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Maulwurf Feinde: Wer jagt den nützlichen Tunnelgräber wirklich?
April 13, 2026 Patricia Titz

Maulwurf Feinde: Wer jagt den nützlichen Tunnelgräber wirklich?

Der Europäische Maulwurf (Talpa europaea) führt ein Leben im Verborgenen. Doch trotz seiner unterirdischen Lebensweise ist er keineswegs sicher vor der Außenwelt. Viele Gartenbesitzer betrachten ihn fälschlicherweise als Schädling, dabei ist er ein nützlicher Insektenfresser, der selbst auf der Speisekarte zahlreicher Beutegreifer steht. Die Frage nach den natürlichen Widersachern des Maulwurfs ist nicht nur für Biologen interessant, sondern auch für Naturfreunde, die das ökologische Gleichgewicht im eigenen Garten verstehen wollen. In diesem umfassenden Artikel beleuchten wir die biologischen Fakten über Maulwurf-Feinde, von Greifvögeln über Raubsäuger bis hin zu den oft unterschätzten Gefahren durch Umweltfaktoren und den Menschen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Luftfeinde: Eulen (Waldkauz, Schleiereule) und Greifvögel wie der Mäusebussard sind Hauptprädatoren [1][3].
  • Bodenfeinde: Füchse, Marder, Hermeline sowie Haustiere (Hunde und Katzen) jagen Maulwürfe [2][3].
  • Vulnerabilität: Besonders Jungtiere sind beim Verlassen des Nestes gefährdet; Erwachsene riskieren ihr Leben bei nächtlichen Ausflügen an die Oberfläche [1][5].
  • Umweltgefahren: Hochwasser und Bodenversiegelung stellen existenzielle Bedrohungen dar [4][8].
  • Artgenossen: Maulwürfe sind extrem territorial; Kämpfe können tödlich enden [7].

Natürliche Feinde aus der Luft: Lautlose Jäger

Obwohl der Maulwurf den Großteil seines Lebens in Tiefen von bis zu einem Meter verbringt, muss er gelegentlich an die Oberfläche. Dies geschieht vor allem nachts, um Tau von Blättern zu trinken oder um neues Territorium zu erschließen [1]. In diesen Momenten wird er zur leichten Beute für spezialisierte Luftjäger.

Eulen: Die nächtliche Gefahr

Untersuchungen von Gewöllen haben gezeigt, dass besonders der Waldkauz und die Schleiereule regelmäßig Maulwürfe erbeuten. Lund (1976) beschreibt, dass die Überreste von Maulwürfen in Eulengewöllen im Spätsommer einen Höhepunkt erreichen [1]. Dies korreliert mit der Zeit, in der Jungmarder das mütterliche Nest verlassen und auf der Suche nach eigenem Revier schutzlos über den Boden wandern. Die lautlose Flugweise der Eulen ermöglicht es ihnen, selbst die feinen Vibrationen, die ein Maulwurf beim Graben nahe der Oberfläche verursacht, akustisch zu orten und präzise zuzuschlagen.

Greifvögel am Tag

Während Eulen die Nacht dominieren, lauern am Tag Bussarde und Rabenvögel. Der Mäusebussard (Buteo buteo) ist dafür bekannt, auf Pfosten oder Bäumen zu warten, bis sich ein Maulwurfshügel bewegt. Sobald der Maulwurf Erde nach oben drückt, stößt der Bussard herab. Plass (2008) betont, dass ein Großteil der Jungtiere in der Abwanderungsphase von diesen Prädatoren gefressen wird [3]. Auch Reiher wurden bereits dabei beobachtet, wie sie Maulwürfe in feuchten Wiesen aus ihren flachen Gängen ziehen.

💡 Experten-Tipp:

Ein naturnaher Garten mit hohen Ansitzmöglichkeiten für Greifvögel fördert die natürliche Regulation der Maulwurfspopulation, ohne dass der Mensch eingreifen muss.

Terrestrische Beutegreifer: Füchse, Marder und Haustiere

Auf dem Boden ist die Liste der Feinde lang. Da der Maulwurf einen sehr intensiven Eigengeruch besitzt, der durch spezielle Drüsen sekretiert wird, ist er für viele Raubsäuger leicht aufzuspüren [13].

Der Rotfuchs und kleine Raubsäuger

Der Rotfuchs ist ein geschickter Jäger, der das "Mäuseln" perfekt beherrscht. Er hört das Scharren des Maulwurfs unter der Grasnarbe und gräbt ihn mit schnellen Pfotenhieben aus. Neben Füchsen stellen auch Dachse, Hermeline und Mauswiesel eine Gefahr dar. Hermeline sind aufgrund ihres schlanken Körpers sogar in der Lage, in die weitverzweigten Gangsysteme einzudringen und den Maulwurf direkt in seinem Bau zu stellen [2].

