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Machen Kakerlaken Geräusche? Rascheln und Scharren in der Nacht
Juni 11, 2026 Patricia Titz

Machen Kakerlaken Geräusche? Rascheln und Scharren in der Nacht

Es ist tief in der Nacht. Die Wohnung ist absolut still, doch plötzlich durchbricht ein leises, unregelmäßiges Geräusch die Ruhe. Ein feines Rascheln aus der Küche, ein zartes Scharren hinter der Fußleiste oder ein Knistern im Papiermüll. Wer bei diesen Geräuschen an Mäuse denkt, liegt oft richtig – doch in vielen Fällen ist der Verursacher deutlich kleiner und hat sechs Beine. Die Frage "Machen Kakerlaken Geräusche?" lässt sich mit einem klaren Ja beantworten. Obwohl Schaben im Gegensatz zu Grillen oder Zikaden nicht für laute Gesänge bekannt sind, erzeugen sie durch ihre Fortbewegung, ihre Anatomie und in einigen Fällen sogar durch aktive Lautäußerungen eine akustische Signatur, die aufmerksame Bewohner um den Schlaf bringen kann.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bewegungsgeräusche: Das typische Rascheln entsteht, wenn Schaben mit ihren bedornten Beinen und harten Chitinpanzern über raue Oberflächen, Papier oder Plastik laufen.
  • Hohe Geschwindigkeit: Arten wie die Amerikanische Schabe erreichen Laufgeschwindigkeiten von bis zu 1,5 Metern pro Sekunde, was das Scharren deutlich hörbar macht.
  • Aktive Lautäußerungen: Einige exotische Arten (z. B. Fauchschaben) können zischen oder zirpen, heimische Schädlingsarten kommunizieren jedoch primär lautlos über Pheromone.
  • Verwechslungsgefahr: Das unregelmäßige, huschende Geräusch von Kakerlaken unterscheidet sich deutlich vom rhythmischen Nagen einer Maus oder dem Ticken eines Holzwurms.

Die akustische Signatur: Welche Geräusche machen Kakerlaken?

Wenn wir von Kakerlakengeräuschen in heimischen Wohnungen sprechen, meinen wir in der Regel keine vokalen Rufe, sondern mechanische Geräusche. Diese entstehen als Nebenprodukt der Lebensweise und der physischen Beschaffenheit der Insekten. Je nach Befallsstärke und der Art des Untergrunds können diese Geräusche von einem kaum wahrnehmbaren Knistern bis hin zu einem beunruhigenden Scharren reichen.

Das typische Rascheln und Scharren (Lokomotionsgeräusche)

Das mit Abstand häufigste Geräusch, das einen Schabenbefall verrät, ist ein schnelles, unregelmäßiges Rascheln. Schaben sind extrem schnelle Läufer. Die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) erreicht im alternierenden Dreibeingang Geschwindigkeiten von bis zu 1,5 Metern pro Sekunde [2]. Wenn ein Insekt dieser Größe (bis zu 5,3 cm) mit dieser Geschwindigkeit über einen Resonanzkörper läuft, wird es hörbar.

Besonders laut wird dieses Scharren, wenn die Tiere über bestimmte Materialien laufen:

  • Papiertüten und Kartonagen: Altpapier ist ein beliebter Versteckort. Das Laufen über trockenes Papier erzeugt ein lautes, knisterndes Rascheln.
  • Plastiktüten: Im Mülleimer auf der Suche nach Nahrung erzeugen die Krallen auf der glatten Folie ein helles Kratzen.
  • Hohlräume: Trockenbauwände, abgehängte Decken oder Lüftungsschächte wirken als akustische Verstärker (Resonanzkörper). Ein leichtes Trippeln wird hier zu einem deutlichen Scharren.

Kau- und Fressgeräusche

Schaben besitzen kräftige, beißend-kauende Mundwerkzeuge (Mandibeln), die darauf ausgelegt sind, organische Materie zu zerkleinern [1]. Bei einem starken Befall und in absoluter Stille kann man tatsächlich hören, wie Kakerlaken fressen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie harte, trockene Materialien wie Hundetrockenfutter, Leder, Bucheinbände oder dicke Kartonagen benagen. Das Geräusch ist ein sehr leises, rhythmisches Knuspern oder Schaben, das oft fälschlicherweise kleinen Käfern zugeordnet wird.

