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Maulwurf Fortpflanzung: Alles über Paarung, Nachwuchs und Schutz der Jungtiere
April 13, 2026 Patricia Titz

Maulwurf Fortpflanzung: Alles über Paarung, Nachwuchs und Schutz der Jungtiere

Tief verborgen unter unseren Füßen spielt sich jedes Frühjahr ein faszinierendes biologisches Schauspiel ab, das den meisten Gartenbesitzern verborgen bleibt. Der Europäische Maulwurf (Talpa europaea), ein Tier, das oft nur durch seine Erdhügel wahrgenommen wird, führt ein hochkomplexes Sozial- und Fortpflanzungsleben. Während er den Großteil des Jahres als strenger Einzelgänger sein Revier gegen jeden Eindringling verteidigt, zwingt ihn der biologische Instinkt zur Paarungszeit zu riskanten Wanderungen und einer vorübergehenden Aufgabe seiner Isolation. In diesem umfassenden Ratgeber beleuchten wir die geheimnisvolle Welt der Maulwurf-Fortpflanzung – von den ersten Brunstgängen im Vorfrühling bis hin zum Moment, in dem die Jungtiere ihr schützendes Nest verlassen müssen, um sich in einer gefährlichen Welt zu behaupten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Paarungszeit: Findet primär zwischen März und Mai statt, wobei Männchen weite Strecken zurücklegen [1].
  • Wurfgröße: Ein Weibchen bringt pro Jahr meist 3 bis 7 nackte und blinde Jungtiere zur Welt [5].
  • Entwicklung: Die Tragzeit beträgt etwa 4 Wochen; nach ca. 6 Wochen werden die Jungen entwöhnt [6].
  • Schutzstatus: Maulwürfe stehen unter besonderem gesetzlichem Schutz und dürfen weder gefangen noch getötet werden [5].
  • Lebensweise: Außerhalb der Paarungszeit sind Maulwürfe strikte Einzelgänger mit festen Revieren [2].

Die Biologie des Einzelgängers: Voraussetzungen für die Fortpflanzung

Um die Fortpflanzung des Maulwurfs zu verstehen, muss man zunächst seine Lebensweise betrachten. Der Europäische Maulwurf ist ein fossiles Säugetier, das fast sein gesamtes Leben in absoluter Dunkelheit verbringt [2]. Sein Körper ist eine evolutionäre Meisterleistung: walzenförmig, mit schaufelartigen Vorderpfoten und einem Fell ohne Strich, was ihm das Rückwärtslaufen in engen Gängen ermöglicht [5].

Maulwürfe sind extrem territorial. Ein durchschnittliches Revier umfasst etwa 2000 m², in nahrungsarmen Gebieten sogar bis zu 3000 m² [1, 6]. Diese Reviere werden aggressiv verteidigt. Nur zur Paarungszeit lockert sich diese Struktur. Interessanterweise besitzen Maulwürfe eine sehr hohe Stoffwechselrate und müssen täglich etwa 60 bis 100 % ihres Körpergewichts an Nahrung zu sich nehmen, primär Regenwürmer und Insektenlarven [6]. Diese energetische Herausforderung ist besonders für tragende und säugende Weibchen kritisch, da der Energiebedarf in dieser Phase massiv ansteigt [4].

Wussten Sie schon? Maulwürfe halten keinen Winterschlaf. Sie ziehen sich in der kalten Jahreszeit lediglich in tiefere Bodenschichten zurück, wo sie weiterhin aktiv nach Nahrung suchen [5].

Die Paarungszeit: Wenn Einzelgänger zu Wanderern werden

Die Fortpflanzungssaison beginnt meist im März und kann sich bis in den Mai erstrecken. In dieser Zeit verändert sich das Verhalten der Männchen (Böcke) drastisch. Sie verlassen ihre angestammten Reviere und graben sogenannte „Brunstgänge“ – lange, oft schnurgerade Tunnel, die dazu dienen, die Reviere der Weibchen zu finden [1, 5].

Suche und Paarungsritual

Die Suche nach einer Partnerin ist für das Männchen mit großen Gefahren verbunden. Da es oft fremde Reviere durchqueren muss, kommt es häufig zu heftigen Kämpfen mit anderen Männchen [8]. Die Orientierung erfolgt dabei über den hochsensiblen Geruchssinn und die Eimerschen Organe an der Schnauze, die feinste Vibrationen und elektrische Felder wahrnehmen können [4, 11].

