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Kellerasseln im Pool: Ursachen, Biologie & Lösungen
April 29, 2026 Patricia Titz

Kellerasseln im Pool: Ursachen, Biologie & Lösungen

Es ist ein vertrautes, wenn auch oft frustrierendes Bild für viele Gartenbesitzer: Man zieht morgens die Abdeckung vom Schwimmbecken oder wirft einen Blick in den Skimmer, und dort treiben sie – Dutzende kleiner, grauer, gepanzerter Tierchen. Kellerasseln im Pool sind ein weit verbreitetes Phänomen. Doch warum stürzen sich diese scheinbaren Landbewohner scheinbar todesmutig ins Wasser? Die Antwort liegt in einer faszinierenden evolutionären Geschichte, denn was viele nicht wissen: Asseln sind gar keine Insekten, sondern Krebstiere. Ihre Biologie, ihr Atmungssystem und ihr ständiger Kampf gegen das Austrocknen treiben sie unweigerlich in die Nähe von Wasserquellen. In diesem Artikel tauchen wir tief in die Biologie der Kellerassel ein und klären, warum Ihr Pool eine magische Anziehungskraft auf sie ausübt und wie Sie das Problem auf ökologische Weise lösen können.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Krebstiere, keine Insekten: Kellerasseln (Porcellio scaber) gehören zu den Krebstieren und atmen primär über Kiemen, weshalb sie zwingend auf eine hohe Umgebungsfeuchtigkeit angewiesen sind.
  • Fehlender Verdunstungsschutz: Anders als Insekten besitzen sie keine schützende Wachsschicht auf ihrem Panzer. Der Poolbereich bietet das feuchte Mikroklima, das sie zum Überleben brauchen.
  • Die Pool-Falle: Durch ihr thigmotaktisches Verhalten (das Laufen an Kanten entlang) fallen sie oft ins Wasser. Die glatten Poolwände verhindern eine Flucht.
  • Völlig harmlos: Kellerasseln übertragen keine Krankheiten, beißen nicht und sind als Zersetzer (Destruenten) extrem nützlich für die Humusbildung im Garten.
  • Prävention: Das Entfernen von organischem Material (Laub, morsches Holz) in Poolnähe und das Schaffen alternativer Feuchtbiotope (Kompost) sind die besten Gegenmaßnahmen.
Vergleich des Verdunstungsschutzes von Insekt und Kellerassel.
Vergleich des Verdunstungsschutzes von Insekt und Kellerassel.

Der evolutionäre Kompromiss: Warum der Pool für Kellerasseln überlebenswichtig erscheint

Um zu verstehen, warum man so oft Kellerasseln im Pool findet, muss man einen Blick auf ihre Abstammung werfen. Landasseln (Oniscoidea) sind die einzigen Krebstiere (Crustacea), die den Übergang vom Wasser auf das Land dauerhaft und erfolgreich gemeistert haben [4]. Dieser evolutionäre Schritt, der vor etwa 160 Millionen Jahren stattfand, war jedoch mit Kompromissen verbunden. Während Insekten eine wasserundurchlässige Epikutikula (eine äußere Wachsschicht) entwickelt haben, fehlt diese den Asseln weitgehend [1, 4].

Das bedeutet, dass der Körper der Kellerassel extrem empfindlich auf Austrocknung reagiert. Ihr gesamtes Verhalten ist darauf ausgerichtet, Wasserverluste zu minimieren. Sie sind nachtaktiv (negative Phototaxis), um der austrocknenden Sonne zu entgehen, und suchen tagsüber dunkle, feuchte Verstecke unter Steinen, Totholz oder eben unter feuchten Poolabdeckungen auf [6]. Die unmittelbare Umgebung eines Schwimmbeckens, in der oft Wasser überschwappt und die Luftfeuchtigkeit lokal erhöht ist, stellt für die Tiere eine unwiderstehliche Oase dar.

Thigmokinese: Der Weg in die Pool-Falle

Ein weiterer Grund für ihr massenhaftes Auftreten im Pool ist ein Verhaltensmuster namens Thigmokinese [6]. Kellerasseln reduzieren ihre Bewegung, wenn sie physischen Kontakt mit Objekten haben, und neigen dazu, an Kanten und Wänden entlangzulaufen. Wenn sie nachts auf der Suche nach Nahrung oder Feuchtigkeit an der Kante des Poolbeckens entlangkrabbeln, reicht ein kleiner Fehltritt, und sie fallen ins Wasser. Die glatten Wände aus Folie, GFK oder Fliesen machen ein Entkommen unmöglich.

