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Katzenfloh Ctenocephalides felis

Katzenfloh
Mittleres Risiko Allergen Kann beißen Physische Gefahr Kann stechen Nützling

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Flöhe (Siphonaptera)
Familie Pulicidae
Gattung Ctenocephalides
Art Ctenocephalides felis
Wissenschaftlicher Name: Ctenocephalides felis (Bouché, 1835)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der **Katzenfloh** (*Ctenocephalides felis*) ist ein flügelloser, seitlich abgeplatteter Ektoparasit aus der Familie der Pulicidae, der eine Körperlänge von 1 bis 4 Millimetern erreicht.[1][2] Er gilt weltweit als die häufigste Flohart bei Hauskatzen sowie Hunden und ist als Vektor für Pathogene wie *Bartonella henselae* oder *Rickettsia felis* von veterinär- und humanmedizinischer Bedeutung.[3][2] Vom nah verwandten Hundefloh (*Ctenocephalides canis*) lässt sich die Art mikroskopisch durch eine flachere, länglichere Stirnform sowie die Anzahl der Borsten an den Hinterbeinen unterscheiden.[1]

Name & Einordnung

Der Katzenfloh trägt den wissenschaftlichen Namen *Ctenocephalides felis* und wurde im Jahr 1835 von dem deutschen Entomologen Peter Friedrich Bouché erstbeschrieben.[1][2] Historisch wurde die Art ursprünglich unter dem Basionym *Pulex felis* geführt, bevor sie in die heutige Gattung gestellt wurde; ein weiteres bekanntes Synonym ist *Ctenocephalus felis*.[2] Systematisch wird der Parasit der Familie Pulicidae und der Gattung *Ctenocephalides* zugeordnet, womit er in enger Verwandtschaft zum Hundefloh (*Ctenocephalides canis*) und zum Menschenfloh (*Pulex irritans*) steht.[1][2] Innerhalb der Art werden neben der weltweit verbreiteten Nominatform *C. f. felis* drei weitere Unterarten unterschieden: *C. f. strongylus*, *C. f. damarensis* und *C. f. orientis*.[2] Diese Unterarten weisen morphologische und genetische Unterschiede auf, wobei *C. f. strongylus* und *C. f. orientis* vorwiegend im asiatischen und afrikanischen Raum vorkommen.[2] Neuere molekularbiologische Untersuchungen deuten jedoch auf eine kryptische Artbildung hin, weshalb die taxonomische Validität dieser Unterarten Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Debatten ist.[2][3] Der evolutionäre Ursprung von *C. felis* liegt in Afrika, von wo aus die Ausbreitung in gemäßigte und tropische Regionen weltweit erfolgte.[2] Im deutschsprachigen Raum ist die Bezeichnung 'Katzenfloh' etabliert, während international der englische Trivialname 'cat flea' Verwendung findet.[1][2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Der adulte *Ctenocephalides felis* ist ein flügelloses, seitlich stark abgeplattetes Insekt mit einer Körperlänge von 1 bis 4 mm und einer rotbraunen bis schwarzen Grundfärbung.[1][6] Diese laterale Kompression ist eine Anpassung, die das schnelle Fortbewegen im dichten Fell des Wirtes erleichtert. Der Kopf trägt kurze, dreigliedrige Antennen, die in tiefen Gruben (Fossae) hinter den einfachen Augen (Ocellen) liegen. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sind die kräftigen Dornenkämme (Ctenidien): Der Genalkamm befindet sich am unteren Kopfandrang, während der Pronotalkamm den Hinterrand des ersten Thoraxsegments säumt. Die Mundwerkzeuge sind stechend-saugend ausgebildet, wobei Mandibeln fehlen und stattdessen spezialisierte Lacinien zum Durchdringen der Haut dienen.