Zu Inhalt springen
Kostenloser Versand ab 29€
Versand 1-2 Tage
4.44 · 245.512+ Kunden
Kellerasseln Lebensraum: Wo und warum sie sich verstecken
April 29, 2026 Patricia Titz

Kellerasseln Lebensraum: Wo und warum sie sich verstecken

Wer einen Stein im Garten anhebt, altes Laub beiseite fegt oder einen feuchten, dunklen Keller betritt, trifft fast unweigerlich auf sie: Kellerasseln (Porcellio scaber). Auf den ersten Blick wirken die kleinen, grauen Krabbeltiere unscheinbar, doch ihr Dasein an Land ist ein evolutionäres Meisterstück. Der Kellerasseln Lebensraum ist kein Zufall, sondern das Resultat einer faszinierenden Anpassung. Als Krebstiere, die den Ozean vor rund 160 Millionen Jahren verlassen haben, wandeln sie auf einem schmalen Grat zwischen Überleben und Austrocknung [7]. Um zu verstehen, warum Kellerasseln genau dort leben, wo wir sie finden, müssen wir tief in ihre Biologie, ihr Verhalten und die Mikroklimata unserer Gärten und Häuser eintauchen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Krebse an Land: Kellerasseln atmen über Kiemen und benötigen zwingend eine hohe Luftfeuchtigkeit in ihrem Lebensraum.
  • Kein Verdunstungsschutz: Da ihnen eine schützende Wachsschicht auf dem Panzer fehlt, meiden sie Sonnenlicht und Trockenheit strikt.
  • Mikrohabitate: Bevorzugte Lebensräume sind Komposthaufen, Totholz, die Unterseite von Steinen und feuchte Kellerräume.
  • Soziales Überleben: Sie bilden Aggregationen (Gruppen), um den Wasserverlust durch gegenseitigen Körperkontakt zu minimieren.
  • Ökosystem-Ingenieure: In ihrem Lebensraum fungieren sie als unverzichtbare Destruenten (Zersetzer) und Humusbildner.
Das Wasserleitungssystem der Kellerassel zur Kiemenatmung.
Das Wasserleitungssystem der Kellerassel zur Kiemenatmung.

Physiologische Zwänge: Warum der Lebensraum feucht sein muss

Um den Lebensraum der Kellerassel zu verstehen, muss man sich ihre Herkunft vergegenwärtigen. Asseln (Isopoda) gehören zu den Krebstieren (Crustacea) und sind weltweit mit etwa 10.000 Arten vertreten [7]. Die Unterordnung der Landasseln (Oniscidea), zu der die Kellerassel zählt, hat den Landgang erfolgreich gemeistert. Dennoch tragen sie das Erbe ihrer marinen Vorfahren in sich, was ihren Lebensraum stark einschränkt.

Die Atmung: Kiemen und Tracheenlungen

Im Gegensatz zu Insekten atmen Kellerasseln primär über Kiemen, die an den Hinterleibsbeinen (Pleopoden) sitzen [7]. Kiemen funktionieren nur, wenn sie von einem Feuchtigkeitsfilm überzogen sind, da der Sauerstoffaustausch durch Diffusion in einem wässrigen Milieu stattfinden muss. Zwar haben heimische Kellerasseln als Anpassung an das Landleben zusätzlich sogenannte Tracheenlungen entwickelt (weiße Flecken am Hinterleib), mit denen sie Sauerstoff direkt aus der Luft aufnehmen können [7, 8], doch die Abhängigkeit von Feuchtigkeit bleibt bestehen.

Der fehlende Wachspanzer

Ein weiteres kritisches Merkmal ist die Beschaffenheit ihres Exoskeletts. Insekten besitzen eine Epicuticula mit einer dichten Wachsschicht, die sie vor dem Austrocknen schützt. Den Landasseln fehlt diese isolierende Wachsschicht [6]. Studien zur morphologischen Beschaffenheit zeigen, dass die Kutikula von Asseln weitaus durchlässiger ist als die der meisten anderen terrestrischen Arthropoden [5]. Die Transpiration über die Körperoberfläche ist enorm hoch. Ein Lebensraum mit geringer Luftfeuchtigkeit führt unweigerlich zur raschen Dehydrierung und zum Tod der Tiere.

