Ein einzelnes Tier im Frühjahr, ein Nest mit über tausend Hornissen im Herbst: Das Volk der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) lebt nur eine Saison, wächst in dieser Zeit aber enorm. Wenn du den Jahresverlauf kennst, weißt du, wann du worauf achten solltest und warum frühes Melden so viel bringt. Hier erfährst du Schritt für Schritt, was von der Königin im Frühjahr bis zum leeren Nest im Winter passiert. Wie du die Art sicher erkennst, liest du im Ratgeber Asiatische Hornisse erkennen und melden.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Frühjahr: Eine einzelne Königin gründet ab April ein kleines Primärnest, oft an geschützten Orten wie Schuppen oder Gartenhütten.
- Frühsommer: Ab Mai/Juni schlüpfen die ersten Arbeiterinnen, das Primärnest wächst bis etwa auf Handballgröße.
- Sommer: Das Volk baut meist an einem anderen Ort ein großes Sekundärnest, rund drei Viertel davon in über zehn Metern Höhe in Bäumen.
- Spätsommer und Herbst: Das Volk wächst auf über 1.000 Tiere. Ab Mitte August schlüpfen Geschlechtstiere, die im Herbst zur Paarung ausfliegen.
- Winter: Das Volk stirbt ab, in der Regel im November. Nur die jungen Königinnen gründen im Folgejahr neue Nester.
Frühjahr: Die Königin gründet das Primärnest
Das Hornissenjahr beginnt mit einer einzelnen Königin. Laut LUBW fliegt die Asiatische Hornisse ab März [1], mit der Nestgründung beginnt sie ab April [3]. Jede Königin baut nur ein Gründungsnest pro Jahr [1].
Dieses Primärnest (Gründungsnest) entsteht meist an einem geschützten Ort [2], häufig in kleinen Gartenhütten oder Holzschuppen, wo es frei von der Decke hängt [1]. Es kann aber auch in Sträuchern oder in Bodennähe hängen [1]. Anfangs ist es etwa so groß wie ein Golf- bis Tennisball [2]. Die Nester sind beigebraun [3].

In dieser Phase erledigt die Königin alles allein: Sie baut, legt Eier und versorgt die Brut. Gerade deshalb ist das Frühjahr die Zeit, in der ein Nest noch klein und vergleichsweise leicht zu entfernen ist [5].
Frühsommer: Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen
Aus den Eiern im Primärnest schlüpfen im Mai oder Juni die ersten Arbeiterinnen [1]. Das Fachbuch nennt Anfang Juni [3]. Ab jetzt übernehmen die Arbeiterinnen Nestbau und Futtersuche, und das Primärnest wird bis etwa zur Größe eines Handballs ausgebaut [2].
Für die Larven brauchen die Arbeiterinnen eiweißreiche Nahrung und erbeuten dafür vor allem fliegende Insekten im Umfeld des Nestes. Sie selbst ernähren sich vor allem von kohlenhydratreicher Nahrung wie Nektar oder Obst [1].
Sommer: Umzug ins Sekundärnest
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Im Verlauf des Sommers legen Königin und Arbeiterinnen ein zweites, größeres Nest an, das Sekundärnest (Filialnest) [1]. In den meisten Fällen entsteht es an einem anderen Ort, nur selten wird das Primärnest selbst zum Sekundärnest ausgebaut [2].
Rund drei Viertel aller Filialnester hängen laut LUBW weit oben in Bäumen in über zehn Metern Höhe [1]. Sie können aber auch in Hecken, an oder in Gebäuden oder im Boden angelegt werden [2]. Die kugel- bis birnenförmigen Nester erreichen oft einen Meter Höhe und 50 bis 80 cm Breite [1]. Typisch ist das seitliche Einflugloch [1], das laut Fachbuch im oberen Drittel des Nestes liegt [3]. Bei der heimischen Europäischen Hornisse liegt das Nest dagegen meist in dunklen Hohlräumen, etwa auf Dachböden oder in Rollladenkästen [7].

Weil die Sekundärnester oft hoch in Bäumen hängen, werden viele erst im Herbst entdeckt [4]. Hast du ein Nest entdeckt? In unserem Ratgeber Nest der Asiatischen Hornisse gefunden erfährst du, wer zuständig ist und wer die Kosten trägt.
Spätsommer und Frühherbst: Das Volk erreicht seine volle Stärke
Jetzt wächst das Volk am stärksten. Laut Fachbuch erreicht es über 1.000 Tiere [3], die LUBW nennt bis zu 2.000 Tiere im Frühherbst [1]. Ab Mitte August schlüpfen die Geschlechtstiere, also Drohnen und junge Königinnen [3]. Sie verlassen im frühen Herbst das Nest, um sich zu paaren [1].
In dieser Zeit wird es für Imkerinnen und Imker kritisch: Im Spätsommer und Frühherbst können Honigbienen einen Großteil der Nahrung der Hornissen ausmachen [1]. Wie du deine Völker in dieser Phase unterstützt, erfährst du im Ratgeber Asiatische Hornisse am Bienenstand.
