien im Darm abtöten, nicht aber die Zysten in der Umgebung, ist Hygiene der Schlüssel zum Erfolg. Ohne begleitende Hygienemaßnahmen liegt die Rückfallquote extrem hoch.

1. Oberflächen und Böden

Herkömmliche Haushaltsreiniger und viele Standard-Desinfektionsmittel sind gegen Giardien-Zysten wirkungslos. Chlorhaltige Reiniger wirken zwar, sind aber in Wohnräumen oft nicht praktikabel und gesundheitsschädlich für Katzen und Hunde.

Praxis-Tipp: Nutzen Sie Dampfreiniger! Da Giardien bei Temperaturen über 60°C sofort absterben, ist heißer Dampf die effektivste Waffe. Bedampfen Sie Teppiche, Polstermöbel, Kratzbäume und Böden. Achten Sie darauf, dass der Dampf lange genug (mindestens 1 Minute pro Stelle bei Textilien) einwirkt und die Temperatur an der Düse hoch genug ist [4].

2. Futter- und Wassernäpfe

Näpfe sollten während der akuten Phase täglich mit kochendem Wasser übergossen werden. Trocknen Sie die Näpfe danach vollständig ab, da Giardien Feuchtigkeit lieben.

3. Textilien und Spielzeug

Waschen Sie Decken, Kissen und Stoffspielzeug bei mindestens 60°C in der Waschmaschine. Gegenstände, die nicht heiß gewaschen werden können, sollten für die Dauer der Behandlung entsorgt oder (weniger sicher) für mehrere Tage bei -18°C in die Tiefkühltruhe gelegt werden.

4. Das Tier selbst (Wichtig!)

Zysten haften im Fell, besonders in der Analregion. Wenn sich das Tier putzt, nimmt es die Zysten wieder auf.

  • Shampoonieren: Baden Sie den Hund zu Beginn und am Ende der Behandlung (und ggf. zwischendurch) mit einem chlorhexidinhaltigen Shampoo (vom Tierarzt), um Zysten aus dem Fell zu waschen.
  • Analregion kürzen: Bei langhaarigen Tieren empfiehlt es sich, das Fell um den After zu kürzen, um Anhaftungen von Kot zu minimieren.
  • Kot sofort entfernen: Sammeln Sie jeden Kot sofort ein und entsorgen Sie ihn im geschlossenen Hausmüll, nicht auf dem Kompost!

Ernährung während der Giardien-Infektion

Giardien ernähren sich im Darm vorzugsweise von Kohlenhydraten (Zucker, Stärke). Eine kohlenhydratreiche Ernährung kann die Vermehrung der Parasiten begünstigen und die Symptome verschlimmern.

Viele Tierärzte empfehlen daher begleitend zur Therapie eine kohlenhydratarme Diät (Low Carb). Verzichten Sie auf Trockenfutter mit hohem Getreideanteil, Nudeln, Reis oder Kartoffeln. Stattdessen eignet sich oft hochwertiges Nassfutter oder Schonkost aus gekochtem Huhn (ohne Reis in der akuten Phase, oder nur sehr wenig). Dies "hungert" die Giardien zwar nicht komplett aus, entzieht ihnen aber die Wachstumsgrundlage und unterstützt die Darmflora [5].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind Giardien vom Hund auf den Menschen übertragbar?

Ja, Giardien sind eine Zoonose. Allerdings gibt es verschiedene Genotypen (Assemblages). Hunde tragen meist die Typen C und D, die für Menschen kaum ansteckend sind. Die Typen A und B kommen jedoch sowohl bei Tieren als auch bei Menschen vor. Da man ohne aufwendige PCR-Analyse nicht weiß, welcher Typ vorliegt, ist Vorsicht geboten: Hände waschen nach jedem Tierkontakt ist Pflicht! Besonders gefährdet sind Kleinkinder und immungeschwächte Personen.

Mein Tier hat keinen Durchfall mehr, ist es noch ansteckend?

Das Verschwinden der Symptome bedeutet leider nicht zwingend, dass die Giardien weg sind. Viele Tiere sind symptomfreie Träger. Nur ein negativer Labortest (ELISA oder Flotation) ca. 5-7 Tage nach Ende der Behandlung gibt Sicherheit.

Helfen Hausmittel wie Kräuterbuttermilch oder Kokosöl?

Hausmittel wie die berühmte "Kräuterbuttermilch" (mit Oregano und Majoran) oder Kokosöl können das Darmmilieu für Giardien ungemütlich machen und die Darmflora unterstützen. Sie ersetzen jedoch bei einem akuten, symptomatischen Befall nicht die tierärztliche Behandlung. Sie eignen sich eher zur Vorbeugung oder begleitenden Unterstützung.

Muss ich meinen Partnerhund / meine Zweitkatze mitbehandeln?

Die ESCCAP-Richtlinien empfehlen, alle Tiere im Haushalt zu testen. Zeigen sie Symptome oder ist der Test positiv, werden sie behandelt. In der Praxis behandeln viele Tierärzte bei hohem Infektionsdruck alle Tiere gleichzeitig, um den "Ping-Pong-Effekt" (gegenseitige Wiederansteckung) zu verhindern.

Wann darf mein Hund wieder in die Hundeschule?

Erst wenn der Kontrolltest (Sammelkotprobe) nach der Behandlung negativ ist. Solange Giardien ausgeschieden werden, ist der Hund eine Gefahr für alle anderen Hunde auf dem Platz.

Fazit

Die Frage "Giardien wie lange ansteckend?" lässt sich nicht mit einer einfachen Zahl beantworten. Während das Tier unter medikamentöser Behandlung oft schnell symptomfrei wird, bleibt die Ansteckungsgefahr durch die extrem widerstandsfähigen Zysten in der Umgebung über Wochen bis Monate bestehen.

Der Kampf gegen Giardien ist ein Marathon, kein Sprint. Der Erfolg beruht auf drei Säulen: 1. Konsequente medikamentöse Behandlung nach Anweisung des Tierarztes. 2. Strenge Hygiene (Dampfreiniger, 60°C Wäsche, Napf-Desinfektion). 3. Ernährungsumstellung und Darmaufbau.

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es zu einem Rückfall kommt – das ist bei Giardien leider nicht ungewöhnlich. Mit Konsequenz und den richtigen Hygienemaßnahmen bekommen Sie das Problem jedoch in den Griff und Ihr Vierbeiner wird wieder dauerhaft gesund.

Quellen und Referenzen

  1. ESCCAP Deutschland e.V., "Bekämpfung von intestinalen Protozoen bei Hunden und Katzen", Fachinformation, Stand 2021.
  2. Robert Koch-Institut (RKI), "Giardiasis - RKI-Ratgeber", Epidemiologisches Bulletin, Berlin.
  3. Deplazes, P. et al., "Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin", 4. Auflage, Enke Verlag, 2020.
  4. Bundesverband Praktizierender Tierärzte e.V. (bpt), Leitlinie zur Entwurmung und Parasitenkontrolle.
  5. Zentek, J., "Ernährung des Hundes", 8. Auflage, Enke Verlag (Bezug auf Kohlenhydrate und Darmparasiten).

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