Hunde und Katzen im Garten

Hauskatzen jagen Maulwürfe oft aus reinem Instinkt. Interessanterweise fressen Katzen ihre Beute jedoch selten. Der Grund liegt im herben Geschmack des Maulwurfsfleisches und den Duftdrüsen, die für viele Fleischfresser unangenehm riechen [3]. Hunde, insbesondere Terrier-Rassen, die ursprünglich für die Baujagd gezüchtet wurden, graben Maulwürfe mit großer Begeisterung aus. Auch hier wird die Beute meist nur getötet und nicht verzehrt.

Energiehunger vs. Pestizideinsatz
Jagdzeit: Wann Luftfeinde zuschlagen

Der größte Feind: Der Mensch und der Lebensraumwandel

Trotz der vielen tierischen Jäger ist die größte Bedrohung für Talpa europaea anthropogener Natur. Die moderne Landwirtschaft und die Gestaltung privater Gärten haben das Leben des Maulwurfs massiv erschwert.

Nahrungsmangel durch Pestizide

Der Maulwurf ist ein reiner Fleischfresser. Seine Hauptnahrung besteht aus Regenwürmern, die bis zu 80 % seiner Diät ausmachen können [1][14]. Durch den massiven Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden in der Landwirtschaft wird die Bodenfauna dezimiert. Plass (2008) weist darauf hin, dass der Maulwurf in landwirtschaftlichen Gunstlagen Österreichs seinen Lebensraum fast gänzlich eingebüßt hat, da die Nahrungsgrundlage fehlt [3]. Ohne eine ausreichende Anzahl an Regenwürmern kann ein Maulwurf, der täglich etwa 60-100 % seines Körpergewichts an Nahrung benötigt, nicht überleben [1][15].

Bodenversiegelung und mechanische Bekämpfung

Die zunehmende Versiegelung von Flächen durch Straßen und Gebäude nimmt dem Maulwurf den Raum zum Graben. Zudem wird er in vielen Ländern immer noch illegal mit Fallen oder Gift bekämpft, obwohl er in Deutschland unter Naturschutz steht [13]. Mechanische Geräte wie Vibrationssonden, die Maulwürfe vertreiben sollen, erweisen sich laut Studien oft als wirkungslos, da sich die Tiere schnell an die Reize gewöhnen [12].

⚠️ Achtung: Rechtliche Lage

In Deutschland ist der Maulwurf nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Es ist verboten, ihn zu töten, zu fangen oder seine Fortpflanzungsstätten zu zerstören. Zuwiderhandlungen können mit hohen Bußgeldern geahndet werden.

Die Sumpfburg: Festung gegen Fluten
Energiehunger vs. Pestizideinsatz

Umweltfaktoren: Wenn die Natur zum Feind wird

Nicht nur andere Lebewesen bedrohen den Maulwurf, auch abiotische Faktoren spielen eine entscheidende Rolle für das Überleben einer Population.

Hochwasser und Staunässe

Maulwürfe sind zwar erstaunlich gute Schwimmer, wie Johannesson-Groß (1985) in ihren Beobachtungen an der Eder beschreibt, doch langanhaltende Überflutungen können ganze Populationen vernichten [4]. Wenn das Wasser in die Gangsysteme eindringt, müssen die Tiere auf höher gelegene Dämme oder Hügel flüchten. Finden sie dort nicht rechtzeitig Schutz oder Nahrung, verhungern oder ertrinken sie. Interessanterweise kehren Maulwürfe oft unmittelbar nach dem Rückgang des Wassers in ihre alten Reviere zurück und nutzen die verbliebenen Tunnelstrukturen erneut [4].

Harte Winter und Trockenheit

Da Maulwürfe keinen Winterschlaf halten, sind sie auf eine kontinuierliche Nahrungszufuhr angewiesen. Gefriert der Boden sehr tief, wandern Regenwürmer in tiefere Schichten ab. Der Maulwurf muss folgen, was einen enormen Energieaufwand bedeutet. In extrem trockenen Sommern geschieht das Gegenteil: Die Würmer ziehen sich zurück, und der Boden wird so hart, dass das Graben neuer Gänge unmöglich wird [9].

Maulwurf Feinde: Wer jagt den nützlichen Tunnelgräber wirklich?
Die Sumpfburg: Festung gegen Fluten

Intraspezifische Feinde: Der Maulwurf als eigener Gegner

Maulwürfe sind strikte Einzelgänger und extrem territorial. Außerhalb der Paarungszeit dulden sie keine Artgenossen in ihrem Revier, das zwischen 300 und 3000 m² groß sein kann [1][3].

