Der Befall durch Drahtwürmer gleicht für viele Gärtner und Landwirte einem Albtraum. Die Larven des Schnellkäfers fressen sich unbarmherzig durch Kartoffeln, Möhren, Salate und Zwiebeln, hinterlassen tiefe Fraßgänge und machen die Ernte oft völlig unbrauchbar. Auf der Suche nach ökologischen und umweltschonenden Bekämpfungsmethoden rückt ein pflanzliches Mittel immer wieder in den Fokus: Neem. Gewonnen aus den Samen des Niembaums (Azadirachta indica), gilt es als biologische Allzweckwaffe gegen saugende und beißende Insekten. Doch wie sieht die Realität im Boden aus? Wirkt Neem gegen Drahtwürmer tatsächlich, oder handelt es sich hierbei um einen hartnäckigen Gartenmythos? Um diese Frage fundiert zu beantworten, reicht kein Blick auf die Verpackung des Herstellers. Wir müssen tief in die agrarwissenschaftliche Forschung eintauchen und uns ansehen, wie Neem-Produkte in kontrollierten Labor- und Feldversuchen gegen die widerstandsfähigen Larven der Agriotes-Arten abgeschnitten haben [1].
Das Wichtigste auf einen Blick
- Geringe Wirksamkeit von NeemAzal: In wissenschaftlichen Gewächshausversuchen zeigte das flüssige NeemAzal-T/S selbst in hoher Konzentration (3 %) nur eine minimale Verzögerung der Fraßaktivität um wenige Tage. Eine signifikante Reduktion der Fraßmenge blieb aus.
- Neempresskuchen (NPK) im Labor: Ein repellenter (abschreckender) Effekt von Neempresskuchen konnte im Labor nur bei einer extremen, 10-fachen Überdosierung nachgewiesen werden.
- Feldversuche scheitern: Unter realen Freilandbedingungen zeigte eine Aufwandmenge von 40 kg Neempresskuchen pro Hektar bei Kopfsalat keinerlei Effekt in Bezug auf die Reduktion des Drahtwurm-Fraßschadens.
- Das Azadirachtin-Paradoxon: Der Hauptwirkstoff des Niembaums, Azadirachtin A, ist für die leichte abschreckende Wirkung im Presskuchen nicht verantwortlich, da dieser Wirkstoff im Presskuchen laut Herstellerangaben gar nicht mehr in relevanten Mengen enthalten ist.
- Bessere Alternativen: Statt auf Neem zu setzen, empfiehlt die Forschung eine angepasste Bodenbearbeitung im Spätsommer sowie den Einsatz von insektenpathogenen Pilzen (wie Metarhizium brunneum).

Die wissenschaftliche Realität: Neem-Produkte im Härtetest
Um die Wirksamkeit von Neem gegen Drahtwürmer zu beurteilen, stützen wir uns auf die Ergebnisse eines umfassenden BMELV/BLE-Projekts (Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), das von April 2008 bis Februar 2012 durchgeführt wurde. Ziel des Projekts war die Erarbeitung von integrierten Pflanzenschutzverfahren zur Bekämpfung von Drahtwürmern im Gemüsebau [1]. In diesem Rahmen wurden verschiedene Neem-Produkte strengen wissenschaftlichen Tests unterzogen. Dabei unterschieden die Forscher zwischen flüssigen Neem-Formulierungen (NeemAzal-T/S) und festen Rückständen aus der Neemöl-Pressung (Neempresskuchen).
Gewächshausversuche mit NeemAzal-T/S an Salat und Weizen
NeemAzal-T/S ist eines der bekanntesten biologischen Insektizide auf dem Markt. Es enthält den Extrakt aus den Samen des Niembaums, dessen Hauptwirkstoff Azadirachtin A den Häutungs- und Verpuppungsprozess von Insekten stört und als Fraßgift wirkt. Doch wie reagieren bodenlebende Drahtwürmer darauf?