Hat das Männchen ein Weibchen gefunden, ist die Zeit der Gemeinsamkeit nur kurz. Die Paarung findet unterirdisch statt. Danach trennen sich die Wege sofort wieder. Das Männchen spielt bei der Aufzucht der Jungen keinerlei Rolle und kehrt oft in sein eigenes Revier zurück oder sucht nach weiteren Partnerinnen [2, 6].

Tragzeit und Geburt: Leben in der Kinderstube

Nach einer erfolgreichen Paarung beginnt für das Weibchen die Phase der Nestvorbereitung. Die Tragzeit des Maulwurfs ist mit etwa 28 bis 30 Tagen relativ kurz [5, 6]. In dieser Zeit baut das Weibchen eine spezielle Nestkammer, die oft tiefer liegt als die normalen Jagdgänge, um Schutz vor Kälte und Feinden zu bieten.

Die Architektur des Nestes

Das Nest ist eine kugelförmige Kammer, die sorgfältig mit trockenem Laub, Gras und Moos ausgepolstert wird [4]. In feuchten Gebieten oder bei hohem Grundwasserspiegel errichten Maulwürfe sogenannte „Sumpfburgen“ – überdimensionale Erdhügel, die bis zu 70 cm hoch sein können und in deren Innerem sich das Nest befindet, geschützt vor Staunässe [3]. Diese Burgen bieten eine hervorragende Wärmeisolierung, was für die nackt geborenen Jungen überlebenswichtig ist.

Die Geburt der Jungtiere

Zwischen April und Juni kommen die Jungen zur Welt. Ein Wurf umfasst im Durchschnitt 3 bis 4 Jungtiere, in Ausnahmefällen bis zu 7 [5, 6]. Bei der Geburt sind die kleinen Maulwürfe:

  • Völlig nackt und rosa gefärbt
  • Blind und taub
  • Etwa so groß wie eine Bohne (ca. 2-3 Gramm schwer)

Trotz ihrer Hilflosigkeit besitzen sie bereits kräftige Vorderpfoten, mit denen sie sich instinktiv an der Mutter festhalten können [11].

Aufzucht und Entwicklung: Vom Nestling zum Jäger

Die ersten Lebenswochen der jungen Maulwürfe sind geprägt von schnellem Wachstum. Die Mutter säugt ihre Jungen etwa vier bis sechs Wochen lang [5]. Die Muttermilch ist extrem fett- und nährstoffreich, was dazu führt, dass die Jungen bereits nach 21 Tagen ihr Geburtsgewicht vervielfacht haben und ein erstes graues Samtfell entwickeln [4].

Meilensteine der Entwicklung

Alter Entwicklungsstufe
1. Woche Nackt, blind, totale Abhängigkeit von der Körperwärme der Mutter.
3. Woche Augen öffnen sich langsam; das typische schwarze Fell beginnt zu wachsen.
4-5. Woche Erste feste Nahrung (Regenwürmer) wird im Nest aufgenommen.
6-8. Woche Entwöhnung; die Jungen beginnen, die Gänge der Mutter zu erkunden [6].

Profi-Tipp für Gartenbesitzer

Wenn Sie im späten Frühjahr besonders viele kleine Maulwurfshügel in einer Reihe sehen, handelt es sich oft um die ersten Gehversuche der Jungtiere. Seien Sie in dieser Zeit besonders rücksichtsvoll, da die Tiere unter Stress stehen.

Die Abwanderung: Der gefährlichste Moment im Leben

Nach etwa zwei Monaten endet die mütterliche Fürsorge abrupt. Die Jungtiere werden von der Mutter aus dem Revier vertrieben [1, 6]. Dies ist eine kritische Phase, da die unerfahrenen Maulwürfe nun gezwungen sind, oft oberirdisch nach einem neuen, unbesetzten Lebensraum zu suchen. In dieser Zeit ist die Sterblichkeit extrem hoch.

Fressfeinde und Gefahren

An der Erdoberfläche sind die jungen Maulwürfe leichte Beute für eine Vielzahl von Prädatoren. Zu den Hauptfeinden zählen:

  • Greifvögel: Insbesondere Mäusebussarde und Eulen [6].
  • Säugetiere: Rotfüchse, Marder, Hermeline und sogar Hauskatzen [5].
  • Störche und Reiher: Diese lauern oft an frisch aufgeworfenen Hügeln.

