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Kellerasseln im Kompost: Nützliche Helfer oder Schädlinge?
April 29, 2026 Patricia Titz

Kellerasseln im Kompost: Nützliche Helfer oder Schädlinge?

Wer den Deckel seines Komposters anhebt oder einen alten Laubhaufen im Garten umschichtet, kennt das Bild: Hunderte kleiner, grauer, gepanzerter Tierchen wuseln hektisch durcheinander und suchen Schutz vor dem plötzlichen Lichteinfall. Kellerasseln im Kompost sind für viele Gartenbesitzer auf den ersten Blick ein Grund zur Sorge. Handelt es sich um einen Schädlingsbefall? Wird die mühsam gesammelte Erde nun vernichtet? Die wissenschaftliche Antwort darauf ist ein klares Nein. Ganz im Gegenteil: Wenn es in Ihrem Kompost von Asseln wimmelt, ist das ein Zeichen für ein hervorragend funktionierendes, gesundes Ökosystem. Die kleinen Krebstiere sind die ultimativen Recycling-Maschinen der Natur und verwandeln abgestorbene Pflanzenreste in feinsten, nährstoffreichen Humus.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Keine Insekten: Kellerasseln (Porcellio scaber) gehören zu den Krebstieren (Crustacea) und atmen über Kiemen, weshalb sie die Feuchtigkeit des Komposts zwingend benötigen.
  • Effiziente Destruenten: Sie ernähren sich ausschließlich von totem, organischem Material (abgestorbene Blätter, morsches Holz, Pilze) und sind essenziell für die Humusbildung.
  • Schwermetall-Filter: Asseln können bis zu 90 % der toxischen Metallionen aus ihrer Nahrung in ihrem Körper speichern und entgiften so langfristig den Boden.
  • Völlig harmlos: Lebende, gesunde Pflanzenwurzeln werden von ihnen verschmäht. Sie sind absolute Nützlinge im Garten.
Anatomischer Aufbau des Wasserleitsystems der Kellerassel.
Anatomischer Aufbau des Wasserleitsystems der Kellerassel.

Warum der Kompost das perfekte Habitat für Kellerasseln ist

Um zu verstehen, warum sich Kellerasseln im Kompost so massenhaft vermehren, muss man einen Blick auf ihre evolutionäre Herkunft werfen. Landasseln (Oniscidea), zu denen die Kellerassel (Porcellio scaber) und die oft vergesellschaftete Mauerassel (Oniscus asellus) gehören, haben vor rund 160 Millionen Jahren den evolutionären Schritt aus dem Meer an das Land gewagt [2]. Im Gegensatz zu Insekten fehlt ihrem Chitinpanzer (der Cuticula) jedoch eine entscheidende Schutzschicht: die isolierende Wachsschicht [1].

Das bedeutet, dass Kellerasseln extrem anfällig für Austrocknung (Desikkation) sind [6]. Sie atmen primär über Kiemen, die sich an den Hinterleibsbeinen (Pleopoden) befinden. Diese Kiemen müssen permanent feucht gehalten werden, damit der Gasaustausch (Sauerstoffaufnahme) funktionieren kann [2]. Ein gut gepflegter Komposthaufen bietet exakt die mikroklimatischen Bedingungen, die das Überleben dieser Krebstiere sichern:

  • Hohe Luftfeuchtigkeit: Im Inneren des Komposts herrscht oft eine relative Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 %. Dies verhindert die Verdunstung von Körperwasser.
  • Dunkelheit: Asseln zeigen eine ausgeprägte negative Phototaxis (Lichtflucht) [3]. Licht bedeutet in der Natur meist Sonneneinstrahlung und damit tödliche Hitze und Trockenheit.
  • Nahrungsüberfluss: Der Kompost ist ein Schlaraffenland aus zersetzender Zellulose, Lignin und Mikroorganismen.

Wussten Sie schon? Das Wasserleitsystem der Assel

Um an Land überleben zu können, haben Kellerasseln ein faszinierendes Wasserleitsystem entwickelt. Sie scheiden flüssigen Harn (inklusive giftigem Ammoniak) über Drüsen am Kopf aus. Diese Flüssigkeit läuft über spezielle Rinnen am Panzer entlang nach hinten zu den Kiemen. Der Ammoniak verdunstet auf dem Weg, und das gereinigte Wasser befeuchtet die Kiemen, bevor es am After teilweise wieder in den Körper aufgenommen wird [2]. Im feuchten Kompost funktioniert dieses Recycling-System perfekt.