💡 Das geniale Wasserleitungssystem

Um in ihrem Lebensraum nicht auszutrocknen, haben Kellerasseln ein in der Natur einmaliges Wasserleitungssystem entwickelt. Es besteht aus winzigen Rinnen und Schuppenreihen auf dem Außenskelett. Die Tiere scheiden ein flüssiges, harnähnliches Sekret aus einer Drüse am Kopf aus. Dieses fließt über die Rinnen zu den Kiemen am Hinterleib, um diese feucht zu halten. Der im Sekret enthaltene toxische Ammoniak verdunstet auf dem Weg, während das Wasser mit Sauerstoff angereichert und von den Kiemen wieder aufgenommen wird [1, 7]. Ein perfektes Recycling-System!

Typische Mikrohabitate: Wo genau leben Kellerasseln?

Aufgrund ihrer physiologischen Einschränkungen ist die Kellerassel gezwungen, sich in spezifischen Mikrohabitaten aufzuhalten. Ein Mikrohabitat ist ein eng begrenzter Lebensraum, der ein eigenes, vom Makroklima abweichendes Mikroklima aufweist. Die Kellerassel ist phototaktisch negativ (lichtscheu) und sucht aktiv nach dunklen, kühlen und feuchten Orten [8].

Der Waldboden und Garten

In der freien Natur und in unseren Gärten findet man Kellerasseln vorwiegend in der Laubstreu, unter Totholz, Rinde oder Steinen. Diese Strukturen wirken wie ein Puffer gegen extreme Temperaturschwankungen und Sonneneinstrahlung. Unter einem morschen Baumstamm herrscht selbst an einem heißen Sommertag eine relative Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 %. Hier finden die Tiere nicht nur Schutz vor Austrocknung, sondern auch ihre primäre Nahrungsquelle: abgestorbenes organisches Material [2, 6].

Der Komposthaufen: Ein Schlaraffenland

Ein besonders bevorzugter Lebensraum im urbanen und landwirtschaftlichen Bereich ist der Komposthaufen. Hier herrschen ideale Bedingungen: Dunkelheit, konstante Feuchtigkeit, moderate Wärme durch Verrottungsprozesse und ein unendliches Angebot an Nahrung. Zusammen mit anderen Arten wie der Mauerassel (Oniscus asellus) leisten sie hier einen enormen Beitrag zur Humusbildung [6].

Der Keller als Ersatz-Höhle

Der Name "Kellerassel" kommt nicht von ungefähr. Menschliche Behausungen, insbesondere alte, feuchte Kellergewölbe, simulieren die natürlichen Mikrohabitate der Tiere perfekt. Risse im Mauerwerk, feuchte Ecken hinter Kartons oder unter Blumentöpfen bieten genau das Mikroklima, das die Krebstiere zum Überleben brauchen. In modernen, trockenen und beheizten Wohnräumen können Kellerasseln hingegen nicht lange überleben; sie verirren sich meist nur dorthin und vertrocknen rasch, wenn sie keinen Rückzugsort finden.

Aggregationsverhalten von Kellerasseln zum Schutz vor Austrocknung.
Aggregationsverhalten von Kellerasseln zum Schutz vor Austrocknung.

Aggregationsverhalten: Warum der Lebensraum geteilt wird

Ein faszinierender Aspekt des Kellerasseln-Lebensraums ist ihre soziale Dynamik. Wer einen Stein anhebt, findet selten eine einzelne Assel, sondern meist eine ganze Gruppe. Dieses Phänomen wird in der Biologie als Aggregation bezeichnet und ist eine überlebenswichtige Anpassung an das Landleben [3].

Studien zeigen, dass die Aggregation von Kellerasseln extrem schnell abläuft. In experimentellen Umgebungen fanden sich oft mehr als 50 % der Tiere innerhalb von weniger als 10 Minuten zu Gruppen zusammen [3]. Dieses Verhalten wird durch zwei Hauptfaktoren gesteuert:

  • Thigmokinese: Asseln reagieren auf physischen Kontakt. Wenn sie einen festen Gegenstand (wie einen Stein) oder einen Artgenossen berühren, verlangsamen sie ihre Bewegung oder bleiben ganz stehen [8]. Dies führt automatisch zur Klumpenbildung in engen Spalten.
  • Soziale Interaktion und Pheromone: Die Tiere tolerieren sich nicht nur, sie ziehen sich aktiv an. Es wird stark vermutet, dass Aggregationspheromone, die über die Fäkalien abgegeben werden, den Tieren signalisieren: "Hier ist ein sicherer, feuchter Ort" [3].

