Asiatische Hornisse am Bienenstand: So schützt du dein Bienenvolk
Aktualisiert am 3. November 2026 Patricia Titz

Asiatische Hornisse am Bienenstand: So schützt du dein Bienenvolk

Fachlich geprüft vom Silberkraft-Team

Das Summen vor dem Flugloch ändert sich. Deine Bienen fliegen kaum noch aus, sondern drängen sich am Eingang zusammen. Der Grund dafür steht oft nur wenige Zentimeter davor in der Luft: Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) hat deinen Bienenstand entdeckt. Die invasive Art breitet sich seit 2014 in Deutschland aus und jagt gezielt Honigbienen. Panik hilft dir trotzdem nicht weiter, denn du bist ihr nicht schutzlos ausgeliefert. In diesem Artikel erfährst du, mit welchen technischen und imkerlichen Maßnahmen du deine Völker durch den kritischen Spätsommer bringst und warum Fachstellen von Fallen abraten. Wie du die Art sicher von der heimischen Hornisse unterscheidest, liest du in unserem Ratgeber Asiatische Hornisse erkennen und melden.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Sammelparalyse verhindern: Die größte Gefahr ist nicht der Verlust einzelner Bienen, sondern dass das Volk aus Angst das Sammeln einstellt und verhungert.
  • Technische Barrieren: Ein Gitterschutz vor dem Flugloch bei starkem Beflug und ein Fluglochschieber mit 5,0 bis 5,5 mm Höhe nach Ende des Bienenflugs im Herbst senken die Verluste.
  • Fallen sind keine Lösung: Fachstellen raten davon ab, weil Fallen wenig wirksam und nicht selektiv sind und viele andere Insekten als Beifang töten.
  • Starke Völker: Gesunde, futter- und volksstarke Völker verkraften den Druck im Herbst deutlich besser.
  • Melden statt fangen: Sichtungen und Nester an die zuständige Stelle melden, Nester nur von Fachleuten entfernen lassen.

Die Jagdstrategie: Wie die Asiatische Hornisse am Bienenstand agiert

Um dein Bienenvolk zu schützen, hilft es, das Jagdverhalten zu verstehen. Die Asiatische Hornisse braucht für die Aufzucht ihrer Larven viel tierisches Eiweiß, und ein Bienenstand ist für sie eine konzentrierte, leicht erreichbare Nahrungsquelle.

Die Jagd läuft meist nach einem festen Muster ab: Die Hornissen positionieren sich im Schwebeflug (dem sogenannten "Hawking") oft nur kurz vor dem Flugloch. Sie warten auf heimkehrende, nektarschwere und damit langsame Sammelbienen. Mit einer blitzschnellen Bewegung stürzen sie sich auf die Biene, packen sie und fliegen zu einem nahegelegenen Ast. Dort wird die Biene zerlegt: Kopf, Beine, Flügel und Hinterleib werden abgetrennt. Nur der proteinreiche Brustpanzer (Thorax) wird zu einem Fleischklößchen zerkaut und ins Hornissennest geflogen [1].

Gefahr der Sammelparalyse

Unsere heimische Hornisse (Vespa crabro) jagt zwar ebenfalls gelegentlich Bienen, bleibt aber selten lange vor einem Stand. Die Asiatische Hornisse dagegen kann im Spätsommer und Herbst mit mehreren Tieren gleichzeitig vor einem Flugloch lauern. Der Druck kann dazu führen, dass die Bienen kaum noch ausfliegen und weniger Nektar, Pollen und Wasser eintragen. Fehlen diese Vorräte, wird das Volk geschwächt und geht schlechter in den Winter, oft mehr als durch die direkt erbeuteten Bienen [2].

Technische Schutzmaßnahmen: So sicherst du die Beute

Wenn der Beflug durch die Asiatische Hornisse zunimmt, musst du handeln. Ziel der technischen Maßnahmen ist es nicht, die Jagd auf einzelne Bienen komplett zu stoppen – das ist unmöglich. Das Ziel ist es, das Eindringen der Hornissen in die Beute zu verhindern und den Bienen einen sicheren Start- und Landebereich zu schaffen, um die Sammelparalyse zu durchbrechen.