Wie Kellerasseln Herbstlaub in nährstoffreichen Humus verwandeln.
Wie Kellerasseln Herbstlaub in nährstoffreichen Humus verwandeln.

Die ökologische Funktion: Wie Kellerasseln den Kompost in Humus verwandeln

In der Ökologie werden Kellerasseln als Destruenten (Zersetzer) oder Saprophagen (Fresser von totem organischem Material) bezeichnet [3]. Wenn Sie im Herbst Laub, Rasenschnitt oder Gemüsereste auf den Kompost werfen, ist dieses Material für Pflanzenwurzeln noch völlig nutzlos. Die Nährstoffe sind in komplexen pflanzlichen Zellwänden (Zellulose) gebunden. Hier beginnt die Arbeit der Kellerasseln im Kompost.

Zerkleinerung und mikrobielle Vorverdauung

Asseln besitzen kräftige Mundwerkzeuge, mit denen sie das grobe Pflanzenmaterial zerkleinern (Kominution). Sie fressen das Material jedoch nicht nur wegen der Pflanzenteile selbst, sondern vor allem wegen der darauf wachsenden Pilze (mykophage Ernährung) und Bakterien [3]. Um die schwer verdauliche Zellulose aufzuspalten, beherbergen Kellerasseln in ihrer Mitteldarmdrüse (Hepatopankreas) endosymbiontische Bakterien, wie beispielsweise Candidatus Rhabdochlamydia porcellionis [3]. Diese Mikroorganismen helfen dabei, die pflanzlichen Strukturen aufzubrechen.

Koprophagie: Warum Asseln ihren eigenen Kot fressen

Ein für den Menschen unappetitlich klingender, aber ökologisch hochgradig effizienter Prozess im Kompost ist die sogenannte Koprophagie. Kellerasseln fressen ihren eigenen Kot oft mehrfach [2, 3]. Der Grund dafür ist simpel: Bei der ersten Verdauung wird das Pflanzenmaterial mechanisch zerkleinert und mit Darmbakterien angereichert. Der ausgeschiedene Kot wird nun von Bakterien und Pilzen im Kompost weiter zersetzt. Wenn die Assel diesen Kot erneut frisst, kann sie die nun aufgeschlossenen Nährstoffe (insbesondere Kupfer, das sie für ihren blauen Blutfarbstoff Hämocyanin benötigt) viel besser aufnehmen [3]. Das Endprodukt dieses mehrfachen Verdauungszyklus ist feinster, krümeliger Humus, der reich an pflanzenverfügbaren Nährstoffen ist.

Schwermetall-Akkumulation: Die Entgiftungsanlage im Kompost

Ein oft übersehener, aber wissenschaftlich hochinteressanter Aspekt von Kellerasseln im Kompost ist ihre Fähigkeit zur Bioakkumulation von Schadstoffen. In städtischen Gebieten oder in der Nähe von Straßen kann organisches Material (wie Laub) mit Schwermetallen wie Blei, Zink oder Cadmium belastet sein. Wenn dieses Material auf den Kompost gelangt, nehmen die Asseln diese Toxine mit der Nahrung auf.

Anstatt an den Giften zu sterben, isolieren Kellerasseln die Schwermetalle in speziellen Vesikeln in ihrer Mitteldarmdrüse. Bis zu 90 % der aufgenommenen Metallionen werden im Körper der Assel dauerhaft gespeichert und unschädlich gemacht [2]. Aus diesem Grund werden Kellerasseln in der Wissenschaft häufig als Bioindikatoren zur Messung von Bodenverschmutzungen eingesetzt [3]. Für Ihren Kompost bedeutet das: Die Asseln binden Schadstoffe in ihren Körpern. Wenn die Asseln sterben, verbleiben die Metalle zwar im Boden, sind aber oft in schwerer löslichen Komplexen gebunden, was die direkte Toxizität für empfindliche Pflanzenwurzeln abmildern kann.