In einem standardisierten Gewächshausversuch wurden 12er-Töpfe mit Weizen und Kopfsalat bepflanzt. Die Forscher applizierten das NeemAzal-T/S auf zwei verschiedene Arten: Entweder wurde das Mittel direkt in die Salat-Pflanzballen injiziert, oder die Anzuchterde rund um vorgequollene Weizenkörner wurde damit behandelt. Um eine fundierte Aussage treffen zu können, wurden zwei Konzentrationen getestet: 0,3 % und eine sehr hohe Dosis von 3 % (jeweils in 1 Liter Wasser gelöst). In jeden Topf wurden exakt fünf Drahtwürmer gesetzt, und der Versuch wurde in sechs Wiederholungen durchgeführt, um statistische Ausreißer zu minimieren [1].
Die Auswertung der Salat-Variante zeigte, dass die Standardkonzentration von 0,3 % absolut wirkungslos war. Lediglich bei der extrem hohen 3%igen Konzentration konnte eine Verzögerung der Fraßaktivität beobachtet werden – und das auch nur um wenige Tage. Bei der Weizen-Variante zeigten sich sogar bei der 3%igen Konzentration keine signifikanten Unterschiede bei der Fraßmenge der Drahtwürmer im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle [1].
Diese Ergebnisse belegen eindrucksvoll, dass flüssige Neem-Präparate, die primär für die oberirdische Anwendung gegen Blattläuse, Weiße Fliegen oder Kartoffelkäfer konzipiert sind, im Bodenmilieu gegen Drahtwürmer nahezu wirkungslos verpuffen. Der Drahtwurm, geschützt durch seinen harten, goldbraunen Chitinpanzer [2], lässt sich von dem Wirkstoff nicht ausreichend beeindrucken, um seinen Fraß an den Wurzeln dauerhaft einzustellen.
Neempresskuchen (NPK) im Multiple-Choice-Präferenzversuch
Da flüssiges Neemöl im Boden schnell ausgewaschen oder mikrobiell abgebaut wird, setzen viele Bio-Anbauer auf Neempresskuchen (NPK). Dies ist der feste Rückstand, der nach der Kaltpressung der Neemsamen übrig bleibt. Er wird oft als organischer Dünger mit nematizider und insektizider Nebenwirkung beworben. Um zu prüfen, ob NPK eine repellente (abschreckende) Wirkung auf Drahtwürmer hat, konstruierten die Forscher einen raffinierten Multiple-Choice-Versuch (Präferenzversuch) [1].
Der Versuchsaufbau bestand aus waagerecht platzierten Kunststoffrohren, die in verschiedene Segmente (A1, A2, B1, B2, C1, C2, M) unterteilt und mit feuchter Anzuchterde befüllt waren. In die äußeren Segmente (A2 und C2) wurde der Neempresskuchen eingemischt. Dabei wurden zwei Konzentrationen verglichen:
- Standard-Konzentration: 1,75 g NPK auf 100 g Erde (entspricht 50 g NPK auf 10 Liter Anzuchterde).
- 10-fache Konzentration: 17,5 g NPK auf 100 g Erde.
An alle Rohrenden wurden fünf vorgequollene Weizenkörner als attraktiver Köder gelegt. In die Mitte des Rohres (Abschnitt M) wurden zehn Drahtwürmer eingesetzt. Die Versuchstemperatur betrug konstante 20 °C. Nach vier Tagen wurde das Rohr geöffnet und die Position der Drahtwürmer sowie die Anzahl der angefressenen Weizenkörner dokumentiert [1].
Das Labor-Ergebnis: Warum die Dosis das Gift macht (und in der Praxis scheitert)
Die Auswertung des Präferenzversuchs lieferte hochinteressante, aber für die landwirtschaftliche Praxis desillusionierende Erkenntnisse. Bei der normalen Standard-Konzentration (1,75 g NPK / 100 g Erde) verhielten sich die Drahtwürmer völlig unbeeindruckt. Es wurden genauso viele Weizenkörner angefressen wie im völlig unbehandelten Kontrollsegment (B2). Der Hauptanteil der Drahtwürmer wanderte zielstrebig zu den Ködern, ungeachtet des eingemischten Neempresskuchens [1].
Erst bei der 10-fachen Konzentration (17,5 g NPK / 100 g Erde) zeigte sich ein signifikanter Effekt: Sowohl die Anzahl der Drahtwürmer, die in dieses Segment wanderten, als auch die Menge des Fraßes an den Weizenkörnern waren signifikant geringer als in der Kontrolle. Die Drahtwürmer mieden diesen Bereich aktiv [1].