Spätherbst und Winter: Das Volk stirbt ab
Das Volk der Asiatischen Hornisse ist langlebig. Laut Fachbuch stirbt es erst im November ab [3]. Die Arbeiterinnen bleiben im Nest und können auch Kältephasen überstehen. Bei milder Witterung lassen sich laut LUBW selbst im Dezember noch Arbeiterinnen am Nest beobachten [1].
Das Volk selbst überlebt den Winter nicht. Weiter geht es mit den jungen Königinnen, die zuvor ausgeflogen sind: Sie gründen im Folgejahr ihre eigenen Nester [4]. Damit beginnt der Kreislauf von vorn.
Deshalb weist das LAVES Niedersachsen darauf hin, dass eine aufwendige Beseitigung von Hauptnestern erst im Herbst wenig bringt, weil die Geschlechtstiere dann meist schon ausgeflogen sind. Wichtiger ist es, früh im Jahr aufmerksam zu sein [4].
Was heißt das für dich? Der Jahreskalender
| Zeitraum | Was passiert | Worauf du achten kannst |
|---|---|---|
| April bis Mai | Königin gründet allein das Primärnest | Schuppen, Gartenhütten, Unterstände und Sträucher auf kleine, beigebraune Nester prüfen |
| Mai bis Juli | Erste Arbeiterinnen, Primärnest wächst bis etwa Handballgröße | Funde mit Foto melden, Nest nicht selbst anfassen |
| Sommer | Bau des Sekundärnests, meist hoch in Bäumen | auf Flugbewegungen in Baumkronen achten |
| August bis Oktober | Volk auf maximaler Größe, Geschlechtstiere schlüpfen und fliegen aus | Abstand zu Nestern halten; Imkerei: Völker im Blick behalten |
| November bis März | Volk stirbt ab, junge Königinnen gründen im Folgejahr neu | Nestfunde trotzdem mit Foto melden |
Den Fund eines Nestes meldest du über die Meldestelle deines Bundeslandes. Ein Foto hilft dabei, Verwechslungen mit der besonders geschützten heimischen Hornisse auszuschließen [6]. Je größer ein Nest wird, desto aufwendiger wird seine Entfernung [6]. Wo die Asiatische Hornisse in Deutschland bereits vorkommt, liest du im Artikel Asiatische Hornisse in Deutschland: Verbreitung.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann gründet die Asiatische Hornisse ihr Nest?
Die Königin gründet ab April ein kleines Primärnest. Fliegende Tiere können laut LUBW schon ab März unterwegs sein.
Was ist der Unterschied zwischen Primärnest und Sekundärnest?
Das Primärnest baut die Königin im Frühjahr allein, oft geschützt in Schuppen oder Gartenhütten. Es wird bis etwa handballgroß. Im Sommer baut das Volk meist an einem anderen Ort ein großes Sekundärnest, oft in über zehn Metern Höhe in Bäumen, mit bis zu einem Meter Höhe.
Wie groß wird ein Volk der Asiatischen Hornisse?
Laut Fachbuch über 1.000 Tiere, laut LUBW bis zu 2.000 Tiere im Frühherbst.
Wann stirbt das Volk der Asiatischen Hornisse?
In der Regel im November. Bei milder Witterung sind laut LUBW auch im Dezember noch Arbeiterinnen zu beobachten. Nur die jungen Königinnen gründen im Folgejahr neue Nester.
Wann ist ein Nest am leichtesten zu entfernen?
Im Frühjahr, solange das Primärnest noch klein ist. Je größer das Nest wird, desto aufwendiger wird die Entfernung. Entferne ein Nest aber nie selbst, sondern melde es.
Fazit
Die Asiatische Hornisse durchläuft jedes Jahr denselben Kreislauf: Eine Königin gründet im Frühjahr ein kleines Primärnest, im Sommer zieht das Volk in ein großes Sekundärnest um, im Herbst fliegen die Geschlechtstiere aus, und im Spätherbst stirbt das Volk ab. Für dich heißt das: Im Frühjahr lohnt der Blick in Schuppen und Unterstände, Nestfunde meldest du mit Foto, und das Entfernen überlässt du Fachleuten.
Quellenverzeichnis
- Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW): Asiatische Hornisse.
- Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA): Management- und Maßnahmenblatt zur Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 – Asiatische Hornisse (Stand März 2025), veröffentlicht u. a. vom Freistaat Sachsen.
- Fachliteratur Schädlingsbekämpfung (Behr's Verlag), Kapitel „Hornissen (Vespa)“.
- Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Institut für Bienenkunde Celle: Merkblatt „Asiatische Hornisse“.
- BienenSchweiz, Bienengesundheitsdienst: Merkblatt „Erfolgreich imkern trotz Vespa velutina“.
- Landeshauptstadt Wiesbaden: Nester der Asiatischen Hornisse.
- Kreis Heinsberg: Faltblatt „Hornissen – heimische & invasive Arten“.
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