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Wie tief gräbt ein Maulwurf? Alles über Gänge und Erdhügel: Experten-Ratgeber
April 13, 2026 Patricia Titz

Wie tief gräbt ein Maulwurf? Alles über Gänge und Erdhügel: Experten-Ratgeber

Wer morgens aus dem Fenster blickt und seinen einst makellosen Rasen von braunen Erdhügeln übersät sieht, empfindet meist wenig Sympathie für den Verursacher. Doch hinter den lästigen Hügeln verbirgt sich eine faszinierende architektonische Meisterleistung der Natur. Der Europäische Maulwurf (Talpa europaea) ist ein hochspezialisierter Tunnelbauer, dessen Leben sich fast ausschließlich in der absoluten Dunkelheit des Untergrunds abspielt. Doch wie tief gräbt ein Maulwurf eigentlich? Warum sind manche Hügel größer als andere, und wie sieht das komplexe Netzwerk aus Gängen unter unseren Füßen wirklich aus? In diesem umfassenden Ratgeber tauchen wir tief in die Welt des unterirdischen Jägers ein, gestützt auf wissenschaftliche Erkenntnisse und ökologische Fakten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Grabtiefe: Meist 10–20 cm (Jagdgänge), im Winter oder bei Frost bis zu 1 Meter tief.
  • Gangsystem: Ein Labyrinth aus Jagdgängen, Belüftungsschächten und Nestkammern.
  • Erdhügel: Dienen lediglich dem Abtransport von überschüssigem Aushubmaterial.
  • Nahrung: Rein karnivor; frisst täglich etwa 60–100 % seines Körpergewichts an Regenwürmern und Insektenlarven [6].
  • Nutzen: Maulwürfe lockern den Boden auf, verbessern die Drainage und vertilgen Schädlinge wie Engerlinge [16].

Die Anatomie eines unterirdischen Labyrinths

Das Gangsystem eines Maulwurfs ist kein Zufallsprodukt, sondern ein strategisch geplantes Netzwerk, das verschiedenen Zwecken dient: der Jagd, dem Schutz und der Aufzucht der Jungen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein einzelnes Revier eine Fläche von bis zu 2.000 m² umfassen kann [1]. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen verschiedenen Arten von Gängen.

1. Oberflächennahe Gänge (Jagdgänge)

Diese Gänge verlaufen oft nur wenige Zentimeter unter der Grasnarbe. Sie werden häufig im Frühjahr angelegt, wenn der Boden weich ist und sich viele Beutetiere in den oberen Schichten aufhalten. Diese Gänge sind oft als leichte Wölbungen im Rasen sichtbar und werden auch als „Brunstgänge“ bezeichnet, wenn Männchen auf der Suche nach Weibchen sind [16].

2. Tiefe Dauergänge

Die eigentlichen Hauptverkehrsadern liegen tiefer im Boden. Hier befinden sich die Nestkammern (Kessel), die mit trockenem Laub und Gras ausgepolstert sind [15]. Diese Gänge dienen als Rückzugsort bei extremen Wetterbedingungen und als Fallfallen für Regenwürmer, die durch die Tunnelwände in das System fallen [1].

Wussten Sie schon?

Ein Maulwurf kann in einer einzigen Nacht bis zu 30 Meter neue Tunnel graben. Dabei bewegt er Erdmassen, die dem 20-fachen seines eigenen Körpergewichts entsprechen [16].

Wie tief gräbt ein Maulwurf wirklich?

Die Frage nach der Tiefe lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten, da sie stark von der Bodenbeschaffenheit, der Jahreszeit und dem Nahrungsangebot abhängt. In der Regel bewegen sich die Tiere in einer Tiefe von 10 bis 40 Zentimetern. Doch es gibt Ausnahmen:

  • Winterruhe: Wenn der Boden gefriert, ziehen sich Maulwürfe in tiefere Schichten zurück, oft bis zu 60 cm oder sogar über einen Meter tief, um Frost zu entgehen und den ebenfalls tiefer wandernden Regenwürmern zu folgen [1].
  • Sumpfburgen: In Gebieten mit hohem Grundwasserspiegel oder in sehr feuchten Wiesen kann der Maulwurf nicht tief graben. Stattdessen legt er sogenannte „Sumpfburgen“ an. Dies sind überdimensionale Erdhügel von bis zu 70 cm Höhe und 140 cm Durchmesser, die das Nest über dem Wasserspiegel isolieren [13].
  • Bodenart: In lockeren, sandigen Böden graben Maulwürfe tendenziell tiefer als in schweren, lehmigen Böden, da der Kraftaufwand geringer ist [3].

Warum entstehen Maulwurfshügel?

Der Maulwurfshügel ist im Grunde nichts anderes als eine „Abraumhalde“. Wenn der Maulwurf neue Gänge gräbt, muss die überschüssige Erde irgendwohin. Er schiebt sie mit seinen kräftigen Vorderpfoten, den sogenannten Grabhänden, senkrecht nach oben an die Oberfläche [16].

Interessanterweise korreliert die Anzahl der Hügel nicht zwingend mit der Anzahl der Maulwürfe. Da Maulwürfe strikte Einzelgänger sind und ihre Reviere aggressiv verteidigen, stammt eine Gruppe von Hügeln in einem Garten fast immer von nur einem einzigen Tier [1]. Die Hügel dienen zudem der Belüftung des tiefgelegenen Gangsystems, was für den Gasaustausch (Sauerstoffzufuhr und CO2-Abfuhr) essenziell ist [17].