[6] Zur Abgrenzung vom verwechselbaren Hundefloh (*Ctenocephalides canis*) wird die Kopfform herangezogen: *C. felis* besitzt eine flache, spitz zulaufende Stirn, im Gegensatz zur rundlichen, steilen Stirn von *C. canis*. Zudem trägt die Tibia des Hinterbeins beim Katzenfloh in der Regel sechs kerbige Borstenpaare, während es beim Hundefloh acht sind.[6] Auch ist der erste Stachel des Genalkamms bei *C. felis* etwa gleich lang wie der zweite. Die Beine sind für enorme Sprungleistungen angepasst; besonders das hintere Paar ermöglicht vertikale Sprünge von bis zu 17 cm. Ein Sexualdimorphismus zeigt sich in der Größe, wobei Weibchen (2–3 mm) meist größer sind als Männchen (1,5–2 mm). Männchen sind zudem an ihrem schneckenförmigen Genitalapparat und dem prominenten achten Sternit erkennbar.[6] Die ovalen Eier sind etwa 0,5 mm lang, perlweiß und besitzen eine glatte Oberfläche, wodurch sie leicht vom Wirt abfallen.[7] Die augenlosen, wurmartigen Larven (1,5–5 mm) sind weißlich-transparent mit spärlicher Behaarung und Mundhaken, wobei der dunkle Darmtrakt oft durch die Körperwand schimmert.[6][7] Die Verpuppung erfolgt in einem 2 bis 4 mm großen, klebrigen Seidenkokon, der durch anhaftenden Staub und Schmutzpartikel in der Umgebung gut getarnt ist.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Der Katzenfloh (*Ctenocephalides felis*) gilt weltweit als der bedeutendste Ektoparasit bei Hunden und Katzen sowie als relevanter Hygieneschädling in menschlichen Wohnbereichen.[2][1] Die Stiche verursachen bei Wirtstieren starken Juckreiz und können eine Flohspeichel-Allergie-Dermatitis (FAD) auslösen, die als häufigste allergische Hauterkrankung bei Haustieren zu schweren Entzündungen und Alopezie führt.[2][4] Bei massivem Befall droht insbesondere Jungtieren oder geschwächten Tieren eine lebensbedrohliche Anämie durch den signifikanten Blutverlust.[2] Als Vektor überträgt *C. felis* pathogene Erreger wie *Bartonella henselae* (Katzenkratzkrankheit) oder *Rickettsia felis* und fungiert als obligater Zwischenwirt für den Gurkenkernbandwurm (*Dipylidium caninum*).[3][2] Menschen werden häufig als Fehlwirte befallen, wobei sich die Stiche oft als juckende Papeln in charakteristischen Gruppen an den Unterschenkeln manifestieren.[2][5] Ein Befall lässt sich durch Unruhe des Wirtes sowie den Nachweis von „Flohkot“ im Fell erkennen, der aus verdautem Blut besteht und sich bei Feuchtigkeit rot färbt.[6] Da sich bis zu 95 % der Population als Eier, Larven oder Puppen in der Umgebung befinden, ist eine reine Behandlung des Tieres oft unzureichend.[8] Präventive Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Staubsaugen entfernen Entwicklungsstadien und stimulieren den Schlupf adulter Flöhe zur besseren Bekämpfung, während das Waschen von Textilien bei hohen Temperaturen Eier und Larven abtötet.[1][3] Die chemische Bekämpfung kombiniert häufig Adultizide wie Fipronil oder Imidacloprid mit Insektenwachstumsregulatoren (IGRs) wie Methopren, um den Lebenszyklus effektiv zu unterbrechen.[8] Systemische Isoxazoline bieten einen langanhaltenden Schutz, indem sie Flöhe nach der Blutmahlzeit abtöten.[1] Aufgrund verbreiteter Resistenzen gegen Pyrethroide und Organophosphate ist eine Rotation der Wirkstoffklassen sowie der Einsatz neuerer Chemikalien notwendig.[3] Integrierte Schädlingsbekämpfung (IPM) ergänzt chemische Mittel durch physikalische Maßnahmen oder biologische Ansätze, wie etwa spezifische *Bacillus thuringiensis*-Toxine gegen Larvenstadien.[1] Ein kontinuierliches Monitoring mittels Flohkamm ist entscheidend, da Puppenstadien monatelang in einer Ruhephase verharren können und so plötzliche Reinfestationen begünstigen.[1][3]