Flug- und Flattergeräusche

Obwohl die meisten synanthropen (dem Menschen folgenden) Schabenarten in Mitteleuropa eher Läufer als Flieger sind, besitzen viele von ihnen voll ausgebildete Flügel. Die Braunbandschabe (Supella longipalpa) oder flugfähige Männchen der Waldschabe (Ectobius spp.) können bei Störung auffliegen [6]. Auch die Amerikanische und Australische Schabe nutzen ihre Flügel für Gleitflüge [5]. Wenn diese relativ großen Insekten fliegen oder nach einem Sprung mit den Flügeln flattern, entsteht ein tiefes, brummendes oder surrendes Geräusch, das an einen großen Käfer erinnert. Auch das Aufprallen auf harte Oberflächen (z. B. Fliesen) nach einem Gleitflug ist deutlich als dumpfes "Klick" hörbar.

Achtung: Die Masse macht die Lautstärke

Eine einzelne Deutsche Schabe (Blattella germanica) werden Sie beim Laufen über den Küchenboden kaum hören. Wenn Sie jedoch nachts ein deutliches, vielstimmiges Rascheln aus den Küchenschränken vernehmen, deutet dies meist auf eine bereits sehr große Population hin. Schaben sind gregär (gesellig) und aggregieren in ihren Verstecken [4]. Wenn Dutzende Tiere gleichzeitig ausschwärmen, summiert sich das leise Trippeln zu einem unüberhörbaren Rauschen.

Anatomie der Kakerlaken-Geräusche
Anatomie der Kakerlaken-Geräusche

Anatomische Ursachen: Warum ein Insekt so viel Lärm machen kann

Um zu verstehen, warum Kakerlaken nachts hörbar sind, muss man sich ihre Anatomie genauer ansehen. Die Ordnung der Blattodea ist evolutionär perfekt an ein Leben in engen Spalten und schnelle Flucht angepasst. Genau diese Anpassungen sind die Quelle der Geräusche.

Bedornte Tibien und harte Tarsen

Die Beine der Schaben sind als kräftige Laufbeine ausgebildet. Ein entscheidendes Merkmal sind die sogenannten Tibien (Schienen), die stark bedornt sind [1]. Diese starren Chitindornen geben den Tieren Halt auf unebenen Flächen. Wenn die Schabe rennt, schlagen diese Dornen mikroskopisch klein, aber mit hoher Frequenz gegen den Untergrund. Zusätzlich besitzen die fünfgliedrigen Tarsen (Füße) kleine Krallen. Das Zusammenspiel aus harten Krallen und Dornen auf Materialien wie Holz, Laminat oder Papier erzeugt das charakteristische Kratzgeräusch.

Der Chitinpanzer in engen Spalten

Schaben weisen einen dorsoventral abgeflachten (von oben nach unten plattgedrückten) Körperbau auf [4]. Dies ermöglicht es ihnen, in winzige Ritzen zu kriechen. Sie zeigen ein Verhalten namens Thigmotaxis – das Bestreben nach maximalem Körperkontakt mit Oberflächen [4]. Sie quetschen sich mit Vorliebe in Spalten, die kaum höher sind als sie selbst. Wenn sie sich in diesen engen Hohlräumen (z. B. hinter der Küchenzeile oder in Wandverkleidungen) bewegen, reibt ihr harter Chitinpanzer, insbesondere das schildartige Pronotum (Halsschild), an den Wänden. Diese Reibung erzeugt ein trockenes, schabendes Geräusch.

Aktive Lautäußerungen: Zirpen, Stridulieren und Fauchen

Während die heimischen Schädlinge wie die Deutsche oder Orientalische Schabe (Blatta orientalis) stumm sind und nur Bewegungsgeräusche verursachen, gibt es innerhalb der über 7.600 Schabenarten weltweit [1] faszinierende Ausnahmen, die aktiv akustisch kommunizieren.

Das Zischen der Madagaskar-Fauchschabe

Das berühmteste Beispiel für eine lautgebende Kakerlake ist die Madagaskar-Fauchschabe (Gromphadorhina portentosa bzw. G. picea). Diese großen, flügellosen Schaben produzieren bei Gefahr, während Revierkämpfen oder bei der Balz ein lautes, zischendes Geräusch. Dieses Fauchen entsteht nicht durch Stimmbänder, sondern indem die Tiere Luft ruckartig aus speziellen, verstärkten Tracheen (Atemöffnungen) des vierten Abdominalsegments herauspressen [8]. Obwohl diese Art in Europa nicht als Schädling auftritt, wird sie häufig in Terrarien gehalten. Wer also ein lautes Zischen hört, hat es eher mit einem entflohenen Haustier als mit einem klassischen Befall zu tun.