1. Der Vorbau-Gitterschutz (Maulkorb)

Ein Gitterschutz (oft „Maulkorb“ genannt) wird vor dem Flugloch montiert. Laut Merkblatt des Bienengesundheitsdienstes von BienenSchweiz hat sich eine Maschenweite von etwa 10 bis 25 mm bewährt. Die Hornissen passen zwar durch die Maschen, doch Studien zeigen, dass die Bienen hinter dem Gitter weiter sammeln und weniger Bienen verloren gehen [2]. Wichtig: Montiere das Gitter erst, wenn die Hornissen tatsächlich angreifen, und nicht vorbeugend, denn es erschwert auch den Bienenflug.

2. Fluglochschieber mit Höhenbegrenzung

Wenn die Völker im Herbst den Flug einstellen, kannst du das Flugloch mit einem Schieber auf 5,0 bis 5,5 mm Höhe begrenzen [2]. Durch diesen Schlitz passt eine Honigbiene, die deutlich größere Asiatische Hornisse (Arbeiterinnen etwa 15 bis 24 mm) aber nicht. Bringe den Schieber erst an, wenn der Bienenflug im Herbst endet, nicht schon im Spätsommer.

Die 3-Säulen-Strategie: Biologische Abwehr durch starke Völker

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Technische Barrieren sind nur ein Teil des Schutzes. Vitale und gut geschützte Völker werden laut BienenSchweiz oft gar nicht angegriffen oder können die Verluste in der Regel verkraften. Deine Imkerei sollte sich deshalb auf drei Säulen stützen [2]:

  1. Bienengesundheit: Völker mit hoher Varroabelastung haben kaum Reserven. Ein konsequentes Varroa-Management nach den Empfehlungen deines Bieneninstituts ist deshalb auch ein Schutz gegen die Hornisse.
  2. Volksstärke: Gehe nur mit starken Völkern in den Herbst und vereine schwächere Völker rechtzeitig mit stärkeren.
  3. Futterversorgung: Weil die Bienen bei starkem Beflug weniger eintragen, solltest du die Wintervorräte früh im Blick behalten und rechtzeitig auffüttern.

Das große Dilemma: Warum Fallen umstritten und oft verboten sind

Wenn Imker ihre Bienen sterben sehen, ist der Wunsch nach Fallen verständlich. Im Internet kursieren viele Bauanleitungen für Lockfallen mit süßen oder alkoholischen Ködern. Fachstellen sehen das kritisch.

Das Beifang-Problem

Das Hauptproblem ist die fehlende Selektivität: Der Köder lockt nicht nur die Asiatische Hornisse an, sondern auch viele andere Insekten, darunter Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und die heimische Europäische Hornisse. Laut BienenSchweiz sind Fallen zu wenig wirksam und schaden mehr, als sie nützen [2].

Was rechtlich zu beachten ist

Die Europäische Hornisse ist in Deutschland besonders geschützt. Fallen, in denen sie und andere geschützte Insekten sterben, können deshalb gegen Naturschutzrecht verstoßen. Das bundesweite Management- und Maßnahmenblatt für die Asiatische Hornisse sieht den Einsatz von Fallen nur vor, wenn ihre Selektivität belegt ist [3]. Wenn du über Fallen nachdenkst, kläre das vorher mit deiner unteren Naturschutzbehörde.

Auch der Nutzen, im Frühjahr gezielt Königinnen wegzufangen, ist fachlich umstritten. Besser investierst du deine Zeit in starke Völker, Gitterschutz und das Melden von Nestern.

Die nachhaltige Lösung: Nestsuche und Meldung

Statt Fallen aufzustellen, hilft es mehr, Nester zu finden und zu melden. Ab dem Sommer zieht das Volk meist in ein großes Sekundärnest um, das oft hoch in Baumkronen hängt und schwer zu entdecken ist [1]. Ein solches Volk kann über 1.000 Tiere umfassen. Wird das Nest fachgerecht entfernt, kann der Jagddruck in der Umgebung spürbar sinken.