Warum ist dieses positive Laborergebnis in der Praxis wertlos? Rechnen wir die 10-fache Laborkonzentration auf ein reales Feld hoch. 17,5 Gramm NPK pro 100 Gramm Erde entsprechen einem Anteil von 17,5 %. Ein Hektar Ackerboden (10.000 m²) wiegt in den obersten 10 Zentimetern (dem Hauptaktionsraum der Drahtwürmer im Frühjahr [2]) etwa 1.500 Tonnen. Um eine Konzentration von 17,5 % zu erreichen, müsste ein Landwirt über 260 Tonnen Neempresskuchen pro Hektar in den Boden einarbeiten. Das ist logistisch, ökonomisch und ökologisch völlig absurd und unmöglich. Die im Labor wirksame Dosis lässt sich im Freiland schlichtweg nicht realisieren.

Das Azadirachtin-Paradoxon: Welcher Stoff wirkt hier überhaupt?
Ein weiteres faszinierendes Detail der Studie betrifft die chemische Zusammensetzung des Neempresskuchens. Man geht allgemein davon aus, dass die insektizide Wirkung von Neem-Produkten auf dem Inhaltsstoff Azadirachtin A beruht. Die Forscher kontaktierten jedoch die Herstellerfirma (Trifolio) des verwendeten Neempresskuchens. Die telefonische Auskunft war überraschend: Im NPK sind keine Restmengen des NeemAzal-T/S-Wirkstoffes Azadirachtin A mehr enthalten [1].
Diese Aussage steht im perfekten Einklang mit den Ergebnissen des Gewächshausversuchs, bei dem das azadirachtinhaltige NeemAzal-T/S selbst in hoher Konzentration nur eine vernachlässigbare Wirkung auf die Drahtwürmer zeigte. Wenn also Azadirachtin A nicht gegen Drahtwürmer wirkt, woher kam dann die repellente Wirkung des Presskuchens bei der 10-fachen Überdosierung im Rohrversuch? Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass die abschreckende Wirkung des NPK von mindestens einer weiteren, noch unbekannten Komponente im Presskuchen herzurühren scheint [1]. Möglicherweise handelt es sich um flüchtige Schwefelverbindungen oder andere sekundäre Pflanzenstoffe, die bei der Zersetzung des Kuchens im Boden entstehen. Da dieser Effekt aber nur bei unrealistisch hohen Dosen auftritt, bleibt er für die Bekämpfung irrelevant.

Feldversuche: Die bittere Wahrheit für die Praxis
Laborversuche in geschlossenen Kunststoffrohren sind das eine, die komplexe Dynamik eines echten Ackerbodens das andere. Um die Praxistauglichkeit final zu überprüfen, legten die Forscher einen Freilandversuch mit Kopfsalat an. Hierbei wurde eine praxisübliche, aber dennoch ambitionierte Aufwandmenge von 40 kg Neempresskuchen pro Hektar in den Boden eingearbeitet.
Das Ergebnis war eindeutig und vernichtend für die Hoffnungen auf Neem als biologischen Drahtwurm-Retter: Es wurde kein Effekt in Bezug auf eine Reduktion des Drahtwurm-Fraßschadens erreicht [1]. Die Salate wurden von den Larven der Agriotes-Arten genauso stark geschädigt wie auf den unbehandelten Kontrollflächen.
Warum versagt Neem im Freiland komplett?
Das vollständige Versagen von Neem gegen Drahtwürmer im Freiland lässt sich durch die spezifische Biologie des Schädlings und die physikalischen Eigenschaften des Bodens erklären:
- Verdünnungseffekt: Wie bereits vorgerechnet, verschwinden 40 kg NPK in tausenden Tonnen Oberboden. Die Konzentration der (ohnehin schwachen) repellenten Stoffe ist viel zu gering, um von den olfaktorischen Rezeptoren der Drahtwürmer überhaupt als störend wahrgenommen zu werden.
- Vertikale Mobilität der Drahtwürmer: Drahtwürmer sind extrem mobil. Bei ungünstigen Bedingungen (Trockenheit, Kälte oder eben chemischen Reizen) wandern sie einfach in tiefere Bodenschichten ab [2]. Sie können problemlos ein halbes Jahr ohne Nahrung überdauern [2]. Selbst wenn eine oberflächliche Neem-Gabe sie kurzfristig stören würde, ziehen sie sich zurück und kommen wieder nach oben, sobald der organische Neemkuchen mikrobiell abgebaut wurde.