⚠️ Der Allee-Effekt bei Kellerasseln

Die Gruppenbildung erfüllt einen klaren physiologischen Zweck: Sie reduziert den Wasserverlust. Wenn viele Asseln dicht aneinandergedrängt sitzen, verringert sich die exponierte Körperoberfläche des Einzelnen. Die Luftfeuchtigkeit innerhalb des "Assel-Haufens" steigt an. Dieses Phänomen, bei dem eine höhere Populationsdichte das Überleben des Einzelnen fördert, wird in der Ökologie als Allee-Effekt bezeichnet [3]. Interessanterweise scheint es eine Obergrenze zu geben: Ab einer Gruppengröße von etwa 70 Tieren sinkt der zusätzliche Nutzen der Wasserersparnis, und die Tiere beginnen, neue, kleinere Gruppen zu bilden [4].

Nahrungsnetz und Ökosystem-Funktion im Lebensraum

Im Lebensraum der Kellerassel spielen die Tiere eine ökologische Schlüsselrolle. Sie sind primär Detritivoren (Zersetzer) und Saprophagen (Fresser von totem organischem Material). Ihre Nahrung besteht aus verrottendem Laub, morschem Holz, Pilzen und Bakterienrasen [2, 8].

Die Verdauung: Hilfe von Bakterien

Totes Pflanzenmaterial ist schwer verdaulich, da es viel Zellulose enthält. Kellerasseln haben dieses Problem gelöst, indem sie endosymbiontische Bakterien (wie Candidatus Rhabdochlamydia porcellionis) in ihrer Mitteldarmdrüse (Hepatopankreas) beherbergen, die bei der Aufspaltung der Zellulose helfen [8]. Zudem betreiben Asseln Koprophagie: Sie fressen ihren eigenen Kot. Dies tun sie, um Nährstoffe, die beim ersten Durchgang nicht vollständig resorbiert wurden, erneut zu verwerten und um lebenswichtige Bakterienkulturen sowie Kupfer (wichtig für ihren blauen Blutfarbstoff Hämocyanin) im Körper zu behalten [2, 8].

Bioindikatoren für Schwermetalle

Ein bemerkenswertes Merkmal der Kellerassel in ihrem Lebensraum ist ihre Toleranz gegenüber Schwermetallen. Sie können Blei, Zink, Cadmium und Kupfer in speziellen Vesikeln in ihrer Mitteldarmdrüse akkumulieren und unschädlich machen. Etwa 90 % aller im Körper vorkommenden Metallionen werden dort gespeichert [7]. Aufgrund dieser Eigenschaft werden Kellerasseln in der Ökotoxikologie häufig als Bioindikatoren eingesetzt, um die Schadstoffbelastung von Böden in städtischen oder industriellen Gebieten zu messen [2, 7].

Fressfeinde: Wer teilt den Lebensraum?

Als langsame, bodenbewohnende Tiere stehen Kellerasseln weit unten in der Nahrungskette und teilen ihren Lebensraum mit zahlreichen Prädatoren. Zu ihren natürlichen Feinden gehören Vögel, Frösche, Eidechsen, Spitzmäuse, Laufkäfer und Hundertfüßer [2, 8]. Ein besonders spezialisierter Jäger ist der Große Asseljäger (Dysdera crocata), eine Spinnenart, deren massiv verlängerte Giftklauen perfekt darauf ausgelegt sind, den harten Rückenpanzer der Asseln zu durchdringen [2, 8]. Um sich zu schützen, verlassen sich Kellerasseln auf ihre Tarnfärbung (Kryptik), ihr verstecktes Leben unter Steinen und ihre nächtliche Aktivität.

Lebenszyklus und Fortpflanzung der Kellerassel.
Lebenszyklus und Fortpflanzung der Kellerassel.

Fortpflanzung: Ein Aquarium an Land

Selbst die Fortpflanzung ist stark an die Bedingungen ihres Lebensraums gebunden. Da die Larven extrem anfällig für Austrocknung sind, hat die Evolution eine bemerkenswerte Lösung hervorgebracht: Das Weibchen bildet nach der Häutung eine flüssigkeitsgefüllte Bauchtasche (Marsupium) zwischen den Laufbeinen aus [1, 7].

In diesem "tragbaren Aquarium" entwickeln sich die Eier und später die Jungtiere (Mancae). Die Larven wachsen also in einem wässrigen Milieu heran, obwohl das Muttertier an Land lebt. Wenn die Jungtiere schlüpfen, sehen sie den erwachsenen Tieren bereits sehr ähnlich, besitzen jedoch zunächst nur sechs Beinpaare. Das siebte Beinpaar entwickelt sich erst nach der ersten Häutung außerhalb der Bauchtasche [1, 8]. Bis zur Geschlechtsreife häuten sich die Tiere etwa 14 Mal, wobei sie die abgeworfene Haut (Exuvie) meist fressen, um wertvolles Kalzium für den neuen Panzer zurückzugewinnen [1, 7].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Warum leben Kellerasseln bevorzugt im Keller?