Biologie & Lebenszyklus

Der Katzenfloh (*Ctenocephalides felis*) durchläuft eine holometabole Entwicklung über die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago, wobei Weibchen nach der Blutmahlzeit täglich 20 bis 50 glatte, ovale Eier auf dem Wirt ablegen, die anschließend in die Umgebung fallen. Unter optimalen Bedingungen kann ein Weibchen im Laufe seines Lebens bis zu 2.000 Eier produzieren, wobei die Eiablage typischerweise 24 bis 48 Stunden nach der ersten Blutaufnahme beginnt.[2][1] Aus den Eiern schlüpfen nach 2 bis 14 Tagen beinlose, lichtscheue Larven, die drei Stadien (L1 bis L3) durchlaufen und dabei von 1,5 mm auf bis zu 5 mm heranwachsen.[2][3] Diese Larven ernähren sich saprophag von organischem Detritus und dem kotartigen „Flohschmutz“ adulter Flöhe, der aus unverdautem Blut besteht und essenzielle Proteine liefert.[2][6] Das dritte Larvenstadium spinnt einen klebrigen Seidenkokon, der Partikel aus der Umgebung wie Staub oder Sand bindet und so eine effektive Tarnung bietet. Während die Metamorphose bei 25–30 °C oft nur 7 bis 14 Tage dauert, kann das Puppenstadium in einer diapause-ähnlichen Ruhephase bis zu einem Jahr verharren, um ungünstige Umweltbedingungen oder Wirtsabwesenheit zu überbrücken. Der Schlupf der fertigen Imago wird durch mechanische Vibrationen, Wärme und einen Anstieg der CO₂-Konzentration ausgelöst, was die Anwesenheit eines potenziellen Wirtes signalisiert.[2][1] Adulte Flöhe sind obligate Blutsauger, wobei die Paarung ausschließlich auf dem Wirt stattfindet und Weibchen täglich das bis zu 15-fache ihres Körpergewichts an Blut aufnehmen.[3][1] Auf dem Wirt leben adulte Tiere durchschnittlich zwei bis drei Monate, während sie ohne Wirt und Blutmahlzeit oft nur wenige Tage bis maximal 12 Tage überleben. Die Entwicklungsdauer ist stark temperaturabhängig, mit einem Optimum zwischen 21 °C und 30 °C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 85 %. Kälte unter dem Gefrierpunkt ist für alle Stadien letal, und eine relative Luftfeuchtigkeit unter 50 % führt zur Austrocknung von Eiern und Larven.[2] *Ctenocephalides felis* beherbergt endosymbiotische Bakterien der Gattung *Wolbachia*, die maternell vererbt werden und die reproduktive Fitness sowie die Zusammensetzung der Darmmikrobiota beeinflussen.[3][5] Natürliche Mortalitätsfaktoren umfassen neben klimatischen Extremen auch biologische Gegenspieler; so zeigen bestimmte *Bacillus thuringiensis*-Toxine (CryET29) eine spezifische Toxizität gegenüber den Larvenstadien.[1]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Chieming, Oberwirt, 83339 Chieming, Deutschland

    09.11.2025

  • Neumünster, Schleswig-Holstein, Deutschland

    24.09.2025

  • Deutschland

    21.09.2025

  • Deutschland

    21.08.2025

  • Deutschland

    05.07.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Der Katzenfloh (*Ctenocephalides felis*) stammt ursprünglich aus Afrika und weist heute eine kosmopolitische Verbreitung in den gemäßigten, subtropischen und tropischen Regionen der Erde auf. Seine weltweite Ausbreitung ist eng mit der menschlichen Migration sowie dem Handel und Transport von Haustieren und Vieh verknüpft.[1][2] Die Art fehlt weitgehend nur in extrem kalten Polarregionen sowie in ariden Wüsten, da niedrige Luftfeuchtigkeit und dauerhafte Minustemperaturen die Entwicklung verhindern.[2] Steigende Globaltemperaturen ermöglichen der Spezies derzeit eine Arealerweiterung in zuvor zu kühle nördliche Breitengrade Europas und Nordamerikas.[2][4] *C. felis* ist weltweit die häufigste Flohart auf Hunden und Katzen und macht in untersuchten Populationen oft über 80 % des Befalls aus.[1][4] In Europa, beispielsweise in einer Studie von 2025 in Portugal, wurde er sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten als die dominierende Spezies identifiziert.[5] Die bevorzugten Habitate sind warme, feuchte Mikrohabitate, die Schutz vor Austrocknung und Licht bieten. Im Freiland persistiert die Art ganzjährig an schattigen, geschützten Stellen wie im Boden oder in der Vegetation, die von Wirten frequentiert wird.[1] In Siedlungsbereichen besiedelt *C. felis* Innenräume wie Teppiche, Polstermöbel und Tierlagerstätten, wo Larven organisches Material und Schutz finden. Die Urbanisierung und hohe Dichten an streunenden Katzen und Hunden begünstigen die lokale Übertragung und das Fortbestehen in Städten.[3] Während die Hauskatze (*Felis catus*) als Hauptwirt fungiert, befällt der Parasit auch Hunde (*Canis familiaris*) sowie ein breites Spektrum an Wildsäugern wie Füchse, Waschbären und Opossums. Diese Wildwirte agieren oft als Reservoire in den Übergangszonen zu menschlichen Siedlungen.[2]