Nahrungssuche: Der Motor hinter der Grabaktivität

Der Maulwurf gräbt nicht aus Vergnügen, sondern aus Hunger. Sein Stoffwechsel ist so rasant, dass er ohne Nahrung innerhalb weniger Stunden verhungern würde. Seine Hauptnahrung besteht aus Regenwürmern, die bis zu 80 % seiner Diät ausmachen können [1].

Wissenschaftler haben beobachtet, dass Maulwürfe wahre „Vorratskammern“ anlegen. Sie beißen Regenwürmern in die vorderen Segmente, wodurch diese gelähmt werden, aber am Leben bleiben. So lagert der Maulwurf hunderte Würmer in speziellen Kammern für nahrungsarme Zeiten ein [6, 17]. Die Intensität der Grabaktivität hängt dabei stark von der Dichte der Regenwürmer im Boden ab: Je weniger Nahrung vorhanden ist, desto mehr Gänge muss der Maulwurf graben, um seinen Bedarf zu decken [3].

Profi-Tipp für Gärtner

Verwenden Sie die Erde aus Maulwurfshügeln als Pflanzerde! Sie ist fein krümelig, stammt aus tieferen Schichten und ist daher weitgehend frei von Unkrautsamen und Schädlingen. Mischen Sie sie einfach mit etwas Kompost.

Saisonale Unterschiede in der Grabtiefe

Die Aktivität des Maulwurfs folgt einem zyklischen Muster, das eng mit den Jahreszeiten verknüpft ist [2].

  • Frühjahr: Hohe Aktivität in den oberen Schichten. Die Männchen graben lange, gerade Gänge, um Weibchen zu finden [1].
  • Sommer: Bei Trockenheit ziehen sich Regenwürmer in tiefere, feuchtere Bodenschichten zurück. Der Maulwurf folgt ihnen und gräbt tiefer, weshalb im Hochsommer oft weniger neue Hügel zu sehen sind [11].
  • Herbst: Erneute Zunahme der Hügelbildung, da die Tiere ihre Winterquartiere vorbereiten und Vorräte anlegen [14].
  • Winter: Minimale Aktivität an der Oberfläche, tiefe Gänge unter der Frostgrenze [1].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie tief ist das tiefste Loch eines Maulwurfs?

In extremen Fällen, wie bei sehr hartem Frost oder langanhaltender Dürre, können Maulwürfe Tunnel in einer Tiefe von über 100 cm anlegen, um Schutz und Nahrung zu finden.

Fressen Maulwürfe Pflanzenwurzeln?

Nein, Maulwürfe sind reine Fleischfresser. Schäden an Wurzeln entstehen meist indirekt durch das Unterhöhlen oder durch Wühlmäuse, die die Maulwurfsgänge nutzen.

Warum habe ich plötzlich so viele Hügel im Garten?

Dies deutet oft auf einen sehr gesunden Boden mit vielen Regenwürmern hin. Auch die Paarungszeit im Frühjahr führt zu erhöhter Grabaktivität.

Sind Maulwürfe blind?

Nicht ganz. Sie haben winzige Augen, die Hell und Dunkel unterscheiden können. Für die Orientierung nutzen sie jedoch primär ihren Tastsinn und die Eimerschen Organe an der Nase [15].

Darf man Maulwürfe bekämpfen?

In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern stehen Maulwürfe unter Naturschutz. Sie dürfen weder getötet noch gefangen werden. Nur sanfte Vergrämungsmethoden sind erlaubt.

Fazit

Der Maulwurf ist weit mehr als ein Gartenstörer. Er ist ein Indikator für eine hervorragende Bodenqualität und ein wichtiger Akteur im ökologischen Gleichgewicht. Seine Gänge verbessern die Belüftung des Bodens und helfen bei der Entwässerung nach starken Regenfällen [16]. Auch wenn die Hügel optisch stören mögen, zeugen sie von der unermüdlichen Arbeit eines faszinierenden Tieres, das perfekt an sein Leben in der Tiefe angepasst ist. Statt ihn zu bekämpfen, sollten wir lernen, die Anwesenheit dieses nützlichen Insektenfressers als Kompliment für unseren Gartenboden zu verstehen.

Haben Sie Fragen zu Maulwürfen oder möchten Sie Tipps zur sanften Vergrämung teilen? Schreiben Sie uns in den Kommentaren!

Quellenverzeichnis

  1. Lund, M. (1976). Control of the European Mole, Talpa europaea. Proceedings of the 7th Vertebrate Pest Conference.
  2. MacDonald, D. W. et al. (1996). Spatial and temporal patterns in the activity of European moles. Oecologia.
  3. Funmilayo, O. (1977). Distribution and abundance of moles in relation to physical habitat. Oecologia.
  4. Plass, J. (2008). Der Eurasische Maulwurf. Naturkundliches Objekt des Monats, Biologiezentrum Linz.
  5. MacDonald et al. (1996). Activity patterns of mole in different seasons.
  6. Quy, R. & Poole, D. (2004). A review of methods used within the EU to control the European Mole.
  7. Johannesson-Groß, K. (1985). Der Maulwurf als Bewohner von Flußauen. Naturschutz in Nordhessen.
  8. Edwards, G. R. et al. (1999). Seasonal patterns in molehill formation. Journal of Applied Ecology.
  9. Mühlbauer, S. & Witte, G. R. (1978). Beiträge zur Käfighaltung von Maulwürfen. Philippia.
  10. Natur & Land (2020). Tier des Jahres: Europäischer Maulwurf (Talpa europaea).
  11. Johannesson-Groß, K. (1985). Habitusbild eines Maulwurfs mit hervorgehobenen Sinnesbereichen.

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