- Langer Lebenszyklus: Die Larven der wirtschaftlich bedeutendsten Schnellkäferarten (wie Agriotes lineatus, A. obscurus und A. sputator) benötigen 3 bis 5 Jahre für ihre vollständige Entwicklung im Boden [1]. Ein kurzlebiges, biologisch abbaubares Präparat wie Neem kann einen Schädling mit einer derart langen Verweildauer im Boden nicht nachhaltig kontrollieren.
- Polyphagie: Drahtwürmer sind extrem polyphag. Sie fressen an den unterirdischen Teilen fast aller Kultur- und Zierpflanzen sowie an Unkräutern [1]. Wenn eine behandelte Pflanze kurzfristig unattraktiv schmeckt, weichen sie auf Beikräuter (wie Quecke) aus, bis der Wirkstoff verflogen ist, und kehren dann zur Hauptkultur zurück.
Wenn Neem nicht hilft: Was sind die echten Alternativen?
Da die Wissenschaft klar belegt, dass der Einsatz von Neem gegen Drahtwürmer reine Zeit- und Geldverschwendung ist, stellt sich die Frage nach funktionierenden Alternativen. Die Drahtwurmbekämpfung gestaltet sich generell schwierig, da auch viele chemisch-synthetische Bodeninsektizide ihre Zulassung verloren haben [3]. Dennoch gibt es evidenzbasierte Methoden, um den Befallsdruck zu senken:
1. Mechanische Bodenbearbeitung zum richtigen Zeitpunkt
Die effektivste indirekte Maßnahme ist die gezielte Bodenbearbeitung. Durch eine flache Stoppelbearbeitung im Spätsommer (August/September), idealerweise einige Tage nach Niederschlägen, werden die Drahtwürmer, die sich in dieser Zeit in ihrer zweiten fraßaktiven Phase nahe der Bodenoberfläche befinden, an die Oberfläche befördert [2] [3]. Dort vertrocknen sie oder werden von natürlichen Gegenspielern (Vögel, Laufkäfer) gefressen. Auch empfindliche Entwicklungsstadien wie Eier, Junglarven und Puppen werden so mechanisch zerstört [3].
2. Einsatz insektenpathogener Pilze (Metarhizium)
Während pflanzliche Extrakte wie Neem versagen, zeigt die biologische Bekämpfung mit Pilzen deutlich mehr Potenzial. Insektenpathogene Pilze wie Metarhizium brunneum oder Metarhizium anisopliae (z.B. Stamm ART-2825) befallen die Drahtwürmer direkt. Die Pilzsporen haften an der Haut der Larve, das Myzel dringt in das Insekt ein und durchwächst das Körperinnere, was zum Tod des Schädlings führt [3]. In Freilandversuchen konnten mit solchen Pilzpräparaten (die z.B. als bewachsene Getreidekörner in die Pflanzreihen eingearbeitet wurden) Wirkungsgrade von bis zu 65 % bei bestimmten Agriotes-Arten erzielt werden [1]. In der Schweiz verfügt das Produkt Attracap (basierend auf Metarhizium brunneum) über Notfallzulassungen für den Kartoffelanbau [2].
3. Intelligente Fruchtfolge und Standortwahl
Das Risiko für Drahtwurmschäden ist in den ersten drei Jahren nach einem Wiesenumbruch am höchsten, da die Schnellkäferweibchen ihre Eier bevorzugt in dichte Grasbestände (Kunstwiesen, Weiden) ablegen [2]. Auf gefährdeten Parzellen sollte daher in den ersten Jahren nach einem Wiesenumbruch auf den Anbau empfindlicher Kulturen wie Kartoffeln, Salat oder Möhren verzichtet werden. Günstige Vorfrüchte, die den Drahtwurmbestand nicht fördern, sind beispielsweise Eiweißerbsen, Ackerbohnen oder Brassicaceen (wie Gelbsenf als Gründüngung) [2].
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich Neemöl gießen, um Drahtwürmer zu bekämpfen?