Können Kellerasseln unter Wasser atmen? Die Anatomie der Atmungsorgane

Wenn man Kellerasseln im Poolwasser treiben sieht, stellt sich unweigerlich die Frage: Ertrinken diese Tiere sofort, oder können sie als Krebstiere unter Wasser atmen? Die Antwort ist ein faszinierendes "Jein", das tief in ihrer Anatomie verwurzelt ist.

Asseln atmen primär über Kiemen, die sich an den Hinterleibsbeinen (Pleopoden) befinden [5]. Damit diese Kiemen funktionieren, müssen sie zwingend von einem dünnen Wasserfilm umgeben sein. Sauerstoff aus der Luft löst sich in diesem Wasserfilm und diffundiert dann in den Körper. Einige Landasseln, wie unsere heimische Kellerassel (Porcellio scaber), haben zusätzlich sogenannte Tracheenlungen entwickelt [5]. Diese weißen, punktförmigen Strukturen an der Unterseite des Hinterleibs ermöglichen es ihnen, Sauerstoff auch direkt aus der Luft aufzunehmen, indem sie den Hinterleib leicht anheben und absenken [5, 6].

Fällt eine Kellerassel nun in den Pool, passiert Folgendes: Da sie Kiemen besitzt, kann sie tatsächlich für eine gewisse Zeit den im Wasser gelösten Sauerstoff nutzen. In sauerstoffgesättigtem, reinem Wasser könnten einige Asselarten erstaunlich lange überleben. Aber: Ein Pool ist kein natürliches Gewässer. Das Wasser enthält Chlor oder andere Desinfektionsmittel, die die empfindlichen Kiemenstrukturen schnell schädigen. Zudem ist die Oberflächenspannung des Wassers ein Problem für die Tiere. Letztendlich ertrinken oder verenden sie an Erschöpfung und den Chemikalien im Wasser, weshalb man sie meist leblos im Skimmerkorb vorfindet.

Das Wasserleitungssystem der Kellerassel zur Kiemenatmung.
Das Wasserleitungssystem der Kellerassel zur Kiemenatmung.

Das einzigartige Wasserleitungssystem: Ein Wunderwerk der Natur

Um an Land zu überleben, hat die Kellerassel einen Mechanismus entwickelt, der in der Natur nahezu einmalig ist und erklärt, warum sie Feuchtigkeit so dringend benötigt. Sie verfügt über ein ausgeklügeltes Wasserleitungssystem auf ihrem Panzer [1, 5].

Dieses System besteht aus winzigen Rinnen, die durch Schuppenreihen des Außenskeletts gebildet werden. Es dient einem doppelten Zweck:

  1. Flüssigkeitsaufnahme: Tautropfen oder Umgebungsfeuchtigkeit können über Kapillarkräfte direkt zu den Kiemen geleitet werden [1].
  2. Urin-Recycling: Asseln scheiden stickstoffhaltige Abfallprodukte nicht als flüssigen Urin aus, wie wir Menschen es tun, sondern sondern ein Sekret aus Drüsen am Kopf ab. Dieses Sekret fließt über das Rinnensystem in Richtung der Kiemen. Auf dem Weg dorthin verdunstet das toxische Ammoniak als Gas [1, 5, 6]. Das verbleibende, nun gereinigte Wasser wird mit Sauerstoff angereichert und benetzt die Kiemen, bevor es vom Körper wieder aufgenommen wird.

Dieses System ist hochgradig effizient, um Wasser zu sparen. Es funktioniert jedoch nur, wenn die Grundfeuchtigkeit der Umgebung stimmt. Die trockenen, heißen Pflastersteine rund um einen Pool an einem Sommertag sind tödlich für die Assel. Sie flüchtet in die feuchten Fugen oder unter die Poolabdeckung, wo sich Kondenswasser sammelt – und landet schließlich im Becken.

Aggregationsverhalten: Warum sind immer gleich so viele Asseln im Pool?

Selten findet man nur eine einzelne Kellerassel im Pool. Meistens sind es kleine Gruppen. Dieses Phänomen lässt sich durch das ausgeprägte Sozial- und Aggregationsverhalten der Tiere erklären [3].