Lebenszyklus und Fortpflanzung der Kellerassel im Brutbeutel.
Lebenszyklus und Fortpflanzung der Kellerassel im Brutbeutel.

Sozialverhalten und Fortpflanzung: Ein Aquarium an Land

Wenn Sie im Kompost graben, finden Sie selten eine einzelne Assel. Meist stoßen Sie auf dichte Ansammlungen (Aggregationen) von Dutzenden oder Hunderten Tieren. Dieses Verhalten ist kein Zufall, sondern eine überlebenswichtige Strategie.

Aggregation als Schutz vor Austrocknung

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass das Aggregationsverhalten von Kellerasseln stark durch Pheromone (Duftstoffe) im Kot sowie durch direkte soziale Interaktion gesteuert wird [4, 5]. Durch das enge Zusammenrücken (Thigmokinese) reduzieren die Tiere die Oberfläche, die der Luft ausgesetzt ist. Die Feuchtigkeit zwischen den Körpern der Asseln bleibt erhalten, was den Wasserverlust der gesamten Gruppe drastisch senkt [4]. Wenn der Kompost im Sommer an der Oberfläche austrocknet, wandern diese Aggregationen kollektiv in tiefere, feuchtere Schichten ab.

Das Marsupium: Fortpflanzung im Kompost

Die Fortpflanzung der Kellerassel ist ein faszinierendes Relikt ihrer marinen Vergangenheit. Weibliche Asseln bilden nach der Befruchtung auf ihrer Bauchseite einen Brutbeutel, das sogenannte Marsupium [2]. In diese flüssigkeitsgefüllte Blase legt das Weibchen 12 bis 36 Eier [3]. Die Embryonen und später die geschlüpften Larven (Mancae) entwickeln sich in diesem winzigen, tragbaren "Aquarium" völlig unabhängig von der Außentrockenheit.

Nach etwa einem Monat verlassen die Jungtiere den Brutbeutel. Sie sehen bereits aus wie winzige, weiße Ausgaben der erwachsenen Tiere, besitzen aber zunächst nur sechs Beinpaare. Das siebte Beinpaar entwickelt sich erst nach der ersten Häutung außerhalb des Brutbeutels [1, 3]. Da ein Weibchen im warmen, nahrungsreichen Kompost ein bis drei Bruten pro Jahr aufziehen kann, erklärt sich die oft explosionsartige Vermehrung der Tiere in den Sommermonaten [3].

Das Nahrungsnetz: Wer frisst die Kellerasseln im Kompost?

Ein Komposthaufen voller Asseln ist nicht nur eine Humusfabrik, sondern auch die Basis für ein komplexes Nahrungsnetz in Ihrem Garten. Da Kellerasseln sich nicht wie Rollasseln (Armadillidium vulgare) zu einer schützenden Kugel zusammenrollen können [3], sind sie auf ihre verborgene Lebensweise und ihren harten Chitinpanzer angewiesen. Dennoch stehen sie auf dem Speiseplan vieler Nützlinge:

  • Der Große Asseljäger (Dysdera crocata): Diese spezialisierte Webspinne hat extrem verlängerte und kräftige Kieferklauen (Cheliceren), die speziell dafür entwickelt wurden, den harten Panzer der Kellerassel zu durchdringen [3]. Sie lebt oft direkt im oder unter dem Kompost.
  • Igel und Spitzmäuse: Für diese insekten- und fleischfressenden Säugetiere stellt ein asselreicher Komposthaufen eine wichtige Proteinquelle dar [2].
  • Vögel, Kröten und Laufkäfer: Sobald Asseln den schützenden Kompost verlassen (z.B. nachts bei hoher Luftfeuchtigkeit), werden sie zur leichten Beute für nachtaktive Räuber.

Zudem werden Asseln von parasitären Fliegen (z.B. Melanophora roralis) heimgesucht, die ihre Eier auf den Krebstieren ablegen, woraufhin die schlüpfenden Maden die Assel von innen fressen [3]. Auch das Iridovirus (IIV Typ 31) kann Asseln befallen. Infizierte Tiere verfärben sich durch kristalline Strukturen im Gewebe leuchtend blau und sterben kurz darauf [3]. All diese natürlichen Feinde und Krankheiten sorgen dafür, dass die Asselpopulation im Kompost auf einem gesunden Niveau bleibt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sind zu viele Kellerasseln im Kompost ein Problem?