Nein. Wissenschaftliche Versuche haben gezeigt, dass flüssige Neem-Präparate (wie NeemAzal) selbst in sehr hohen Konzentrationen im Boden keine signifikante Wirkung auf die Fraßaktivität oder Überlebensrate von Drahtwürmern haben.
Warum wirkt Neempresskuchen im Labor, aber nicht im Beet?
Im Labor zeigte Neempresskuchen nur bei einer extremen, 10-fachen Überdosierung eine abschreckende Wirkung. Um diese Konzentration im Freiland zu erreichen, müsste man über 260 Tonnen Presskuchen pro Hektar ausbringen. Praxisübliche Mengen (z.B. 40 kg/ha) verdünnen sich im Bodenvolumen so stark, dass sie völlig wirkungslos bleiben.
Tötet der Neem-Wirkstoff Azadirachtin die Drahtwürmer?
Nein. Studien belegen, dass Azadirachtin A gegen Drahtwürmer im Boden ineffektiv ist. Die leichte abschreckende Wirkung, die bei massiver Überdosierung von Presskuchen im Labor beobachtet wurde, stammt laut Herstellern nicht vom Azadirachtin, sondern von anderen, noch unbekannten Abbauprodukten des Kuchens.
Gibt es biologische Alternativen zu Neem bei Drahtwurmbefall?
Ja. Deutlich erfolgversprechender ist der Einsatz von insektenpathogenen Pilzen wie Metarhizium brunneum. Diese Pilze infizieren den Drahtwurm direkt durch den Chitinpanzer und töten ihn ab. Zudem hilft eine intensive, flache Bodenbearbeitung im Spätsommer.
Warum sind Drahtwürmer so schwer mit pflanzlichen Mitteln zu bekämpfen?
Drahtwürmer haben einen dicken Chitinpanzer, leben bis zu 5 Jahre im Boden und können bei ungünstigen Bedingungen (wie dem Einbringen von störenden Substanzen) einfach bis zu 60 cm tief in den Boden abwandern, wo sie monatelang ohne Nahrung überdauern, bis sich das Mittel abgebaut hat.
Fazit: Sparen Sie sich das Neem für oberirdische Schädlinge
Die Frage, ob Neem gegen Drahtwürmer hilft, lässt sich nach Auswertung der agrarwissenschaftlichen Studienlage mit einem klaren Nein beantworten. Weder flüssige Neem-Extrakte noch in den Boden eingearbeiteter Neempresskuchen bieten in praxisrelevanten Dosierungen einen Schutz vor den gefräßigen Larven der Schnellkäfer. Die Biologie des Drahtwurms – seine Fähigkeit zur Tiefenwanderung, seine lange Lebensdauer und sein harter Chitinpanzer – macht ihn immun gegen die kurzfristigen und im Bodenvolumen stark verdünnten Effekte von Neem-Produkten.
Wer im Garten oder in der Landwirtschaft mit Drahtwürmern kämpft, sollte sein Geld und seine Zeit nicht in Neem-Produkte investieren. Nutzen Sie Neemöl stattdessen dort, wo es seine Stärken voll ausspielen kann: bei der Bekämpfung von Blattläusen, Raupen und anderen oberirdischen Schädlingen. Gegen den Drahtwurm im Boden helfen nur ein konsequentes Fruchtfolgemanagement, die richtige Bodenbearbeitung zur Störung der Larvenstadien und der gezielte Einsatz von insektenpathogenen Pilzen.
Wissenschaftliche Quellen:
- Ritter, C. & Katroschan, K.-U. (2011): Möglichkeiten der Bekämpfung von Drahtwürmern (Agriotes spp.) im Gemüsebau. Info-Blatt 4/2011, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MV, Gartenbaukompetenzzentrum (GKZ).
- swisspatat (2022): Qualitätsmerkblatt Drahtwürmer. Arbeitsgruppe Anbau & Qualität swisspatat, Agroscope.
- Guyer, A., Baur, B. & Grabenweger, G. (2020): Drahtwürmer – Möglichkeiten der Regulierung. Agroscope Merkblatt Nr. 118/2020.
- Agroscope (2024): Kurative Massnahmen gegen Drahtwürmer (Agriotes spp.) in Kartoffelkulturen. Agrarforschung Schweiz.