Stridulation bei der Hummerschabe

Eine weitere Form der akustischen Kommunikation ist die Stridulation (Zirpen durch Aneinanderreiben von Körperteilen), ähnlich wie bei Grillen. Die Hummerschabe (Nauphoeta cinerea) nutzt dieses Verhalten während des komplexen Balzrituals. Die Männchen stridulieren, um Weibchen anzulocken und in die richtige Position für die Paarung zu bringen [3]. Auch hierbei handelt es sich um eine Art, die in Mitteleuropa primär als Futtertier für Reptilien gezüchtet wird und selten als eigenständiger Schädling in Wohnungen auftritt.

Vergleich nächtlicher Geräusche von Schädlingen im Haus.
Vergleich nächtlicher Geräusche von Schädlingen im Haus.

Schabe, Maus oder Käfer? Geräusche in der Nacht richtig zuordnen

Wenn es nachts in der Wand oder unter dem Schrank raschelt, ist die Panik oft groß. Die korrekte akustische Identifikation des Verursachers kann helfen, schnell die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. So unterscheiden sich Kakerlaken von anderen nächtlichen Ruhestörern:

Verursacher Klangprofil Rhythmus & Verhalten
Kakerlaken Leises, trockenes Knistern, Rascheln (wie zerknülltes Papier), feines Kratzen. Sehr schnell, huschend, unregelmäßig. Stoppt abrupt bei Lichteinfall oder Erschütterung.
Mäuse / Ratten Deutliches Scharren, lautes Nagen an Holz/Plastik, Trippeln mit Krallen, gelegentliches Fiepsen. Rhythmischeres Nagen, schwereres Laufgeräusch. Lassen sich von leisem Licht oft nicht sofort stören.
Holzwürmer / Bockkäfer Leises Ticken, Raspeln oder Knuspern direkt aus dem Holz (z.B. Dachstuhl, Möbel). Sehr gleichmäßig, rhythmisch, anhaltend. Keine Fortbewegungsgeräusche im Raum.
Silberfische Keine hörbaren Geräusche. Zu leicht und weich, um für das menschliche Ohr hörbare Kratzgeräusche zu erzeugen.
Diagramm zur nächtlichen Hörbarkeit von Kakerlaken.
Diagramm zur nächtlichen Hörbarkeit von Kakerlaken.

Warum höre ich das Rascheln nur tief in der Nacht?

Dass Sie Kakerlaken fast ausschließlich nachts hören, liegt an ihrer strengen biologischen Rhythmik. Die meisten synanthropen Vertreter der Blattodea sind strikt nachtaktiv und photonegativ (lichtscheu) [1]. Sie verlassen ihre feuchten, geschützten Verstecke vorwiegend nach Sonnenuntergang zur Nahrungssuche.

Dieses Verhalten ist ein evolutionärer Schutzmechanismus vor Fressfeinden. Tagsüber verharren sie regungslos in ihren Spalten. Erst wenn die Umgebung ruhig und dunkel ist, beginnt die Aktivitätsphase. Hinzu kommt ein physikalischer Effekt: In der Nacht sinkt der allgemeine Umgebungslärm (Straßenverkehr, Haushaltsgeräte, Gespräche) drastisch ab. Die akustische Schwelle des menschlichen Gehörs passt sich an die Stille an, wodurch wir das feine Rascheln der bedornten Schabenbeine auf dem Küchenboden plötzlich kristallklar wahrnehmen können.

Was tun, wenn es nachts verdächtig raschelt?

Wenn Sie nachts durch ein Scharren geweckt werden und den Verdacht auf Kakerlaken haben, ist das richtige Vorgehen entscheidend, um den Befall zu bestätigen. Ein häufiger Fehler ist es, einfach das Deckenlicht einzuschalten. Aufgrund ihrer extremen Lichtscheu und Fluchtreaktion (gesteuert durch hochempfindliche Cerci am Hinterleib, die Luftströmungen registrieren [4]) verschwinden die Tiere in Sekundenbruchteilen in ihren Ritzen.