Nein, absolut nicht. Eine hohe Anzahl an Kellerasseln zeigt an, dass der Kompost feucht genug ist und ausreichend organisches Material zur Zersetzung bereitsteht. Sie beschleunigen den Rotteprozess erheblich und produzieren wertvollen Humus.

Fressen Kellerasseln frisches Gemüse oder lebende Pflanzen?

In der Regel nicht. Kellerasseln sind Saprophagen und bevorzugen totes, bereits von Pilzen und Bakterien zersetztes Material. Nur bei extremem Nahrungsmangel oder extremer Trockenheit (was im Kompost nicht vorkommen sollte) könnten sie an weiche, lebende Keimlinge gehen.

Wie kommen die Asseln in einen geschlossenen Thermo-Komposter?

Asseln leben natürlicherweise in den oberen Bodenschichten. Da Thermo-Komposter in der Regel nach unten hin offen sind (Erdkontakt), wandern die Asseln von unten ein, angelockt durch die Feuchtigkeit und das reiche Nahrungsangebot.

Was tun, wenn der Kompost zu nass ist und fault?

Obwohl Asseln Feuchtigkeit lieben, mögen sie keine Staunässe oder Fäulnis (anaerobe Bedingungen). Wenn der Kompost stinkt und schmiert, sollten Sie trockenes Strukturmaterial (Häckselgut, kleine Äste, Pappe) untermischen, um die Durchlüftung wiederherzustellen.

Gehören Kellerasseln zu den Insekten?

Nein. Kellerasseln (Isopoda) gehören zu den Höheren Krebsen (Malacostraca). Sie besitzen 14 Beine (7 Paare), atmen über Kiemen und haben einen Kopf-Brust-Bereich (Cephalothorax), was sie deutlich von Insekten (6 Beine, Tracheenatmung) unterscheidet.

Fazit: Freuen Sie sich über Kellerasseln im Kompost!

Die Anwesenheit von Kellerasseln im Kompost ist ein absoluter Glücksfall für jeden Gärtner. Diese faszinierenden Landkrebse haben sich im Laufe der Evolution perfekt an feuchte, dunkle terrestrische Lebensräume angepasst. Mit ihrem Wasserleitsystem, der Kiemenatmung und dem einzigartigen Brutbeutel (Marsupium) meistern sie das Leben an Land bravourös. Durch ihre unermüdliche Fress- und Verdauungsarbeit – unterstützt durch symbiotische Bakterien und den Prozess der Koprophagie – zerkleinern sie hartnäckige Pflanzenreste und verwandeln Gartenabfälle in hochwertigen, nährstoffreichen Humus. Gleichzeitig dienen sie als Schadstofffilter und wichtige Nahrungsquelle für andere Gartentiere. Wenn Sie also das nächste Mal den Kompost umsetzen und es grau wuselt: Lassen Sie die kleinen Helfer in Ruhe ihre Arbeit machen. Ihr Garten wird es Ihnen danken!

Wissenschaftliche Quellen & Referenzen

  1. Umweltbundesamt: Die Kellerassel (Porcellio scaber) - Aussehen und Vorkommen.
  2. Preisfeld, G. (Bergische Universität Wuppertal): Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen - Die Biologin Gela Preisfeld über einen komplexen Organismus: die heimische Kellerassel.
  3. Animal Diversity Web (University of Michigan): Porcellio scaber - Common rough woodlouse.
  4. Devigne, C., Broly, P., Deneubourg, J.-L. (2011): Individual Preferences and Social Interactions Determine the Aggregation of Woodlice. PLoS ONE 6(2): e17389.
  5. Broly, P., Mullier, R., Deneubourg, J.-L., Devigne, C. (2012): Aggregation in woodlice: social interaction and density effects. ZooKeys 176: 133–144.
  6. Csonka, D., Halasy, K., Buczkó, K., Hornung, E. (2018): Morphological traits – desiccation resistance – habitat characteristics: a possible key for distribution in woodlice (Isopoda, Oniscidea). ZooKeys 801: 481–499.

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