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität und Entwicklung des Katzenflohs (*Ctenocephalides felis*) ist stark temperaturabhängig, wobei optimale Bedingungen zwischen 21 und 30 °C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 85 % liegen. In gemäßigten Klimazonen ist die Art multivoltin und durchläuft bei günstigen Bedingungen mehrere Generationen pro Jahr, wobei der Entwicklungszyklus in subtropischen Umgebungen auf 14 bis 21 Tage verkürzt sein kann. Die Populationsdichte im Freiland erreicht ihren Höhepunkt typischerweise in den warmen Monaten von Juli bis Oktober, was sich auch in einem erhöhten öffentlichen Suchinteresse im Spätsommer (August und September) widerspiegelt.[2] Während adulte Flöhe als permanente Ektoparasiten auf dem Wirt verbleiben, zeigen die Larven ein photonegatives Verhalten und ziehen sich aktiv in dunkle Substrate wie Teppiche oder Bodenritzen zurück. Zur Überbrückung ungünstiger Umweltbedingungen oder Wirtsabwesenheit können verpuppte Flöhe in eine diapause-ähnliche Ruhephase eintreten und so bis zu einem Jahr, teilweise auch über den Winter, in der Umgebung verharren. Der Schlupf der Adulten aus dem Kokon wird dabei durch spezifische Wirtsreize wie Wärme, CO₂ und Vibrationen synchronisiert ausgelöst.[1] In beheizten Innenräumen ist *C. felis* oft ganzjährig aktiv, da konstante Temperaturen die witterungsbedingte Wintermortalität verhindern und eine kontinuierliche Fortpflanzung ermöglichen. Durch den Klimawandel begünstigte mildere Winter führen zudem zu einer Ausdehnung der Aktivitätsperioden und des Verbreitungsgebiets in nördliche Breiten.[2]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-108366935-B Chemical Erteilt

Reinigungszusammensetzungen für die Haustierpflege

(2016)

Relevanz: 6/10

Zusammenfassung

Beschrieben wird ein spezielles Shampoo für Hunde, das im Wesentlichen frei von Tensiden ist und Glycerin sowie Silikonpolyolester enthält. Die Besonderheit ist, dass dieses Reinigungsmittel die Wirksamkeit zuvor aufgetragener Ektoparasitika gegen Ctenocephalides felis nicht beeinträchtigt. Es ermöglicht die Pflege des Tieres, ohne den chemischen Flohschutz abzuwaschen oder zu deaktivieren.

NZ-628144-A Chemical Unbekannt

Parasitizide orale veterinärmedizinische Zusammensetzungen mit systemisch wirkenden Wirkstoffen, Verfahren und Verwendungen davon

Merial Inc. (2013)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Es wird eine weiche Kautablette für Tiere entwickelt, die systemisch wirkende Isoxazoline (z.B. Afoxolaner) enthält. Diese Formulierung dient der Behandlung und Vorbeugung von Befall durch Flöhe (Ctenocephalides felis) und Zecken. Durch spezielle Trägerstoffe und Tenside wird eine effektive orale Verabreichung und Bioverfügbarkeit des Wirkstoffs sichergestellt.

CA-2267667-C Biological Erteilt

Bacillus thuringiensis CryET29-Zusammensetzungen, die toxisch für Käfer und Ctenocephalides-Arten sind

Ecogen Inc. (1997)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Das Patent offenbart ein neuartiges Delta-Endotoxin (CryET29) aus Bacillus thuringiensis, das spezifisch toxisch gegen Flohlarven (Ctenocephalides felis) und bestimmte Käfer wirkt. Es werden sowohl das Protein als auch die kodierenden DNA-Sequenzen und transgene Anwendungen beschrieben. Dies stellt einen biologischen Ansatz zur Bekämpfung der Larvenstadien des Katzenflohs dar.

Quellen & Referenzen

  1. https://edis.ifas.ufl.edu/publication/IN137
  2. https://www.gbif.org/species/1419472
  3. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5746801/
  4. https://www.mdpi.com/2076-0817/14/2/154
  5. https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-025-06904-x
  6. https://wcvm.usask.ca/learnaboutparasites/parasites/ctenocephalides.php
  7. https://lanwebs.lander.edu/faculty/rsfox/invertebrates/ctenocephalides.html
  8. https://vcahospitals.com/know-your-pet/flea-control-in-cats