Kellerasseln rotten sich in Gruppen zusammen (Aggregation), um den Wasserverlust der Individuen zu minimieren. Ein Haufen von Asseln verliert deutlich weniger Feuchtigkeit als ein Einzeltier, da die Verdunstungsoberfläche der Gruppe im Verhältnis zum Volumen geringer ist (Allee-Effekt) [3]. Um diese Gruppen zu bilden, nutzen die Tiere Pheromone (Duftstoffe), die sie unter anderem über ihre Fäkalien absondern [3, 6].

Wenn nun eine feuchte Stelle am Poolrand (z.B. unter einer aufgerollten Solarfolie) von einigen Asseln als idealer Rückzugsort identifiziert wird, locken sie durch Pheromone weitere Artgenossen an. Die Population an dieser Stelle wächst rasant. Wenn diese Gruppe dann nachts aktiv wird oder die Abdeckung bewegt wird, fallen unweigerlich viele Tiere gleichzeitig ins Wasser.

Sind Kellerasseln im Pool ein Hygieneproblem?

Der Anblick von Krabbeltieren im Badewasser löst bei vielen Menschen Ekel aus. Aus hygienischer und gesundheitlicher Sicht gibt es jedoch absolut keinen Grund zur Sorge.

Kellerasseln sind keine Schädlinge. Sie beißen nicht, stechen nicht und übertragen keine für den Menschen gefährlichen Krankheiten. In der Ökologie nehmen sie die Rolle der Destruenten (Zersetzer) ein [4, 5]. Sie ernähren sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial, morschem Holz, Pilzen und Bakterien [4, 6]. Durch ihre Verdauung zerkleinern sie dieses Material und machen die Nährstoffe für den Boden wieder verfügbar. Sie sind unverzichtbare Humusbildner.

Wissenschaftlicher Fakt: Asseln als Bioindikatoren

Wussten Sie, dass Kellerasseln in der Wissenschaft als Bioindikatoren genutzt werden? Sie haben die erstaunliche Fähigkeit, Schwermetalle wie Kupfer, Zink, Blei und Cadmium aus ihrer Umgebung aufzunehmen und in speziellen Bläschen in ihrer Mitteldarmdrüse (Hepatopankreas) zu speichern, ohne daran zu sterben [2, 5]. Forscher untersuchen Asselpopulationen, um die Schadstoffbelastung von Böden zu messen. Dass sie in Ihrem Garten leben, ist also ein Zeichen für ein funktionierendes Ökosystem.

Tipps zur Assel-Prävention am Pool
Tipps zur Assel-Prävention am Pool

Ökologische und effektive Maßnahmen gegen Kellerasseln im Pool

Da Kellerasseln nützliche Tiere sind, sollte das Ziel nicht ihre Vernichtung durch chemische Gifte sein, sondern vielmehr das intelligente Management ihres Lebensraums rund um den Pool. Wenn Sie den Bereich um das Schwimmbecken für die Tiere unattraktiv machen, verschwinden sie von ganz allein.

1. Nahrungsquellen und Verstecke entfernen

Kellerasseln brauchen organisches Material als Nahrung und dunkle, feuchte Verstecke. Halten Sie den direkten Umkreis des Pools (ca. 1 bis 2 Meter) frei von:

  • Laubhaufen und abgestorbenen Pflanzenteilen
  • Morschem Holz oder Rindenmulch
  • Dicht wuchernden Bodendeckern, die Feuchtigkeit am Boden halten
  • Losen Pflastersteinen oder Blumentöpfen, unter denen sich Wasser sammelt
Ersetzen Sie Rindenmulch in Poolnähe beispielsweise durch Zierkies. Dieser trocknet an der Oberfläche schnell ab und bietet den Asseln keinen Lebensraum.

2. Poolabdeckungen richtig managen

Poolabdeckungen, insbesondere aufgerollte Solarfolien oder die Schächte von Rollladenabdeckungen, sind das perfekte Habitat für Asseln. Hier ist es dunkel, und das Kondenswasser sorgt für 100 % Luftfeuchtigkeit. Spülen Sie die Ränder der Abdeckung regelmäßig mit einem harten Wasserstrahl ab. Wenn Sie die Abdeckung aufrollen, tun Sie dies langsam, damit eventuell darauf befindliche Tiere flüchten können und nicht ins Wasser fallen.

3. Fugen abdichten

Oft leben die Asseln in den feuchten Sandfugen der Poolumrandung. Wenn Sie diese Fugen mit einem festen, wasserundurchlässigen Fugenmörtel (z.B. auf Epoxidharzbasis) versiegeln, entziehen Sie den Tieren den Rückzugsort direkt an der Wasserkante.