Territorialkämpfe und Kannibalismus

Treffen zwei Maulwürfe aufeinander, kommt es fast unweigerlich zu heftigen Beißereien. Mühlbauer & Witte (1978) berichten aus der Käfighaltung, dass das Zusammenführen zweier Tiere oft zum Tod eines oder beider Kontrahenten führt [7]. In der Natur dienen diese Kämpfe der Verteidigung der wertvollen Gangsysteme. In Zeiten extremer Nahrungsknappheit wurde sogar von Kannibalismus berichtet, wobei dies eher die Ausnahme darstellt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer sind die gefährlichsten Feinde des Maulwurfs?

Die gefährlichsten natürlichen Feinde sind Greifvögel wie der Mäusebussard, Eulen (Waldkauz) und Raubsäuger wie Füchse und Hermeline. Der Mensch stellt durch Lebensraumzerstörung jedoch die größte langfristige Bedrohung dar.

Fressen Katzen Maulwürfe?

Katzen jagen und töten Maulwürfe zwar, fressen sie aber in der Regel nicht. Der Grund sind bittere Geschmacksstoffe und ein unangenehmer Geruch aus den Duftdrüsen des Maulwurfs.

Können Maulwürfe bei Hochwasser ertrinken?

Ja, langanhaltende Überflutungen sind eine große Gefahr. Obwohl Maulwürfe gute Schwimmer sind, ertrinken sie, wenn sie keine trockenen Rückzugsorte finden oder dort verhungern.

Warum haben Maulwürfe so viele Feinde, wenn sie unter der Erde leben?

Maulwürfe müssen die Oberfläche verlassen, um zu trinken, neue Reviere zu suchen (besonders Jungtiere) oder wenn ihre Gänge überflutet werden. In diesen Momenten sind sie schutzlos.

Sind Marder Feinde von Maulwürfen?

Ja, besonders Hermeline und Mauswiesel können aufgrund ihres schlanken Körpers in die Gänge eindringen und Maulwürfe unterirdisch jagen.

Fazit

Der Maulwurf ist ein faszinierendes Tier, das trotz seiner scheinbar sicheren Festung unter der Erde einem ständigen Überlebenskampf ausgesetzt ist. Seine Feinde lauern überall: in der Luft, am Boden und sogar in den eigenen Reihen. Doch während die natürliche Prädation durch Eulen oder Füchse Teil eines gesunden Ökosystems ist, bereitet die durch den Menschen verursachte Zerstörung der Lebensgrundlagen Sorge. Als nützlicher Vertilger von Engerlingen und Schnecken verdient der Maulwurf unseren Schutz. Ein toleranter Umgang mit den charakteristischen Erdhügeln im Garten ist der erste Schritt, um diesen kleinen "Tier des Jahres"-Preisträger zu unterstützen.

Quellenverzeichnis

  1. Lund, M. (1976). CONTROL OF THE EUROPEAN MOLE, Talpa eruopaea. Danish Pest Infestation Laboratory.
  2. Du Bois, T.M.E. (2013). Molehill Mayhem: A literature review on activity in Talpa europaea. University Utrecht.
  3. Plass, J. (2008). Der Eurasische Maulwurf (Talpa europaea). Naturkundliches Objekt des Monats, Biologiezentrum Linz.
  4. Johannesson-Groß, K. (1985). Der Maulwurf als Bewohner von Flußauen. Naturschutz in Nordhessen, Heft 8.
  5. Edwards, G. R., et al. (1999). Factors influencing molehill distribution in grassland. Journal of Applied Ecology.
  6. Funmilayo, O. (1977). Distribution and abundance of moles in relation to habitat. Oecologia.
  7. Mühlbauer, S. & Witte, G. R. (1978). Beiträge zur Käfighaltung von Maulwürfen. Philippia.
  8. Natur & Land (2020). Tier des Jahres 2020: Europäischer Maulwurf. Heft 1-2020.
  9. MacDonald, D. W., et al. (1996). Spatial and temporal patterns in the activity of European moles. Oecologia.
  10. Kudo, M., et al. (1991). Suprachiasmatic nucleus and retinohypothalamic projections in moles. Brain, Behavior and Evolution.
  11. Atkinson, R. P. D. & Macdonald, D. W. (1994). Can repellents function as a non-lethal means of controlling moles? Journal of Applied Ecology.
  12. Gorman, M. & Lamb, A. (1994). An investigation into the efficacy of mechanical mole scarers. Animal Welfare.
  13. Quy, R. & Poole, D. (2004). A review of methods used within the European Union to control the European Mole. Defra.
  14. Mellanby, K. (1971). The mole. William Collins Sons & Co.
  15. Godfrey, G. & Crowcroft, P. (1960). The life of the mole. Museum Press Ltd.

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