Bei der Nestsuche arbeiten Fachleute, Behörden und Imkervereine oft zusammen, etwa indem sie die Flugrichtung jagender Hornissen von mehreren Standorten aus verfolgen. Frag bei deinem Imkerverein oder der zuständigen Meldestelle nach, ob es in deiner Region bereits eine organisierte Nestsuche gibt.

Hast du ein Nest entdeckt oder einen starken Verdacht, melde es mit Foto bei der zuständigen Stelle deines Bundeslandes, in Baden-Württemberg zum Beispiel über die Meldeplattform der LUBW [4]. Wo du in anderen Bundesländern meldest, findest du in unserem Ratgeber Asiatische Hornisse erkennen und melden. Versuche niemals, ein Nest selbst zu entfernen: Die Tiere verteidigen es heftig. Wer die Entfernung übernimmt und bezahlt, erklären wir im Artikel Nest der Asiatischen Hornisse gefunden.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Darf ich als Imker Fallen für die Asiatische Hornisse aufstellen?

Fachstellen raten davon ab. Fallen sind wenig wirksam, nicht selektiv und töten viele andere Insekten, darunter die geschützte Europäische Hornisse. Das kann auch gegen Naturschutzrecht verstoßen. Kläre Ausnahmen immer vorher mit deiner unteren Naturschutzbehörde.

Wie erkenne ich, ob meine Bienen unter Sammelparalyse leiden?

Bei einer Sammelparalyse stellen die Bienen den Flugbetrieb fast vollständig ein, obwohl gutes Flugwetter herrscht. Die Bienen drängen sich nervös am Flugloch, trauen sich aber nicht hinaus, während Asiatische Hornissen im Schwebeflug vor der Beute lauern.

Welche Maschenweite braucht ein Schutzgitter (Maulkorb)?

Das Merkblatt von BienenSchweiz nennt etwa 10 bis 25 mm. Die Hornissen passen zwar durch, die Bienen sammeln hinter dem Gitter aber weiter und die Verluste sinken. Montiere das Gitter erst, wenn tatsächlich Angriffe stattfinden.

Wie hoch sollte der Fluglochschieber sein?

Mit 5,0 bis 5,5 mm Höhe passen Honigbienen hindurch, die größere Asiatische Hornisse dagegen nicht. Setze den Schieber erst ein, wenn die Völker im Herbst den Flug einstellen.

Wer ist für die Entfernung der Nester zuständig?

Seit 2025 gilt die Art in Deutschland als weit verbreitet, die bundesweite Pflicht zur Beseitigung ist entfallen. Wie Meldung, Entfernung und Kosten geregelt sind, unterscheidet sich je nach Bundesland, Baden-Württemberg etwa unterstützt die Nestentfernung finanziell.

Fazit

Die Asiatische Hornisse ist eine neue Herausforderung für die Imkerei, aber kein Grund aufzugeben. Starke, gesunde Völker, ein Gitterschutz bei akutem Beflug und ein Fluglochschieber im Herbst sind deine wichtigsten Werkzeuge. Auf Fallen solltest du verzichten, weil sie vor allem anderen Insekten schaden. Melde stattdessen Sichtungen und Nester, damit Fachleute sie gezielt entfernen können.

Quellenverzeichnis

  1. Wikipedia (2024). Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Abschnitt: Lebensweise und Jagdverhalten.
  2. BienenSchweiz / CABI (2023). Erfolgreich imkern trotz Vespa velutina - Strategie für eine erfolgreiche Imkerei in Anwesenheit der Asiatischen Hornisse.
  3. Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) (2025). Management- und Maßnahmenblatt zur Verordnung (EU) Nr. 1143/2014: Asiatische Hornisse.
  4. Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) (2025). Asiatische Hornisse - Management- und Maßnahmenblatt.

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