4. Ausstiegshilfen anbieten

Für Tiere, die dennoch ins Wasser fallen, können sogenannte "Frog Logs" (Tierrettungsinseln) eine Hilfe sein. Diese kleinen, schwimmenden Rampen werden am Poolrand befestigt und ermöglichen es Fröschen, Insekten und eben auch Asseln, aus eigener Kraft aus dem Wasser zu klettern, bevor sie in den Skimmer gesaugt werden.

5. Alternativen Lebensraum schaffen

Da Asseln exzellente Kompostierer sind, sollten Sie ihnen einen attraktiven Lebensraum weit weg vom Pool anbieten. Ein gut gepflegter Komposthaufen in einer schattigen Ecke des Gartens ist das Paradies für jede Kellerassel [4]. Wenn Sie lebende Asseln aus dem Skimmer fischen, werfen Sie diese einfach auf den Kompost – dort leisten sie wertvolle Arbeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum sind so viele Kellerasseln in meinem Pool?

Kellerasseln sind Krebstiere, die über Kiemen atmen und keine schützende Wachsschicht besitzen. Sie suchen aktiv nach feuchten Orten, um nicht auszutrocknen. Der Poolbereich bietet dieses feuchte Mikroklima, und durch ihr Verhalten, an Kanten entlangzulaufen, fallen sie oft versehentlich ins Wasser.

Können Kellerasseln im Poolwasser überleben?

Nein, auf Dauer nicht. Obwohl sie Kiemen haben und in sauberem, sauerstoffreichem Wasser kurzzeitig überleben könnten, sind das Chlor und die fehlenden Ausstiegsmöglichkeiten im Pool tödlich für sie. Sie ertrinken oder verenden an den Chemikalien.

Sind Kellerasseln im Pool gefährlich oder unhygienisch?

Absolut nicht. Kellerasseln übertragen keine Krankheiten, beißen nicht und verunreinigen das Wasser nicht nennenswert. Sie sind nützliche Zersetzer von organischem Material und völlig harmlos für Menschen.

Wie halte ich Kellerasseln vom Pool fern?

Entfernen Sie Nahrungsquellen und Verstecke wie Laub, morsches Holz und Rindenmulch aus der direkten Poolumgebung. Dichten Sie Fugen ab und kontrollieren Sie feuchte Bereiche unter der Poolabdeckung regelmäßig.

Was mache ich mit lebenden Asseln aus dem Skimmer?

Setzen Sie lebende Tiere am besten auf Ihrem Komposthaufen oder unter einem Busch weit weg vom Pool aus. Dort sind sie als Humusbildner extrem nützlich für Ihren Garten.

Fazit

Kellerasseln im Pool sind kein Zeichen von mangelnder Hygiene, sondern vielmehr ein Zeugnis der faszinierenden, aber kompromissbehafteten Evolution dieser Krebstiere. Ihr ständiger Bedarf an Feuchtigkeit, gepaart mit ihrem nächtlichen Suchverhalten, führt sie unweigerlich an den Rand Ihres Schwimmbeckens. Wenn Sie die biologischen Bedürfnisse der Tiere verstehen – ihren Mangel an Verdunstungsschutz, ihre Kiemenatmung und ihr Aggregationsverhalten –, können Sie das Problem gezielt und ohne den Einsatz von Gift lösen. Ein aufgeräumter Poolrand und ein einladender Komposthaufen in der anderen Ecke des Gartens sorgen dafür, dass Sie ungestört baden können und die Asseln dort ihre wertvolle Arbeit verrichten, wo sie hingehören: im Boden.

Wissenschaftliche Quellen

  1. Umweltbundesamt (UBA): Die Kellerassel (Porcellio scaber) - Aussehen und Vorkommen.
  2. Paoletti, M.G., Hassall, M. (1999). Woodlice (Isopoda: Oniscidea): their potential for assessing sustainability and use as bioindicators. Agriculture, Ecosystems and Environment 74, 157–165.
  3. Devigne, C., Broly, P., Deneubourg, J.-L. (2011). Individual Preferences and Social Interactions Determine the Aggregation of Woodlice. PLoS ONE 6(2): e17389.
  4. Broly, P., Mullier, R., Deneubourg, J.-L., Devigne, C. (2012). Aggregation in woodlice: social interaction and density effects. ZooKeys 176: 133–144.
  5. Preisfeld, G. (2025). Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen. Bergische Universität Wuppertal, Wissenschaftskommunikation.
  6. Riggio, C. Porcellio scaber (Common rough woodlouse). Animal Diversity Web, University of Michigan.

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