Praxis-Tipp: Die nächtliche Inspektion

  • Rotes Licht nutzen: Kakerlaken können rotes Licht schlecht wahrnehmen. Kleben Sie rote Folie über eine Taschenlampe oder nutzen Sie eine entsprechende App auf dem Smartphone, um die Geräuschquelle auszuleuchten, ohne die Tiere aufzuscheuchen.
  • Klebefallen aufstellen: Platzieren Sie Monitor-Klebefallen genau dort, wo Sie das Rascheln gehört haben (z. B. unter der Spüle, hinter dem Kühlschrank). Am nächsten Morgen haben Sie Gewissheit.
  • Geruchstest: Ein starker Schabenbefall (besonders bei der Orientalischen Schabe) verrät sich nicht nur akustisch, sondern auch durch einen süßlich-muffigen Geruch, der durch Aggregationspheromone und Kot verursacht wird [7].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Können Kakerlaken quietschen oder fiepsen?

Nein, heimische Kakerlakenarten besitzen keine Stimmbänder oder Organe, um zu quietschen oder zu fiepsen. Wenn Sie ein Fiepsen hören, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Mäuse oder Ratten.

Warum raschelt es in der Wand?

Schaben nutzen Hohlräume in Wänden, Versorgungsschächte und Rohre als sichere Verstecke und Fortbewegungswege. Wenn sie mit ihren harten Chitinpanzern und bedornten Beinen über die rauen Innenwände laufen, entsteht ein verstärktes Rascheln.

Machen Kakerlaken Geräusche beim Fliegen?

Ja, flugfähige Arten wie die Amerikanische oder Braunbandschabe erzeugen beim Fliegen oder Gleiten ein tiefes, brummendes Flattergeräusch, ähnlich dem eines großen Käfers. Auch der Aufprall bei der Landung ist oft hörbar.

Welche Schabe macht zischende Geräusche?

Das Zischen stammt von der Madagaskar-Fauchschabe (Gromphadorhina portentosa). Sie presst bei Gefahr Luft durch ihre Atemöffnungen (Tracheen). Diese Art ist in Europa jedoch kein Haushaltsschädling, sondern wird meist in Terrarien gehalten.

Hört man Kakerlaken fressen?

Bei absoluter Stille und einem starken Befall kann man ein leises Knuspern oder Schaben hören, wenn Kakerlaken mit ihren kräftigen Mandibeln an harten Materialien wie Karton, trockenem Tierfutter oder Leder nagen.

Fazit

Kakerlaken sind keineswegs lautlos. Auch wenn sie nicht wie Vögel oder Nagetiere rufen, verraten sie sich durch mechanische Geräusche. Das nächtliche Rascheln, Knistern und Scharren entsteht durch ihre hohe Laufgeschwindigkeit, die bedornten Beine und den harten Chitinpanzer, der an Oberflächen reibt. Wer diese akustischen Signale richtig deutet und von den Geräuschen von Mäusen oder Holzwürmern unterscheiden kann, hat einen entscheidenden Vorteil bei der frühzeitigen Erkennung eines Befalls. Ignorieren Sie nächtliches Rascheln in der Küche nicht – stellen Sie Monitorfallen auf und ziehen Sie bei einem bestätigten Befall umgehend einen professionellen Schädlingsbekämpfer zurate.

Quellen & Wissenschaftliche Belege

  1. Artenprofil Schaben (Blattodea) – Allgemeine Biologie, Morphologie und Verhalten (KI-generierter SEO-Fachtext basierend auf entomologischen Daten).
  2. Artenprofil Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) – Fortbewegung, Geschwindigkeit und Flugverhalten.
  3. Artenprofil Schaben – Stridulation bei Nauphoeta cinerea (Hummerschabe) und Balzverhalten.
  4. Artenprofil Deutsche Schabe (Blattella germanica) – Thigmotaxis, Anatomie der Tarsen und nächtliche Aktivitätsmuster.
  5. Artenprofil Australische Schabe (Periplaneta australasiae) – Gleitflug und Fortbewegung.
  6. Artenprofil Braunbandschabe (Supella longipalpa) – Flugfähigkeit bei Störung.
  7. Artenprofil Orientalische Schabe (Blatta orientalis) – Aggregationspheromone und Geruchsbildung.
  8. Pospischil, R. (2010): Schaben (Dictyoptera, Blattodea) – Ihre Bedeutung als Überträger von Krankheitserregern und als Verursacher von Allergien. Denisia 30, S. 171-190. (Spezifisch: Lauterzeugung bei Gromphadorhina picea).

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