Kellerasseln atmen über Kiemen und besitzen keine schützende Wachsschicht auf ihrem Panzer. Sie benötigen daher zwingend die konstant hohe Luftfeuchtigkeit und Dunkelheit, die feuchte Kellergewölbe bieten, um nicht auszutrocknen.

Können Kellerasseln in einer normalen Wohnung überleben?

Nein, in der Regel nicht. Moderne, beheizte Wohnräume sind viel zu trocken. Verirrt sich eine Assel in die Wohnung, vertrocknet sie meist innerhalb weniger Tage, sofern sie keine feuchte Nische (z.B. unter einem undichten Blumentopf) findet.

Was fressen Kellerasseln in ihrem Lebensraum?

Sie ernähren sich hauptsächlich von abgestorbenem organischem Material wie morschem Holz, verrottendem Laub, Pilzen und Bakterien. Damit sind sie extrem wichtige Zersetzer und Humusbildner im Ökosystem.

Warum findet man Kellerasseln oft in großen Gruppen?

Kellerasseln rotten sich zusammen (Aggregation), um ihre exponierte Körperoberfläche zu verkleinern. Das Mikroklima innerhalb der Gruppe ist feuchter, was den lebensbedrohlichen Wasserverlust der einzelnen Tiere deutlich reduziert.

Sind Kellerasseln Schädlinge?

Nein, sie sind nützliche Destruenten. Nur in seltenen Ausnahmefällen, wenn absolut keine verrottenden Pflanzenreste vorhanden sind, können sie in Gewächshäusern oder an Keimlingen Fraßschäden verursachen. Im Garten und Kompost sind sie jedoch unverzichtbare Helfer.

Fazit: Ein Leben im Verborgenen

Der Lebensraum der Kellerassel ist ein faszinierendes Beispiel für evolutionäre Kompromisse. Als Krebstiere an Land sind sie Gefangene der Feuchtigkeit. Ihr ständiges Streben nach Dunkelheit, ihre nächtliche Aktivität, das komplexe Wasserleitungssystem und ihr soziales Aggregationsverhalten dienen alle nur einem Zweck: dem Schutz vor dem Austrocknen. Wenn Sie das nächste Mal eine Gruppe Kellerasseln unter einem Blumentopf oder im Kompost entdecken, betrachten Sie sie nicht als Ungeziefer. Sie blicken auf hochspezialisierte Überlebenskünstler und unermüdliche Ökosystem-Ingenieure, die aus unseren Abfällen die fruchtbare Erde von morgen erschaffen.

Quellenverzeichnis

  1. Lange, J. (o.J.). Die Kellerassel - Porcellio scaber. Ökologischer Lehrgarten, Pädagogische Hochschule Karlsruhe.
  2. Paoletti, M. G., & Hassall, M. (1999). Woodlice (Isopoda: Oniscidea): their potential for assessing sustainability and use as bioindicators. Agriculture, Ecosystems and Environment 74, 157–165.
  3. Devigne, C., Broly, P., & Deneubourg, J.-L. (2011). Individual Preferences and Social Interactions Determine the Aggregation of Woodlice. PLoS ONE 6(2): e17389.
  4. Broly, P., Mullier, R., Deneubourg, J.-L., & Devigne, C. (2012). Aggregation in woodlice: social interaction and density effects. ZooKeys 176: 133–144.
  5. Csonka, D., Halasy, K., Buczkó, K., & Hornung, E. (2018). Morphological traits – desiccation resistance – habitat characteristics: a possible key for distribution in woodlice. ZooKeys 801: 481–499.
  6. Umweltbundesamt (UBA). Kellerassel - Aussehen und Vorkommen. Abgerufen von umweltbundesamt.de.
  7. Preisfeld, G. (2025). Der nachhaltige Nützling mit den zwei Atmungsorganen. Bergische Universität Wuppertal.
  8. Riggio, C. Porcellio scaber. Animal Diversity Web, University of Michigan.

Weiterführende Artikel zum Thema

Schädlingsfrei mit Silberkraft

Schädlingsfrei mit gutem Gewissen!

Schädlingsfrei mit Silberkraft

Schädlingsfrei mit gutem Gewissen!
Aus 300+ Bewertungen
Alle Produkte