Neben biologischen Feinden stellt auch der Mensch eine Gefahr dar. Durch die großflächige Umgestaltung der Landschaft, den Einsatz von Pestiziden (die die Nahrungsgrundlage entziehen) und den Einsatz von Düngemitteln verlieren Maulwürfe zunehmend ihren Lebensraum [5, 10].

Gesetzlicher Schutz: Warum wir Maulwürfe schützen müssen

In Deutschland ist der Maulwurf gemäß § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) besonders geschützt. Es ist streng verboten, die Tiere zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch die Zerstörung ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten ist untersagt [5].

Dieser Schutz ist ökologisch begründet: Maulwürfe sind wichtige „Bodenpolizisten“. Durch ihre Grabtätigkeit lockern sie den Boden auf, verbessern die Belüftung und Entwässerung und vertilgen Unmengen an Schädlingen wie Engerlinge, Drahtwürmer und Schnecken [5, 11]. Ein Garten mit Maulwurf ist ein Zeichen für ein gesundes Ökosystem und einen lebendigen Boden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie oft bekommen Maulwürfe Nachwuchs?

Maulwürfe bekommen in der Regel nur einmal pro Jahr Nachwuchs, meist zwischen April und Juni [6]. Eine zweite Brut im Spätsommer ist extrem selten und tritt nur bei sehr günstigen Bedingungen auf.

Wann verlassen junge Maulwürfe das Nest?

Die Jungtiere verlassen das mütterliche Nest nach etwa 8 bis 10 Wochen, um sich ein eigenes Revier zu suchen [6]. In dieser Phase wandern sie oft oberirdisch ab.

Wie viele Junge hat ein Maulwurf pro Wurf?

Ein Wurf besteht meist aus 3 bis 5 Jungen, wobei die Spanne von 2 bis zu 7 Jungtieren reichen kann [5].

Sind Maulwürfe bei der Geburt schon blind?

Ja, Maulwürfe kommen nackt, blind und taub zur Welt. Ihre Augen öffnen sich erst nach etwa 21 bis 24 Tagen [4].

Darf man Maulwurfshügel im Garten entfernen?

Das vorsichtige Einebnen der Hügel ist erlaubt, solange das Tier dabei nicht gestört oder verletzt wird. Das Zerstören der Gänge oder das Einleiten von Wasser ist jedoch verboten [5].

Fazit

Die Fortpflanzung des Maulwurfs ist ein faszinierender Prozess, der zeigt, wie perfekt sich dieses Tier an das Leben unter der Erde angepasst hat. Trotz ihrer Rolle als vermeintliche „Gartenstörer“ sind Maulwürfe nützliche und schützenswerte Lebewesen. Wenn wir verstehen, wie mühsam die Aufzucht der Jungen und wie gefährlich die Suche nach einem neuen Revier ist, fällt es leichter, die kleinen Erdhügel im Garten mit anderen Augen zu sehen. Akzeptieren wir den Maulwurf als Gast, leisten wir einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz und zur biologischen Vielfalt in unserer unmittelbaren Umgebung.

Quellenverzeichnis

  1. Lund, M. (1976). CONTROL OF THE EUROPEAN MOLE, Talpa eruopaea. Proceedings of the 7th Vertebrate Pest Conference.
  2. du Bois, T.M.E. (2013). Molehill Mayhem: A literature review on activity in Talpa europaea. University Utrecht.
  3. Johannesson-Groß, K. (1985). Der Maulwurf als Bewohner von Flußauen. Naturschutz in Nordhessen, Heft 8.
  4. Mühlbauer, S. & Witte, G.R. (1978). Beiträge zur Käfighaltung von Maulwürfen (Talpa europaea L.). Philippia III/5.
  5. Naturschutzbund Österreich (2020). Tier des Jahres 2020: Europäischer Maulwurf. Natur & Land, 106. JG.
  6. Plass, J. (2008). Der Eurasische Maulwurf (Talpa europaea). Naturkundliches Objekt des Monats, Biologiezentrum Linz.
  7. Kudo, M. et al. (1991). Neural structures and circadian rhythms in moles. Brain, Behavior and Evolution.
  8. MacDonald, D.W. et al. (1996). Spatial and temporal patterns in the activity of European moles. Oecologia.
  9. Edwards, G.R. et al. (1999). Factors influencing molehill distribution in grassland. Journal of Applied Ecology.
  10. Funmilayo, O. (1977). Distribution and abundance of moles in relation to habitat. Oecologia.
  11. Johannesson-Groß, K. (1984). Verhaltensbiologische Untersuchungen zum Thema Lernen am Maulwurf. Dissertation, Kassel.

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